Ausgabe 
16.4.1899 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

189»

Sonntag den 16. April

Amts- ur.b Anzeiseblatt für den UreisGietzen.

Gedenkfeier der Erstürmung der Düppel er Höhen I ändert. Nach den im Jahre 1853 getroffenen Bestimmungen brachten über 700 Veteranen dem König von Sachsen am | war nämlich für die Zulassung ru diesem Examen der 13 d. M. in Billa Strehlen eine Huldigung dar, wobei Besuch einer höheren Lehranstalt urcht .vorgeschrieben, es dem Monarchen eine Stammrolle überreicht wurde, in der genügte vielmehr das Zeugnis einer höheren Lehrans die Namen aller noch lebenden Kämpfer der damaligen Zeit über den Seftfc ber ^or9c^rtcben^n £ /rcl

sind. Den Veteranen wurde auf Allerhöchsten daß letztere auch auf dem Wege des Privat- oder Selbst.

des mit

Llle Anzeigen-BermittlungSstellc« bei In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen.

Rtioltxon, Expedition und Druckerei:

Schnkstraße Ar. 7.

aller Manufai

ui

W Kinder

sowie Bettie

Gratisbeilagen: Gießener Familirnblätter, Der hessische Landwirt Klätter für hessische Volkskunde.

** Prüfung der Fiuauzaspirauten. An der am 13. d. M. zu Ende gegangenen diesjährigen speziellen Prüfung der ersten Kategorie des Finanzfachs haben dem D. Tgbl." zufolge über 50 Kandidaten teilgenommen. Durch eine in den letzten Tagen imRegierungsblatt" er­schienene Verordnung werden die Voraussetzungen über die Zulassung zu diesem Examen für die Folge wesentlich Der-

Nutzen sein würde, weil sie durch denselben ihre Bedürfnisse an Dünger und Futtermitteln billiger erhalten würde als

Die Deutschen in Rumänien.

dem jungen Balkanstaate Rumänien ist das politische »icmlich lebhaft entwickelt, und daraus resultiert, daß Parteien sich äußerst heftig bekämpfen. Auch jüngst wnitdcr vrieben die Parteikämpfe hohe Wogen, und die Folge MMt, l das Ministerium Sturdza seine Entlastung ein* «Weichen mußte, welche vom König Carol auch genehmigt nrune. Bei der jetzigen Krisis dürfte es sich übrigens nicht UM einte reine Personenfrage handeln sondern um einen 78chir wechsel; denn aller Wahrscheinlichkeit nach wird ein hjkraü-s Kabinett nicht wieder an's Ruder kommen, der g wird vielmehr die bisherige konservative Opposition nrit oei Regierung betrauen. Die liberale Partei hat da- mrit ««en schweren Schlag erhalten, von dem sie sich nicht

»er Mode dienstbar mache. Der schon damals .be- chllrie Maler hatte bereits durch seinenSchwur der Kiatlier" und seinenSokrates" bekundet, daß er die AMI des Rokoko überwunden hatte, später wurde er der Siksr der Revolution, der Republik und des Kaiserreichs, m) wenn auch sein Klassizismus ein mehr theatralisches, t6 wirklich echtes Gepräge trägt, so sicherten ihm doch Ge- tHfr! wieDer Schwur im Ballhaus",Napoleons Ueber- tstg, über die Alpen" u. f. w. große Bedeutung. Carstens iti Schleswig (17541798) gelangte trotz seines be-

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«.

Fernsprecher Nr. 51.

