sind gut geraten. Sie finden sich wohl im Felde an der Hecke, aber doch auch wiederum am meisten im Walde. Hoffentlich wird das Brombeersuchen nicht verboten, denn wo die Brombeere ein Gestrüpp bildet, da kann von junger Heege wohl nicht mehr die Rede sein.
W. Aus Watzenborn Steinberg, 14. August. Ein herrliches Fest war es, das am vorigen Sonntage „im schönsten Wiesengrunde" inmitten der Doppelgemeinde Watzenborn- Steinberg gefeiert wurde. Der hiesige Kriegerverein be* ging sein 25 jähriges Stiftungsfest, da er am 16. August 1874 ins Leben trat. Mit Fug und Recht mußte ein solcher Tag einen festlichen Rahmen erhalten. Unser Kriegerverein mit seinen 130 ordentlichen Mitgliedern dürfte einer der stärksten sein, die sich in hessischen Dorfschaften überhaupt finden. Eine ganze Anzahl auswärtiger Kriegervereine war herbeigeeilt, um den Jubilar an seinem Ehrentage zu begrüßen und das Fest zu verschönern. Es war denn auch ein imposanter Festzug, der sich nachmittags gegen 3 Uhr durch die Straßen der weitläufig angelegten Gemeinden Watzenborn-Steinberg bewegte. Auf dem Festplatz — der bekannten Festwiese zwischen Watzenborn und Steinberg — angekommen, begrüßte der wackere Präsident, Herr Jos. Eberhardt Leicht die zahlreiche Versammlung, besonders der auswärtigen Vereine. Die Festrede, die sich über Gründung, Entwicklung, Aufgabe und Zukunft des Vereins verbreitete, hielt der Ortsgeistliche, Pfarrer Sommerlad, Ehrenmitglied des Kriegerve'reins. Er hob treffend hervor, daß der Jubilar noch nicht altersschwach sei, sondern auf der Höhe seiner Kraft und Leistungsfähigkeit stehe. Eine besondere Ehrung erfuhren drei Vorstandsmitglieder, die seit Gründung des Vereins ununterbrochen dem Vorstand angehörten, und ihm große und treue Dienste leisteten. Es sind dies 1. Herr Joh. Eberhard Leicht, der allezeit rührige und unermüdliche Präsident des Vereins, der sich keine Mühe verdrießen läßt, wo es gilt, für das Blühen und Gedeihen des Vereins zu wirken. 2. Herr Johs. Harnisch V. Veteran aus 1866 und 1870/71. 3. Herr Jakob Sommer II., ebenfalls Veteran aus den Jahren 1866 und 1870/71. Diesen drei Herren wurden vom Redner im Auftrage des Vorstandes der „Hassia" kunstvoll ausgeführte Diplome überreicht, worin ihre Verdienste um den Verein anerkannt wurden. Bei prachtvollem Wetter verlief der Festtag in harmonisch-schöner Weise, und wir glauben, nicht zu viel zu behaupten, wenn wir sagen: Jeder Festteilnehmer kehrte heim, wie der Berichterstatter, mit dem befriedigenden Gefühle: „Es ist schön gewesen".
Alsfeld, 10. August. Bei den Bauarbeiten für das hiesige neue Steueramtsgebäude, dessen Herstellung seit einiger Zeit in Angriff genommen worden ist, ereignete sich heute ein beklagenswerter Unglücksfall. Der hiesige Taglöhner Wagner, der sich mit anderen am Heben eines schweren Steinblocks beteiligte, muß seinen Kräften dabei zuviel zugemutet haben. Er sank infolge Ueberanstrengung plötzlich zu Boden. Beim Trinken von Wasser, das dem Erschöpften gereicht wurde, drang Blut hervor. Von den Kameraden in seine Wohnung gebracht, verstarb der Bedauernswerte — vermutlich an den Folgen einer inneren Verletzung — etwa eine Stunde später. (Oberh. Ztg.)
x Unter-Seibertenrod, 14. August. Unsere Mitteilung von der hiesigen Bürgermeisterwahl bedarf der Berichtigung. Nicht unser verdienter seitheriger Bürgermeister, der sein Amt nach 29 jähriger Verwaltung niedergelegt, ist wiedergewählt worden, sondern an seiner statt sein Sohn. Dessen einstimmige Wahl zeigt aber gleichwohl die Wertschätzung der Verdienste des Vaters.
