Ausgabe 
15.1.1899 Zweites Blatt
 
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Großherzogliches Ministerium der Finanzen hat sich über diesen Antrag unter dem 10. November v. I., wie folgt, geäußert: ,

.Auf das gefällige Schreiben vom 25. Februar 1897, betreffend den Antrag des Abgeordneten Schönfeld auf Bau einer Nebenbahn von Grünberg über Lich nach Butz­bach (Beil. Nr. 56) beehren wir uns folgendes ergebenst zu erwidern:

Wie wir in unserem heutigen Schreiben, betreffend den Antrag der Abgeordneten Joutz und Genoffen, dar- gelegt haben, empfiehlt es sich nicht, die Bahn von Butzbach nach Lich auf Staatskosten herzustellen. Noch weniger ist dies bei der vorgeschlagenen Bahn von Grünberg nach Lich der Fall. Diese Bahn würde in geringer Entfernung neben der Bahn MückeLaubachHungen herlaufen. Bekanntlich war auf der Linie Laubach - Hungen der Verkehr bisher so gering, daß die Einnahmen nicht einmal die Kosten des Betriebes deckten; auch auf der Strecke LaubachMücke wird ein starker Lokalverkehr nicht zu erwarten fein. Die Bahn MückeHungen wird daher den gesamten Durch­gangsverkehr, der stch zwischen Alsfeld und Friedberg be wegt, mit Leichtigkeit aufnehmen können; somit liegt für eine zweite Verbindungslinie in dieser Richtung kein Be» dürfnis vor. Von der projektierten Linie werden zwischen Grünberg und Lich nur wenige kleine Orte berührt, die zusammen nicht viel über 2000 Einwohner haben. Daß sich zwischen Grünberg und Lich ein Lokalverkehr entwickeln könnte, groß genug um eine vollspurige Eisenbahn zu alli- mentieren, ist nicht anzunehmen. Es kann daher auch nicht abgesehen werden, inwiefern der Bau dieser Bahn der Stadt Grünberg einen wirtschaftlichen Vorteil bringen könnte, der zu dem aufzuwendenden Anlagekapital auch nur annähernd in richtigem Verhältnis stünde. Die Höhe der Paukosten ist zwar nicht genau bekannt, da ein Entwurf für die Strecke GrünbergLich nicht vorliegt- nach dem Anschlag für die Strecke ButzbachLich werden fie aber auf mindestens 1100000 Mk. zu schätzen sein.

Unter diesen Umständen wird sich schwerlich ein Privat» Unternehmer für diese Bahn finden, selbst wenn eine staat­liche Beihilfe in Aussicht gestellt würde".

In Beil. Nr. 494 hat Großherzogliches Ministerium der Finanzen einen Gesetzentwurf nebst Begründung vorgelegt, wonach unter anderem die Regierung ermächtigt werden soll, den Bau und Betrieb einer Nebenbahn von Butzbach nach Lich nach Maßgabe der Bestimmungen des Gesetzes vom 29. Mai 1884 an einen Eisenbahn*Unternehmer zu über, tragen und zu den Kosten des Baues und der ersten Aus­rüstung mit Betriebsmitteln einmalige Beiträge aus Staats Mitteln bis zu den in Artikel 7 des genannten Gesetzes be* stimmten Höchstbeträgen, d. i. 20000 Mk. für den Kllometer, zu gewähren.

Der Ausschuß ist mit diesem Gesetzentwurf bezüglich der hier in Frage stehenden Linie ButzbachLich einverstanden. Auch er ist der Meinung, daß die hier fragliche Bahnstrecke eine erheblichere, über das lokale Interesse hlnausgehende Bedeutung nicht haben wird, und die Erbauung dieser Strecke durch den Staat daher abzulehnen ist. Daß diese Strecke jedoch für die durchschnittene Gegend von nicht geringer Bedeutung ist, dieser Gegend wirtschaftlich kräftig aufzu­helfen, namentlich die Landwirtschaft und die Industrie zu fördern in der Lage ist, kann andererseits nicht verkannt werden. Es hat sich denn auch die Allgemeine deutsche Klein- bahn-Gesellschaft in Berlin veranlaßt gesehen, vollständige allgemeine Entwürfe für diese Strecke auszuarbeiten, die der Regierung unterbreitet worden sind, und es hat sich die genannte Gesellschaft bereit finden lassen, den Bau und Be­trieb zu übernehmen, falls ihr vom Staat und den Beteiligten eine genügende Beihilfe zuteil wird. Die Länge der Neben­bahn von Butzbach nach Lich beträgt 17,9 Kiliometer, und würde sich daher der Staatszuschuß nach Artikel 7 des oben erwähnten 1884er Gesetzes auf 358,000 Mk. belaufen, «ährend die Baukosten, einschließlich der Kosten für die erste Ausrüstung der Betriebsmittel auf 1,440,000 Mk. veranschlagt find. Der Ausschuß empfiehlt den Betrag von 358,000 Mk. zu dem gedachten Zweck der Regierung zur Verfügung zu stellen.

