Ausgabe 
16.7.1899 Zweites Blatt
 
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Sonntag den 18. Juli

Ztweites Blatt

Nr. 165

Vie Gießener

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Gießener Anzeiger

General -Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Arei* Giefzen

Ipnebmc Anzeigen zu der nachmittag- für dm j»tßmdm L»§ erscheinenden Nummer di- vor». 10 Uhr.

versetzt worden durch das Ableben des Großfürsten-Thron-

Deutsches Wich.

\ Die

Rebellion, Expedition nnd Druckerei: ^chnkstrntze Kr. 7.

Unn wann de Himmel.all sei Schließe Aach noch so weit geöffend hält!

Doch wäi viel weiße Unnerröckcher Elend gegange sein ze Grund, Unn wäi viel Stiwwel, Schuh unn Sockcher Im Dreck da käme uff de Hund, Unn wäi viel Hietcher, wäi viel Strlmbcher Warn all dem Unnergang geweiht! Aus wäi viel Keep geworde Limbcher Verschweigt des Sengersch Heflichkeid!

Unn trotz dem misserawel nasse Unn kahle Wetter war de Dorscht Vorhanne in so große Masse, De Giesser is deß ewe Worscht! Da mags grad regne oder schneie Unn kahld sei oder Sonneschei, Ob se sich ärjere oder freue: De Dorscht, der bleibt de Giesser treu!

Unn Reje, nix als Rejewetter, Bahl braacht merr Feuer in de Stubb! Merr sehnt sich nach de Fedderbetter, Unn's fror ahm, wäi en Jiddebubb. Vor Kält hott alles sich geschiddelt, Kan Mensch veriwewlt ahm das net Doch am Programm Word net geribbelt, Es blieb bebbei von A bis Z.

De ©enger sinn in ehre Kehle Die Teen noch lang net eigefrorn; Die Torner bhate sich aach quele Firsch Fest, das iss'en aageborn. Se bhate all ehr bestes leiste Unn hawe sehr des Fest verscheent, Das hott des Bubligum am merste Mit allem Bech schee ausgesehnt.

Selbst Fräulein Paulus fuhr gen Himmel, Um eizelege e gut Word:

Mit Rücksicht uff des Festgebimmel Die Rejewolke mißte fort.

Säi kam net ehnb:r wibber riinner, Bis se die brieflich Zusag halt: Es geb bahl Zeiche noch unn Wunner Uuff's Schitzefest in unsre Stadt!

Da kam de Samstag dann gegange; Grau war de Himmel wäi vorher. Merr freegt zum Himmel voll Verlange: Ob's Wetter heut dann koscher wer? Unn guck, wäi sich die Kinnerreihe Zum Jugenfest hunn uffgestellt, Verrisse is de Wolkeschleier, Voll Sonneschei lacht etz die Welt!

So dhut sich's Heern! So mußt's ja komme!

De Kinner heert de Sonneschei! Ganz Giesse hott de Weg genomme Zum Jugenfest, zum Festblatznei. Unn Jung unn Ahld hott voll Vergmege Ergetzt sich an dem Sang unn Klang, Genosse word in volle Ziege;

Kaam Mensche Word die Zeid ze lang.

Dorch Kinnerlust evorgerufe, Verließ uns net de Sonneschei, Unn waß mit Mih die Schitze schüfe, Kam voll zur Geldung hinnedrei. Die Sonn' Hotts weider so gedriwme. . . Filsch Fest en wirdige Beschluß! Wer doch de Schitze aach gebliwwe Zum gude End' en Jwwerschußü

Udrefle für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher Nr. 51.

Von der internationalen Friedenskonferenz im Haag bleibt zu berichten, daß die Schlußsitzung am 28. d. M. stattfindet.

Gratisbeilagen^Gießener Lamilienblätter, Der hessische Landwirt, Blätter für hessische Dockskunde. ______

folgers Georg. r------ « , - . , ~

unwesentlich, da an einen Regierungsantritt des nunmehr Ver- florbenen wohl niemand gedacht hat; denn die Hoffnung auf Wiederherstellung des Großfürsten war schon lange aufgegeben worden. Der jetzige Thronfolger Michael Alexandrowitsch ist noch zu wenig hervorgetreten, als daß man über sein | politisches Glaubensbekenntnis schon ein Urteil fällen konnte. Ueberdies behält er seinen Rang ja nur so lange, bis dem Zarenpaare ein Sohn geboren wird.

