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Nr. 296 Zweites Matt Samstag den 16 December
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* Vom Kriegsschauplatz.
Die Niederlage Lord Methuens ist sehr schwer gewesen. Jeder neue Bericht über den Kampf weiß neue Verluste der Engländer zu melden, die fürchterlich zusammengeschossen sein müssen.
Ueber die
Niederlage bei Stormberg
ist man in England äußerst ungehalten. So wird gemeldet:
London. 13. Dezember. Man glaubt, daß der gestern vom Kriegsministerium veröffentlichte BerichtGatacres über seine Niederlage bei Stormberg nur ein kleiner Teil der Depesche ist, welche das Kriegsministerium erhalten hat. Die Bemerkung Gatacres in seinem Berichte, daß die Irischen Schätzen und Northumberland Füsiliere nach Sterkstroom geschickt werden, „um sich zu erholen", wird so aufgefaßt, als deute das an, daß Gatacre einen Rückzug nach Sterkstroom oder sogar nach Queenstown für nötig hält. — Nach einer Meldung der „Daily Mail" aus Molleno erwartet man, daß die Buren Molt en o besetzen. Ambulanzen seien auf das Schlachtfeld geschickt, um die Verwundeten zu holen und Geistliche, um die Toten zu beerdigen. Nach einem Bericht des „Cape ArguS" herrschte beim Rückzüge von Stormberg erhebliche Verwirrung. Einmal soll Gatacres Artillerie auf Gatacres eigene Truppen, welche noch nicht aus der Thalfenkung heraus waren, geschossen haben.
Thatsächlich zieht sich jetzt, wie amtlich eingestanden wird, die ganze Armee Gatacres, oder vielleicht ist es richtiger zu sagen, der „Rest" derselben, auf Sterkstroom, sildlich von Molteno, in der Richtung auf Queenstown zurück. Gatacre giebt es also auf, die Buren bei Stormberg noch einmal zu stellen; vielleicht sitzen sie ihm sogar auf den Fersen und sind dabei, ihn nach Queenstown ju treiben und dort einzuschließen. Treffend urteilen die New Aorker Blätter. So wird der Londoner „Daily Mail" von dort unterm 11. Dezember telegraphiert:
„Die Nachricht von General Gatacres Niederlage hat hier größere Sensation hervorgerufen, als irgend rin früheres Kriegsereignis. DieZeitungen bezeichnen sie einmütig als die größte Niederlage der britischen Waffen an irgend einem Kampfe der letzten Zeit und meinen, nun liege ein weiterer Beweis dafür vor, wie sehr die britisch en Gen er äle dieKraft des Fein des unterschätzten. Der Glaube ist allgemein, daß das britische Prestige in Südafrika trotz der Ankunft der britischen Verstärkungen einen schweren Schlag erleiden wird. Die „Sun" sagt: „Die britische Armee muß erst die Angriffstaktik gegen eine ihr gewachsene Streitmacht lernen, die auf eigenem Grunde mit schnellfeuernden Kanonen und Mausergewehren kämpft. Ihre gegenwärtige Methode grenzt an Tollheit." Die „E v e n i n g Post" bemerkt: „Die Niederlage ist mehr demüthigend als gefährlich, da sie die wirkliche militärische Situation nicht beeinflußt. Aber wenn man fortfährt, in dieser lässigen Weise Leute zu verlieren, dann werden die Engländer alle Truppen, die bereits an Ort und Stelle sind, und jene, die sich noch auf der Reise befinden, benötigen, und werden finden, daß eine ziemlich große britische Armee in Prätoria in der Gefangenschaft auf sie wartet." Das „Evening Telegramm" sagt: „Es sieht nun so aus, als ob ein langer und hartnäckiger Krieg bevorstände. Der schließliche Sieg der Briten ist wahrscheinlich (?), dürfte aber nur mit großen Opfern erkauft werden." — Die Meinung ist hier allgemein verbreitet, daß Chamberlains Tage als Staatsmann gezählt sind. Einige Zeitungen besprechen in sehr abfälliger Weise seine jüngsten Reden und seinen Mangel an diplomatischer Geschicklichkeit vor dem Ausbruch des Krieges. Die Amerikaner dürften sich mit Bezug auf die Festigkeit der Stellung Chamberlains täuschen.
