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Zweites Blatt
Dienst»- de» 16. Mai
1899
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
He Äe^eiflen ze der uckchmittagl fftr dee Hfilfe Le, rrjchemendco Nummer Hi wexwv. 10 ühr.
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DK Gießener j erMiteirifttt Hrkn kn Anzeiger otcheetttch viermal tofde^.
2lmts* und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren.
»ckokOiin, Expedition und Dritter ei: Ar. 7.
Grattsbeitagr«: Gießener FamMendlStter, hrWtze Kandwirt, Kiättrr Mr hessische UstKsKnnde.
Deutsches Reich.
Setlin, 13. Mai. Die Blättermeldung, der Kaiser habe am Donnerstag bei Metz einen Berichterstatter 'der New-Jorker Zeitung „World" empfangen und demselben eine an das amerikanische Volk gerichtete Botschaft ibergeben, ist der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" infolge eine plumpe Erfindung. Der Kaiser habe überhaupt «it feinem Korrespondenten gesprochen.
Berlin, 13. Mai. Das Herrenhaus hat heute den tzesegentwurf betreffend die Festsetzung der preußisch-öster- nichisschen Grenze längs des Przemsa-Flusses angenommen. Der Gesetzentwurf betreffend den Karfreitag wurde mit riurnr Anträge Pfeil in der Fassung der Kommissions- SeMüsse angenommen. Hierauf wurden Rechnungssachen md Petitionen erledigt. Nächste Sitzung unbestimmt. — Der Seniorenkonvent des Reichstags ist heute nachmittag zusammengetreten, um über die Geschäftslage und Sie Mgeregte Vertagung zu beraten.
Berlin, 13. Mai. Der Landwirtschaftsminifter hat in Ser Frage der Wiederherstellung der Berliner Pro- inihienbörfe dem „Berliner Tageblatt" zufolge den Bescheid erteilt, auf Grund deffen einstweilen auf die Wieder- DerstMung der Produktenbörse nicht gerechnet werden darf.
Berlin, 14. Mai. Die Manöver zwischen Ars nnd Aovcrant standen am Freitag unter der Leitung des Ewnmunbierenben Generals Grafen von Häseler, welcher bie Wfga.be gestellt hatte, baß nach in ber Nacht erfolgter Kriegserklärung eine Division auf bem linken Moselufer »orgepen solle, um ben vor Pont L Mousson stehenben ; "ftinb zurückwerfen. Den Befehl über diese Division führte i) er Reifer, welcher um 7 Uhr früh mit der Kaiserin in Ars t dangte und sofort zu Pferde stieg, während die Kaiserin )(>üs Manöver zu Wagen beobachtete. Nachdem ber Gegner, ebensolls eine Division unter Führung bes Generalleutnants tzi.Frrlyholt, anfänglich einige Vorteile errungen hatte, mußte fix beim seinen rechten Flügel teilweise umfassenben Angriff Iber kaiserlichen Division weichen, welche ben Feinb schließ- li h ge-gen 10 Uhr burch einen allgemeinen kräftigen Vorstoß i ms Noveant zurückwarf. Ihre Majestäten begaben sich f Manin von Ars mit ber Bahn nach Urville zurück. Zu ber Slhbtafel in Urville waren der Statthalter Fürst zu Hohen- (lb<|t.&iingenburg mit Gemahlin erschienen, außerdem waren am hie Stabsoffiziere des Königs-Jnfanterie-Regts. Nr. 145 kkmladmngen ergangen.
Berlin, 12. Mai. Die Post - Kommission bes Reichstages beriec gestern bie Fernsprechgebühre n- ainbn ung. Der Vorschlag ber Regierung, eine boppelte Mihir, nämlich bie Grunbgebühr unb bie Gesprächsgebühr, Merheben, würbe abgelehnt, unb beschlossen, baß für jeben Alnjchluß an bas Fernsprechnetz lebiglich eine Pauschgebühr e ch^em wirb. Die Kommission nahm für jeben Anschluß folgende Sätze an: Bis 50 Teilnehmer 75 Mk., bis 100 MIM., bis 150 1JO Mk., bis 200 120 Mk., bis 500 1-^ Mk., bis 1000 150 Mk., bis 5000 160 Mk., bis 2«'M 170 Mk., über 20,000 180 Mk. In Orten ohne Fernsprechnetz werben für jeben Teilnehmeranschluß, welcher nütz über 5 Kilometer von ber Vermittelungsstelle entfernt iU ,75 Mk. erhoben.
