Nr. 165 Erstes Blatt.________Sonntag den 16. Juli
Meßmer Anzeiger
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Drei Ortsschaueu für Herdbuchtiere von Zuchtvereinsmitgliedern, zwei für die Vogelsberger und eine für die Simmenthaler Rasse; sie werden Preise im Gesamtwert von je 440 Mk> erhalten und an naher zu bestimmenden Orten und Tagen im Monat Oktober ds. Js. abgehalten.
Ich gebe dies schon jetzt bekannt, um den Viehbesitzern und Gemeinden Gelegenheit zu geben, sich für die Schauen durch Verbesserung der Pflege und Stallhaltung in zweckmäßiger Weise vorzubereiten. Da für die Konkurrenz der Eber die vorherige Ankörung durch die Kreiskörkommission notwendig ist, so empfiehlt es sich dringend, daß Besitzer von Ebern reiner Rasse diese Ankörung, die dann auch zugleich auf die Ziegenböcke auszudehnen wäre, möglichst bald veranlassen.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, dahin zu wirken, daß die Schauen, insbesondere die Bullenschau, recht zahlreich beschickt werden.
Sobald die Beschlüsse im einzelnen gefaßt sind, wird weitere Bekanntmachung erfolgen.
Gießen, den 14. Juli 1899.
Der Direktor des landw. Bezirksvereins.
v. Bechtold.
Bekanntmachung,
Hebung der Viehzucht.
Nach dem vomAusschuß des landwirtschaftlichen Provinzialvereins festgestellten Plan haben in diesem Jahre im Kreise Gießen noch folgende Schauen stattzufinden:
Bulleuscharr für reinrassige Bullen der Vogelsberger und Simmenthaler Nasse, sowie für angekörte Eber reiner Rasse, welche zu Zuchtzwecken im Dienste von Gemeinden oder Zuchtvereinen stehen; die Schau wird im September ds. Jahres an einem noch zu bestimmenden Orte (wahrscheinlich Langsdorf) abgehalten und mit Preisen im Gesamtwert von 1000 Mk. ausgestattet.
Am 1. 12. 1871 „ 1. 12. 1875 „ 1. 12. 1880 „ 1. 12. 1885 „ 1. 12. 1890 „ 2. 12. 1895
Bekanntmachung.
Betreffend: Feldbereinigung Ringelshausen.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß wegen Verlegung bezw. Neuherstellung eines gewölbten Durchlasses im Zuge des Verbindungsweges von der Kreis- stroße Rodheim—Rabertshausen nach der Kreisstraße Rod- hcim—Nidda dieser Weg vom 24. Juli l. Js. ab bis zur Vollendung der Arbeiten für Fuhrwek unpassierbar und daher für den Fuhrwerksverkehr gesperrt ist.
Gießen, den 13. Juli 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Die Einwohnerzahl
„ 72,3
„ 78,2
„ 87,9
„ 98,9
Staaten
Frankreich höchstens einen Zuwachs von 30 Prozent aufweist. Im größeren Teile des Departements ist die Einwohnerzahl zurückgegangen, nur in den Großstädten und Jndustriegegenden hat sich die Vermehrung vollzogen.
Innerhalb der 26 Staaten des Deutschen Reiches ist die Zunahme auf Hundert naturgemäß eine sehr verschiedene, im Staate Hamburg eine andere als in den thüringischen Herzogthümern und Fürstentümern, im Könistreich Sachsen verschieden von Mecklenburg-Strelitz, in Preußen anders als in Waldeck.
In der nachfolgenden Tabelle wird die Bevölkerungs- Zunahme in den deutschen Staaten vom Jahre 1820 bis zum Jahre 1895 festgestellt, dabei bildet der Flächeninhalt von 1895 die Grundlage für 1820. Preußen zählte vor 3/. Jahrhundert eigentlich nur 11633177 Einwohner, sem Gebiet nahm aber in den Jahren 1834, 1850, 1853, 1864, 1866 und 1890 zu, sodaß die Ziffer für 1820 fast drei Millionen höher eingestellt werden muß. Auch Hessen wurde durch den deutschen Krieg in Mitleidenschaft gezogen, es verlor 74000 und erhielt dagegen 12 000 Seelen, die Differenz von 62 000 im Jahre 1866 mochte um das Jahr 1«2U etwa 40000 betragen haben.
