Ausgabe 
15.8.1899 Zweites Blatt
 
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f aff er ein Junggeselle ist: sollten sich doch darüber klar werden, daß für eine Dienstboten-, speziell Dienstmädchen- Bewegung in Berlin recht wenig Raum ist. Der Grund liegt von vornherein darin, daß der Dienstmädchen-Beruf eben kein Beruf ist. Er ist lediglich ein Durchgangsstadium. Wenn ein junger Mensch die Schule verläßt und sich sagt: ich will Maschinenbauer, oder Schlosser, oder auch Arzt oder Geistlicher werden, so wendet er sich damit einem Berufe zu, und was zur Hebung dieses Berufes geschieht, das ge­schieht für ihn mit. Aber kein Mädchen von 14 Jahren ergreift denDienst" als Beruf. Es nimmt eine Stellung an, es geht in Dienst, aber es fällt ihm nicht im Traum ein, zeitlebens Dienstmädchen bleiben zu wollen. Wie viel alte Osenstmädchen gibt es denn auch? Wir haben weib­liche Dienstmädchen unter 20 Jahren rund 1617,000, von 20 bis 30 Jahren 32,000, von 30 bis 40 Jahren blos noch (hochgegriffen) 8000 und dann fällt es immer mehr. Es ist für ein Dienstmädchen ein schrecklicher Ge­danke zeitlebens Dienstmädchen zu fein; und bei den wenigen, welche die Statistik im Alter von 60 oder 70 Jahren noch alsDienstboten" im Haushalt aufführt, walten besondere Umstände ob, das sind Wirtschafterinnen, Kastellaninnen, Portiersfrauen u. dgl. m., zum Teil verheiratete Frauen und Witwen. Das Dienstmädchen, das in Stellung geht, denkt zunächst daran, sich später zu verheiraten, oder es will sich eine kleine Barschaft ersparen, um später die Schneiderei zu erlernen, oder es geht später in irgend einen fabrik­mäßigen Betrieb über, wird auch, wenn es Glück hat, Ver­käuferin im Ladengeschäfte oder ergreift irgend etwas anderes; jedenfalls bleibt es nicht Dienstmädchen. Und genau so ist es bei dem männlichen dienenden Personal; auch diese wollen nicht ewig Laufburschen, Boten, Hausknechte u. s. w. bleiben. Daß es natürlich manchem nicht gelingt, ist eine andere Frage; aber das ist nicht nur beim Dienstpersonal so. Daß nun im Verhältnis zwischen Herrschaft und Dienstboten nicht alles so ist, wie es sein sollte, wird jeder, der die Ver­

hältnisse kennt, gerne zugeben. Aber augenblicklich liegen bei uns die Verhältnisse eher so, daß die Herrschaften sich beklagen können, als umgekehrt. Angebot und Nachfrage regeln, wie alles im Leben, fcr auch die Dienstbotenfrage, und daß die Dienstboten den Vorteil, den ihnen die schon feit Jahren anhaltende Berliner Dienstboten-Kalamität bietet, redlich ausnutzen, weiß jede Hausfrau leider recht genau vielleicht ist auch die jetzige sogenannte Bewegung eine Folge von dieser Sucht, eine günstige Konstellation auszunutzen. Indessen liegt die ganze Sache ihrer Natur nach so, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen.

* Nach den Mitteilungen des Geschäftsführers des Vereins zur Bekämpfung der Trunksucht, Dr. Bode, ist in Deutschland eine erhebliche Abnahme der Trunksucht zu verzeichnen. Der Alkoholverbrauch ist pro Kopf der Bevölkerung von 4,7 und 5,2 Liter zurückgegangen. Auf 100 Krankheitsfälle in Krankenhäusern und Heilanstalten kamen 1888 noch 2,7 Prozent von Alkoholismus vor, 1994 nur 1,3 Prozent. Die Sterblichkeitsstatistik der Standes­ämter bestätigt, daß die Zahl derTodesfälle infolge von Alkoholmißbrauch" auf die Hälfte zurückgegangen ist.