— MißbräucheinberMargarine-Jnbustrie. EM amtlicher Erlaß der beteiligten Minister weist auf einige -'E Mißbräuche in bet Margarine-Jnbustrie hin. Es heißt dcd „Namentlich hat sich herausgestellt, baß sogenannte Miüllrivare, b. h. Margarine, welche aus verschiebenen <5fcht>*n, zum Teil auch wegen Verborbenseins zurückgesanbt wi«!. nn ben Fabrikbetrieb zurückgelangt unb von neuem zujill Herstellung von Margarine verwenbet wird, und zwar nwtlr Verhältnissen, welche die so hergestellte Margarine ML lle (erregend erscheinend laffen. Ferner hat die Unter- swchcng von verschiedenen Handlungen entnommenen Mar- gaMgvroben einen Gehalt an Borsäure oder borsauren ^chir ergeben. Wenn nun auch die Margarinefabrikanten btw der Herstellung von Margarinedauerware die Verwendung voo» Lomservierungsrnitteln, wie Borsäure ober Borax, zur ß^d nicht glauben entbehren zu können, so muß es doch be'^iitlich erscheinen, bei ber Herstellung eines so ausgebehnte «rlWküdvung ftnbenben Nahrungsmittels bie uneingeschränkte $tanbung eines Konservierungsmittels zuzulaffen, gegen dehsri Zusatz zu anderen Nahrungs- und Genußmitteln mit Rckch Einwände erhoben werden. Endlich hat sich bei der Hflteitn Untersuchung gezeigt, daß einzelne Margarine- ErrsniMsse in letzter Zeit ohne jeden Zusatz von Sesamöl ©b(kn miit einem zu geringen Zusatz hergestellt waren. Wir
hieraus Veranlassung, unter Bezugnahme auf bie
Erlasse vom 13. Juli unb 7. November vorigen Jahres ben nachgeorbneten Behörben eine strenge unb fortlaufend Ueberwachung ber Margarinefabriken wieberholt einzuschärfen; insbesonbere ist auf etwa vorkommenbe Mißbräuche unb Gesetzesverletzungen ber oben erwähnten Art das Augenmerk zu richten.
— Ein Fund aus der Saurierzeit. Aus Rostock, 12. Mai, schreibt man der „T. R.": Ein für bie geologische Wissenschaft hochbebeutsamer Funb ist in bem Thonlager von Dobbertin in Mecklenburg gemacht worben. In biesem Thone, der wegen seiner schönen Versteinerungen von Insekten weithin in geologischen Kreisen bekannt ist, hatte man bisher vergeblich nach den Ueberreften eines Ichthyosaurus gesucht. Jetzt hat man einen derartigen Fund in dem Dobbertiner Thonläger gemacht, der durch den Zieglermeister Fahning dem geologischen Museum der Landes-Universität Rostock übergeben worden ist. Leider hat man nicht das ganze Tier, sondern nur spärliche Ueberrefte, bie aus vier Wirbeln bes Schwanzenbes bestehen, gefunben, boch baburch wirb selbstverständlich bie Bebeutung bes Funbes für bie Wissenschaft nicht verringert, benn ber im Thon von Dobbertin aufgefunbene Ichthyosaurus ist bas erste bisher in Norddeutschland gefunbene Exemplar.
— Wie aus bem Haag berichtet wirb, bürste ber Vorsitz in ber Abrüstungs-Konferenz, auf Anregung ber zunächst berechtigten Nieberlanbe, bem russischen Botschafter v. Staal übertragen werben. Man nimmt eine ungewöhnlich lange Dauer ber Konferenz in Aussicht. Einen Hauptgegenstand ber Beratungen bürste bie Frage der Revision der Genfer Konvention bilden, in welcher Beziehung von der schweizerischen Regierung bereits bestimmte Anträge vorbereitet sind. Diese gehen in erster Linie dahin, daß die Verwundeten für neutral erklärt werden, und bie Frage ftubiert werbe, ob in Gefangenschaft geratene Ver- tounbete nach ihrer Genesung als Kriegsgefangene zurückzuhalten ober zurückzusenben feien.
Bad Kreuznach, 13.Mai. Der kaiserliche Sonder- zug nahm in Münster am Stein eine Viertelstunbe Aufenthalt, wo eine Begegnung mit ben Prinzen Walbemar unb Sigismunb ftattfanb. Die Weiterfahrt erfolgte um 2 Uhr.
