Ausgabe 
17.8.1899 Erstes Blatt
 
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lische Pfarrstelle zu Ueberau, Dekanat Reinheim, zu über­tragen.

* * Ernannt wurde am 9. August der Gefangenwärter am Landeszuchthause Marienschloß, Karl Langgöns, zum Gefangenaufseher an dieser Anstalt, mit Wirkung vom 25. August 1899 an.

* Das Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm ist gestern nachmittag 4 Uhr mittelst Sonderzügen nach Mainz aus­gerückt, um dort zunächst an dem Brigade-Exerzieren und dann an der Parade vor Seiner Majestät dem Kaiser teilzunehmen. Das Regiment bezieht Quartier in der Kaserne des 88. Regiments, das inzwischen bei Griesheim übt. Auch das 1. Bataillon des 168. Regiments in Butzbach fuhr gestern nachmittag 5 Uhr mit Sonderzug nach Mainz. Die Rückkehr der Truppen erfolgt am 30. August. Die 49. Infanterie-Brigade (Regiment Nr. 115 und 116) haben den Vorzug, vor Beginn der Parade vor dem Kaiser eine Gefechtsübung auszuführen. Die Verpflegung sämtlicher in Mainz eintreffenden Truppen wird das dortige Gouvernement übernehmen. Als ein besonderes Geschenk erhält jeder Soldat, der an der Parade teilnimmt, 50 Pfg. und jeder Unteroffizier 1 Mk.

* * Landwirtschaftlicher Verein für die Provinz Oberhefsen. Unter dem Vorsitz des Herrn Grafen zu Solms-Laubach, Erlaucht, fand gestern im Hotel zumPrinzen Karl" dahier eine Aus schuß sitzung des landw. Vereins für die Pro­vinz Oberhessen statt, der auch der Referent für die Land­wirtschaft im Großh. Ministerium, Herr Ministerialrat Braun beiwohnte. Aus der großen Zahl der Verhandlungs­gegenstände, über welche beraten wurde, wollen wir nur auf einige Hinweisen, die von allgemeinerem Interesse sein dürften. So wurde z. B. die Errichtung einer Ver­mittelungsstelle für An- und Verkauf von Zuchtvieh in der Provinz Oberhessen beschlossen. Dieselbe soll im Anschluß an die Geschäftsstelle des landw. Vereins in Alsfeld ein­gerichtet werden und bezweckt, wie schon ihr Name sagt, die Erleichterung in der Zuchtviehbeschaffung. Die Ver­kaufsvermittelung ist für die Mitglieder der landw. Vereine und Zuchtvereine unentgeltlich. Ein weiterer Gegenstand der Tagesordnung betraf die Fortsetzung der Hutweiden­meliorationen im Vogelsberg. Auf Vorschlag der betr. Kommission sollen in Zukunft diese Meliorationen nicht mehr planlos in den einzelnen Gemeinden ausgeführt werden, sondern es soll als Hauptzweck fest in das Auge gefaßt werden, in den einzelnen Gemeinden aus diesen jetzt sterilen Flächen, Jungviehweiden zu schaffen. Allerdings sollen die in Angriff genommenen Flüchen derjenigen Gemeinden, welche sich schon voriges Jahr zu diesen Meliorationen gemeldet hatten, noch melioriert werden. Der Schwerpunkt soll aber nunmehr auf die Errichtung von Jungviehweiden gelegt werden, und hofft man hierdurch die Bestrebungen zur Hebung der Viehzucht energisch zu unterstützen. Es wurde fernerhin beschlossen, die Prämien für die Ver­sicherung der 19 Bullen auf den Bullenstationen auf die Vereinskaffe zu übernehmen. Zur Verhandlung stand ferner die Frage der Bildung eines Verbandes der Geflügel- zuchtvereine in der Provinz, über welche seinerzeit in dieser Zeitung berichtet wurde. Es wurde beschlossen, diesen Ver­band vom Provinzialverein anzuerkennen, die Bildung des­

selben, wie sie von der Kommission, die seinerzeit hier tagte, vorgeschlagen wurde, zu acceptieren und den Vorsitzenden des Verbandes, Herrn Lehrer Knauß in Heldenbergen als Referent für Geflügelzucht in den Ausschuß des Provinzial­vereins aufzunehmen. Zur Unterstützung für ihre Be­strebungen sollen der Geflügelzuchtvercin Gießen 300 Mk., Friedberg 200 Mk., Lauterbach und Allendorf je 100 Mk. und die Sektionen der landw. Vereine Alsfeld, Büdingen und Schotten ebenfalls je 100 Mk. erhalten. In derselben Sitzung wurden wieder gegen vierzig neue Mitglieder aus­genommen.

