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Samstag den 16. September
Erstes Blatt.
Mr. 218
1899
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
Aints- «rrd Anzeig«l»l«rtt fflr bei» Ureis Metzen.
A b n « frei e hr In jeigen zu kr nach«ittaßZ für ke iMgaüni t*g »richnnendm Nummer vir »»rm. 10 Uhr,
HeixgeyreU vierlkljährlich
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Kötter für hessische Dolkskunde. ! w’**'61-
Kmtticher Teil.
Bekanntmachung.
Die Maul- und Klauenseuche unter dem Rindvieh der Karl Adam Biek Wwe. zu Bottenhorn, Kreis Biedenkopf, ist erloschen.
Die Gehöftesperre ist aufgehoben worden.
In einem Gehöfte zu Ebsdorf, Kreis Marburg, ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt und Ortssperre angeordnet worden.
Die Maul- und Klauenseuche in Griedelbach und Kinzenbach, Kreis Wetzlar, ist erloschen und sind alle Sperrmaßregeln in diesen Gemeinden aufgehoben.
Nachdem unter dem Viehbestand zu Ulrichstein die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden ist, ist Lber die verseuchte Gemarkung mit Ausnahme des Selgen- hofes die Sperre angeordnet worden.
Gießen, den 13. September 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.: vr. Wagner.______________
Bekanntmachung.
Wegen der in 13 ländlichen Ortschaften und in der Stadt Wetzlar herrschenden Maul- und Klauenseuche und da die Seuche in den angrenzenden Nachbarkreisen in gefahrdrohender Weise besteht und noch weiter um sich greift, sehe ich mich genötigt, den auf den 21. September d. I. in Leu« anstehenden Viehmarkt hiermit äufzuheben.
Wetzlar, den 11. September 1899.
Der König!. Laudrat: ___________________I. V.: Roth.__________________
Verlosung
Großhttjoglich Hkffischtt MatsschuldvttschttibunM für 1899/1900.
In Gemäßheit der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen sind folgende Staatsschuldverschreibungen auf den 31. De- zemöer 1899 zur Rückzahlung berufen worden:
Die verlosten 4projcutigea StaatsrelltkN'Gbllgaliolltll: a. von 1879:
Lit.
H
H
A. Nr. 1767 bis „ „ 2055 „ m n 2349 „
B. „ 845 „
1772
2060
2354
über je 1000 Mk.,
856 über je 500 Mk.;
1881:
über je 2000 Mk.,
über je 1000 Mk.
Wir setzen die Inhaber dieser Staatsschuldverschreibungen hiervon mit der Aufforderung in Kenntnis, die Nominalbeträge derselben zwischen dem 22. und 31. Dezember 1899 gegen Rückgabe der Obligationen und der zugehörigen, nicht mehr zahlbaren Zinscoupons und Talons bei Groß- herzoglicher Kauptstaatskafie dahier oder für deren Rechnung bei dem Aankhause W. A. von Hlothschild und Söhne zu Jrankfurt a. W. um so gewisser zu erheben, als dieselben in Gemäßheit des Art. 3 des Gesetzes vom 16. Juli 1833 vom 1. Januar 1900 nicht mehr verzinst werden und infolge davon die nach dem Rückzahlungstermin noch eingelöst werdenden Zinscoupons von den bereits verlosten Obligationen an dem Kapitalbetrag dieser Obligationen selbst in Abzug gebracht werden.
Von den bereits früher verlosten und gekündigten Hroßherzogtich «Hessischen Staatsschutdverschreivunge« sind noch rückständig:
1. Nm btn Z'/sproWtiM StmtsstrchknbM-MigatiMN: Aus der Werlosuug pro 1. Januar 1879:
Lit. A. Nr. 1483 und 1519 vom 1. April 1838 über je 100 fl.
2. Don den 4pro;eutigen alteren Eisenbahn-Obligationen: Aus der Kündigung pro 1. Juni 1880:
Nr. 9091 vom 1. Juli 1846 über 500 fl.
3. Don den 4pro)entigeu StaatsreuteuHbligatjouen von 1879:
Aus der Werlosung pro 1. Januar 1898:
Lit. A. Nr. 2271 über 1000 Mk.
Aus der Verlosung pro 1. Januar 1899: Lit. A. Nr. 2594 über 1000 Mk.