Wiesbaden, 13. Mai. Das Kaiserpaar mit dem Prinzen Joachim unb ber Prinzessin Viktoria Louise traf heute Nachmittag 4 Uhr 40Min. auf bem Taunusbahnhofe mit großem Gefolge hier ein. Im Gefolge bes Kaisers befanben sich u. a.: Oberhofmarschall Gras Eulenburg, General-Abjutant v. Pleffen, ber Ches bes Militär-Kabinetts v. Hahnke, ber Chef bes Zivil-Kabinetts v. Lukanus, General L la suite General-Major v. Scholl, Oberstallmeister Graf Wedell, Hausmarschall Freiherr v. Lyncker. Zum Empfange bes Kaiserpaares am Bahnhofe waren anwesenb: Polizei- Präsibent Prinz v. Ratibor, ber Oberhofmeister ber Prin- zessin Louise, v. Bubbenbrock, unb bie Prinzessin von Mecklenburg-Schwerin. -Heute abenb wirb Der Kaiser ber Generalprobe v. Lauff's „Eisenzahn" beiwohnen.
Saarbrücken, 13. Mai. Der RoßelerStrike bauert fort. Heute finb 300 Bergleute eingefahren. Ein gestern von ben Knappen gefaßter Beschluß forbert von ber Gruben- Verwaltung bie schriftliche Zusage, baß keine Maßregelungen von Ausstänbigen stattfinden würben. Die Verwaltung lehnte heute diese Forderung ab. Sie will indes, wie sie privatim erklärte, nach der Wiederaufnahme ber Arbeit vieles bewilligen. Der Alte Verbanb ist im Begriff, sämtliche Privatgruben zu organisieren. Dieser Plan hat Aussicht auf Gelingen, infolge ber hartnäckigen Weigerung ber Direktion, sich auf Verhanblungen einzulassen.
Ausland.
Wien, 14. Mai. Das Amtsblatt melbct bie Berufung bes Profeffors Dr. Max Sänger von ber Leipziger Universität an bie beutsche Universität in Prag.
Wien, 14. Mai. Morgen finben in allen 18 Bezirken Wiens Protestversammlungen ber Christlich-Sozialen gegen bie „Los-von-Rom-Bewegung" statt. Da zu gleicher Zeit bie Sozialisten ebenfalls Protest-Versammlungen gegen bie Christlich-Sozialen unb für das Reichs-Volksschulgesetz abhalten und deswegen Zusammenstöße befürchtet werden, so trifft bie Polizei umfaffenbe Sicherheitsmaßregeln.
Wie«, 14. Mai. Die Ausbrüche tollste» Deutschenhaffes seitens ber tschechischen Abgeordneten in den letzten Landtagssitzungen anläßlich ber Egerer Vorfälle, sowie bie steten behördlichen Drangsalierungen ber Deutschen im Egerlanbe haben in ber bortigen Bevölkerung gerabe
Adresse für Depeschen: jUqttgtt Fernsprecher Nr. 51.
jetzt toieber bie Erinnerung an ihre alten Sonberrechte neu aufieben lassen. Wie uns nämlich von bort berichtet wird, bereitet sich bas Egerlanb vor, bei Lösung ber Sprachenfrage in Böhmen seine ehemalige Selbstverwaltung toieber zu erreichen, unb auf Anregung bes Abgeorbneten Jro werben burch ben Egerer Stabtrat bereits entsprechenbe statistische Vorerhebungen gepflogen. Hierbei sei zugleich erwähnt, baß Abg. Jro schon vor brei Jahren anläßlich seines Eintrittes in ben böhmischen Lanbtag bort eine ähnliche Verwahrung abgab, unb baß erst jüngst ber Egerer Bürgermeister Dr. Gschier bei seiner Angelobung öffentlich unb feierlich erklärte, unbeschabet ber beutschen Gemeinbürgschaft jeberzeit für bie alten Sonberrechte bes Egerlanbes eintreten zu wollen. Darum verbient bie jetzige Bewegung bortfelbft boppelte Beachtung. Bekanntlich würbe das Egerlanb im Jahre 1315 vom Könige Lubwig bem Bayer an ben böhmischen König Johann von Luxemburg verpfänbet unter bem Vorbehalte, baß bie Wiebereinlösung jeberzeit stattfinben könne. Letzteres ist nicht geschehen, bas Gebiet blieb bei Böhmen, aber nur in sehr loser Verbinbung, ba ihm weitgehenbe Begünstigungen unb Rechte eingeräumt unb sowohl von ben böhmischen Königen, als ben nachfolgenben österreichischen Herrschern bestätigt würben. Eine thatsäch- liche rechtsgiltige Einverleibung des Egerlanbes in Böhmen hat niemals ftattgefunben, bas mußte selbst Palacky, ber größte tschechische Geschichtsschreiber, zugestehen.