n. Altenstadt, 14. August. Unter regster Beteiligung der gesamten Einwohnerschaft, die schon im Fahnenschmuck der Häuser lebhaften äußeren Ausdruck fand, feierte heute unser Kriegerverein sein 25jähriges Stiftungsfest, mit dem das diesjährige Vereinsfest des Bezirks Altenstadt verbunden war. Kurz nach 1 Uhr mittags traten die Vereine an und sammelten sich vor der mitten im Ort errichteten Festtribüne, von der herunter der langjährige Präsident des Jubelvereins, Herr Uhrmacher Wagner, herzlichste Begrüßungsworte an sie richtete. Herr Pfarrer Uhrig von hier hielt dann die Festrede. Die Frauen und Jungfrauen Altenstadts ließen nun mit freundlichen Widmungsworten durch Fräulein Peppler eine Fahnenschleife überreichen, für die der Präsident lebhaften Dank spendete. Sodann überreichte dieser namens des Vorstandes vom Hassiaverband den Mitgliedern, die unserm Kriegerverein seit seiner Gründung angehören, Diplome. Ein solches Diplom erhielt auch der Präsident, Herr Wagner, der 25 Jahre dem Vorstand angehört und schon 23 Jahre das Präsidium inne hat. Nach dieser Ueberreichung setzte sich dann der stattliche Festzug, von Festreitern und Radfahrern auf schön
geschmückten Rädern geführt, nach dem Festplatz in Bewegung, der, im Wiesengrund des anmutigen Nidderthals gelegen, einen herrlichen Blick auf die malerisch gelegenen Orte der Umgebung und die mit prachtvollen Wäldern gekrönten, das Thal umsäumenden Hügel bot. Hier entwickelte sich bald das lebhafte heitere Treiben, das diesen Festen eigen ist.
Aus -er Zeit für -ie Zett.
Vor 200 Jahren, am 16. August 1699, starb zu Berlin Fr. Rud. Ludw. Frhr. von Canitz, dessen Gedichte reine und fließende Sprache zeigen. Wenn sie auch ohne höheren dichterischen Wert, so sind sie doch frei von der damals herrschenden Manier Hoffmannswaldaus. Sein berühmtes Trauerlied auf den Tod seiner Gattin atmet wahres Gefühl. Er wurde am 27. November 1654 zu Berlin geboren.
Kttteratur, Wissenschaft und Kunst.
— Emile ZolaS neuer Roman „Fruchtbarkeit" hat kürzlich in »Aus fremden Zungen", der Stuttgarter Zeitschrift für die moderne Eizähtungstitleratur des Auslands, in deutscher Hebers setzung zu erscheinen begonnen. Der Roman dreht sich um ein tiefernstes Hebel, an dem die sranzöstsche Nation krankt: die Entvölkerung und die ihr zugrunde liegende Genußsucht und Sittenlosigkeit. Diesem ebenso gewaltigen wie heiklen Stoff eine epische Form zu geben, bedurste eS einer Meisterhand und einer Titanenkraft, wie sie unter allen lebenden Dichtern nur Zola besitzt. Mit der ganzen ihm eigenen Kühnheit, die keine Scheu und keine Schönfärberei kennt, deckt der große Naturalist die im modernen Paris herrschende und auch schon aus die Provinz übergreifende Entsittlichung auf; aber er zeigt und preist auch das Heilmittel für alle diese Schäden: die Rückkehr zu einer natürlichen Lebensweise, und flieht so aufs neue den liefen sittlichen Ernst kund, den er in der Dreyfus Affaire in unvergeßlicher Weise vor den Augen der ganzen Welt bewiesen hat.
Temperatur der Lahn und Luft
nach Reaumur gemesien am 15. August, zwischen 11 u. 12 Hhr mittags:
Wasser 18°, Luft 22°.
Rübsamen'sche Badeanstalt.
Verkehr, Kand und UolksVirtschast.
