Ausgabe 
15.11.1899 Zweites Blatt
 
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d. I. mit einem großen Kommers im hiesigen Orpheum begehen und wird bereits vom Ausschuß der Studierenden zur Teilnahme eingeladen.

A Kahl a. M., 13. November. Bei unserer heutigen Bürgermeisterwahl wurde das bisherige Gemeinde- vberhaupt Friedrich Gatthof nahezu einstimmig wieder­gewählt. Der Gegenkandidat erhielt nur 4 Stimmen. Gatthof steht der Gemeinde schon seit 6 Jahren vor.

A Seligenstadt, 13. November. Ein fremder Mensch stellte sich gestern den hiesigen Polizeiorganen unter der Selbstbeschuldigung, einen ihm anvertrauten größeren Geld­betrag unterschlagen zu haben. Nachdem üch seine An­gaben als wahr herausstellten, wurde er heute vom Orts­gefängnisse nach dem Amtsgerichtshaftlokale überführt. Durch die Selbstgestellung will sich der Mann, der in Hanau den Rest seiner Barmittel verjubelte, eine geringere Bestrafung sichern.

Mainz, 11. November. Bei der Ueberfahrt nach ihrem Schiffe, dem DampfbootKaiser Friedrich", sind vor kurzem zwei Heizer auf unerklärliche Weise in den Rhein gestürzt und ertrunken. Die eine der Leichen, die in Budenheim geländet wurde, zeigte eine schwere Verletzung des Schädels, woraufhin von der Staatsanwaltschaft eine Untersuchung eingeleitet worden ist. Gestern wurde im Rhein ein gewisser Krämer von Bürstadt geländet; der Mann war bei dem Nachhausegehen vom Rheinufer in das Wasser gefallen und in den Wellen verschwunden.

Mainz, 13. November. (Zigeuner streich.) Inder Nacht von Freitag auf Samstag lagerte in der Rheinallee eine Zigeunerbande. Nachdem sie am Samstag morgen ihr Lager geräumt und durchs Rheinthor abgezogen waren, ver­mißte die im Gartenfelde wohnende Familie Imperial ihren 11jährigen Sohn. Man befürchtete gleich, daß dieZugeuner den Buben mitgenommen hätten. Die Gendarmerie wurde verständigt und Oberwachtmeister Engel begab sich selbst zu Pferde auf die Suche nach dem Knaben. Zwischen Mom- bach und Budenheim holte er die Zigeuner ein und, der Führer der Bande führte das gesuchte Kind an der Hand. Selbstverständlich wurde der Knabe von der Gendarmerie seinen Eltern wieder zugeführt. Der Junge behauptete, nicht freiwillig mitgegangen zu sein, sondern nur deshalb, weil ihm der Zigeuner so schöne Sachen versprochen hätte, die er ihm wenn er mitginge schenken würde. Der Zigeuner wurde nicht verhaftet, weil ihm ein Diebstahl des Knaben nicht nachzuweisen war. (M. A.)

Worms, 12. November. Heute vormittag fand durch Herrn Bürgermeister Köhler in Gegenwart einiger Stadt­verordneten und der Angehörigen der Familie Beth die Ent­hüllung des Denkmals für den verstorbenen Herrn Stadtgärtner Beth statt. Der Verstorbene war eine lange Reihe von Jahren im städtischen Dienst und ist der Schöpfer der hiesigen Anlagen.