Alle Augen sind jetzt auf
Buller
gerichtet. Nur ein wirklich entscheidender Sieg vor Ladysmith könnte die Lage der Engländer günstiger gestalten. Aber es hat nicht den Anschein, daß m Natal die Chancen Englands besser stehen als im Süden und Westen. Auf dem am Dienstag von dem Präsidenten des deutschen Reichstages, Graf Ballestrem, in Berlin veranstalteten „Bierabend" verbreitete sich das Gerücht, Ladysmith sei gefallen. Graf Herbert Bismarck sollte ein dahin lautendes Telegramm erhalten haben. Das Gerücht fand indes nur wenige — und keine unbedingt vertrauenden — Gläubigen. Auch die „Tägl. Rundschau"
Lord Methueu.
Unter den englischen Führern in Südafrika ist in letzter Zeit Lord Methuen durch seinen fast tollkühnen Zug zum Entsätze von Kimberley in den Voidergrund getreten. Es scheint ihm gelungen zu sein, am Modder River geringe Erfolge zu erringen, nun haben ihn die Buren aber vollständig geschlagen, und er befindet sich mit den Trümmern seines Heeres auf der Flucht.
meldet den Fall der Stadt. Eine Bestätigung liegt aber noch nicht vor.
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Loudon, 14. Dezember. Das Kriegs amt hat die Mobilisierung der 6. Division befohlen. Diese Truppen sollen mittelst Schnelldampfern nach Südafrika transportiert werden.
— Nach einer heute eingegangenen Meldung beläuft sich der Gesamtverlust der Engländer in der Schlacht am Montag auf 833 Mann, darunter 15 Offiziere tot, 48 verwundet und 5 vermißt. Ein Offizier ist gefangen genommen Die Brigade Wauchopes hatte in der Schlacht nicht weniger als 656 Mann an Toten und Verwundeten, mir Ausnahme der Offiziere, verloren, sodaß die Brigade vor der Hand kampfunfähig ist.
— Ji^Kapstadt befürchtet man, die Niederlagen der Engländer könnten einen weiteren Abfall der Afrikander zur Folge haben. Ein Burenkolonist hat dem „Daily Mail"-Korrespondenten mitgeteilt, daß die Engländer 6000, die Buren nur 100 Mann verloren hätten.
— In We st-Zululand herrscht große Augst. Aus Furcht, kommandiert zu werden, verbergen sich die Engländer im Busch. Die Frauen werden vom Feinde nicht belästigt Am kommenden Samstag werden hier größere Ereignisse seitens der Buren erwartet, da diese vor 61 Jahren einen großen Zuluchef am genannten Tage unterworfen haben.
— „Daily Mail" zufolge verursacht die Niederlage MethuenS in Newyork große Sensation. Der Krieg wird bereits zur innerpolitischen Frage gemacht. Die Presse hält allgemein die Aussichten des britischen Prestiges in Südafrika für sehr entmutigend. Die demokratischen Führer sprechen offen ihre Sympathie für die südafrikanische Republik aus, und wünschen, die Regierung möge die konsularen Dienste für England zurückziehen. Biele bedeutende Politiker nehmen ebenfalls für die Buren Partei.
— Die Jingoblätter bemühen sich jetzt, einen Angriff auf die Delagoabai durch erfundene Berichte über die Aktivität der Buren daselbst vorzubereiten.
Telegramme des ,,Gießener Anzeiger".
Brüssel, 15. Dezember. Nach hier eingettoffenen Nachrichten ist die Niederlage des Generals Methuen bei Mager- fontein als entscheidende Schlacht zu betrachten. Das Offizier-Korps der Engländer ist nahezu vernichtet, ihr gesamter Verlust beträgt jetzt jedenfalls über 1000 Mann, da die Zahl der Verwundeten 900 übersteigt. Methuen befindet fich bereits auf dem Rückzüge nach de Aar. Die beabfichtigte Operaton des Generals Buller ist nunmehr absolut vereitelt. Kimberley steht schutzlos da. Der Fall Kimberleys wird täglich erwartet, da das Hilfs-Korps des
Generals Warron nicht vor Mitte Januar auf dem Kriegsschauplätze erscheinen kann.
