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Freitag den 15. September
Nr. 217 Zweites Blatt
1809
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
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Das Pape-Denkmal in Brilon.
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Am 13. September wurde in Brilon das Denkmal eines Mannes enthüllt, den man mit Fug und Recht als Vater des neuen bürgerlichen Gesetzbuches bezeichnen kann, daS Denkmal für Heinrich Eduard Pape, der im Jahre 1888 starb. Pape hat sich um die Rechtsprechung des deutschen Reiches hoch verdient gemacht, besonders als Mitschöpfer des alten Handelsgesetzbuches und als Vorsitzender der ersten Kommission für die Ausarbeitung des Entwurfs eines deutschen bürgerlichen Gesetzbuches. Das Denkmalskomitee, dem die Staatsminister Dr. Falk, v. Maybach, v. Schelling, Staatssekretär Dr. Nieberding, Reichsbankpräsident Dr. Koch u. a. angehören, beschloß, das Denkmal, das die überlebensgroße, in Erz gegossene Figur Papes zeigt, am Geburtstage des Verewigten in seiner Geburtsstadt zu enthüllen. Schöpfer des Denkmals ist der in Altona geborene Bildhauer Künne.
* Die Kaisermanöver in Süddeutschland.
Die gestern verbreiteten Gerüchte, daß eine Zusammenkunft des Kaisers mit dem Zaren in Potsdam unmittelbar bevorstehe, haben sich nicht bestätigt. Offiziös wird mitgeteilt, daß das Zarenpaar, wie wir bereits früher meldeten, auf seiner Reise nach Darmstadt voraussichtlich die Prinzessin Heinrich in Kiel besuchen und einige Tage bei ihr verweilen werde. Eine Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und Kaiser Nikolaus ist allerdings für später in Aussicht genommen. Das Gerücht von dem unmittelbar bevorstehenden Besuche des Zaren in Potsdam findet seinen Ursprung offenbar in der plötzlichen Rückkehr des Kaiser-Alexander-Regiments, dessen Chef der Zar ist. Das Regiment ist allerdings am Dienstagabend auf dem Schlesischen Bahnhofe in Berlin angekommen, hatte aber keine Ordre, sich alsbald nach Potsdam weiter zu begeben. Es liegt also auch kein Grund für eine beschleunigte Rückkunft des Kaisers vor. Dieser beteiligt sich vielmehr auch heute an den Kaisermanövern.
Wie aus Karlsruhe gemeldet wird, waren für den letzten Manövertag neue Ordres de bataille ausgegeben worden: Ein aus beiden Kavallerie-Divisionen gebildetes Kavalleriekorps führt der Kaiser, eine Armeeabteilung (13., 14. und 15. Armeekorps), der König von Württemberg ein neuformiertes zwanzigstes Armeekorps mit einer Kavalleriedivision, General v. Plessen als Gegner.
Ueber den Verlauf der Manöver erhalten wir noch folgende ausführliche Nachrichten:
Karlsruhe, 12. September. Heute hieß es früh aufstehen ! Verließ doch der Extrazug, der die Offiziere des Großen Generalstabes und die zahlreichen Vertreter der Presse ins Manövergelände nach Thamm. nordwestlich von Ludwigsburg, brachte, schon um vier Uhr morgens Karlsruhe! Gegen sechs Uhr langten wir in Thamm bei verhältnismäßig gutem Wetter an. Wohl war der Himmel stark bewölkt und blieb es auch, aber bis Nachmittag fiel kein Regen. Um von Thamm ins heutige Gefechtsterrain zu gelangen, bedurfte es noch einer längeren Wagenfahrt nach Schönbühlhof, im Rayon der blauen Armee, deren Kommando heute Kaiser Wilhelm selbst übernommen hatte. Unterwegs kreuzten wir bereits mit der Kavalkade der ausländischen Offiziere, die gleich uns die Richtung nach der Katharinenlinde, dem besten hochgelegenen Uebersichtspunkte der ganzen Gegend, einschlugen, wo gleich darauf das Wehen der Kaiserstandarte anzeigte, daß der Kaiser bereits an Ort und Stelle war. In demselben Moment fiel auch schon, 6>/4 Uhr, der erste
Kanonenschuß seitwärts der Katharinenlinde von den Batterien der blauen Armee, auf welche der Feind von Kulverdingen und Hochdorf her sofort antwortete. Nicht lange, und das gleich sehr heftig werdende Knattern des Kleingewehrfeuers mischte sich mit hinein. Um die Besitznahme von Hochdorf wurde besonders heiß gerungen. Schon hatten sich Regimenter der angreifenden Blauen dort festgesetzt, da mußten sie wieder weichen, bis schließlich durch einen Kolossalangriff von drei Divisionen, bei welchem Tambour Battant vorgegangen wurde, der wichtige Abschnitt zwischen Hemmingen und dem Zeilwalde, sowie Hochdorf endgiltig in den Besitz der Blauen gelangte. Damit war das heutige Manöver gegen 10 Uhr beendet; bei dem späteren kriegsmäßigen Abziehen der Truppenteile gab es aber noch verschiedene scharfe Renkontres besonders bei einem Umgehungsversuch bei Reith. Das Resultat des heutigen Kampfes war das Zurückwerfen der roten Armee durch die vom Kaiser kommandierte blaue. Kolossale Leistungen wurden heute von den Truppen in Anbetracht des tagelang durchweichten Bodens vollbracht, und ganz besonders glänzend that sich die Artillerie hervor, die trotz aller Terrain- und Bodenschwierigkeiten stets immer außerordentlich schnell zur Stelle war.