* Die Feldartillerie tritt mit dem 1. Oktober ds. Js. einen Uebergang an, der auch teilweise eine Verschiebnng der Standorte mit sich bringt. Das am 1. April l. I. ins Leben gerufene 18. Armeekorps (Frankfurt a. M.) hat die 21. Brigade in Frankfurt a. M., Regiment Nr. 27 in Mainz, 2. Abteilung in Wiesbaden; Regiment Nr. 63 ist in Frankfurt a. M. Die 25. Brigade ist mit beiden Regi­mentern Nr. 25 und 61 in Darmstadt, 2. Abteilung Nr. 61 in Babenhausen. Die 2. Abteilung Nr. 25 hat eine reitende, zwei fahrende Batterien. Das Regiment Nr. 61 heißt 2. Großh. Hessisches. N. H. V.

* * In einem stattlichen Bande liegt jetzt die Festschrift aus Anlaß der 25jährigen Jubelfeier des Verbandes der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften zu Mainz um 29. September 1898 gedruckt vor:Das landwirtschaft­liche Genossenschaftswesen im Großherzogtum Hessen in den Jahren 1873 bis 1898." Die reichhaltige Schrift giebt ein getreues Bild von der wahrhaft großartigen Ent­wickelung, die das Genossenschaftswesen in unserem Groß­herzogtum , bahnbrechend und vorbildlich für das ganze übrige Deutschland, in dem letzten Vierteljahrhundert ge­nommen hat.

* Geburten und Todesfälle im Großherzogtum Hessen. In dem abgelaufenen Jahre sind in dem Großherzogtum Hessen 35,301 Geburten und 21,710 Todesfälle vor­gekommen, mithin übersteigt die Zahl der Geburten die der Todesfälle um 13,591. Auf die Provinzen verteilt kommen auf Starkenburg 16,501 Geburten und 9560 Todesfälle, auf Oberhessen 7904 Geburten und 4901 Todesfälle und auf Rheinhessen 10,896 Geburten und 7249 Todesfälle.

Aus der Zeit für die Zett.

Vor 100 Jahren, am 17. August 1799, wurde zu Stuttgart der ausgezeichnete Staatsrechtslehrer Robert von Mohl geboren. Die Niedersetzung einer Kommission zur Entwerfung eines Allgemeinen Deutschen Handelsgesetz­buches, die Verkündigung der deutschen Wechselordnung, der Grundrechte und der Reichsverfassung waren die haupt­sächlichsten Verdienste seiner amtlichen Thätigkeit. Er starb am 5. November 1875 zu Berlin.

Temperatur der Lahn und Luft ned) Reaumur gemessen am 16. August, zwischen 11 u. 12 Uhr mittag-: Wasser 18°, Luft 22'/,°.

Rübsamen'sche Badeanstalt.

Neueste Meldungen.

Depeschen deS Bureaufcetolb'.

Cassel, 16. August. Im Anschluß an die Kaiser­parade fand nachmittags 3 Uhr eine Galatäfel im Residenzschloß statt, zu welcher außer dem kaiserlichen Ge­folge die Generalität und die Kommandeure der Regi­menter zugezogen wurden, welche bei der Fahnenweihe be­teiligt waren. Außerdem waren geladen die Spitzen der Behörden, Professor Knackfuß und zwei frühere Lehrer des Kaisers, der Gymnasial-Direktor Dr Heuschner und Professor Dr. Kius, die der Kaiser durch Ansprachen auszeichnete.

Magdeburg, 16. August. Der Bäckertag wählte für nächstes Jahr München oder Frankfurt a. M. alsVorort, wenn die Zustände der Vereinigung in Süddeutschland es benötigen.

Gmunden, 16. August. Kaiser Franz Josef traf gestern nachmittag 4 Uhr hier ein und stattete dem König von Dänemark auf dem Schlosse des Herzogs von Cumber­land einen zweistündigen Besuch ab.