Loudon, 15. Dezember. Bezüglich des Börsengerüchtes von der Entsetzung von Ladysmith ist folgende Meldung der „Times" beachtenswert: Alles war gestern ruhig. Bei Schevelky kamen General Methuens Truppen in Berührung mit dem Feinde, jenseits des Tugela Flusses. Der Feind zog sich mit vielen Wagen zurück, was beweist, daß bis dahin keine entscheidende Schlacht unternommen wurde. Die Besatzung von Ladysmith machte abermals einen Ausfall und zerstörte die Modder-Speuit-Brücke, wodurch sie die Rückfahrt der Verbindung der Buren unterbrach. (Die englischen Berichte melden merkwürdigerweise immer das, was nicht geschah oder was geschehen könnte, nimals aber die wirklichen Thatsachen, d. h. die fortgesetzten gründlichen Niederlagen. D. Red.) AuS der Beschreibung der Schlacht am Modderflusse ist noch anzuführen, daß die Taktik der Buren bewunderungswürdig gewesen sei. Sie ließen die Hochländer-Brigade bis dicht an die Gräben herankommen, bevor sie ein Lebenszeichen gaben. Unter den Truppen des General Cronje befanden sich 4000 Mann von den Belagerungstruppen bei Mafeking. Auch die Verluste der Buren waren sehr schwer. Ein Gefangener „soll" ausgesagt haben, eine Lyddit-Granate habe 70 Mann getötet oder (!) verwundet. Jeder Stein auf dem Bergrücken und jeder Graben wurde beschossen. Zwei Lyddit Granaten platzten direkt über größeren Abteilungen der Buren, die hinter einer Bergkette standen. Am Montag früh hatten die Buren ihre Gräben besetzt. Die englischen Verluste in der Schlacht bei Stormberg betrugen 22 tote Offiziere, ferner wurden vier Offiziere und 76 Mann verwundet. Die allgemeine Stimmung in England drückt die „Pall Mall Gazzette" aus, wenn sie sagt, man müsse Bewunderung haben für die Tapferkeit der Leute.
— Der Kriegsminister erhielt ein Telegramm des Oberbefehlshabers, General Buller, worin dieser folgendes berichtet: General Alfred meldet vom 13. ds. Mts.: Heute morgen 4 Uhr signalisierte man mir den Vormarsch einer feindlichen Kolonne von 1200 Mann, welche sich in die Gegend von Maauport begab. Ich sandte sofort eine Abteilung Kavallerie und eine Batterie Artillerie, damit sich dieselben dem Feinde entgegenstelleu. Die Artillerie brachte die Artillerie des Feindes zum Schweigen und die Kavallerie hielt den Feind auf, der sich in seine alte Stellung zurückzog. Am Nachmittag besetzten die Buren den Pachthof von Kleenfontein, wo wir sie von neuem angriffen. Die Buren zogen sich zurück, nachdem sie 40 Mann als Tote und Verwundete zurückgelassen hatten. Wir hatten einen Toten und sieben Verwundete.
— Die „Times" berichten vom 12. d., 4 Uhr nachmittags aus Perke st room: Unter den gefallenen Engländern befinden sich 4 Offiziere und eine Anzahl Unteroffiziere. Die Buren brachten im ganzen 542 Gefangene, welche nicht verwundet waren, nach Prätoria. Unsere Vorposten brachten keine Mitteilungen über die Bewegungen des Feindes.
— Aus Lorenzo Marquez wird berichtet: Der junge Lord Churchill, Korrespondent der „Morning Post", welcher in Natal gefangen wurde, ist aus Prätoria entflohen. (Das Ausreißen haben die Engländer überhaupt vorzüglich eingeübt.)
— Es wird gemeldet, daß General Gatacre durch den General Warren, welcher in Südafrika angekommen ist, ersetzt werden soll. Man spricht auch von einer Ersetzung Lord Methuens.
— Dem „Globe" zufolge wird die Mobilisierung der 8. Division erwogen. 300 Artilleristen sind von Gibraltar nach Kapstadt abgegangen.
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Eiu ernstes Wort.
Der militärische Mitarbeiter der „Morning Post", der sich stets durch große Nüchternheit des Urteils über den Feldzug ausgezeichnet hat, schreibt in seinem, jeden Morgen der Königin vorliegenden Blatt: Im Angesicht einer Nation in Waffen, einer Nation, die einigestandenermaßen brutal, tapfer, stark und einig ist, haben wir als Sieger bereits die Friedensbedingungen diskutiert und die Beute geteilt. Es ist bedauerlich, daß wir als Volk nicht gethan haben, was, wie wir hoffen, unsere Gewohnheit als Individuen ist, die Ruhmredigkeit dem Manne zu überlassen, der seine Rüstung abnimmt.
Das war die Gewohnheit derer, welche unsere Insel vor uns bewohnten, und wenn wir ihr gutes Beispiel ver-


