1899
Mittwoch den 15 März
Zweites Blatt
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Aints- und Anzeigeblatt für den "Kreis «kicszcn.
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Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- tuxb AuSlandeM nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger mtgtgau
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Kch.lstr.ße Ar. 7.
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lanatzwe v,u Anzeige» zu der nachmittag- für den filgenbm X&| erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr.
Rücksicht zu nehmen.
Beim Titel 300 000 Mk. zur Unterstützung deutscher Schulen im Auslande hat die Kommission beantragt, hinzu- zafügen „und Bibliotheken".
Der Titel wird in dieser Form genehmigt.
Der Rest des Etats wird ohne Debatte erledigt.
Zur Debatte stehen noch zwei Resolutionen: 1. möglichst ausführliche Bekanntgabe der Berichte der land- und forstwirtschaftlichen Sachverständigen im Auslande; 2. betr. Errichtung einer tropenhygienischen Anstalt.
Die Annahme dieser Resolutionen erfolgt fast ein- stmanig. £ ,
Es beginnt nunmehr die 3. Lesung des Ricker schen tzksetzentwurfes betr Sicherung des Wahlgeherm- nisjes (durch Abgabe der Stimmzettel in Kouverts, durch Isolierräume).
Abg. Pachnicke (frs. Bp.) wünscht endliche Annahme bei Gesetzentwurfs auch seitens der verbündeten Regierungen.
Abg. Herzfeld (Soz.) verweist namentlich auf die mecklenburgischen Verhältnisse, wo es an dem unbedingten iomlat des allgemeinen gleichen Wahlrechts, dem Vereuis- mb Versammlungsrecht, gänzlich fehle. Es habe sich das mich wieder bei den letzten Wahlen gezeigt, wo bei der Dahlbewegung den sozialdemokratischen Wahlvereinen ebenso .mie den Bildungsvereinen die größten Hindernisse in den Lea gelegt worden seien. u .
Abg. Bachem (Zentr.) erklärt, seme Freunden wurden -jefchlossen für den Antrag eintreten.
Deutscher Reichstag.
55. Sitzung vom 13. März. 1 Uhr.
Tagesordnung: Fortsetzung der Beratung des Etats Auswärtigen Amts beim Abschnitt: Allgemeine !ds.
Gratisbeilagen: Gießener Famitienbtätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde.________________
Abg. Rettich (kons.) bemerkt, daß seine Fraktion bei der ablehnenden Haltung zu dem Anträge beharre.
Abg. Hausmann (südd. Vv.) behauptet, daß eine ganze Unsumme sozialen Mißbehagens schwinden toürbe, wenn man in der Ausübung des Wahlrechts endlich Abänderung schaffe. , r
Abg. von Maltzan (kons.) erklärt als Mecklenburger, er sehe an dem Sonntagsgesetz vom Februar dieses Jahres nur einen Fehler, nämlich den, daß in dem Gesetz nicht ganz offen ausgesprochen sei, daß es sich gegen die Sozialdemokratie richte.
Die Generaldebatte wird geschlossen.
In der Spezialberatung werden die einzelnen Paragraphen des Antrages und in der Gesamtabstimmung der ganze Antrag gegen die Stimmen der Konservativen und Reichspartei angenommen.
Nunmehr begründet Abg. Heyl zu Hernsheim (nl.) seinen Antrag auf Einsetzung einer Reichskommisston zur Beaufsichtigung der mehreren Staaten gemeinsamen Wasserstraßen. Redner bespricht dabei die Verunreinigung des Mittelrheines. .
Abg. Dreesbach (Soz.) versichert, daß in Mannheim die Abwässer erst nach völlig ausreichender Reinigung durch die Kanalisationsvorrichtungen dem Rhein zugeführt würden.
Nach einer weiteren Bemerkung des Abg. Graf Bern stör ff (Welfe) wird der Antrag Heyl angenommen.
Es folgen noch Petitionen.
Nächste Sitzung morgen 1 Uhr. Tagesordnung: 2. Lesung der Militärvorlage.
Schluß 53/4 Uhr.
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Mbreffe für Depeschen: Anzeiger Hletze«.
Fernsprecher Nr. 51.
Bezugspreis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf,, monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn.
Bei Postbezug 2 Mark 50 Pf,, vierteljährlich.
ledigung. Die Beratung darüber wird morgen fortgesetzt, außerdem Bernstein-Vorlage. .
Berlin, 13. März. Die zweite Lesung der Militär- Vorlage, welche morgen beginnt, dürfte in zwei Tagen erledigt sein. Die dritte Lesung hofft der Präsident am Freitag und Samstag erledigen zu können. Es steht übrigens fest, daß das Centrum bei den Beschlüssen der Budget-Kommission über die Militär-Vorlage beharren wird.
Berlin, 13. März. Dem „Berliner Tageblatt" zufolge war bis heute nachmittag die Bestätigung der Wahl des Herrn Kirschner zum Oberbürgermeister noch nicht eingetroffen. Trotzdem wollen die Gerüchte nicht verstummen, daß die Bestätigung bereits erfolgt sei.