Die Begegnung des deutschen Kaisers mit den Ver­tretern der französischen Marine in Bergen wird noch immer lebhaft kommentiert. Daß das Ereignis zu den freiesten Kombinationen Anlaß geben würde, war voraus- rusehen; man thut indes gut, dasselbe zwar als eine erfreu­liche Begebenheit zu betrachten, die die guten Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich zu festigen beitragen wird, alle weitergehenden Mitteilungen jedoch in das Reich der Phantasie zu verweisen. Wie weit die letztere geht, dafür nur ein Beispiel: Unser Reichskanzler Fürst Hohen­lohe weilte dieser Tage in Paris, wo am Freitag das Nationalfest mit obligater Truppenrevue gefeiert wurde. Bei dieser sollten nach Meldungen einer großen Anzahl Blätter dem Reichskanzler besondere Ehrungen zugedacht worden sein, über deren Natur jedoch noch heftige Meinungs­verschiedenheiten herrschten. Das Ende vom Liede war, wie vorauszusehen, daß Fürst Hohenlohe schon vor dem Nationalfeste Paris verlaffen hat, und am Donnerstag m

Feuilleton, xkucht-frehlich« Nikläug rum Giesser Schitzefest. Bon Carl Geißler.

De Festesjuwel is verklunge, De letzte Bichseschuß verhallt; Es werd net mehr gespielt, gesunge, Still ruht de Filesofewald. Nix is vom ganze Glanz gebliwe, Der sich entfalt hott Dag fer Dag, Doch uff so Festdäg, volle siewe, Da folgt en große Kater nach!

Wer hätt dann deß sich bräume lasse, Daß merr so Wetter kreg uff's Fest? So schlächte Festbäg unn so nasse Stritt nett bes schlächste Gickelsnest. Jupiter Pluvius ließ fließe De Reje stromweis unn wäi boll, Da wersch e Wunner, wann ba Giesse Reschbekt vor em noch hawe soll.

's war jammerschab um all deß Schaffe, Um all bäi Sorje, all bäi Mih; Es war ja beinah fer bie Affe!

De Dreck gung ahm fast bis an's Kme! Wäi schabb fer all bäi scheene Sache, Unn waß ging all beim Festzug bruff! Wer merr doch um a Haar per Nache Gefahr'n bis uff de Tribb enuff.

Unn unser Mädercher, bäi Herne, Waß hatte se ze leide all!

Doch kaans war net dehaarn gebliwe, Enuff gings doch unn in die Hall. Unn Widder hott sich's klar bewiese: E Giesser Mädche fercht sich net,

Besuch Kaiser I schiffen Donnerstag abend um 10 Uhr bei herrlichem Wetter ! lb-Ätf ÄÄ, s den ^vor dem Hotel versammelten Reisenden mit Hurra-

Kommandostellen schließen. . , , .

In dem Lande mit zwei Königen sind die politischen Verhältnisse sehr unsicher. Die Maßregelungen der Radi­kalen haben einen großen Umsang angenommen sodaß wte von einer Seite gemeldet wird, Rußland und Oesterreich Neigung verspüren sollen, einzuschreiten. König Milan wird durch sein schroffes Vorgehen kaum seine Dynastie befestigen, im Gegenteil, jernehr Unzufriedenheit er stiftet, desto großer wird die Aussicht der Karageorgiewitfch sein, den serbischen

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nettschef setzend. Aber das Volk wird ihre hochherzige Hand­lungsweise zu würdigen wissen und umso treuer zum Throne stehen. Auch der warme Empfang des Admirals Cervera, welcher ja jetzt von dem obersten Kriegsgerichtefreige­sprochen" worden ist, bei Hofe hat einen guten Eindruck im Lande gemacht^ wieder Kriegsstimmung, und es

ist der Befehl gegeben worden, Truppen und Kriegsmaterial nach der Kapkolonie zu entsenden. Wir glauben trotzdem heute noch nicht, daß die Briten in die Lage kommen werden, ihre berüchtigten Dum Dum-Geschosse gegen die Buren zu richten. Einmal werden die letzteren den englischen Forde­rungen soweit wie möglich entgegenkommen, andererseits wird die englische Regierung nicht außer Acht lassen, daß die etwaige Vergewaltigung Transvaals kaum ungeracht bleiben

Wildbad eingetroffen ist. Auch über einen !