Die Fortsetzung der Bahn nach Grünberg an lang end, so gilt selbstverständlich von ihr das gleiche, was bezüglich der Strecke ButzbachLich bemerkt worden ist. Ein Anlaß, diese Strecke auf Staatskosten zu bauen und zu betreiben, kann sonach auch hier nicht gegeben sein. Dazu kommt, daß für diese Strecke Entwürfe bis jetzt nicht vor­liegen, sich aber auch bis jetzt kein Privatunternehmer ge« funben hat, der bereit wäre, den Bau und Betrieb dieser Strecke zu übernehmen.

Rücksichtslosigkeit Eisenbahnreisender.

DieZeitung des Vereins Deutscher Eisenbahnverwal­tungen" erwirbt sich das Verdienst, den immer lauter werden­den Klagen über die dauernde Zunahme der schon lange als Eisenbahnflegelei" berüchtigten schlechten Aufführung im Ab­teil Ausdruck zu geben.

Die Eisenbahn ist des Publikums wegen da und nicht etwa umgekehrt!" Mit dieser kategorischen Erklärung hat schon mancher Beschwerdeführer seiner Beschwerde denjenigen Nachdruck zu sichern geglaubt, der ihr nur zu oft in sachlicher Begründung abging. Aber mit dieser Forderung, daß die Eisenbahn nur wegen des Publikums da sein solle, hat es seine eigene Bewandtnis. Man wird es nämlich nie erleben, bofe ein solcher Beschwerdeführer unter der BezeichnungPub- r" clraas Qnbere6 gemeint hätte, als seine eigene werte Person. Immer hätte daher die Redensart lauten müssen: ^,Die Eisenbahn ist für mich ganz allein da und nicht um* gelehrt! Es ist schließlich auch ganz begreiflich, daß sich selten ein beschwerdeführender Reisender zu dem Gedanken anfschwingt, daß dasPublikum" eine große Allgemeinheit bildet, von der er selbst nur ein ganz kleiner Teil ist. Die

Seelengröße, sich als ein kleiner Teil diese» großen Ganzen zu fühlen, ist nur ganz sporadisch anzutreffen, denn auf der Reise ist der Egoismus Alleinherrscher.

Gerade daraus entspringen aber so unendlich viel Uebel* stände für das reisende Publikum selbst, daß es wohl am Platze sein dürfte, hier einmal das sonst recht überflüssige Beschwerdebuch auszulegen und hinein zu schreiben, was im Verlauf der Dinge so etwa die Reisenden selber einander anthun.In diesem Sommer reiste ich von Zürich nach Luzern und hatte das Glück, mit drei jungen Engländern zu fahren", beginnt die Darlegung.Von diesen hatte der eine nichts Eiligeres zu thun, als seine schmutzigen Stiefel auf das Wagenpolster zu legen; der zweite rauchte Tabak aus einer kurzen Pfeife und spuckte unaufhörlich im Koupee umher, und der dritte schlug in Ermangelung einer anderen Be­schäftigung von Zeit zu Zeit mit seinem Stock auf das Polster und freute sich kindlich über die Staubwolken, die er damit den Polstern entlockte. Diesen drei Typen rücksichtsloser Reisenden war nur schwer beizukommen, sie fühlten sich souverän und pfiffen auf das Publikum. Das waren zufällig drei Engländer, aber das schrcckliche Ausspucken kann man auch an Deutschen beobachten, nicht blos in der 3. Klaffe, und die Polster mit den Stiefeln zu beschmutzen, das ist auch bei uns die freundliche Gewohnheit vieler, die sonst gleich mit Beschwerden zur Hand find, wenn es einmal nicht nach ihrem Kopfe geht.

