1809
Donnerstag den 16 März
Erstes Blatt.
Aints- und Anzeigeblatt für den Tiveis Gieren
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v. Levetzow. Auch sie würden bei der dritten Lesung stimme«
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Mr Anzeigen-BermittlungSstellen M In- und Ausland«» arhmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen«
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Redaktion, «rt)ffcition und Druckerei:
Schukstruße Nr. 7.
fallen werde.
Abg. Hausmann-Böblingen (südd. BP.) bekämpft jede Heeresvermehrung, desgleichen Abg. Lanzinger (Bauernbund). m ,
Abg. Szmalakys (Litthauer) ist für die Vorlage.
Abg. Richter (frs. Vp.) kann nicht begreifen, daß man über den Abstrich von 7000 Mann so viel Aufheben« macht. Er zitiert alsdann ebenfalls die heute gefallene Bemerkung, daß nur die Militärverwaltung solche Fragen beurteilen können. Mit dieser Behauptung degradiere man den Reichstag zum bloßen Echo der Regierung. Der Parlamentarismus würde also ganz überflüssig sein. Aber auch in der Heeresverwaltung herrsche jetzt der Zickzackkurs, wie die Frage der fünften Bataillone und anderes beweise. Der Kriegsminister sei ja auch herzensfroh, wenn er die Vorlage mit den Centrumsabstrichen unter Dach und Fach bringe. Den Reichstag dürfe man doch nicht als eine Geldbeschaffungsmaschine betrachten. Komme es zur Auflösung, dann werde man ja wissen, daß der Reichstag nicht wegen der 7000 Mann aufgelöst werde, sondern deshalb, weil man einen ganz anderen Reichstag haben wolle, mit dem man die Zuchthausvorlage und die Abänderung des Wahlrechts durchsetzen wolle. Es werde sich da^m handeln, ob ein autokratisches, selbstherrliches Regiment herbeigeführt oder ob | ein selbständiges Parlament in den bisherigen Grenzen ber-
behalten werden solle.
Abg. Freese (frs. 93g.) erklärt, seine Partei behalte sich ihre Stellungnahme für die dritte Lesung vor.
Reichskanzler Fürst Hohenlohe führt aus, die Maßnahmen der Regierungen seien geleitet von der Sorge für die Sicherheit des Reiches und sie seien sich auch ihrer Verantwortung vollkommen bewußt.
Abg. Bebel (Soz.) spricht gegen bie Vorlage, Abg. Liebermann von Sonnenberg (Antis.) für dieselbe.
§ 2 der Regierungsvorlage wird mit 209 gegen 141 Stimmen abgelehnt, desgleichen § 2 in der Kommissions- fassung.
Die Artikel 2 und 3 werden angenommen.
Einige von der Kommission beantragten Resolutionen sollen erst bei der dritten Lesung beraten werden.
Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr: Etatberatung und dritte Lesung der Militärvorlage.
Schluß 6i/4 Uhr.
Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Kandwirt, Mittler für hessische Volkskunde._____________
«»nähme »eo Anzeigen zu der nachmittags für ben felgenden Daß erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr.
Mm an der ordn « Donnerstag ft Angrsaale der B:
'aftung der Vorsts llch. Neuwahl |ir und durch Wegzug at und Vorstand.
rstanb:
)r. Haberkorn.
Adreffe für Depeschen: Anzeiger Hlehen.
Fernsprecher Nr. 51.