nn. Aus dem Großherzogtum Hessen. Mit Beginn des Jahres 1900 darf nunmehr auch für unser Großherzogtum Hessen die Errichtung von Handwerkskammern als eine vollendete Thatsache bezeichnet werden. Bereits find im Schoße der Großh. Regierung die Vorarbeiten über diese Angelegenheit soweit gediehen, daß die Regierung mit ganz bestimmten Normen für das Organisations-Verhältnis dieser neuen gewerblichen Institutionen hervortreten wird. Dabei wurde auch die Frage, ob das Einkammer- oder Dreikammersystem für Hessen zu wählen sei (das letztere ein Wunsch des Verbandes selbständiger Gewerbtreibender und der Innungen) bereits entschieden und die Errichtung einer Handwerkskammer mit dem Sitz in Darmstadt ins Auge gefaßt. Größere Schwierigkeiten bereiten dagegen die Erledigung des Wahl-Modus für die Gewerbvereine und Innungen, insbesondere ob direktes oder indirektes Wahlrecht eingeführt und wie sich die Wahlen der Vertreter zu der Handwerkskammer in den einzelnen Gewerbgruppen der Gewerbevereine, Innungen usw. vollziehen sollen, ohne daß die Interessen der einen oder anderen Partei geschmälert werden. Soweit bekannt, wird die Regierung den Wünschen der Majorität des Handwerks Rechnung tragen und das

direkte Wahlrecht zur Einführung bei den Wahlen empfehlen. Bezüglich der Festsetzung der Wahlvorschriften soll vorerst nochmals mit einer Anzahl sachverständiger Gewerbetreibender des Landes eine gemeinsame Beratung hierüber stattftnden, um auch hier das Richtige zu treffen. Hoffen wir, daß aus diesen Beratungen nur das Beste für unser hessisches Hand­werk hervorgehen möge. Der Handwerker aber darf auf die Gewerbekammern nicht all seine Hoffnungen setzen, sondern sich des Wortes erinnern: Bete und arbeite, so hilft Gott allezeit.

Marburg, 13. November. Ein sauberes Pärchen hatte sich dieser Tage vor der hiesigen Strafkammer zu verantworten. Beide, er und sie, hatten ihre Familien in Frankfurt a. M. im Stiche gelaffen und gerierten sich in einem hiesigen Gasthof als Eheleute. Als sie nach Kassel weiterreisten, geriet der Sommerüberzieher, einige andere Sachen und zwei goldene Ringe eines Kellners versehentlich mit in ihren Koffer. Das Paar wurde jedoch bald aus­findig gemacht und ins hiesige Gefängnis eingeliefert. Da beide schon oft mit den Strafgesetzen in Konflikt gekommen waren, so wurden- sie zu je 9 Monaten Gefängnis ver­urteilt.

Reuhof, 10. November. Man schreibt derFuld. Ztg.": Auf einer Jagd wurde hier in der Nähe ein Vogel erlegt, der in unseren Gegenden bis jetzt noch nicht vorgekommen ist und dessen Gattung nicht festgestellt werden konnte. Der Vogel hat die Größe eines Raben, sein Gefieder ist pracht­voll schwarz mit grün, sein Schnabel ist lang und spitz, an jedem Ständer hat er drei Klauen. (Das wird wohl der Vogel der Redaktion oder ein Spottvogel gewesen sein.)

Hanau, 12. November. Infolge Entgegenkommens der städtischen Körperschaften ist die Errichtung eines Hanauer Museums durch den Geschichtsverein in greifbare Nähe gerückt. Bekanntlich sind dem Geschichts­verein für eine würdige Aufstellung seiner Sammlungen durch Vermächtnis der verstorbenen Frau Auguste Jung 10,000 Mk. zugefallen, welche zur besseren Einrichtung, zur Beschaffung von Schränken rc. Verwendung finden sollen. Jedoch mangelte es an geeigneten Lokalitäten, obwohl die Sammlungen einen derartigen Wert und eine solche Be­deutung erlangt haben, daß dieselben durchaus geeignet er­scheinen, als Hanauer Museum dem großen Publikum zu­gänglich gemacht zu werden. Unter Zuziehung von Mit­gliedern des Geschichtsvereins hielt nun eine vom Magistrat eingesetzte Kommission Umschau nach passenden Lokalitäten und als passendes Objekt wurde das jetzt zu Schulzwecken benutzte Altstädter Rathaus ausersehen, das auch infolge seiner äußeren Renovierung für ein vaterstädtisches Museum wie geschaffen erscheint. Sobald nun das Altstädter Rat­haus für Schulzwccke nicht mehr gebraucht werden wird, soll es dem Geschichtsverein als Heim überlassen werden.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

