Ausgabe 
16.4.1899 Viertes Blatt
 
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Sonntag den 16 April

1809

Viertes Blatt.

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Berlin, 14. April. Zu dem Telegraphenwege

Dein Auge schwelg' hier voll Behagen, Die Blicke über Thal und Hain, Doch sucht Befried'gung dann Dein Magen, So kehr' imBreuberger Hofe" ein!

Denn der Wirt, der unten vom Durst Dich befreit. Hat dem Freund der Natur diese Stätte geweiht."

Der überwältigende Eindruck des herrlichen Panoramas, das sich unseren Blicken von dieser Stelle aus bietet, läßt uns sofort die zarte Anspielung des Tempelsttfters auf die Befriedigung der Magenfrage vergessen, und wir gehen nach längerer Umschau an derMarienlinde" und derKarls­ruhe" vorürer den Burgweg hinan, jedoch mit dem feste» Vorsatze, beim Abstieg nach Neustadt auch das gastliche Hauszum Breuberger Hof" aufzusuchen, und dem Wirte, der das Nützliche mit dem Angenehmen so schön zu ver­binden weiß, unsere Aufwartung zu machen. Die Burg Breuberg war ehemals eine gewaltige Veste. Jahrhunderte hat es gedauert, bis dasHoche Haus Breuberg" aufgerichtet ward, und ein gar wechselvolles Schicksal ist der Burg im Laufe der Jahrhunderte beschieden gewesen. Hebet die Zeit der Erbauung derselben ist urkundlich nichts bekannt geworden, doch wird sie bereits zu Anfang des 13. Jahrhunderts ge­nannt. Verschiedene Besitzer haben die Burg Breuberg auf- und umgebaut, während der ewigen Fehden und Kriegs­unruhen war sie öfters von Feinden heimgesucht, doch gelang es diesen niemals, sie einzunehmen. Die mächtigen SOZai«TX haben den Stürmen der Zeit bis auf den heutigen Tag getrotzt, eine Reihe stattlicher, zum teil noch wohl erhaltener

Staatssekretär v. Podbielski kann dem Hanse bte interessante Mitteilung machen, daß seit gestern abend bte internationale Kabelverbindung mit Deutsch-Südwestafrika funktioniert. Wir sind also mit Swakopmund direkt ver­bunden. Der Staatssekretär befürwortet sodann die Vorlage.

Abg. Lenz mann (frs. Vp.) hat erhebliche Bedenken gegen das Gesetz. Er gebe zu, daß das Recht der Tele­graphie auf Benutzung öffentlicher Wege geregelt werden müsse. Hier aber handele es sich um einen gewaltigen Eingriff in das Eigentumsrecht. Durch das ganze Gesetz ziehe sich wieder der gleiche fiskalische rote Faden, rote durch die anderen beiden Vorlagen der Reichspostver- waltung. .

Staatssekretär v. Podbielski meint, das Eigcntums- interesse komme erst in zweiter Linie; in erster Linie ge­hörten die öffentlichen Wege den öffentlichen Zwecken der Allgemeinheit. _ , L ...

Morgen 1 Uhr: Fortsetzung der Debatte und Fleisch-

würden. c, m ,

Abg. Oertel (Sachsen) (kons.) meint, die Vorlage erfülle nicht alle Wünsche für das platte Land, aber dieses sei ja an Bescheidenheit gewöhnt. Die Mehrbelastung der großen Städte sei gerechtfertigt. f4

Abg. Dasbach (Zentr.) hält den Tarif für viel zu kompliziert; auch sei viel zu viel dem diskretionären Er­messen des Reichskanzlers überlassen. Wünschenswert sei, daß auch an kleineren Orten mehr öffentliche Stellen er­richtet würden, und daß nicht mehr so viele falsche An­schlüsse vorkämen, wie dies in Berlin geschehe.

Staatssekretär v. Podbielski bemerkt, im letzten Jahre seien nicht weniger als 5000 öffentliche Stellen errichtet worden, weitere 5000 folgten in nächster Zeit.

Abg. Blell (frs. Vp.) ist bezüglich des Ermessens des Reichskanzlers ganz derselben Ansicht, wie Abg. Dasbach. Solche Dinge gehörten in das Gesetz selbst.

Abg. Graf Bernstorff-Lauenburg (Rp.) erklärt, seine Freunde billigten das System der Vorlage, die Ab­stufung der Gebühren nach der Größe der Städte.

Abg. Pachnicke (frs. Vp.) meint, der neue Tarif müsse in der Kommission recht genau angesehen werden; allem Anscheine nach sei er sehr verwickelt, und dabei schaffe er zum Teil Verteuerungen.

Die Vorlage geht an die Kommission für die Post­vorlage.

Es folgt die erste Lesung des Telegrap hen- Wegegesetzes.

fröhliche Stunden in der erwachenden Natur zu ver­bringen?