4. Non den 4prozentigen Staatsrentell-Gbligationev von 1881:
Aus der Verlosung pro 1. Januar 1899:
Nr. 223 bis 225 über je 2000 Mk.,
„ 1436 über 1000 Mk.,
„ 2393 bis 2395, 2397 über je 500 Mk.
b. von
Nr. 13 bis 15 )
.. H8 „ 120
„ 370 „ 372 j
412 . 414
„ 1H7 „ H22
„ 1153 „ 1158
„ 1669 „ 1674
„ 799 „ 801
5. Aon den 4proj. zaudeskulturrenten-Obllgalionen von 1880: Aus der Verlosung pro 1. April 1898:
Nr. 671 über 1000 Mk.,
„ 1196 über 500 Mk.,
„ 1649, 1650 über je 200 Mk. ■
Aus der Verlosung pro 1. Gütover 1898:
Nr. 611 über 1000 Mk., „ 1204 über 500 Mk.
Aus der Verlosung pro 1. Gütoöer 1899:
Nr. 92 bis 94 über je 2000 Mk., „ 678 bis 683 über je 1000 Mk.
Außerdem find mit Jahlungssperre belegt morde«:
1. Die Zi^prozentige Schuldverschreibung der Nebenbahn- Anleihe vom 24. Juni 1893 Serie I Nr. 2883 über 500 Mk. nebst zugehörigen Zinsscheinen vom 1. April 1895 an und Zinsscheinanweisung, welche durch gerichtliches Urteil für kraftlos erklärt worden sind.
2. Die 3i/zprozentige, früher 4prozentige Eisenbahn-Obligation vom 1. Juni 1876 Nr. 19223 über 500 Mk. nebst Zinsscheinen und Zinsscheinanweisung.
3. Die 3prozentige Schuldverschreibung der Staatsanleihe vom 3. Oktober 1896; Serie 1855 Nr. 38706 über 1000 Mk. nebst Zinsscheinen und Zinsscheinanweisung.
4. Von der gleichen Anleihe die Stücke Serie 3197 Nr. 155381, 155382, 155385 und Serie 3250 Nr. 166084 über je 300 Mk., Serie 3319 Nr. 183423 bis 183426 über je 200 Mk. nebst Zinsscheinen und Zinsscheinanweisungen.
5. Die 3i/z prozentigen, früher 4prozentigen Eisenbahn- Obligationen vom 1. Juni 1876 Nr. 77855, 77856 und 83341 über je 200 Mk. nebst Zinsscheinen und Zinsscheinanweisungen.
6. Die 31/,prozentigen, früher 4prozentigen Eisenbahn- Obligationen vom 1. Juni 1876 Nr. 14976 über 1000 Mk., Nr. 19772 und 19773 über je 500 Mk., Nr. 60248, 64862 bis 64866, 65736, 70977 bis 70980 und 78330 über je 200 Mk., und zwar nur die Schuldverschreibungen selbst, während die zugehörigen Zinsscheine zahlbar sind.
Darmstadt, den 22. August 1899..
Croßherjoglich Hestsche Ktaatsscholden-Ittwaltusg.
In Vertretung:
Schäfer. Dr. Goldman«. Woellinger.
Feuilleton.
Mitarbeiter für die Lesehalle!
„Die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus" — das heißt: das Haus dehnt sich nicht, aber das, was darin ist , was zu immer größeren Massen darin aufgestapelt wird: die Arbeit, die unerledigte Arbeit.
Wir wollen garnicht verhehlen, daß die Lesehalle stellenweise noch zu bloßen schnöden Unierhaltungszwecken gemißbraucht wird; — das kann kaum anders sein, aber wir freuen uns, daß wir dabei auch den Zuspruch so vieler solcher Leute haben, die um höherer Interessen willen zu uns kommen, — die freilich leider oft noch nicht das finden, was sie suchen.
Deshalb ist es uns eine Genugthuung, daß wir immer mehr Arbeit in der Lesehalle sich aufhäufen sehen, und daß immer höhere Ansprüche an unsere Verwaltungsthätigkeit gestellt werden: Wir merken, daß die Idee von einer Lesehalle, als einer Bildungsstätte modernen Geistes, d. h. eines Geistes, der den Anforderungen der Gegenwart gewachsen ist, von vielen Leuten verstanden worden ist, und daß ss von vielen sehr bedauert werden würde, wenn das Untermehmen nicht im Geiste rastlosen Fortschritts weitergeführt voerden könnte.