Josefsstadt, 16. August. Der in Sportkreisen bekannte Trainleutnant Hoblik wurde auf der Straße von einem tollwütigen Hunde gebissen. Hoblik mußte sich sofort nach Wien in das Pasteur'sche Institut begeben.

Budapest, 16. August. Durch die Unvorsi chtigkeit eines Arztes und eines Apothekers wurde das vier Monate alte Söhnchen des Grafen Szecheny getötet. Der Arzt verschrieb für das Kind eine Medizin zur Einspritzung und Karbolsäure zur Desinfektion. Der Apotheker verwechselte die Etiquette auf den Flaschen und der Arzt benutzte das Karbol zur Einspritzung, nach welcher das Kind unter den fürchterlichsten Schmerzen verstarb. Gegen den Arzt und den Apotheker ist die Untersuchung eingeleitet.

Paris, 16. August. Hier zirkuliert das Gerücht von der bevorstehenden Verhaftung Judets und Beaurepaires.

Paris, 16. August. Das ganze Viertel der Rue Chabrol ist gesperrt. Seit abends werden alle, welche die Antisemiten « Burg verlassen oder betreten , verhaftet. GuSrin wurde von seinen Freunden aufgefordert, sich zu ergeben. Die Nationalisten versuchen erfolglos, die Be­völkerung aufzuhetzen. Die Boulevards und die Vorstädte sind ruhig.

Paris, 16. August. Gestern wurde die Rue Chabrol von Tausenden von Neugierigen besucht, welche das Anti- semiten-Lokal sich ansehen wollen, woselbst Guörin be­lagert wird. Die Antisemiten wurden von der Polizei nicht im geringsten belästigt. Zahlreiche antisemitische Freunde hatten in der Umgebung des Lokals Aufstellung genommen und hielten jeden Vorübergehenden an mit der Aufforderung, den Hut abzuziehen undNieder mit den Juden!" zu rufen. Ein Arbeiter, welcher sich dem widersetzte, wurde mit Stock­hieben mißhandelt.

Warschau, 16. August. Hier ist ein allgemeiner Ar­beiter streik ausgebrochen, der große Dimensionen an­nahm. Die Zahl der Streikenden, welche alle Jndustrieen in Mitleidenschaft zieht, beträgt bereits 20 000. Ruhe­störungen sind bis jetzt nicht vorgekommen.

KWWWWtzl

Verdingung

über die Ausführung von Bauarbeiten zu zwei Stallgebäuden nebst Aborten für die Wärter-Wohnhäuser in ßlm 130,9 4- 67 und 132,5 + 55 (Strecke Cassel Frankfurt). Termin am 30. August 1899, vormittags 10'/2 Uhr, im Arbeitszimmer der Betriebs-Inspektion 1 Gießen. Zeichnungen und Bedingungen können daselbst eingesehen und die Ver­dingungsunterlagen gegen kostenfreie Ein­sendung von 1,50 Mk. von daher be­zogen werden.

Zuschlagsfrist 2 Wochen. 6026

Gießen, den 12. August 1899.

Großherzoalich Hessische Eisenbahn-Betnebs-Jnspektion 1.

1000 abgängige hölzerne Bahn- schwellen, sowie die Weidennutzungen an der Bahnstrecke Klm. 135,6 bis 151,2, Gemarkung Klein-Linden bis Butz­bach, kommen daselbst am Dienstag, dem 22. d. Mts., zur Versteigerung.

Anfang vormittags 8 Uhr bei Posten 73, Gemarkung Klein-Linden.

G'.eßen, den 15. August 1899. 6023

Großh. Eisenbahn-Betriebs-Jnsvektion 1.

Nkljlkiznuß.

Samstag bett 19. August d. I., vormittags, läßt die Aktien- Brauerei Gießen ihre diesjährige

Hrummeternle,

ca. 18 Morgen in Parzellen, versteigern. Zusammenkunft vor­mittags 9 Uhr vor dem Brauerei- gründstück Leihgesternerweg. 6040

VttßeigernnMMigr.

Donnerstag den 17. d. M., nach­mittags 3 Uhr, sollen im Bieker'schen Saale Neustadt dahier Haus- und Küchengeräte aller Art, sowie ein größerer Posten Schuhwaren zwangsweise gegen Bar versteigert werden.

Gießen, 16. August 1899.

6035 Seipel, Gerichtsvollzieher

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SM. Schlachthaus.

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