Berlin, 13. September. Nach einer Meldung aus Ludwigsburg reist der Kaiser heute dort ab und trifft morgen früh gegen 7 Uhr aus der Wildpark-Station ein. Nach einem etwa zweistündigen Aufenthalt im Neuen Palais tritt der Kaiser die Weiterreise nach Hubertusstock an, wo ein Aufenthalt bis zum 16. dss. Mts. vorgesehen ist.
Karlsruhe, 13, September. Der Kaiser begab sich heute früh 4 Uhr 20 Min. nach dem Manöverterrain und führte im Manöver die Kavallerie-Division. Um l1/* Uhr begab sich der Kaiser nach Stuttgart. Er kehrt wahrscheinlich nicht mehr nach Karlsruhe zurück. Die übrigen Fürstlichkeiten sind ebenfalls abgereist. Staatssekretär v. Bülow hat sich nach Wien begeben. Der Kaiser begiebt sich von Stuttgart per Sonderzug direkt nach Potsdam.
Karlsruhe, 13. September. Hier zirkuliert das Gerücht, der deutsche Botschafter in Paris, Für st Münster, wäre gestern hier vom Kaiser in Audienz empfangen worden.
Karlsruhe, 13. September. Der Großherzog von Baden fuhr mit den fürstlichen Gästen heute früh 5 Uhr 10 Min. von Karlsruhe nach Thamm und von dort zu Wagen nach Markgröningen, wo die Pferde bestiegen wurden. Der Kaiser war schon frühzeitig hinausgefahren und hatte das Kommando eines Kavallerie-Korps (12 Kavallerie-
Feuilleton.
Kornelius Wanderöitt f
Im Palast der Banderbilts in der fünften Avenue New Jorks herrscht tiefe Trauer. Der alte Cornelius, das Oberhaupt der berühmten Familie der amerikanischen Eisenbahnkönige, ist, wie wir bereits gestern berichteten, dort einem Schlaganfall erlegen.
Die Kunde von seinem Tode kommt nicht ganz unerwartet. Sein Hinscheiden war, nachdem er schon einmal vor Jahren einen schweren Anfall erlitten, der den sonst noch rüstigen Mann stark gelähmt hatte, nur noch eine Frage verhältnismäßig kurzer Zeit gewesen. Mit dem Verstorbenen hat nicht nur einer der reichsten amerikanischen Milliardäre den Freuden dieser Welt Valet gesagt, sondern ist auch einer der ehrenhaftesten Männer dahingegangen, dessen Namen, dessen Finanzoperationen, dessen Handhabung seiner ausgedehnten Bahnen auch nicht der geringste Makel anhaftet.