Daß es dem Unternehmen an Geldmitteln fehlt, ist eine stehende Klage seit einem Jahre, und da sie uns »on Herzen kommt, so müsien wir sie wieder und immer wieder anstimmen. Vielleicht entspringt auch in oder für Vießen einmal die Goldquelle, die ihre Richtung auf die Lesehalle zu nimmt. Der Gedanke, daß die Lesehalle über «lle Parteiung hinweg eine rein menschheitliche Gesinnung erzeugen und fördern will, der wird wohl auch
einmal im harten Metall Wärme und Mitgefühl Hervorrufen. — Das ist aber nicht das Einzige, was uns fehlt. Es fehlen uns auch Arbeitskräfte. Die Arbeit wird für den Bibliothekar als einzigen Arbeiter allmählich zu bunt, zu vielerlei, daher unharmonisch. Es muß eine Teilung der Arbeit ermöglicht werden. Unser Idealbild von der Verwaltung der Lesehalle wäre dieses: 1) Der Bibliothekar. Eine allseitig gebildete, möglichst vorurteilsfreie und unparteiische, höfliche und energische Persönlichkeit. Er besorgt regelmäßig die Bücherausgabe an den öffentlichen Tagen, sowie die Bücheranschaffungen und sonstigen Anschaffungen, und hat die Aufsicht über Bibliothek und Lesehalle. 2) Der Bureaubeamte. Er hat sämtliche Schreibarbeiten zu versehen, höhere wie niedere: Statistik der Ausleihen, Katalogisierung, Verkehr mit den Buchbindern, Mahnungsschreiben, Verzeichnisse führen, Sig- naturenschreiben Er hat die Bücher der Bibliothek, sowie die Zeitungen im Lesesaal in Ordnung und in anständiger Verfassung zu halten. Außerdem hat er in den Ausleihestunden dem Bibliothekar zu assistieren. Bei größerem Betriebe muß dieses Amt unter zwei Beamte geteilt werden, sodaß der eine die Kataloge und Statistiken, der andere die bloßen Abschreibearbeiten besorgt. 3) Der Diener. Er hat für reichliche Reinigung, Beleuchtung und Heizung, sowie pünktliche Oeffnung und Schließung der Lokale zu sorgen, sämtliche Gänge zu gehen, Packereien und kleinere Bücherreparaturen (Festkleben von losen Blättern und Etiketten) auszuführen. Selbstverständlich muß auch er dazu pekuniär so gestellt sein, daß der Dienst in der Lesehalle sein Hauptberuf oder gar sein einziger Beruf ist. Rechnet man zu den hierfür nötigen Gehalten etwa 1000 Mk. jährlich für Bücheranschaffungen, ebensoviel für Buchbinder- arbeitcn, so kommt man schließlich auf eine Jahresausgabe von 6000 Mk. ohne die Kosten für Lokale und deren
Unterhaltung, Beleuchtang und Heizung, — eine Summe, die sich natürlich bei richtigem Gang der Geschäfte tieit Jahr zu Jahr noch — wenn auch nur wenig — erhöhen muß.
Das alles sind Zukunftsträume, und da diese Zukunft noch nicht da ist und einstweilen auch gar nicht in Aussicht steht, so müssen wir uns anders behelfen, um die Lesehalle wenigstens einigermaßen in stand zu halten, — und das kann geschehen durch freiwillige Arbeitsleistungen der besonderen Freunde des Lesehallengedankens. In manchen Städten werden dem Bibliothekar größere Schulkinder zur Hilfe beigegeben; ich kann weder Ja noch Nein dazu sagen, jedenfalls müssen, die uns Helfer sein wollen, solche Leute sein, die genau zu lesen und zu schreiben gewohnt sind, die aus Liebe zur Sache arbeiten, die darum gern nach den Angaben des Bibliothekars arbeiten und dafür keine andere Entschädigung beanspruchen, als die, daß sie eben dann und wann auch außerhalb der Ausleihestunden einmal ein Buch — unter Beobachtung der Benutzungsbestimmungen der Bibliothek — entleihen können.
Die Arbeiten, um die sichs handelt, sind einfacher Art: Verzeichnisse führen, Stempeln und Signieren der neugebundenen Bücher, Zeitschriften ordnen und ähnliches. Der Bibliothekar versichert hierbei allen Lesern, daß seine einzige wirklich unangenehme Arbeit die ist, Mahnzettel zu schreiben oder gar die Hilfe der Polizei zur Wiedererlangung von Büchern in Anspruch nehmen zu müssen, was leider im verflossenen Jahre ein paarmal notwendig gewesen ist.
Wir haben also noch den schönen Traum, daß es Leute geben könnte, vielleicht auch in unserem Leserkreise, die geneigt wären, einen Beitrag zur Lesehalle in der Form von Hilfsarbeiten zu spenden, und wir möchte«