Wilhelms in Paris im nächsten Jahre wird viel geredet. Die Franzosen haben alle Ursache an näher liegende Dinge zu denken, und sich z. B. mit den royalistischen Um­trieben zu beschäftigen, die letzthin ihre volle Bestätigung

Politische Wochenschau.

Die sommerliche Stille, welche gegenwärtig in unserer meren Politik herrscht, hat eine kleine Unterbrechung er- sahr-n durch das T-l-gramni, welches -rn er o | ^cht'ÄLso^ wie es fern fottte,

^and7-"un^L"ne derPresse her- | mitt man ueuerdings. aus den V-rauderuugen m hohen

vorrief. Was der Monarch bei dem vielsprochenen Passus seiner Depesche im Auge hatte, ist auch heute noch nicht völlig aufgeklärt. In einer langen Auseinandersetzung treten die ..Berl. Pol. Nachr." den Gerüchten von der Amtsmüdigkeit des Ministers v. Miquel entgegen. Wir haben diesen Meldungen von vornherein geringen Glauben beigemessen, denn vorläusig dürfteder Mann des Kaisers' noch unentbehrlich sein; Herr v. Lucanus hatte sich freilich bei Herrn v. Miquel eingestellt, scheinbar aber ohne Erfolg.

rUiCn®betlta814. Juli. D-rR-ichSanz-ig-r" veröffentlicht die Ernennung des bisherigen Gesandten in Mexiko, des ftreiberrn v. Ketteler, zum Gesandten in Peking.

$ Berlin, 14. Juli. DerNordd. Allgem. Ztg. zu- folge erhielt der spanische Ministerpräsident Silvela das Großkreuz zum Roten Adlerorden, der frühere spani che MiMer Herzog Almodovar del Rio den Roten Adler-

°^"_^Gn°°d'-ng-such. Ein mit 673 Unterschriften ver­sehenes Gnadengesuch an den Kaiser ist soeben beim Ztvtl- kabinet -ing-laus-n. Es handelt sich um den wegen Haus­friedensbruch, begangen durch unbefugtes Betreten des Sterbezimmers des Fürsten Bismarck, zu 6 Monaten Ge­fängnis verurteilten Photographen Willi Wilcke von der Firma Wilcke und Priester zu Hamburg, der nunmehr die Gnade des Kaisers anruft.

Urlaub der Landgenchtsprandenten. Die Bos. Zeitung" bezeichnet die Nachricht, daß sämtliche Land­gerichtspräsidenten auf Grund eines Erlasses des Ministers in diesem Jahre nut Rücksicht auf b'e Vorarbeiten zur Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches auf ihren Ferienurlaub verzichten, als nicht zutreffend. Aller- Angs haben einzelne Mitglieder des Richter tvndes aus Rücksicht auf die Einführung des neuen Bürgerlichen Gesetz­buches freiwillig auf den Feri-nurlaub verzichtet. Von einer Verfügung des Justizministeriums ist in den betreffenden Kreisen aber nichts bekannt.

Berlin, 14. Juli. Zu der Angelegenheit des Geheimen Oberschulrats Schiller in Gießen schreibt diePost . Wenn wir auch dabei bleiben müssen, daß die Art, wie Schiller seine Beschwerde, die ja nicht unbegründet zu fern scheint, in die Ocffentlichkeit getragen hat, beanstandet werden muß, wenn wir auch in seinem Vorgehen einen beöauer* liehen Mangel an Disziplin erkennen, so wollen wir doch wünschen, daß der Gegensatz zwischen ihm und der Regierung sich nicht zu einem Gegensatz der Universität und der Lehrer- SW?I