Gießen, 15. August. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. X 1.10—1.20, Hühnereier per St. 7—0 2 St. 14—15 Enteneier 1 St. 7—8 Gänse«
eier per St. 10—11 H, Käse 2 St. 5—8 H, Käsematte per St. 3 Erbsen per Liter 20 Linsen per Liter 32 Tauben per Paar
X 0.65—0.80, Hühner per St. X 0.90—1.00, Hahnen per Stück X 0.60—0.90, Enten per St. JL 1.80—2.40, Gänse per Pfund X 0.00—0.00, Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 H, Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 62—64 H, Schweinefleisch per Pfd. 60—72 Schweine» fleisch, gesalzen, per Pfd. 76 -A, Kalbfleisch per Pfd. 60—66 Hammelfleisch per Pfd. 50—70 H, Kartoffeln per 100 Kilo 4.00 bis 9.00 X, Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Ctr. X 7.00—8.00, Milch per Liter 16 H.
Dauer der Marktzeit von 7 Uhr morgens bis 1 Uhr nachmittags. Während der ersten 3 Stunden der Marktzeit darf im Umherziehen nicht feilgeboten werden.
Neueste Meldungen.
Depeschen deS Bureau „Herold".
Berlin, 15. August. Der Kaifer ist gestern abend um 6 Uhr von Arolsen wieder in Wilhelmshöhe einge- tr off en.
Berlin, 15. August. Der große Kreuzer „Hansa" wird heute seine Ausreise nach Ostasien antreten, um dort zum Kreuzergeschwader zu stoßen. Der Kreuzer wird Beirut anlaufen und dort 5 Tage vor Anker gehen. Dieses Anlaufen steht mit der vorjährigen Palästina-Reise des Kaiserpaares in Verbindung.
Wien, 15. August. Der verhaftete Ober-Revident des Eisenbahn-Ministeriums, von Mosetig, ist geständig, im Februar an den pensionierten Staatsbahnbeamten von Przyborowski die Kopie des Truppen-Beförderungs-Planes der Staatsbahn ausgeliefert zu haben. Der letztere versprach dem Ober-Revidenten 200 Gulden, verschwand jedoch, ohne einen Heller bezahlt zu haben. Der Ober-Revident ist verheiratet und sehr verschuldet.
Rennes, 15. August. In dem Gehölz von Couesmes, vier Kilometer vom Thatorte entfernt, wurde einJndividuum verhaftet, welches des Attentats an Labori dringend verdächtig ist. Ferner nahm ein Polizei-Kommissar auf dem Bahnhofe von Lemans einen Marine-Maschinisten namens Gallain fest, der aus Rennes kam und nach Havre reisen wollte. Sein Signalement stimmt ebenfalls mit dem des Attentäters überein.
Rennes, 15. August. Die Briefe, welche Labori nach dem Attentate gestohlen wurden, sollen bedeutungslos sein. Die Polizei glaubt, daß Labori einem regelrechten Komplott zum Opfer gefallen ist. Einem Gerücht zufolge sollten
gleichzeitig hier und in Paris die Führer der Dreyfus- Partei ermordet werden. Dieses Gerücht erscheint übertrieben.
Rennes, 15. August. Das Besinden Laboris war gestern abend schwankend. Er war nicht ganz fieberfrei, aber bei voller Besinnung. Indessen steht nicht fest, ob die Kugel nicht doch die Lunge verletzt hat. Genaueres erwartet man von der Untersuchung mit Röntgen-Strahlen, wozu ein Spezialist aus Paris berufen ist. Ob und wann Labori seine Thätigkeit als Verteidiger im Dreyfus-Prozeß wieder aufnehmen kann, steht dahin. Die Eltern Laboris sind hier angekommen. Alle Minister ersuchten telegraphisch um Bericht über das Befinden Laboris, welchen nachmittags auch Frau Dreyfus besuchte. Diese brachte einen Brief ihres Mannes. Dieser Brief war der einzige, welchen Labori las.
Rennes, 15. August. Nach der gestrigen Sitzung des Kriegsgerichts wurde der Redakteur Judet vom „Petit Journal" beim Ausgang mit dem Rufe A bas empfangen und von Arbeitern verfolgt, weil er behauptet hatte, das Attentat sei ein Koup des Dreyfus-Syndikats. Judet mußte in ein Haus flüchten.