Statistische Erhebungen und Berechnungen aus dem Heöiete der Movinz Kberhesseu (1820 öis 1895).
Historisch-statistische Skizzen von Prof. Dr. E. F. Riemann-Leipzig.
(Alle Rechte Vorbehalten.) I.
Einleitung.
Im Dezember 1820 zählten die Staaten, welche gegenwärtig das Deutsche Reich bilden, nur 26 294000 Seelen. Für die 6 Zähltermine im Deutschen Reiche liegen folgende Ergebnisse und prozentuale Zunahmen seit dem Jahre 1820 vor:
Deutschen Reiches verdoppelte beinahe während 75 Jahren (1820 bis 1895).
41058 792 Seelen, Zunahme 56,2 Proz.
62,5 „
Unser Nachbarland Frankreich hatte vor 3; Jahrhundert 30000000 Einwohner in 86 Departements. Im Jahre 1860 erhielt Napoleon III. für die Hilfe, welche er Sardinien gegen Oesterreich geleistet hatte, das Stammland des italienischen Königshauses, Savoyen, und die Vaterstadt Garibaldis, Nizza; aus diesen Erwerbungen wurden 3 Departements gebildet. Im Frieden zu Frankfurt mußte Frankreich an das Deutsche Reich elf Jahre später ein Gebiet abtreten, das ebenfalls 3 Departements um aßte und ziemlich denselben Flächeninhalt hatte wie die Erwerbung des Jahres 1860. Die oberrheinische Tiefebene und das lothringische Hügelland waren zwar dichter bevölkert als das Alpen- und Küstengebiet, aber während aus der dortigen Gegend fast niemand ins Ausland wanderte, ging onn Elsaß-Lothringen aus ein beständiges Abströmen der Bevölkernng nach Frankreich, namentlich durch die Option, die Wahl des Staates, dem ein Jüngling als Soldat dienen wollte. Im Jahre 1872 betrug die Bevölkerung Frankreichs 36102921 Köpfe gegenüber 38067 094 im Jahre 1866. Während eines halben Jahrhunderts hatte sie nur um ungefähr 20 Prozent zugenommen;im Jahre 1891 zählte man jenseits der Vogesen 38 133 385 Personen, bei Hinzurechnung der Zunahme bis 1895 ergiebt sich, daß bei gleichem Flächeninhalt wie im Jahre 1820
Amtlicher Teil.
Bekanntmachung,
betreffend: Schießübungen.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß das Infanterie-Regiment „Kaiser Wilhelm" am 19., 20,21., 22., 24. n. 25. Juli I. I. jedesmal von morgens 8 bis nachmittags A Uhr Schießübungen mit scharfen Patronen in dem Gelände des Wißmar-Baches, aufaugeud von dem Wege der von Krofdorf kommend, das Wißmar-Bachthal von Südwesten nach Nordosteu durchfchueidet mit allgemeiner Schietzrichtuug von dem Schnittpunkt diefes Weges mit dem Wiß- mar-Bachthal aufwärts in der ungefähren Richtung auf Kirchvers abhalteu wird.
Die Straße Wißmar—Aorfthaus—Waldhaus—Schmelz-Salzböden — Odeuhaufeu-Rut- tershauseu—Wißmar find ungefährdet. Die Wege, welche in das von vorgenannten Straßen umgrenzte Gelände führen, werden während der Dauer des Schießens durch Posten gesperrt und dürsen daher nicht betreten werden.
Besonders wird noch darauf hiugewiefeu, daß an den oben genannten Tagen während der Dauer des Schießens fich keine Holzhauer und Holzsammler in den gefährdeten Waldungen aufhalten dürfen.
Gießen, am 14. Juli 1899.
Großh. Kreisamt Gießen.
v. Bechtold._______________
Gießen, den 12. Juli 1899.
Betr.: Bürgermeisterversammlung.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
au die Großh. Bürgermeistereien des Kreifes.
Wir beabsichtigen, demnächst eine Versammlung der Bürgermeister des Kreises abzuhalten und sehen der Mitteilung etwaiger Wünsche bezüglich auf die Tagesordnung zu setzender Gegenstände entgegen.
v. Bechtold.
Bekanntmachung.