Wir haben uns aufgemacht, um am frühen Morgen dem Odenwalde, und speziell dem epheuumrankten Breuberg, der mit Recht die Perle des östlichen Odenwaldes genannt wird, einen Besuch abzustatten. Die Eisenbahn führt uns durch die Thäler des Odenwalds nach dem Städtchen Höchst, von wo aus wir die schöne Landstraße nach Neustadt, das am Fuße des Breuberges sich ausbreitet, hinauswandern. Wie viele Orte des Odenwaldes, erfreut sich dieses Städtchen infolge seiner reizenden Lage in dem geschützten Mümlmg- thale seit Jahren einer wachsenden Frequenz, und nur selten werden Besucher des Odenwaldes unterlassen, hier einmal Einkehr zu halten. .

Bei dem Dörfchen Sandbach verlaffen wir die Straße und gelangen zunächst an das St. Marien-Waisenhaus, eine im Grün verborgene Stätte, wo christliche Nächsten­liebe mehreren hundert Waisenmädchen ein freundliches Asyl geschaffen hat. Von hier aus steigt der Weg bequem den Berg hinan, und nach kurzer Wanderung können wir rasten an derGustavsruhe", einem lieblichen Rondel im Waldes, schatten, dann führt die Straße nach dem Aussichtstempel, von dem sich eine herrliche Aussicht auf das zu unseren Füßen liegende Neustadt und die umliegenden Höhen

Durch eine an dem Aussichtstempel angebrachte Tafel erfahren wir, wer der Stifter dieses prächtigen Ruhepunktes ist. Die Inschrift besagt:

eine Petition an den Reichstag gerichtet, die es als eine unnötige Härte bezeichnet, daß jetzt der Grundsatz, wonach die Unternehmer späterer elektrischer Anlagen verpflichtet sind, bereits vorhandene elektrische Anlagen gegen störende Einflüsse auf ihre Kosten zu sichern, nunmehr auf alle öffent­lichen Wege, also auch auf die städtischen Straßen, ausge­dehnt werden soll.Namentlich für die Städte ist es eine Härte, wenn dieselben gezwungen sein sollen, bei späterenAnlage» auf ihren eigenen Straßen auch noch die Kosten der Sicherung der Telegraphenanlagen zu tragen. Die Städte haben die Straßen meist mit großen Kosten angelegt, sie legen solche Straßen fortgesetzt an, oft mit Millionen von Kosten, sie führen neue Wege durch den Stadtbezirk, die von der Tele­graphenverwaltung gern sofort für ihre Zwecke benutzt werden, und wenn die Städte später mit eigenen Anlagen kommen, insbesondere mit der Anlage von elektrischen Bahnen, die für die Befriedigung des Verkehrsverhältnisses immer unentbehrlicher werden, dann hätten die Städte nach § 6 des Gesetzentwurfs die Kosten der Sicherung der vorhandenen Telegraphenleitungen selbst zu tragen. Das erscheint als eine Unbilligkeit, und nach dieser Richtung hin wird daher der Gesetzentwurf einet erheblichen Einschränkung bedürfen.

M.P.C. Bei den letzttägigen Reichstagsverhandlungeu spielte die Frage der Ausdehnung des Postregals i eine besondere Rolle. Die Anlegung der Posten wurde in Preußen schon unter der Regierung des großen Kurfürsten als ein ausschließliches Vorrecht des Staates angesehen. | Als Hauptmomente für den Begriff der Posten hielt man

Feuilleton.

Gin Frühlingstag im Odenwald.

Don Carl Geißler.

Raum sind die verspäteten Schneeflocken des scheidenden lbitlers gewichen, noch hat die Erde ihr winterliches Kleid nd)t vollständig abgestreift und vollen Frühlingsschmuck an- ickAt, und doch regt es sich überall in Feld und Wald mit baren Zeichen des erwachenden Frühlings. An Bäumen mb Sträuchern knospt es. die Gänseblümchen und Veilchen, 'kch:neeglöckchen, Anemonen und Schlüsselblümchen, die ersten treten des Frühlings, strecken die Köpfchen hervor aus Tumbem Laub und sprossenden Gräsern, und der laue ^Hlingswind schüttelt recht kräftig die weißen Blüten an s-ii Schlehenbüschen, die sich beeilt haben, die Ankunft des :vz.^s zu verkünden. In diesen Tagen regt sich nun wieder [ In Wandertrieb im Menschen, und man zieht hinaus in :kt «rwachende Natur, die gerade jetzt ihren Freunden ein .chwartiges und doch so freundliches Bild bietet.

Ein herrlicher Tag, geschaffen zum Wandern in die stöme Gotteswelt!

Düster und grau ragen zwar noch die Häupter der Hlen und Eichen in die Lüfte, aber das Grün der Fichten tib das blumige Gewand der Wiesen erfreuen das Auge; - iveißblauer Himmel, aus dem zuweilen recht warme kimenstrahlen die Erde küssen, breitet sich über der Land- fiG aus, wer möchte da nicht hinauSeilen, ein paar

Deutscher Reichstag.