Berlin, 13. März. Zur Militärvorlage schreibt die „T. R.": Es scheint, als ob das Centrum in seinem Schooß unüberwindliche Schwierigkeiten findet, um der Regierung weiter entgegenzukommen. Wir hören, daß die bayerischen Centrumsabgeordneten sich so entschieden geweigert haben, weitere Zugeständnisse zu machen, daß die Bewilligung der gestrichenen 7000 Mann kaum zu erreichen sein wird. Dagegen soll an der höchsten maßgebenden Stelle der feste Wille vorhanden sein, von den Forderungen, die ein notwendiges Mindestmaß darstellen, nichts nachzulaffen. Die Befürchtung eines Konflikts, die vor einigen Tagen von der Mehrzahl der Blätter noch recht spöttisch und ungläubig behandelt wird, wird jetzt sichtlich ernster genommen. Schlimm ist, daß die Haltung des Kriegsministers in der Budgetkommission von dieser festen Entschlossenheit der Regiermig nichts verraten hat, wie wir denn überhaupt in der Begründung verschiedener Punkte der Vorlage, z. B. der Kavallerievermehrung, größere Klarheit und Bestimmtheit gewünscht hätten. Ob die jetzigen Schwierigkeiten der Lage wirklich, wie behauptet wird, zu einer Erschütterung der Stellung des Kriegsministers geführt haben, muß einstweilen noch dahingestellt bleiben.
— Cecil Rhodes ist am Samstag abend 6 Uhr vom Kaiser empfangen. Was über den Inhalt der Unterredung gemeldet wird, erstreckt sich auf ganz allgemeine Bemerkungen und Vermutungen. Einstweilen haben wir keine Veranlassung, von dem Standpunkt abzugehen, der den Eindruck des Auftretens und Empfangs des Herrn Rhodes hier im deutschen Interesse bedauert und die Verhandlungen vom
Wehmer Anzeiger
Kenerat-Unzeiger
Deutsches Reich.
Berlin, 13. März. Wie es dem „Lokal-Anzeiger" zufolge heißt, soll Reichskanzler Fürst Hohenlohe heute eine persönliche Unterredung mit dem Führer der Centrums- Partei, Dr. Lieber, gehabt und in dieser den Versuch gemacht haben, bezüglich der Militär-Vorlage eine Verständigung anzubahnen.
Berlin, 13. März. Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Beratung des Kultus-Etats bei dem Kapitel höhere Lehranstalten fort. Dasselbe gelangte nicht zur Er-
Feuilleton.
Das 19. Jahrhundert.
Unter Mitwirkung hervorragender Fachgelehrter herausgegeben von Friedrich Thieme.
(Nachdruck oder AuSzug verboten.
VI.
Reise« und Entdeckungen.
Die Entdeckung der Erde ist im 19. Jahrhundert fast -lothnbet worden. Alle Kulturländer beteiligten sich energisch üt dieser Arbeit, auch Deutschland darf sich mit Stolz feiner «rsolgreichen Thätigkeit rühmen, ja, deutsche Forscher haben (ogar die meisten wissenschaftlichen Forschungsreisen im üer* f offenen Jahrhundert ausgeführt. Nach fast allen noch unbekannten oder teilweise unbekannten Gebieten unseres Planeten zogen die mutigen Forscher aus, um das Wissen ler Menschheit zu bereichern; unter oft unsäglichen Strafen und Gefahren gelangten sie ans Ziel, und viele von ihnen opferten im Dienste ihrer großen Mission Vermögen und Leben. Männer wie Humboldt, Emin Pascha, Nansen, Livingstone, das sind wahre und unserer höchsten Bewunderung jpil-rbige Helden! Leuchtend und erfolgverheißend steht der -ro-ße Name Alexander von Humboldts an der Pforte
Jahrhunderts, am 5. Juni 1799 schiffte er sich mit koiipland zu seiner berühmten Reise nach Südamerika ein, durchforsche Venezuela, die Llanos, den Orinoco, Rio Negro, feie Vulkane jener Gegenden u. s. w. Am 23. Ium 1802 bnüeq er den Chimborazo bis zur Hohe von 5810 m, erreichte allo den höchsten bis dahin erstiegenen Punkt der Ä und nur eine tiefe Schlucht verwehrte ihm das Vordringen nach der noch 500 w höher gelegenen Spitze Als dm Reifende im August 1804 nach Europa zurückkehrte, brachte er wahre Schätze an neuen Entdeckungen sowohl als in Sammlungen mit, nicht nur die geographische Wissenschaft Ntte sich der Reise zu freuen, sondern auch alle Gebiete d-aNaturwissenschaften erfuhren Bereicherung und Forderung.