R. AUS Rheinhessen, im November. Wie seit einer Reihe von Jahren will ich Ihnen auch Heuer wieder eine kurze Ueberficht über die Entwickelung und die Ergebnisse unserer Wein- krescenz zukommen lasten. Es soll sogleich vorausgeschickt werden, daß sich unsere Hoffnungen nur in sehr bescheidenem Maße erfüllten. Die Reben war gut durch den gelinden Winter gekommen und das ist stets ein wesentlicher Faktor für einen befriedigenden Herbst. Die Früh­jahrswitterung, ein ewiges Sudelwetter, ließ uns jedoch im Stich, sodaß die Traubenblüte recht verspätet eintrat. Dieser Fehler wurde zum Teil durch die treffliche Witterung in der zweiten Hälfte des Juli und während des August, bei uns Winzer Kochmonat genannt, bedeutend verbessert, sodaß wir auf Aegidi (l. September) der Ansicht waren, es würde uns ein reicher Herbst mit feinem Produkte in Aussicht stehen. Diese Hoffnungen machte uns der Bratmonat September jämmerlich zu schänden, genau so wie im Jahre 1897. Es goß unendlicher Regen herab; die trübe, kühle Witterung brachte einen völligen Stillstand in der Entwickelung, Krankheiten zeigten sich auf den Beeren und Blättern, es trat vielfach Sauerfäule ein, die ein längeres Hängelaffen unmöglich machte. Als die Ernte zum großen Teile beendigt war, erhielten wir die denkbar schönste Herbstwitterung, die drei Wochen früher Wunder ge­wirkt haben würde. Es hat nicht sollen fein! Was die Eigenschaften des 1899ers anbelangt, so ist zu bemerken, daß die Gährung gut ver­laufen und der Most bald Helle geworden ist, sodaß er jetzt schon ver­spundet und versandt roetiben kann. Er ist ein leichter, angenehmer

Mittelwein, ähnlich wie der 1897er, so recht zum Kneipen geeignet und« erinnert vielfach an Moselwein. Für das, was er bis jetzt kostet, ist er sehr annehmbar. Nun noch einige Bemerkungen über das Weingeschäft und den Weinhandel. Das treffliche Oktoberwetter belebte den Verkauf beS Erzeugnisses und brachte ein langsames Steigen des Mostes. Da Mangel an Konsumvereinen herrscht, ist nicht anzunehmen, daß der Preis des 1899ers sinkt, für bas Frühjahr darf weiteres Steigen erwartet werden. Die Erträge sind sehr verschieden, je nachdem die Reben­blüte gut odcr schlecht verlaufen ist, gerade wie bei der Obsternte d. h. es ist für manchen, der Glück hatte, ein guter Ertrag zu verzeichnen, während andere nicht auf die Kosten kommen.

Frankfurter Börse vom 13. November.

Wechsel auf New-York zu 4.19%-20%.

Prämien auf Kredit per ult. November 1.20 /, do. per nlt. Dez. 2.75%, Diskonto Kommandit per ult. Nov. 0.953/ , do. per ult. Dez. 2 25%, Lombarden per ult. Nov. 0.56%, do. per ult. Des. 0.90 Iq, Staatsbahn per ult. Dez.%.

Notierungen: Kreditaktien 230.80-231.20-231, Diskonto- Kommandit 191.90-50, Staatsbahn 141.10, Gotthard 143., Lom­barden 32.20, Ungar. Goldrente 97.80, Italiener 92 80, Gprozentige Mexikaner., 3proz. Mexikaner 25.90, Oesterr. Coupons 84%« Amerik. Coupons 4.18%, Privat-Diskont 5%-5% /q.

1% bis 2% Uhr: Kredit 231.00-230.30, Diskonto Kommandit 191.5010.00, Staatsbahn 141.20-140.40-60, Lombarden 32.20, Har- pener 200.40-198.90.