Das ist das Lob, das man, ganz im Gegensatz zu den übrigen amerikanischen Eisenbahnkönigen, wie Gould und andern, je dem Vanderbilt hat spenden müssen. Nie hat durch Cornelius Vanderbilt einer der Aktionäre seiner Bahnen jemals einen Cent verloren. Es war ihm nicht sowohl daran gelegen, sich zu bereichern, als denjenigen, die ihr Geld seinen Unternehmungen anvertraut hatten, die größtmöglichen Dividenden zuzuwenden. Darin folgte er dem Beispiel seines Vaters und Großvaters, die den Ruhm und das Vermögen der Banderbilts gegründet und gemehrt hatten. Man erzählt, daß, als einst sein Schwager, dem William Vanderbilt die Direktion der Lake Shore-Bahn übertragen, binnen kurzer Zeit durch Unverstand diese zum
Bankerott geführt hatte, Vanderbilt mit seinen Millionen für die gefährdeten Aktionäre einsprang und sie von allen Verlusten rettete. Diese ehrenhafte Gesinnung hat auch der Verstorbene immer bethätigt. Seine Gradheit, seine Fürsorge für seine Angestellten, seine stille Wohlthätigkeit, die nie die Oeffentlichkeit suchte, waren sprichwörtlich; ebenso sprichwörtlich auch die Vorzüglichkeit seiner Bahnen und ihrer Einrichtungen. So außerordentlich elegant waren die Wagen der Centralbahn beispielsweise gebaut, so weich und tadellos ihre Federn, daß man bequem auf der Fahrt schreiben und seine Korrespondenzen unterwegs erledigen konnte.
Aber auch an Unbeugsamkeit des Charakters, nicht nur an Ehrenhaftigkeit, war der Verstorbene ein getreues Ebenbild seines Vaters William und seines Großvaters Cornelius. Seine Halsstarrigkeit selbst ist es gewesen, die zu seinem frühen Tode beigetragen hat. Als sein ältester Sohn Cornelius, das nunmehrige Oberhaupt der Familie, sich gegen den ausgesprochenen Willen des Alten mit Miß Wilson, einer Angehörigen der bekannten Rhederfamilie, vermählte, verstieß und enterbte ihn der Vater, der in einem wahrhaft aristokratischen Stolz auf die holländische Patrizierabkunft der Vanderbilt von den Emporkömmlingen, wie er sie nannte, nichts wissen wollte, vielleicht auch persönliche Differenzen mit den Wilsons gehabt hatte. Die angebliche Mesalliance seines Aeltsten und Erben nagte nun dermaßen an seinem Herzen, daß ihn zuletzt ein Schlaganfall traf, von dem er sich nie wieder erholte. Gegen alle Versuche der Aussöhnung, die von beiden Familien gemacht wurden, blieb er unerbittlich. Zuletzt aber schmuggelte man sein Enkelkind Cornelius bei ihm ein, und der reizende Knabe, der in kindlichster Weise mit dem Großvater zu plappern begann, that es ihm dermaßen an, daß er endlich zum Nachgeben gestimmt wurde. Cornelius junior war inzwischen als Ingenieur auf einer
der Bahnen des alten Cornelius eingetreten. Der Alte erkundigte sich nach ihm, hörte das beste über ihn, suchte ihn zuletzt auf seinem Bureau auf, und die Versöhnung war angebahnt.
Welchen von den Söhnen die Hauptmasse des ungeheuren Vermögens der Vanderbilt zufallen und wer die Leitung der Eisenbahnen übernehmen werde, darüber hat der Alte bei Lebzeiten keine Bestimmungen getroffen. Der Verstorbene hat, wie auch sein Vater vor ihm, kein hohes Alter erreicht. Er dürfte die Fünfzig kaum überschritten haben. Auch sein Vater William war s. Z. einem Schlaganfall erlegen, er, der hauptsächlich, obwohl man wenig von ihm erwartet hatte, das Haus Vanderbilt auf so gewaltige Höhe geführt. Begründet war es bekanntlich von dem ersten Cornelius worden, der als einfacher Fährmann auf dem Hudson anfing, dann Dampfer baute und Eisenbahnen erstehen ließ.
Unter den zahlreichen wohlthätigen Stiftungen, die der Verstorbene gemacht hat, steht an Größe und Munifizenz das Kollegiengebäude obenan, das er der berühmten amerikanischen Harvard-Universität baute, das Millionen Dollars kostete und von dem Alten zum Angedenken an einen seiner früh verstorbenen jüngeren Söhne errichtet wurde.
* Ueber die Kinder des Kapitäns Dreyfus weiß ein englisches Blatt interessantes zu berichten. Sie sind in Paris zurückgeblieben und erwarten mit großer Spannung die Rückkehr ihres Vaters. Sie haben keine Ahnung von dem Trauerspiel, das ihren Namen der ganzen Welt bekannt gemacht hat. Als der Kapitän seinerzeit verhaftet wurde, sagte man ihnen, ihr Vater sei amtlich für lange Zeit verreist und er hätte sich so rasch zur Reise entschließen müssen, daß er sich nicht einmal von ihnen hätte verabschieden können. Für fünf Jahre blieb er für die Kinder in einem