* Eine Million Katalogzettel. Von der Wiener Hof­bibliothek berichtet dieWiener Zeitung": In letzter Zeit mehren sich die Fälle, daß die ausländische gelehrte Forschung den außerordentlich reichen Beständen, welche unsere kaiser­liche Büchersammlung namentlich aus vergangenen Jahr­hunderten aufbewahrt, erhöhte Aufmerksamkeit zuwendet. Während in der vorigen Woche die Herzogin von Alba dem Institut einen längeren Besuch abstaltete, ist es in diesen Tagen der Herzog Viktor von Rivoli, der in Begleitung seines Bibliothekars in Wien zu dem Zweck eingetroffen ist, um in der Hofbibliothek sehr eingehende und weitreichende Studien zu pflegen. Der Herzog ist in gelehrten Kreisen nicht nur als Bibliophile, sondern auch als selbständiger Forscher bekannt. Er ist Besitzer einer Bibliothek von 20000 Bänden, durchwegs erlesenen Erzeugnissen der Buch­

druckerkunst, und hat über ein eigenartiges Spezialfach, nämlich über venezianische Frühdrucke mit Holzschnitten, mehrere luxuriös ausgestattere Prachtwerke veröffentlicht. Der Anklang, den diese für die Kunst- und Kulturgeschichte wichtigen Publikationen fanden, hat den Forscher bewogen, diese Studien fortzusetzen und zu ergänzen, und hierzu wurde als eine der reichsten Fundgruben in erster Linie die Hof­bibliothek in Wien ausersehen. Der Herzog von Rivoli ge­denkt hier eine der weitestreichenden Arbeiten ausführen zu lassen, die je in der Bibliothek in Angriff genommen wurden: sämtliche Katalogzettel der Bibliothek, deren Zahl sich rund auf eine Million beläuft, sollen geprüft und die alten Venezianer Drucke genau beschrieben werden.

* Die Frage einer Krankheitsiibertragung durch den Fern­sprecher wird durch das in Chicago erscheinendeJournal der amerikanischen medizinischen Vereinigung" gründlich ab- gethan. Die Gesundheitsbehörde in Chicago hat alle öffent­lichen Fernsprecher der Stadt genau untersucht und zwar mit dem Erfolge, daß keine Möglichkeit einer besonderen Ansteckungsgefahr nachgewiesen werden konnte. Die Be­nutzung des Fernsprechers verlangt keine direkte Berührung mit dem etwa verunreinigten Apparate und schließt auch die Möglichkeit einer Einathmung von Keimen aus, wenn der Apparat in der geeigneten Entfernung gehalten wird. In­folgedessen erscheint die Gefahr gering, selbst wenn ansteckende Keime vorhanden fein sollten; da aber nach den bisherigen Untersuchungen ihr Vorhandensein zu den größten Selten­heiten gehört, so kann man von einer Gefahr eigentlich überhaupt nicht sprechen. Es ist recht bezeichnend für die amerikanischen Geschäftskniffe, daß das medizinische Blatt darauf Hinweisen kann, die alarmierenden Artikel über die Ansteckungsgefahr durch Fernsprecher seien nur in die Presse gelangt, damit die Erfinder und Verkäufer eines neuen aseptischen Fernsprechers" den von ihnen vertriebenen Ap­parat einführen und in möglichst großer Zahl absetzen könnten.

Städtischer Arbeitsnachweis Gießen

Garterrftrahe 2

Angebot der Arbeitnehmer» 1 Eisendreher, 1 Bauschlosier, 1 Bau­schreiner, 1 Dienstmädchen, 2 Taglöhner für leichtere Arbeit, 1 Fuhrknecht.

Nachfrage der Arbeitgeber» 1 Drechsler, 2 Dachdecker, 810 Maschinen­schlosser, 4 tüchtige Bauschlosier, 2 Schmiede, 1 Wagner, 1 Schuhmacher, 1 Bau­schreiner, 1 Fahrbursche, 2 Fuhrknechte, 2 Hausburschen, einige Dienstmädchen wr Küche und Hausarbeit, 2 Laufmädchen, 3 landwirtschaftliche Arbeiterinnen, 1 Flick- srau, 1 Schreinerlehrling bei täglicher Vergütung. ~ .