Budapest, 14. Mai. Das Gerücht, baß ber ehemalige Reichstagsabgeorbnete unb Herausgeber bes „Egytertes", Scavolszky, geflüchtet sei, wirb dementiert.
Brüssel, 13. Mai. Der schon seit länger gänzlich aussichtslose Bergarbeiter-Ausstand geht feinem völligen Ende jetzt reißend entgegen. Erst vor einer Woche hatte der Bergmannsbund einen sich übrigens recht gemäßigt ausdrückenden Aufruf erlassen, um ben finfenben Mut ber Aus- stänbischen neu zu beleben. Aber täglich kehrten eine Anzahl Bergleute neu zur Arbeit zurück, so baß kein Zweifel sein konnte, baß bie ganze Bewegung im Sanbe verlaufen werbe. Inzwischen haben an verschiebenen Ortschaften bes Lütticher Beckens Vertretungen ber Arbeiter unb ber Arbeitgeber gemeinsam getagt. In Jemappes willigten babei nach längeren Erörterungen bie Arbeiter ein, sich mit ber ihnen angebotenen Erhöhung bes Arbeitslohns um 5 v. H., statt ber geforberten 20 v. H., zu begnügen, unb beschlossen, bie Arbeit wieder aufzunehmen. Da auch in ben übrigen Bezirken bes Grubenbeckens bie Wieberaufnahme ber Arbeit zunimmt, so ist bie Beendigung des Ausstandes am Montag wahrscheinlich. — So hat der Ausstand schließlich kein wesentlich anderes Ergebnis gehabt, als eine Schädigung ber betroffenen Bergwerke und einen von den Streikenden erlittenen großen Lohnverlust, der sich auf eine ganze Anzahl Millionen Franken beläuft. Die Streikenden haben mit ihrer allerdings recht planlos und gegen ben Willen vieler Bergleute ins Werk gesetzten Arbeitseinstellung bem- nach ein schlechtes Geschäft gemacht.
Bukarest, 14. Mai. Die neuerliche Absperrung ber österreichisch-ungarischen Grenze für rumänischen Schweine-Transport ruft hier große Aufregung hervor. — Der Chef bes Veterinärwesens hat bemiffwniert.
Belgrad, 14. Mai. Der serbische Gesandte in Ueskueb ist angewiesen worden, alle Beziehungen zu dem General- Gouverneur abzubrechen, da bisher keine Genugthuung für bie Beleibigung bes serbischen Dragomans erfolgt ist unb die Beleibigungen bet serbischen Lanbesange- hörigen fortbauern.
Petersburg, 14. Mai. Zufolge angeblich sicheren Privatnachrichten sinb an ben Öfterfeiertagen (Anfang Mai) in Nikolajew am Schwarzen Meere ernste Ruhestörungen vorgekommen, bie ben Charakter einer „Jubenverfolgung' annahmen. Gegen bie tumultuierenben Matrosen würben Kosaken vorgeschickt, von benen, wie es heißt, 13 Mann blieben. Beiberseits würben viele Verwunbete gezählt. Der Presse ist verboten worben, über ben Vorgang zu berichten. In Obeffa werben Wieberholungen bet Ruhestörungen erwartet.
Philippinen. Aus Hongkong erhielt bie Times fol- genbes Telegramm vom 8. Mai, bas burch Boten nach Hongkong gefanbt würbe, nachbem bie amerikanische Zensur es in Manila zurückgehalten hatte: Die Mannschaften bes Nebraska-Regiments haben eine ungewöhnliche Bittschrift an ben General Mac Arthur gerichtet. Sie verlangen, nach ihrer'Heimat zurückgeschickt zu werben. Man muß sagen, daß bies Regiment burch ben Felbzug, ben es in ber letzte« Zeit mitgemacht hat, erschöpft ist. Das