Abg. v. Kardorff (Rp.) spricht sich namens seiner Partei in Bezug auf deren Abstimmung bei der zweiten
Ziffern des § 2. |
Kriegsminister v. Goßler erkennt an, daß die Grund- I sätze, auf denen die geplante Organisation beruht, genehmigt I worden sind. Aber es seien in der Kommission auch Aende- I rungen der Vorlage eingetreten, die in zwei Teile zu teilen I seien: in wichtige und weniger wichtige. Nachdem der I Minister beide Teile ausführlich dargelegt, erklärte er, daß er für seine Person an der Regierungsvorlage unbedingt I festhalten müsse. Zunächst habe sich nicht gleich übersehen lassen, welche Konsequenzen, welche Aenderungen in der I Organisation der Beschluß der Kommission nach sich ziehe. Jetzt aber seien die bezüglichen Berechnungen angestellt, und er, Redner, könne Stellung zur Sache nehmen. Es frage I sich, ob das Pauschquantum der Kommission genüge, um I allen Truppenteilen die notwendigen Etats zu sichern. Er müsse verneinen, daß die Ziffer ausreicht, und er gebe der Hoffnung Ausdruck, daß es möglich sein werde, die Regierungsvorlage wieder herzustellen. Er appelliere an den Patriotismus des Hauses.
Abg. Sattler (natl.) erklärt, daß seine Partei sich ihre endgiltige Entscheidung über die Militärvorlage bis zur dritten Lesung Vorbehalte. Die Präsenzziffer sei eine technischmilitärische Frage, die nur von der Kriegsverwaltung ent- | schieden werden könne. (Beifall rechts, Gelächter links). Er ' hoffe, daß es bis zur dritten Lesung noch zu einer Einigung , kommen werde.
Abg. von Levetzow (kons.) erklärt, es sei nicht zu verkennen, daß die Vorlage große Opfer fordere, diese Opfer ständen aber in keinem Verhältnis zu den schweren Folgen, die ein etwaiger Krieg nach sich ziehen müßte. Die Kosten, die durch die Herabsetzung der Regierungs- forderung erspart würden, beliefen sich auf 2 bis 2'/z Millionen Mark; das sei eine wahre Lappalie. Die Regierungsvorlage fordere das Minimum des Notwendigen. Er mit seinen Freunden stimme daher für die Wiederherstellung der Vorlage; werde dieselbe nicht angenommen, dann würden i sie für jetzt nicht in der Lage sein, sich auf die Kommissionsbeschlüsse einzulassen. Die Partei werde sich deshalb die definitive Stellungnahme bis zur 3. Lesung Vorbehalten. (Beifall rechts).
Abg. Lieber (Zentr.) wendet sich zunächst gegen bte Bemerkung bes Abg. Sattler, baß nur bte Heeresverwaltung solche Fragen beurteilen könne. Die Folge bieses Stanb- punktes würbe sein: Der Reichstag hat allen Forberungen ber Heeresverwaltung zuzustimmen. Rebner wenbet sich sobann gegen ben Referenten Abg. Bassermann unb bemerkt, ber Reichstag würbe eine um so kläglichere Rolle spielen angesichts besten, baß Beschlüsse bes Reichstags so unb so oft von ben verbünbeten Regierungen abgelehnt worben seien, auch wenn sie einstimmig gefaßt gewesen I sxien. Wie stehe es z. B. mit ben Veteranenpensionen? I (Beifall). Für bie Frage ber Leistungsfähigkeit bes beutschen Volkes, nicht nur in finanzieller Beziehung, sonbern vor I allem auch in personeller Hinsicht, sei bie Vertretung bes deutschen Volkes, ber beutsche Reichstag, in erster Lime zustänbiq. Diktate müsse ber Reichstag mit aller Bestimmtheit ablehnen. Dafür sei die Verfassung vorhanden; dafür seien die Abgeordneten hierhergeschickt worden, um technische Forderungen zu prüfen auf die Leistungsfähigkeit des Volkes bin Redner streift alsdann den Arbeitermangel auf d^n I Lande und geht dann des weiteren nochmals näher auf die Militärvorlage ein, deren Zweck auch erreicht werde trotz I der Abstriche der Kommission. Sollte die Ausführung dieses Gesetzes wirklich den Nachweis ergeben, daß die Truppen oder die zweijährige Dienstzeit geschädigt bezw. gefährdet würden dann sei das Zentrum bei einem späteren Anlaß bereit eine neue Regelung der Frage der Präsenz eintreten zu lasten. (Heiterkeit). Zurzeit sei aber ein solcher Nachweis nicht geliefert. Redner kommt auf die bedeutenden Ausaaben auch für bie Marine zu sprechen. Wir halten, so schließt Abg. Lieber, an ben Kommissionsbeschlüsten fest unb hoffen, baß auch bie verbünbeten Regierungen unb bie Rechte unb bie Nationalliberalen den Versuch mit biesem Abstrich machen werben, statt eine Krise heraufzubeschwören, I üon der bas Enbe nicht abzusehen ist, und an ber mir I keine Schuld tragen. (Beifall).