Kartoffeln.

Magd eburg. Eßkartoffeln 4 50 bis 5.00 Mk. für 100 Kilo. Stettin. Kartoffeln 3.20 bis 3.80 Mk. für 100 Kilo. - Nord- Hausen. Kartoffeln 4.50 bis 5.00 Mk. für 100 Kilo. Konstanz. Kartoffeln0.95 Mk. für 20 Liter. Freiburg. Kartoffeln 0.70 Mk. für 20 Liter. Offenburg. Kartoffeln 0.75 Mk. für 20 Liter. Karlsruhe 0.80 Mk. für 20 Liter. Mannheim. 2.50 bis 5.00 Mk. pro Ctr. Ludwigshafen. 2.85 bis 3.40 Mk. pro Ltr. Frankenthal 5.10 bis 6.00 pro 100 Kilo. Landau. 3.10 Mk. pro Ctr. Neustadt. 2.60 bis 2.80 Mk. pro Ctr. Stuttgart. 2.70 bis 3.00 Mk. pro Ctr.

Heu und Stroh.

Berlin. Richtstroh, höchster Preis 4.66 Mk., niedrigster Preis 4.16 Mk., Heu höchster Preis 6.80 Mk., niedrigster Preis 4.00 für 100 Kilo. - Köln. Heu 6.30 bis 8.10 Mk, Krummstroh 2.10 Mk., Ma­schinenstroh 3.10 Mk., Richtstroh 3.60 Mk. für 100 Kilo. Magde­burg. Nichtstroh 3.50 bis 4.00 Mk., Krummstroh 2.50 bis 3.00 Mk., Heu 6.00 bis 7.00 Mk, alles pro 100 Kilo. Nordhauser,. Heu 5.00 bis 5 50 Mk., Richtftroh 2.50 bis 3.00 Mk. für 100 Kilo. H alle. Sämtliche Preise gelten für 100 Kilo, und zwar bei Partien frei Bahn hier, bei einzelnen Fuhren frei Hof hier. Roggenlangstroh (Handdrusch) 3.80 bis 3.60 Mk., Maschinenströh (Roggenstroh) 1.80 bis 2.50 Mk., Weizenstroh 1.70 bis 2.00 Mk., Wiesenheu, hiesiges oder Thüringer, beste Sorten 6.50 bis 7.00 Mk. Nürnberg. Heu 6.00 bis 7.00 Mk., Stroh 3.60 bis 4.40 Mk. für 100 Kilo. Breslau. Heu 0.00 bis 0.00 Mk. für 100 Kilo. Stroh 0.00 Mk. das Schock. Würzburg. Heu 5.40 bis 6.00, Stroh 3.20 bis 4.00Mk. für 100 Kllo. Karlsruhe. Heu 7.00 Mk., Stroh 0.00 Mk. für 100 Kilo. Offenburg. Heu 4.60 Mk., Stroh 3.40 Mk. für 100 Kllo. Frei­burg. Heu 6.00 Mk., Stroh 0.00 Mk. für 100 Kilo. Konstanz. Heu 7.00 Mk., Stroh 5,50 Mk. für 100 Kllo. Mannheim. Stroh pro Ctr. 1.75 bis 2.30 Mk., Heu pro Ctr. 3.25 bis 3.50 Mk.

Spiritus.

Berlin. Spiritus 70er 44 07 Mk. Breslau. Spiritus per 100 Liter 100 Proz. exkl. 50 Mk. Hamburg. Spiritus per Oktober-November 19% Mk., per November-Dezember 19% Mk., unverzollt. Nordhausen. Branntwein 45 Vol.-Proz. für 1 ds. ohne Faß ab Brennerei 63 50-65.50 Mk., Branntwein 40 Vol.-Proz. für 1 dz. desgl. 57.60-59.50 Mk.

Zahlungseinstellungen.