Nach auswärts: 1 Buchbinder, 3 Schneider, mehrere Anstreicher, 2 Dach­decker, mehrere Schlosier zum Beschlagen von Herden, 1 Schmied, 2 Muller, 8 bis 10 Maurer und Handlanger, 2 Zimmerleute, 2 bis 3 Strumpfmaschinenstrlcker, 100 Steinschläger, 100 tüchtige Erdarbeiter, 1 Schäfer, eine Anzahl Arbeiter für eine Gießerei und für Formmaschinen, Fuhrknechte und Dienstmädchen.

Lehrlinge» 2 Bäcker, 1 Barbier, 1 Buchbinder, 1 Drechsler, 1 Drucker, 2 Glaser, 1 Kellner, 1 Küfer, 1 Kupferschmied, 2 Lackierer, 1 Sattler, 1 Schmied, 1 Schneider, 2 Schreiner, 1 Schuhmacher, 2 Spengler, 1 Tapezier, 1 Wagner.

Grummetgras - Versteigerung

der Stadt Hießen.

Montag den 21. und Dienstag den 22. d. Mts., jede» mal vormittag» 9 Uhr beginnend, soll das GrummetgraS von den städtischen Wiesen, von dem Friedhof, von den Anlagen vor dem Friedhof und von den Wteseckböschungen meistbietend versteigert werden und zwar:

Montag den 21. August:

a) an Ort und Stelle von den Wiesen vor der Neustadt, von den Wieseckböschungen und von einem Grasstück auf dem Seltersberg,

b) am Neuenwegerthor von den Wiesen im Heegstrauch und im Rußland, c) an Ort und Stelle vom Friedhof (Abteilung 18) und von den Anlagen vor dem Friedhof,

d) im Philosophenwald, nachmittags 2 Uhr, von den Wiesen im Fürsten­brunnen, im Wieseckthal und von zwei Hospitalwiesen in der Gemarkung Wies<ck, sowie um 5 Uhr von ca. 16 Morgen Wiesen in der Schwarzlach und um 6 Uhr von dem Gelände für den neuen

e)

5947

Friedhof am Rodbecg.

Dieustag deu 22. August:

von den Ochsenwiefen, einer Hospitalwiese, von den Wiesen im

Gießen, den 12. August 1899.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

Gnauth.

Stolzen morgen, Utersbrunnen und Altentisch, fi nachmittags 7» 2 Uhr von den Wiesen in der Gemarkung Rödgen, g) . V,3 . All-n.Bus-ck

h) V,4..... » ,, Giotzen-Buseck

Die Zusammenkunft ist am 21. August am Reustädterthor und am 22. August in den Ochsenwiesen.

Die Großh. Bürgermeistereien der umliegenden Orte werden ersucht, vorstehendes in ihrer Gemeinde bekannt machen zu lassen.

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arbeiten 34,15 JU

2) Pflasterarbeiten ein-

schließl.Sandlieferg. 231,50

3) Fuhrleistungen 15, sollen Donnerstag den 17. d. Mts., vormittags 10V2 Uhr, im Gemeindehause zu Treis a. Lda. öffentlich vergeben werden. Schrift­liche Angebote sind bis zu gleichem Termin aus Großherzoglicher Bürger­meisterei Treis abzugeben, woselbst Voranschlag und Bedingungen zur Einsicht offen liegen.

Der Großh. Kreisbauinspektor des Kreises Gießen.

Stahl. 5946

Derdmgung.

Die Weitzbiuderarbeiteu im Hauptgebäude der Stadtmädckenschule, gemäß Beschluffes der Stadtverord- neten-Versammlung vom 10. b. M-, sollen

Dienstag, 15. August d.I.,

vormittags 11 Uhr,

öffentlich verdunaen werden.

Arbeitsbeschreibung und Beding­ungen liegen auf Zimmer Rr. 6 bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck sind spätestens bis zum genannten Termin einzureichen.

Das Stadtbauamt.

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