Rennes, 15. August. Der Schuß auf Labori wurde aus einer Entfernung von 6 Metern abgegeben. Der Attentäter stand hinter einer Gaslaterne, als er auf sein Opfer zielte. Er wird als ein bartloser, 25jähriger Bursche beschrieben, von spanischem Typus. Als Demange von der gestrigen Sitzung heimkehrte, traf er Labori bei klarem Bewußtsein und ließ sich von dem Verlauf der Sitzung erzählen. Die Aerzte glauben, daß nach achttägigem Krankenlager, wenn keine Komplikationen eintreten, Laboris Herstellung zu erwarten sei.
Rennes, 15. August. In den Kreisen der Bürgerschaft wird ein Aufruf des Maire, welchen auch sein Adjunkt Le Herisse, der bekannte nationalistische Deputierte unterfertigt hat, auf das beifälligste ausgenommen. Ein Vorschlag wurde gemacht, die Bürgerschaft und die gesamte französische wie die fremde Presse sollten vor Laboris Wohnhause defilieren, doch wurde die Ausführung dieses Vorschlages einem späteren Zeitpunkte Vorbehalten. Den Soldaten, welche Labori gestern morgen von der Straße empor hoben, sagte er: Ich danke Euch brave Kameraden. Wenn euch jemand sagt, daß ich ein schlechter Franzose sei, so glaubt ihm nicht. Ihr werdet eines Tages verstehen, daß für Recht und Wahrheit kämpfen, Frankreich dienen heißt. Frau Labori wird, wenn es unbedingt sein muß, ihren Gatten darauf vorbereiten, daß er von der Verteidigung Dreyfus auf ärztliche Anordnung abstehen müsse. In Voraussicht dieser Eventualität denkt man an Albert. Alles hängt ab von der Möglichkeit eines chirurgischen Eingriffes._____________________________
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Cementröhrenlieferung.
Die Lieferung der zum Bau mehrerer Straßenkanäle erforderlichen Cemeutrohre soll im Wege schriftlichen Angebots
Dienstag den 22. August d. I., vormittags 11 Mr,
im Amtszimmer des Unterzeichneten vergeben werden.
vormittags 11 Uhr, bei
dem
Voranschlag und Bedingungen zur
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Es sind erforderlich für die Straße:
Lollar—Friedelhausen . . 9 Stück gerade und 2 Kopfstücke, 0,30 m weit.
Großen-Buseck—Reiskirchen 7*/z
Gießen—Rödgen . . . IO1/» M
Angebote find bis zum 22. d. Unterzeichneten einzureichen, woselbst
Einsicht offen liegen.
5981
Gießen, den 12. August 1899.
Der Großherzogliche Kreisbauinspektor.
Stahl.
Verdingung.
Die zum Ausbau der Straße Q—Ql, zwischen Riegelpfad und Liebigstraße, erforderlichen Erd- und Planierarbeiten, Maurer-, Pflaster- und Chauffierarbeiten, sowie die Stein- zeug-Lieferung sollen
Samstag den 26. d. Mts.,
vormittags 11 Uhr, öffentlich verdungen werden.
Plan, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen bei uns auf Zimmer Nr. 7 zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Termin ein- zuretchen.
Gießen, den 15. August 1899.
Das Stadtbauamt.
Schmandt. 6007
Verdingung.
Die zum Ausbau der Liebigstraße , zwischen Ebelstraße und Straße Q—Ql, erforderlichen Erd- und Planierarbeiten,Maurer-,Pflaster- und Chauffierarbeiten sollen
Samstag den 26. d. Mts.,
vormittags 11 Vs Uhr, öffentlich verdungen werden.
Plan, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen zur Einsicht bei uns auf Zimmer Nr. 7 offen. Angebote auf Vordruck, der dort erhältlich, find bis zum genannten Termine einzureichen.
Gießen, den 15. August 1899.
Das Stadtbauamt.
Schmandt. 6008
Submission.
Von der unterzeichneten Direktion soll im Wege öffentlicher Submission eine noch gut erhaltene Patroneu- drehbauk für Feinmechanik verkauft werden.
Diejelbe steht nachmittags zwischen 3 und 5 Uhr in der Klinik zur Ansicht frei.
Offerten mit Preis rngabe sind versiegelt bis zum 17. August 1899, vormittags 11 Uhr, auf dem Vrr- waltungsdureau einzureichen.
Der Zuschlag erfolgt bis 21. August 1899.
Gießen, am 12. August 1899. Großh. Direktion
der psychiatrischen Klinik.
Sommer. 5985