Konkurseröffnungen: Kaufmann Konrad Geis, Altötting; Puiz- warenhändlerin Emma Pellehn, Altona; Gärtner Fritz Baumgarten, Delitzsch; Hotelier Adolf Hopp, Dessau; Fettwarenhändler Heinrich Konze, Dortmund; Tischler Otto Grimm, Gräfenhainichen; Kurz­warenhändlerin Anna Lemke, Kranz (Königsberg); Maler Albert Stärk, Konstanz; Nachlass des Sattlers Simon Orzechowski, Steinau (Kulmsee); Handelsfrau Marie Christ. Schäfer, Lausigk; Böttcher Friede. Wilh. Glass, Wernsdorf (Lengenfeld); Weber Georg Friedr. Bauer, Hausen (Leonberg); Möbelhändler Emil Neumann, LübecK; Gutsbesitzer Emil Bruno Krahmer, Königshain (Mittweida); Handels­mann Nik. Hohlbein, Heyerode (Mühlhausen i. Thür.); Nachlass des Getreidehändlers Joh. Echert, Hainbronn (Pegnitz); Möbelhändler Osk. Hartwig, Gevelsberg (Schwelm); Kaufmann Gottfr. Hoffmann, Sommerfeld; Fabrikbesitzer Wilhelm Streit, Spremberg (Lausitz); Bäcker Wilh. Könne, Daundorf (Vorsfelde); Oekonom Frans Ant. Sutter, Jungensberg (Weiler); Nachlass des Gastwirts Jak. Krahmer, Leissling (Weissenfels); Bleichereibesitzer Oswald Hänisch, Hänisoh- mühle (Zittau).

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Berühmte Mischungen Mk. 2,80 und 3,50 per Pfund. Probepacket« 60 und 80 Pfg. Zu haben bei den Niederlagen von Meffmers Thee.

* Wenn Prinzessinnen reisen. DieKöln. Volksztg." schreibt: Das russische Kaiserpaar hatte bei seinem Aufenthalt in Deutschland bekanntlich die drei kleinen Prinzessinnen bei sich, welche auch die Reise nach Potsdam mitmachten. Damit die Prinzessinnen unterwegs stets frische Milch bekommen können, werden in einem der elf Waggons des russischen Hofzuges zwei riesenhafte Holländerkühe mit­geführt. Der betr. Waggon ist vollständig als Kuhstall ein­gerichtet, Fußboden und Wände sind mit weiß blauen Mettlacher Platten belegt und es herrscht blitzende Sauberkeit darin. Frisches Grünfutter wird nach Bedarf an den einzelnen Stationen eingenommen, bei denen es im voraus bestellt wurde, und die Kühe befinden sich anscheinend ganz wohl dabei. Bei der Ankunft des Zarenpaares in Potsdam er­regte es unter den am Bahnhof anwesenden Personen keine geringe Verwunderung, als gerade im Augenblick der feier­lichen Begrüßung der hohen Herrschaften aus dem hintersten Waggon des russischen Hofzuges ein kräftigesMuh!" er- tönte. Die drei Prinzessinnen sollten während der ganzen Anwesenheit des Zarenpaares in Potsdam im Hofzug ver­bleiben ; auf besonderen Wunsch der deutschen Kaiserin je­doch, welche als eine große Kinderfreundin die Kleinen gern sehen wollte, wurden sie am Nachmittag ins Neue Palais gebracht.

* Heitere Folgen de8 Krieges in Transvaal. Die englisch- niederländische und die niederländisch-englische Abneigung nimmt gelegentlich des Transvaal-Krieges manchmal sehr lustige Formen an. So haben derD. Wochenztg. in den Nieder!." zufolge die Jerseker Austernhändler von ihren englischen Abnehmern Bericht empfangen, daß die englischen Feinschmecker während des Krieges mit Transvaal keine holländischen Austern effen wollen, um nicht an die Ver­