Ader es giebt noch zahlreiche andere Arten von Reifenden, die es im rücksichtslosesten Egoismus zu einer wahren Virtuo­sität bringen. Da sind zunächst die Luftfanatiker! Sie be­finden sich nur wohl, wenn alle Fenster im Wagen offen sind und der Wind um die Ohren faust. Wehe dem armen Passagier, der solchen Zug nicht vertragen kann und verlangt, daß die Fenster auf der Windseite geschloffen werden.

Der Höflichkeit wird Hohn und der berechtigten For­derung passiver und aktiver Widerstand entgegengesetzt. Der Schaffner, der dann zur Hilfe herbeigeholt wird, mag die Worte noch so sehr auf die Goldwage legen: er zeitigt ent- weder einen Eintrag ins Beschwerdebuch ober eine gröbliche Abfertigung. Vielleicht tragen ein paar Reisende auch Schnupfen, Zahnweh oder Ohrenreisen davon, doch das geniert den Rück­sichtslosen nicht.

Rücksichtslos zu verfahren ist ferner nicht selten dem enragierten Raucher eigen. Es giebt ja gottlob getrennte Räume für die feindlichen Brüder Raucher und Nichtraucher. Aber es kommt doch oft vor, daß Frauen und Kinder in Abteilen Platz nehmen müssen, wo das Rauchen von Obrig- keitswegen gestattet ist. Da wäre es denn oft am Platze, wenn das Rauchen von Anstandswegen wenigstens fo weit eingeschränkt würde, daß auch eine Frau dabei existieren kann.

Einem Reisenden passierte es, daß er bei einem Nacht- Schnellzug keinen Platz in den Nichtraucher-Abteilen mehr finden konnte, und gezwungen war, in einem Raucherabteil mit Frau und Tochter Platz zu nehmen. Da befanden sich vier Herren, die zuerst Zigarren, und dann aus Tabakspfeifen rauchten. Höfliche Vorstellungen fruchteten nichts.Hier ist Rauchkoupee! Wems nicht paßt, der kann aussteigen!" Ob denn in einem solchen Falle die Entsagung wirklich eine so heroische That ist, daß man fie füglich von einem anständigen Menschen nicht verlangen kann?

Und dann: welche unerschöpfliche Quelle von gegenseitigen Rücksichtslosigkeiten bietet die Heizung der Wagen! In der Regel ist es der Ueberschuß an Wärmegefühl, der rücksichtslos wirkt. Fenster auf! ist die Parole, und die Erkältung der Mitreisenden der Erfolg! Auf der frostigen Seite hinwieder fehlt oft jedes Verständnis dafür, daß es Leute giebt, denen die Ueberhitzung des' Abteils gesundheitsschädlich ist. Wie selten ist die Erkenntnis zu finden, daß in allen solchen Ver­hältnissen nur die gegenseitige nachsichtige Duldung zu einem Kompromiß führen kann, das die stch widerstreitenden An- sichten und Interessen nach Möglichkeit vereinigt. Fast immer gewinnt der rücksichtslose Egoismus die Oberhand und führt zu Mißhelligkeiten und Differenzen, die nicht dazu beitragen, das Reisen angenehmer zu machen.

Es mag richtig fein, daß man im Kampf ums Dasein seine Ellenbogen gebrauchen muß, um nicht im allgemeinen Gedränge den kürzeren zu ziehen. Diese Gepflogenheit glauben aber viele auch auf die Reise mitnehmen zu müssen. Sie knuffen und puffen überall, wo es eine Konkurrenz giebt: am Billetschalter, an der Bahnsteigsperre und am Koupee. Daß sie mit ihrem Handkoffer dabei gelegentlich einem anderen blaue Flecken stoßen, geniert sie nicht im mindesten. Wie oft kann man beobachten, daß sich bei starkem Verkehr das an die einfahrenden Züge drängende und stoßende Publikum selbst in Lebensgefahr bringt, wie viele häßliche ©eenen spielen sich bei solchen Gelegenheiten ab, und wie viele Unannehmlich­keiten bereitet stch hierdurch das Publikum selbst.