als sie bis dahin gepflegt wurden, huldigte die von Piloty (18261886) ins Leben gerufene Münchener Koloristen­schule; sein berühmtester Schüler und zugleich der be­rühmteste Kolorist unter den Malern der letzten Zeit war Hans Makart (geb. 1840), dessen Bilder durch wunder­baren Farbenglanz und üppige Phantasie Aufsehen erregten. Auch Gabr. Max, Defregger (geb. 1835), Ed. Grützner, H. Kauffmann, Franz Lenbach, Anselm Feuerbach, Jul. Schrader, Güstow, Meyerheim, Friedrich Preller in Weimar (18041878), ein Meister der historischen Land­schaft, Karl Rottmann, der Maler der griechischen und italienischen Landschaften in der Neuen Pinakothek, Anton v. Werner (berühmter Historienmaler), Vilma Parlaghy, Herm. Wislicenus, Fr. Geselschap, Fritz von Uhde u. f. w. müssen hervorgehoben werden. Die Schweiz schenkte der Kunst den eigenartig phantastischen Arnold Böcklin, sowie den ausgezeichneten Leop. Robert (Szenen aus dem ita­lienischen Volksleben); in Belgien erstand unter be Biöfve, Gallait unb be Keyzer eine einflußreiche Realistenschule, als bereu bebeutenbfter Vertreter Henbrik Leys (gest. 1869) erscheint. Frankreich glänzt mit ben Namen Courbet, Baubry, Meissonier (geb. 1815), Dor6, Englanb mit Thom. Lawrence, Lanbseer, Grane, Millais, Schweden unb Nor­wegen mit Tibemanb unb Hellquist, Rußlanb mit bem be- beutenben Kriegsmaler Wereschagin. In Anlehnung an die französische Kunst trat in neuester Zeit (feit 1874) eine Richtung auf, welche bie ganz naturalistische Sffiiebergabe des Wirklichen in ber natürlichen Beleuchtung erstrebt (Im­pressionismus, Freilichtmalerei), als bereu Begründer Die

eingetragen finb. Den Veteranen würbe auf Allerhöchsten Befehl ein Frühstück gegeben. Der König erschien baselbst unb verweilte einige Zeit unter ben Veteranen, benen ber König vor bem Abschieb mit ben Worten:Auf bas Wohl meiner alten Kriegskameraben!" zutrank.

Berlin, 14. April. Das Abgeorbneteuhaus setzte heute bie erste Lesung ber Kanal-Vorlage fort. Minister von Miquel suchte in längeren Ausführungen nachzuweifen,

Unterrichts erworben werben konnten. Hiervon ist beim auch bie ganzen Jahre ein sehr ausgiebiger Gebrauch ge­macht worben. Durch bie erwähnte neue Verordnung ist aber bestimmt, baß zu ber Prüfung nur solche Kanbibaten

W. 89 Drittes Blatt

ig.

In ber Malerei begegnen wir am Anfänge Uchunberts gleichfalls ber klassizistischen Bewegung gn fiten« (für Deutschland unb David (für Frankreich) a;>«r Spitze. Jacques Louis David (17481825) war 60c$rftatter eines Berichts des Convents vom 6. Messidor II f'k Juni 1794), worin die Notwendigkeit betont wurde, in der Kunst mit jenem Schlendrian zu brechen, der fii! ber Laune des schlechten Geschmacks, der Sittenverderbnis

deutenden Talents leider nicht zur vollen Entwickelung, da er Zeit seines Lebens mit den Schwierigkeiten einer un­sicheren Existenz zu kämpfen hatte. Doch erfuhren die groß- artige Auffassung und der hohe Stil seiner Komposition ver­diente Bewunderung. Ein ähnliches Schicksal wie er hatte B. Genelli (gest. 1868 in Weimar), dem es gleichfalls meist nicht betrieben war, seine großartigen Entwürfe zu ver­wirklichen. Unter hen französischen Romantikern steht I. A. D. Ingres (gest. 1867) obenan, in Bezug auf Zeichnung unb Kolorit nimmt er eine hervorragend Stelle ein.

Deutschland) treffen wir auf ben großen Meister Peter v. Cornelius aus Düffelborf (17831867), bas Haupt ber Münchener Schule, bekannt burch feine herrlichen Malereien in ber Glyptothek unb ber Lubwigskirche zu München; aus seiner Schule gingen unter anberen hervor cvu[ Schnorr, v. Carolsfelb und Wilh. Kaulbach (1804 bis 1874), (Zerstörung von Jerusalem und Komposition der Hunnenschlacht), Moritz v. Schwind (18041871) be­handelte mit gewaltiger Phantasie unb tiefer Empfinbung Stoffe ber Sagen« unb Märchenwelt, ihm verbauten wir bie berühmten Wartburgbilber. Als Schlachtenmaler thaten sich W. Camphaufen unb G. Bleibtreu hervor, als Genre­maler lautier, als Historienmaler Adolf Menzel, während Ludwig Richter in Dresden fein Talent dem gemütvollen Humor widmete. Noch sind zu nennen K. Fr. Lessing (1808 bis 1880), der Maler des Protestantismus, W. Schadow, das Haupt der zweiten Düsseldorfer Schule, I W Schirmer, der ausgezeichnete Landschaftsmaler, Lud­wig Knaus, Karl Begas u. f. w. Freieren Anschauungen,