wandtschaft der Holländer mit den Buren erinnert zu werden! Die Rache der Niederländer für diese schnöde That ist nicht auSgeblieben. Ein Amsterdamer Barbier, der zwei Eng­länder eingeseift hatte, um sie zu rasieren, hielt in der Beschäftigung inne, als ihm die Nationalität seiner Kunden zu Ohren kam. Kein Protest half, sie mußten ihre Bart­stoppeln mit nach Hause nehmen. In einer unangenehmen Lage befindet sich die Leitung des AmsterdamerPanop- tikums. Die Besucher fordern energisch, daß die Figur der Königin Viktoria aus der Reihe der regierenden Herrscher entfernt und in einer Nebenkammer aufgestellt werden solle.

* Der Universitäts-Professor als Huugerküustler. Neber die Verhältnisse, in denen vor ungefähr 150 Jahren die außerordentlichen Professoren in Leipzig und wohl auch an anderen deutschen Universitäten lebten, darüber giebt ein Schreiben des damaligen Prorektors der Universität Göttingen willkommene Auskunft. Gegen Ende des sieben­jährigen Krieges rückte nämlich ein französisches Korps unter dem Oberbefehl eines sächsischen Prinzen vor die Stadt Göttingen. Der Prinz forderte die Stadt zur Uebergabe auf, und um die Uebergabe zu beschleunigen, schrieb er an seinen alten Bekannten, den Prorektor der Universität, Profeffor und Hofrat Dr. Abraham Gotthelf Kästner, ihm zu Gemüte führend, welche Schrecknisse durch ernste Belagerung über Göttingen kämen, Bombarde­ment und die Qualen unvermeidlicher Hungersnot, Kästner möge daher die Stadt zur Uebergabe bestimmen. In dem Schreiben, das nach denHann. Geschichtsblättern" der Hofrat Kästner dem Prinzen umgehend zugehen ließ, findet sich folgende Stelle:Was die angedrohte Aushungerung betrifft, so habe ich die Ehre gehabt, fünf Jahre lang Pro­

fessor extraordinariua in Leipzig gewesen zu sein, wobei ich ein so gründliches praeludium und exercitium im Hunger­leiden gemacht, daß ich keine Belagerung fürchte, und für alle ein gutes Beispiel abgeben werde."

* Phantasien über das Pferd. Wie es in dem Kopfe eines neunjährigen Jungen aussieht oder doch aussehen kann, dafür lieferte Fritzcheu jüngst ein wahrhaft erschütterndes Beispiel. Er hatte in der Schule die Aufgabe erhalte», einen Aufsatz über das Pferd zu verfaffen und entledigte sich des Auftrages in folgenden Stilblüten: Das Pferd ist ein Tier, cs hat vier Beine, an jedem Eck eins. Hinte» hat es auch noch eins, das ist aber keins, das ist ein Schwanz, da fitzen Haare dran, daran kann man ziehe», dann schlägt das Pferd. Vorne hat das Pferd den Kopf zum Aufklappen. Oben auf dem Kopf sitzen die Ohren. Da hört das Pferd mit. Wenn man das Pferd kitzelt, dann legt es die Ohren an den Kopf, dann lauf ich weg. Hinter den Ohren hat das Pferd die Mähne, das sind Haare. Das Pferd ist unten von Eisen. Wenn das Karuffel kommt, dann sind sie von Holz. Dann kostet es 5 Pfg., das thun wir gern. Wenn der Mann es nicht sieht, dan» kostet es nichts. Einige Pferde dienen auch bei den Soldaten. Kleine Pferde heißen Ponnies. Wenn man das Pferd schlägt, dann läuft es. Magere Pferde heißen Kracken. Einige Kracken gehen tot, andere werden geschlachtet. Dan» werden Matratzen und Wurst aus gemacht. Mama mag sie nicht. Papa desto länger. DaS Pferd hat vier große Zehen. Da läuft es mit. Manchmal kriegt es da ein neues. Wenn ihm der Schmied da was dran schneidet, daS th»e ich dem Anton in die Pfeife. Dann wird er übel."

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