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Deutscher Reichstag.
56. Sitzung vom 14. März. 1 Uhr.
Das Haus ist in allen seinen Teilen gut besetzt. Am vurndesratstische: Kriegsminister v. G o ß l er, Staatssekretär M Posabowsky, später Reichskanzler Fürst Hohen- l»He.
Auf ber Tagesorbnung steht bie zweite Lesung h c Militärvorlage. Beim Artikel I wirb § l kb'rttelos genehmigt.
§ 2 hanbelt von ber Friebenspräsenzstärke, ber Vorlage 502 526 Gemeine und Gefreite, nach bem iommissionsbeschluffe nur 495500.
38<|Ufl$prrls vierteljährlich
2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Sßffr mit vringerlohn.
Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.
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Wehener Anzeiger
General-Anzeiger
Warnung.
Im allgemein öffentlichen Interesse bringen wir nach- fthenben Fall zur Kenntnis.
Seit längerer Zeit laufen täglich von ber Einwohnerschaft hiesiger Stabt bittere Klagen darüber bei uns ein, daß Itt frühere Taglöhner Ludwig Scheerer hier, welcher jcil Jahren an Nervenzuckungen leidet, in geradezu brutaler inb oft gewaltthätiger Weise in Wohnungen eindringe, die Lewohner durch Betteln belästige und alleinstehende Frauen furch seinen erschreckenden krankhaften Zustand erschrecke mb ängstige. Scheerer, welchem im vorigen Jahre seitens k Behörde im städtischen Bürgerhospital ein sorgenfreies Isyl gegeben war, entzog sich dieser Fürsorge in böswilliger «b sicht, wahrscheinlich weil in dieser Anstalt fein Alkohol urabreicht wird, und begann die Bettelei von neuem.
Die vom Gericht gegen Scheerer erkannten, nicht un- tatenben Haftstrafen konnten auf. Grunb eines ärztlichen Gutachtens in Rücksicht auf fein körperliches Leiben an bem- Wen nicht vollstreckt werben. Ein wieberholtes Ansinnen slitens ber Stabtverwaltnng an ben p. Scheerer, sich in tüs Hospital zu begeben, hat berfelbe kurzweg abgelehnt, teil demselben bas Betteln zur Gewohnheit geworben, unb tr die ihm gespenbeten Gelbbeträge in geistigen Getränken «fgehen läßt. .
Um ben fortgesetzten Belästigungen ber hiesigen Em- whnerschaft ein Ziel setzen zu können, wirb bieselbe ft in g enb gebeten, bem Scheerer fernerhin keinerlei Al- iofen mehr zu verabreichen, da nur dadurch erreicht werden MV, baß er in bas stäbtischc Hospital zurückkehrt.
Sollte Scheerer bas Betteln fernerhin nicht unterlassen hb sich babei ungehörig benehmen ober sogar Gewaltthätig- hit<n verüben, bitten mir, uns hiervon Anzeige zu machen.
Gießen, ben 15. März 1899.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Muhl.
Bekanntmachung.
Es wirb hiermit zur allgemeinen Kenntnis gebracht, »ß^burch Entschließung Großh. Ministeriums bes Innern ,om 3. März 1899 ber Versicherungsgesellschaft zu Schwebt die Erlaubnis zum Betrieb ber Mobiliar-Feuerversicherung im Großherzogtum unter ben üblichen Bebingungen auf Eiderruf erteilt worben ist.
Gießen, ben 11. März 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtolb.