Atlantischen Ocean untergegangen.

Berlin, 14. April. Wegen Abdrucks der Rede des Grafen Pückler-Klein-Tfchirne ist nunmehr gegen bie Staatsbürger-Zeitung" unb benDeutschen General- Anzeiger" in Berlin, sowie gegen bieSachsen-Schau" in Magbeburg Anklage erhoben worben. Dagegen hat bie sächsische Staatsanwaltschaft ein Einschreiten gegen die in Dresden erscheinendeDeutsche Wacht, deren Herausgeber der frühere Reichstagsabgeordnete Zimmermann ist, ab­gelehnt.

Berlin, 14. April. DieNational-Zeitung" kann heute berichten, daß vermöge neuer diplomatischer Erörterungen eine Besserung in der internationalen Gestaltung ber Samoa-Frage eingetreten ist.

Berlin, 14. April. Der Anschluß an Swakopmunb unb bamit Deutsch-Sübwestafrika an bas Welt-Tele­graph ennetz ist erfolgt.

MWH

Wtt,

Lokales und MovinMes.

Gießen, 15. April 1899.

?lei*flsprd» vierkttjährlich

2 Mark 20 Pfg. menathd) 75 Pfg. mit Bringerloha.

vei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. virrteljährliö

Kiehmer Anzeiger

Keneral-Anzeiger

W.

ach r' unter te"

täglich u ri k r-nähme de« VionlagS.

I Tie Gießener ^Smitteuvtätter dem Anzeiger wOcherlich viermal beigelegt

dauungsstörun? «6» mm fettfrdffl Mw irscbeinim^a.

-n Dr.Ziciirlise- n Herrn CoW» hi ibonuiwSeße iWfr -i-tt nWVLÜÜ ipothfte m «08V

Wünburg: W-li

Ausland.

Wien, 14. April. Während auf der einen Seite bie Tschechen sich bemühen, ganz Deutschböhmen bas Gepräge ber Zweisprachigkeit aufzubrücken, wehren sich andererseits die Deutschen mit aller Gewalt gegen die ihnen aufgezwungenen tschechischen Beamten, gegen die amtliche Tschechr- sierung, gegen die zweisprachigen Drucksachen u. dgl. Aehmich, wie die Bürgermeister und Gemeindevorsteher des Reichen- berqer Bezirkes, hat nun auch die Stadtvertretung von Friedland beschlossen, in Zukunft sämtliche von ben staat­lichen Behörben an bie Gemeinbe überfanbten zweisprachigen Drucksachen abzulehnen.

Der Weberstrikes in Krefelb hat nun be­reits sechzehn Wochen gebauert, unb ist bamit einer ber hartnäckigsten unb langwierigsten Strikes geworden; nächst dem Hamburger Hafenarbciterstrike und dem großen Buch- druckerstrike wird er auch wohl bereits die größten Summen gekostet haben; schon über 200,000 Mk. sind ausgegeben worden. Not und Elend sind in die finanziell schon fa schwache Arbeiterbevölkerung eingezogen. Es ist eine alte Erfahrung, daß ein Strike, der sich länger als 8biS 10 Tage hinzieht, für die Arbeiter verloren ist, das Jn- tereffe 'der übrigen Arbeiterwelt stumpft sich bet fo langer Dauer eines Ausstandes selbstverständlich von Tag zu Tag mehr ab. Verschiedene von den Arbeitern ausgehende Ver­suche, für eine Wiederaufnahme der Arbeit Stimmung zu machen, find bisher gescheitert, wie die Dinge jedoch liegen, wird eine längere Fortsetzung des Kampfes kaum mehr möglich fein.