WAWir machen darauf aufmerksam, daß von Heuchelheim wegen der dort herrschenden Maul- und Klauenseuche kein Klauenvieh auf den Gießener Markt gebracht werden darf. Die Großh. Bürgermeisterei Heuchelheim wolle die Beobachtung des Verbots überwachen.
Gießen, den 15. Juli 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.: Bo eck mann.
Gefunden: Geld, 2 Portemonnaies mit Inhalt, ein Korallenarmband, 1 Taschenmesser, 1 Regenschirm, 1 Strohhut, 1 Kaffeelöffel, 1 Arbeitsbeutel, 1 Umhang, 1 Damen- Jacke, 1 gelb. Damenschuh, 1 Damen-Gürtel, 1 Eisdeckchen, 1 Paar Lederhandschuhe und 5 kleine Bilder.
Zugeflogeu: 1 Brieftaube.
Gießen, den 15. Juli 1899.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Muhl.
Deutsches Keich.
M.P.C. Berlin, 14. Juli. Aus Hofkreisen schreibt man uns: Vielfach besteht die Meinung, es sei bereits so- gut wie sicher, daß der deutsche Kaiser die nächstjährige Pariser Weltausstellung besuchen werde. Das ist ein Irrtum. Wenn in Frankreich und speziell in Paris der Wunsch keineswegs vereinzelt auftritt, daß Kaiser Wilhelm II. zur Weltausstellung nach Paris kommen möchte, so würden doch auch, wenn der Kaiser selbst persönlich nicht abgeneigt sein sollte, eine solche Reise ins Auge zu fassen, einer Ausführung des Planes von vornherein so erhebliche Bedenken sich entgegenstellen, daß einstweilen nicht recht abzusehen ist, ob sich ihre Entkräftung als möglich erweisen werde. Der im vorigen Jahr geplante Besuch des Pharaonenlandes unterblieb, weil an bestimmten Stellen des Erdenrunds die Neigung stark sich bemerkbar machte, eine Hinkunft des Kaisers politisch auszubeuten in einem Sinne, welcher vom Standpunkt der deutschen Politik als ein erwünschter nicht betrachtet werden konnte. Das würde bei einem Kaiserbesuch in Frankreich wahrscheinlich in noch verstärktem Grade der Fall sein. Außerdem aber weiß doch noch kein Mensch, und auch der klügste politische Prophet vermag darüber noch keinerlei irgendwie verläßliche Vorhersage zu machen, wie im Jahre 1900 die politischen Verhältnisse im allgemeinen und die in Frankreich im besonderen sich gestaltet haben dürften.
Frankfurt a. M., 14. Juli. Die „Franks. Ztg." meldet aus Paris: Die Ankunft des Präsidenten Loubet auf dem Paradefeld erfolgte ohne Zwischenfall. Neben Loubet saß Gallifet in Uniform im offenen Wagen. Das Publikum rief: „Hoch Loubet!" „Hoch die Republik!" und „Hoch die Armee!"________________________
Ausland.
Wien, 14. Juli. Graf Thun und die Tschechen haben sich wieder gefunden. In einer Konferenz des jungtschechischen Komitees in Prag wurde mitgeteilt, daß trotz aller Ableugnungen zwischen der tschechischen Partei und dem Grafen Thun Verhandlungen geführt sind, die zu einem Eingehen des Ministers auf die tschechischen Forderungen geführt haben. Die jungtschechischen Führer waren in Wien erschienen, um den Grafen Thun zur Erfüllung der Verbindlichkeiten zu drängen, die er den Jungtschechen gegenüber übernommen hat, und sie haben vom Ministerpräsidenten die Versicherung empfangen, daß die Regierung ihren Verbindlichkeiten gegenüber den Tschechen nachkommen, und daß sie zur Lösung der Sprachenfrage nur nach Anhörung der Parteien schreiten wolle. — Daraus ergiebt sich, daß Graf Thun die Lösung der Sprachenfrage durch den Erlaß eines selbständigen Sprachengesetzes auf Grund des § 14 vollkommen aufgegeben hat. Es werden jetzt auch die ungemütlichen Artikel der tschechischen Preffe gegen den Grafen Thun erklärlich — es galt diesen Herrn empfänglich zu machen für die tschechischen Forderungen, und Graf Thun hat sich wieder einmal von den Tschechen breitschlagen lassen.