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Sogar eine „politisch-statistische Abhandlung über Neu- Spanien" brachte der mit unbezähmbarer Energie und unermüdlicher Arbeitskraft begabte Mann mit nach Hause. Sein Beispiel erweckte zahlreiche Nachfolger, so zahlreiche, daß schon die bloße Anführung ihrer Namen und Reiseziele fast den Raum füllen würde, der uns für unsere ganze Darstellung zur Verfügung steht. Unterstützt wurden die Privatreisenden oder von wiffenfchaftlichen Gesellschaften ab- qesandten Forscher durch einzelne Regierungen, vor allem die Regierung der Vereinigten Staaten, welche in systematischer Weise die Erforschung des Innern des amerikanischen Kontinents betreibt. Auch die Regierungen von Chile, Argentinien und Mexico ernannten Kommissionen zur kartographischen Aufnahme und physikalisch-geographischen Erforschung ihrer Gebiete. t .,, ., .
Die Erforschung Asiens wurde in derselben eifrigen Weise betrieben. Auch hier bethätigte sich das Forschungstalent A. v. Humboldts in glänzenden Erfolgen. Im Auftrag des Kaisers Nikolaus I. von Rußland unternahm er im April 1829 mit Ehrenberg und Rose eine Expedition nach dem russischen Asien, untersuchte die Platin-und Gold- laaeri'tätten, entdeckte Diamantenlager, stellte zahlreiche Beobachtungen an und kehrte mit einer Fülle wissenschaftlichen Materials zurück. Palästina und Syrien bereiste 1802 d^r^deutsche^ Forscher Seetzen (geb. 1767 in Ostfriesland), durch ihn gelangten die ersten authentischen Nachrichten Über den Zustand dieser Länder nach Europa. Seit 300 fahren war er der erste Reisende, der bis Mekka gelangte und die dem Grabe des Propheten geweihte Stadt Medma sab. Und das war eine Leistung ersten Ranges, denn das Reifen in jenen Gegenden war damals lebensgefährlich, her Sortier stahl sich teilweise als Bettler verkleidet ober in der Maske eines Eingeborenen durch das Land und büßte seine Kühnheit zuletzt vermutlich mit dem Tode. Man beraubte ihn nämlich 1811 in Jemen seiner Samm- hinaen unter dem Vorwande, er sammle Tiere, um daraus einen Extrakt zur Vergiftung der Quellen zu bereiten, darauf begab er sich auf der Stelle nach Saana, um bei dem Jman Beschwerde zu führen. Wemge Tage später ver-
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Abg. Münch-Ferber (nl.) wünscht eine bessere Aus- bilbiing der Berufskonsuln in volkswirtschaftlicher Hinsicht.
Unterstaatssekretär von Richthofen erwidert, der Vorredner unterschätze den Wert der von den Berufskonsuln erstatteten wirtschaftlichen Berichte. Dieselben hätten auch im Auslände außerordentliches Lob gefunden. Zweifellos sei die Thätigkeit der Konsuln zum größten Teil eine juristische und darauf sei bei der Auswahl der Konsuln
breitete sich das Gerücht von seinem Tode — wem daran die Schuld beizumessen ist, weiß man nicht. Aus dem Teil seiner Sammlungen, der nach Gotha gelangte (darunter eine große Menge wertvoller Handschriften) entstand das Orientalische Museum. Der Schweizer Burkhardt folgte seiner Fährte, 1809 schiffte er sich nach dem Orient em und setzte die Erforschung der biblischen Länder fort. Der hochverdiente Mann unterlag 1817, erst 33 Jahre alt, einem hitzigen Fieber. Weitere Reisen und Expeditionen folgten, außer mehreren anderen Gesellschaften gründete sich 1877 auch ein deutscher Verein zur Erforschung Palästinas, in dessen Auftrag 1881 Professor Guthe Ausgrabungen bei Jerusalem vornahm. Um die Erforschung Sibiriens machten sich in neuester Zeit Nordenskiöld und der Amerikaner Kennan verdient, wie auch die russische Regierung selbst mit Eifer und Erfolg dieses verdienstvolle Werk betreibt. Dasselbe thut die englische Regierung in Indien und Jnnerasien. Um die Mitte des Jahrhunderts erschlossen sich auch China und Japan allmählich dem allgemeinen Verkehr, freilich nicht, ohne von den Kulturmächten durch gewaltsame Mittel gezwungen worden zu sein. Hand in Hand mit der systematischen Ergründung des Innern und der politischen Erschließung ging die Vermehrung der Verkehrsmittel, sodaß uns Asien jetzt, am Ende des Jahrhunderts, beträchtlich näher gerückt ist. Der europäische Reisende fährt heute in 33—35 Tagen von Bremerhaven nach Jokohama. Der Telegraph umspannt den Erdteil und zieht auch bereits Neuseeland und Australien in die allgemeine Verbindung ein. Vorderindien hat ein kräftig entwickeltes Eisenbahnnetz, Japan hatte am 1. April 1893 bereits 2974 Kilometer Eisenbahnen in Betrieb, und die große sibirische Eisenbahn, die auch durch die chinesische Mandschurei fortgesetzt werden soll, wird nach ihrer völligen Fertigstellung beinahe 10000 Kilometer lang sein, sodaß man nach ihrer Vollendung in 243 Stunden von Ostende nach Wladiwostok gelangen kann.
Der australische Kontinent wurde ebenfalls zu wiederholten Malen durchkreuzt und in vielen feiner Teile wissenschaftlich durchforscht. Im Mai 1813 unternahm
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