Feuilleton.

Aas 19. Jahrhundert.

Unter Mitwirkung hervorragender Fachgelehrter herauögegeben von Friedrich Thieme.

(Nachdruck oder Auszug verboten.) vni.

Bildende Künste (Kuustgewerbe).

(Schluß.)

f(| lischt erholen kann

In allgemeinen hat man in Deutschland lebhafte Sym- PWirr für Rumänien, welches durch die Thatkraft feines SttiöMQS auf einen Grad ber Kultur gebracht worben ist wie Tdüin atbere« Lanb auf bem Balkan. Wir haben bies bes netten ausgeführt anläßlich bes Besuchs, welchen Kaiser £?uni Zosef in Bukarest abftattete, unb wollen heute nur -' «s ki! Lage ber Deutschen in Rumänien, besonbers natür- V i.d) ii ber Hauptstabt Bukarest, Hinweisen. Die bortige '.antfe^r- Kolonie, zu ber freilich auch eine Reihe von Oester- c Schweizern u. f. w. gehören, zählt etwa 20000 SS«kr. jebenfalls eine recht stattliche Zahl im Verhältnis i M Grsamt-Einwohnerschaft.

r.as Vereinsleben ist sehr rege entwickelt; unb es be- f (itben tcht beutsche Vereine zu geselligen unb gemeinnützigen ejtrfent. Der Pflege vaterlänbischer Gesinnung ist bte s'<sitnf Jahren gegründete '.Bereinigung der Reichs- i ^^'al^äuch für°'bie Landwirtschaft von großem dllAislhrsn" gewidmet, welche sich immer größeren Interesses I st fein mürbe, weil sie burch benselben ihre Bebürfnisse > afieut.. Dem bentschen Schulwesen wirb seitens ber Kolonie I < Futtermitteln biUiacr erhalten würbe als

g k.-sonbere Aufmerksamkeit zugewenbet;wehr als vierzig I Abgeordneter Gothein (frs. Ver.) machte der Regie- Witt r-nb^äfig um ^b^ene^Ienauf,|m e»t »bg-°rdn°.° ©o 5 Vorlage ganz

M, -u -rh°l -n. Daß auch str sonst g-^g w°mnütz'g ^glaubliche Unrichtigkeiten enthalte, worauf Minister Th.elen itt/'K»1. äXÄZ.rÄSK»"'« 2

i!tt 2basAnsehenbeS deutschen Reichs wächst. Wir Gedenkfeier der Erstürmung der Düppel er Hohen fto auf unsere Kolonie in Bukarest um so stolzer sein, ' 7nn h(*m Äonm Don (5adlfcn am

äilünt sich im allgemeinen von dem politischen Parteigetriebe irrglichst fern hält, und aus diesem Grunde werden auch .»: vAlitischen Krisen keinen wesentlichen Einfluß auf die C Stillung der Deutschen in Rumänien ausüben. Mag dort tnii [liberale ober eine konservative Regierung am Ruber f (sa, ldas Deutschtum wird unueränbert auch bei ben Unter- 1 Gum bes Königs Carol in hohem Ansehen stehen.

lobet

«Im.hme von Anzeigen zu der nachmittag« für de» fofllf-kem Tag erscheinenden Nummer bt« vorm. 10 Uhr.

Deutsches Reich.

Berlin, 14. April. Jrn Prozeß Egloffstein wurde auch heute das Urteil noch nicht gesprochen. Der Gerichts­hof beschloß, zur Erhebung neu beantragter Beweise emen neuen Termin auf nächsten Montag vormittag anzufetzen.

Berlin, 14. April. Wie demBerliner Tageblatt" aus London gemeldet wird, ist der Dampfer Alleghany, welcher I im Januar von New-York mit 2000 Tonnen Petroleum I nach Dover abgefahren ist, mit 25 Mann Besatzung tm

niste £ocoit# ' Deutschlands, icomobilf

Jbis 200?!^ sparsamst«

etriebsmascW dw irttec*,

hinen