65. Sitzung vom 14. April. 1 Uhr.

Vas Haus ist dicht besetzt. Am Bundesratstische: t Staatssekretär v. Bülow, Staatssekretär Tirpitz. Auf > Mit ^»geSordnung steht dieJnterpellationbetreffend Samioa.

Staatssekretär von Bülow erklärt sich bereit, die Mnpellation sogleich zu beantworten.

Abg. Lehr (nl.) begründet die Interpellation. An ' DkN bedauerlichen Vorgängen vor und auf Samoa trage ZrglAid die Hauptschuld. In Amerika aber habe sich be- n-tili rine erfreuliche Reaktion seitens der Deutsch-Amerikaner . gtjeig:. Es denke natürlich niemand daran, Deutschland

England und Amerika den Krieg erklären; aber es V\m -gegenüber dem Verhalten Amerikas und Englands .«Mastliche Mittel der Abwehr, durch Ablehnung wirt« 'chchliicher Zugeständnisse namentlich gegenüber Amerika, Mlhamden. Wenn Deutschland rechtzeitig für Vermehrung Btr Motte gesorgt hätte, statt erst im vorigen Jahre, dann water, ihm solche schmerzlichen Erfahrungen erspart geblieben. Breiten desWeltbürgertums" seien vorüber, die Reichs- ^iiraing könne darauf rechnen, daß sie alle hinter sich habe, ronn sie die deutschen Interessen energisch wahre. (Bravos : eib Zischen.)

Staatssekretär v. Bülow erklärt, die Reichsregierung Ute 'sest an der durch die Samoa-Akte geschaffenen Reichs­te An und für sich würde Deutschland eine reinliche «chejpung für nützlich halten; es habe aber keinen Anlaß, mKrqüglich die Initiative zu ergreifen. Deutschland er- : ®rt' alle Maßnahmen für rechtsunverbindlich, welche zu ttinb( kämen ohne des einstimmigen Beschlusses der drei Asisin, lieber die letzten Vorgänge auf Samoa lägen Bi! j ritzt nur verstümmelte und lückenhafte Telegramme des btutidqen Konsuls und ausländischer Blätter vor. Von entir Konflikt zwischen dem Admiral Kautz und dem Kapitän tos ,[Falke" sei hier an amtlicher Stelle nichts bekannt, «s werde ein solcher hier auch für vollständig unbe- wünbet gehalten. Wegen der Verhaftung des Plantagen- "tittr* Hufnagel habe die deutsche Regierung England ge- tottn, dafür zu sorgen, daß unserem Landsmanne kein Leid Melhe, falls er unschuldig sein sollte. In die Streitig- Ktittn der Thronfolge habe Deutschland sich nicht emgcmischt Ul!) |Tic gemißbilligt. Er, Redner, habe die Entsendung mir Spezialkommission in Vorschlag gebracht, für deren «Müsse Einstimmigkeit gefordert und sie auch erlangt. 5 t e nglische Regierung habe ihre Zustimmung erklärt. Nach Üni LZorschlageDeutschlands solle fein Beschluß cechtsgiltig fein, Är micht die 3 Kommissare zugestimmt hätten. Er hoffe, dbie Kommission zu einer gerechten und billigen und P alle Teile annehmbaren Regelung kommen werde, «tch'chland werde nur einer solchen Regelung zustimmen, wiche die klaren deutschen Rechte und die deutschen poli­

tischen Interessen nicht beeinträchtige. Deutschland habe die Pflicht, Handel und Wandel, Eigentum und Erwerb einer Landsleute auf Samoa zu schützen und zweitens ;abe Deutschland vertragsmäßige Rechte, deren Aufrechter­haltung unsere nationale Ehre erfordere (Bravos). Deutsch­land werde nicht mehr verlangen, als ihm zustehe, werde sich aber diese Rechte nicht verkürzen lassen (lebh. Beifall).

Abg. Richter (frf. Vp.) zur Geschäftsordnung: eine Besprechung der Interpellation halten wir nicht für er­forderlich. Ich habe nur zu bemerken, daß wir als Mit­unterzeichner der Interpellation mit der Begründung der­selben nichts gemein haben. Hätten wir gewußt, daß der Abg. Lehr seinen spezifischen Chauvinismus zum Ausdruck bringen werde, bann würden wir die Interpellation nicht mitunterzeichnet haben. (Beifall.)

^n gleicher Weise sprechen sich die Abgg. Lieber (Zentr.) und Rickert (frs. Vp.) aus.

Die Abgg. v. Levetzow (kons.), Graf Arnim (Rp.), Graf Bismarck (kons.) und Liebknecht (Soz.) halten eine Besprechung der Interpellation nicht für angebracht.

Damit ist der Gegenstand erledigt.

Es folgt die Fortsetzung der ersten Lesung der neuen Fernsprechgebührenordnung.

I gefdi-Ob°rbü^rm°ist°r -v°n 16 großen ©täbUn

Schluß 5'/, Uhr.

Deutsches Reich