Hervorragenden Anlaß zu Reibereien und Rücksichtslosig­keiten bietet die Mitnahme des Handgepäcks in die Abteile. Mit einer Unverfrorenheit, die manchmal fast erheiternd wird, belegen da einzelne Reifende alle Gepäcknetze mit Koffern, Schachteln und Taschen, als ob es ganz unmöglich sei, daß auch ein anderer Reisender Anspruch auf Unterbringung von Handgepäck machen könnte. Kommt aber nun wirklich ein solcher Reisender und sieht stch verzweifelt nach einem Plätzchen für feine Handtasche um, dann drückt sich der Unverfrorene in feine Ecke und thut, als ob ihn die ganze Geschichte da oben im Gepäcknetze nicht das mindeste angehe. Nicht selten gelingt dieses Manöver, wenn um des lieben Friedens willen der andere feine Tasche noch in irgend eine Ecke zwängt. Läßt er sich aber die unverschämte Anmaßung nicht gefallen und fordert er den nötigen Platz, dann wird in neun von zehn Fällen das usurpierte Gepäcknetz nur unter Protest ge* räumt, und der Fahrgast geberdet sich, al» ob ihm da» größte Unrecht geschähe.

Eine Rücksichtslosigkeit gegen andere Reisende ist auch jeder Versuch, den Schaffner zu Begünstigungen zu verleiten, die den Zweck bequemeren Reisens verfolgen. Wenn solche

Versuche gelingen, dann verschafft sich der einzelne zum Schaden anderer einen Vortheil, der ihm nicht gebührt. Es rst ganz merkwürdig, wie in dieser Beziehung gebildete und angesehene Leute mit dem ausgeprägtesten Ehr- und RechtSgrsühl doch wie der hartgesottenste Sünder operieren und skrupellos ein Koupee für sich beanspruchen und durch allerlei Kniffe auch erlangen und behaupten, während daneben sich in dichtbesetzten Abteilen die Reisenden kaum rühren können. Ja, -r gnbb Leute, die mit rührender Unbefangenheit Angehörige mit in den Bahnhof nehmen und fie so lange unrechtmäßigerweise Plätze einnehmen laffen, bis der Zug abgeht. Das geht auf großen Stationen, von denen die Züge ihren Ausgang nehmen, ganz gut, und auch die Bahnsteigsperre bildet dagegen kein erhebliches Hindernis. Die Eisenbahnverwaltung selbst erleidet durch solche Manipulationen nur ausnahmsweise Schaden, UM so mehr fügen ihn sich damit die Reisenden untereinander selbst zu.

Leben und leben lassen!" Dieser Grundsatz sollte auch beim Reisen nicht außer Acht gelassen werden. Aber nirgends so wie auf der Reise glaubt ein jeder genötigt zu fein, den nacktesten Egoismus berauszukehren, nirgends mißachtet man fo oft die Ansprüche und Anrechte seiner Mitmenschen und nirgends auch setzt man sich so leicht über Gewissensskrupel hinweg. Vom rein menschlichen Standpunkte aus kann man nur wünschen, daß an Stelle der Rücksichtslosigkeiten aus der Reise mehr und mehr eine vollständige Beurteilung und Achtung der gegenseitigen Pflichten und Rechte treten möge. Aber auch die Eisenbahnverwaltungen selbst die dazu nicht viel thun können haben ein Interesse an der Besserung dieser Verhältnisse, denn ihnen find zufriedene Reisende von Wert, und die Rücksichtslosigkeiten auf der Reise schaffen nur zu oft Unzufriedene und Uebelgelaunte."

Vermischtes.