Abg. Bassermann (natl.) erstattet ausführlichen
Bericht über bie gesamten Kommissions-Verhanblungen. , ...... ~
(Wegen ber im Hause herrschenben großen Unruhe bittet Lesung genau so aus wie zuvor bi«bgg. Sattler und
Präsident Graf Ballestrem bas Haus, sich einer etwas b hpr brttfpn 9efimn fhmme«
größeren Ruhe zu befleißigen, als gewöhnlich. (Heiterkeit.) je nachdem die Erklärung ber verbünbeten Regierungen auS- Nachbem ber Referent feinen Bericht beenbet, teilt Präsibent Gras Ballestrem mit, baß von bem Abg. Graf Bismarck- Bohlen namentliche Abstimmung beantragt sei über bie
chrHtt it ‘od-Dreiläa1 > (vergl. 31t. 18? iud) für Auer- utft perur.gr« unb mstrukkion.
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Deutsches Reich.
Berlin, 14. Marz. Bei der Abstimmung über die Militär-Vorlage lehnte der Reichstag den maßgebende« Paragraph 2 der Regierungsvorlage mit 209 gegen 141 Stimme» ab. Damit ist die Militär-Vorlage in zweiter Lesung abgelehnt. Die dritte Lesung findet am Donnerstag statt.
Berlin, 14. März. Wie bie „National-Zeitung" hört, finbet bie Beisetzung bes Fürsten unb der Fürstin Bismarck in ber Grabkapelle bei Friebrichsruh übermorgen, am Donnerstag, im kleinsten Kreise statt. Der Kaiser wirb bem Vernehmen nach ber Feier beiwohnen. — Hierzu wirb noch gemelbet: Fürst Herbert teilte dem Reichstagswahlverein von 1884 in Hamburg mit, es würbe ihm eine persönliche Genugthuung sein, wenn bie Vereinsmitglieber, welche seinem Vater stets bie Treue bewahrt, auch an biefer Trauerfeier teilnehmen würben. Die Mitglieber bes Verein« werben also auf bem abgesperrten Terrain burch Spalier- bilbung, mit Fackeln in ben Hänben, bem Fürsten bie letzte Ehre erweisen. Frauen und Kinber hülfen, polizeilicher Verfügung zufolge, währenb bes Traueraktes bas Terrain nicht betreten. Eine umflorte Rosette wirb als besonderes Trauerzeichen ausgegeben. Wie verlautet, wirb wegen bei Ausfalls ber Hamburger Börse am Trauertage verhanbelt. Die fürstliche Familie trifft Mittwoch in Friebrichsruh ei». Nach bereu Ankunft wirb bie Festsetzung bes offizielle» Programms erfolgen. Der Pfarrer Westphal aus Brunstorf, welcher Bismarck bas Abenbmahl reichte, sowie ein Super- intenbent aus Ratzeburg sollen bie Kapelle weihen unb bie Gebenkrebe halten. — Die Absperrung von Friebrichsruh wirb so streng sein, wie bies noch nie ber Fall war.
Berlin, 14. März. Das heutige Marine-Verorbnungs- blatt veröffentlicht einen Erlaß bes Kaisers, ber die neue Organisation ber Marine enthält. Nach demselben kommt bie Behörbe „Oberkommando der Manne
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erfchei»1 tigNch »it Ausnahme des Montags.
Die Gießener
fcfrbtn dem Anzeiger »ichmtlich viermal beigelegt.
Bekanntmachung.
Der Osterfeiertage wegen wird der auf den 3. April ss. Js. fallende Zahltag der Kreiskasse Gieße» zu Huugen uud Ltch nicht an diesem Tage, sondern am Montag, dem 587. März abgehalten werben.
Gießen, ben 13. März 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
______________ v. Bechtolb.____________________
Bekanntmachung.
Wegen Vornahme von Gebäube-Abbrnchsarbeiten wirb bie Rittergasse nach ber Mäusburg zu behufs Vermeidung ton Unglücksfällen für ieben Verkehr von heute bis auf »eil eres gesperrt.
Gießen, ben 15. März 1899.
Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.
Muhl.