* Wie wird man Bergsteiger? Im Wiener Fremdenblatt plaudert Ferd. Groß mit gutem Humor über die Kunst, in 24 Stunden ein" Naturfreund zu werden und widmet dabei der Bergsteigerei folgende Worte:Um als Bergsteiger auf­treten zu können, schafft man sich das entsprechende Kostüm an. Es wird aus Loden verfertigt, doch verwendet man es nicht im neuen Zustande, sondern bemüht sich, ihm den An­schein der Abgenutztheit und Verbrauchtheit zu geben. Einige Fachleute raten, es zu diesem Zwecke in den Rauchfang zu hängen, doch genügt auch das um so viel einfachere Ver­fahren, es ein bis zwei Jahre hindurch von einem kräftigen Bauernburschen tragen zu lassen, bevor man es für sich in Gebrauch nimmt. An dem Hute, den man am besten von einem Kavalleristen mürbe reiten läßt, befestigt man eine Hahnenfeder. Von den Knien bleibt ein Stückchen frei sicht­bar. Die Füße bekleidet man mit schweren genagelten Schuhen, in deren Benützung man sich vorher auf einem persischen Salonteppich einübt. Auf den Rücken packt man sich einen Rucksack mit Proviant und Steigeisen. In die Rechte nimmt man den Bergstock, dessen Handhabung auf ebenen Spazier­gängen allerdings nicht über Nacht zu erlernen ist. Schnee­brillen find nicht obligatorisch, aber auch mit ihnen bewegt man sich ziemlich sicher, sobald man sich an sie gewöhnt hat. Weiß man sich ausgerüstet, fo trachtet man, sich die wichtigsten bergsportlichen Fachausdrücke ins Gedächtnis zu prägen, und ist auch das geschehen, so lernt man einzelne Bergtouren aus- wendig. Will man hie und da einen Berg leibhaftig be­steigen, so steht einem das frei, hat aber keinen weiteren Wert. Als die interessantesten Matadore des Hochtouristen- latein fand ich biqenigen, die nie persönlich eine Bergspitze belästigt haben. Wer die Bedrohniffe der Bergwelt nicht durchgemacht hat, wird sogar viel freudiger von ihnen be­richten, als wer sie in der Praxis kennen gelernt hat. Hat man sich innerlich und äußerlich gehörig ooibereitet, trete man ohne jede Furcht als Hochtourist auf. Will man einen sehr günstigen Effekt bewerkstelligen, so verhalte man sich im Umgang so zurückhaltend wie möglich. Bescheidenheist ist eine Zierde des Bergsteigers. Man dränge sich nicht mit Relationen über Erlebnisse vor. Ohne ausdrücklich aufgefordert zu werden, renommiere man nicht mit den hochtouristischen Beschwernissen, die man überwunden hat. Es genügt, wenn man, sowie eine Bergtour erwähnt wird, mitleidig lächelt und halblaut die Bemerkung hinwirft:Bagatelle! Davon spricht man doch nicht." Darauf fragt unbedingt eine Stimme aus dem Zuhörerkreise:Sind Sie Bergsteiger?" Man erwidert: Ein wenig. Vorige Woche war ich auf dem Großglockner." Ganz oben?"Natürlich. Unter 3000 Meter mache ich überhaupt keine Tour." Und nun rezitiert man einige dankbare Besteigungen, aber ohne Prahlerei, in einem Tone, als berichte man über eine Fiakerfahrt in den Prater. Die gefährlichsten Stellen aus demIllustrierten Führer" teile man genau wörtlich mit, auf daß man keinen Jrtum begehe. Es klingt imposant, wenn einer es ruhig und sicher herleiert: Von der Erzherzog Johann-Hütte (3465 Meter) leicht auf steiler Firnhalde zum befirnten Vorsprunge des Glöckner, dem sogenannten Kleinglockner, zirka 3760 Meter" u. s. w. Wer die nötige Phantasie besitzt, schmücke die vom Reisehandbuche gelieferten Daten mit Florituren au«, flechte kleine Erlebnisse ein, heitere Gespräche mit einem urwüchsigen Bergführer (per Du"), abenteuerliche Episoden. So oft wie möglich, streue er die Worte:Pickel",Drahtseil",Scharte",Moräne", Eisfeld",Kamin" ein. Daß letzterer dem Touristen nicht zum Einheizen dient, halte man sich stets gegenwärtig, um sich keine Blöße zu geben. Wer diesen Zweig der Natur­freundschaft mit mehr als alltäglicher Nachdrücklichkeit betreiben will, tritt in einen Touristenklub oder Alpenverein als Mit­glied ein. Den Monats- und Jahresversammlungen wohnt er dann mit jener Unerschrockenheit bei, die der Naturfreund an den Tag legt, wo und wann immer feine Herzensneigung in« Spiel kommt."