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9it. 13 ’B Drittes Blatt. Sonntag dm 15. Januar
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Meßmer Anzeiger
Heneral-Anzeiger
Bri Postbezug 2 Mark 50 Psg. vierteljährlich.
Bezugspreis vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerloha.
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Volitische Wochenschau.
Der sogenannte Triumphzng des Oberpräsidenten v. Köller durch die Provinz Schleswig hat einiges Aufsehen erregt, und findet selbst auf nationaler Seite nicht volle Zustimmung, weil die Dänen die Herrn v. Köller erwiesenen Ehrenbezeigungen leicht als Heraussorderung auffassen können. Immerhin darf mit Gcnugthuung konstatiert werden, daß das Deutschtum in Nord-Schleswig mehr und mehr die Oberhand gewinnt.
Anläßlich der fünfzigjährigen Wiederkehr des Tages, an welchem Kaiser Franz Josef zum Chef des Grenadier- Regiments „Kaiser Franz Josef" ernannt worden tst, find zwischen dem deutschen und dem österreichischen Kaiser herzliche Telegramme gewechselt worden, welche erkennen lassen, wie innig die Beziehungen der beiden Monarchen zu einander sind. —
Große Beachtung hat der Besuch gefunden, welchen Kaiser Wilhelm am letzten Sonntag dem französischen Botschafter in Berlin abstattete, und es ist erklärlich, daß daran die verschiedenartigsten Vermutungen geknüpft wurden. Daß Deutschland, wie ebenfalls gemeldet worden war, in dem englisch-französischen Zwiste für Frankreich Partei ergriffen habe, darf aber wohl von vornherein als ausgeschlossen gelten.
Der Segen des Marine-Sextennats machte sich auch bei der Beratung des Flottenetats in der Budgetkommission des Reichstags bemerkbar. Ohne jede erhebliche Debatte wurden die einzelnen Positionen genehmigt.
Frankreich kommt aus den Aufregungen^ gar nicht heraus. In letzter Woche machte die Demission des Vorsitzenden einer Zivilkammer des Kassationshofes Namens Quesnay de Beaurepaire viel von sich reden, wodurch die Dreyfusgegner wieder reichlich Wasser auf ihre Mühle bekamen. Die in dieser Angelegenheit eingebrachte Interpellation in der Kammer hatte eine äußerst erregte Debatte zur Folge, endete aber mit einem Siege der Negierung. Wann wird Frankreich endlich einmal Ruhe finden vor der Dreyfus- Affaire?
Im Lande Meneliks ists nicht recht geheuer. Wenn es freilich bei internen Fehden zwischen einzelnen Ras bleibt, dann ist die Sache nicht so schlimm, und im Interesse Italiens wollen wir wünschen, daß die Abessynier nicht etwa übermütig werden und den Italienern den diesen verbliebenen Besitz in Afrika streitig machen wollen.
Baron Banffy scheint sich an der Spitze der ungarischen Regierung wieder sicher zu fühlen, wozu vielleicht seine letzte Audienz beim Kaiser Franz Josef ihm das Recht
giebt. Vermutlich haben die Parteidifferenzen in Ungarn jetzt ihre Schärfe verloren, wenigstens ist ein Ausgleich nicht ausgeschlossen.
Die Berichte von den Philippinen lauten sehr verschieden. Während man selbst in Washington zugab, daß die Lage auf der malaiischen Inselgruppe sehr kritisch sei, heißt es andererseits wieder, in Manila habe sich die Situation gebessert. Niemand vermag die Nachrichten auf ihre Richtigkeit zu prüfen!
Deutsches Reich.
Berlin, 13. Januar. Postvorlage. Die dem Bundesrat vorliegende Novelle zum Postgesetz nimmt, wie jetzt aufs neue bestätigt wird, für das Briefporto von 10 Pfg. eine Erhöhung des Maximalgewichts bis 20 Grm. in Aussicht. Dabei soll bestimmt werden, daß die Ortstaxe auch auf den Nachbarortsverkehr ausgedehnt werden kann. Die Zeitungsgebühr soll betragen 10 Pfg. für jede Bezugszeit ohne Rücksicht auf deren Dauer; ferner 15 Pfg. jährlich für das wöchentliche einmalige oder seltenere Erscheinen, sowie 15 Pfg. jährlich mehr für jede weitere Ausgabe in der Woche; und schließlich 10 Pfg. jährlich für jedes Kilogramm des Jahresgewichts, mindestens jedoch 40 Pfg. für jede Zeitung. — Bei Ausdehnung des Postregals soll den Anstalten der Privatposten, die vor dem 1. April 1898 entstanden und ununterbrochen bis jetzt betrieben sind, eine Entschädigung gewährt werden, und zwar nicht nur für die Verminderung des eigentlichen Vermögensstandes, sondern auch in gewissem Umfang für entgangenen Gewinn Auch die Bediensteten der Anstalt sollen event. eine einmalige Entschädigung erhalten, die je nach der zurückgelegten Dienstzeit (3 Monat bis 6 Jahre) ein Monatsgehalt bis ein Jahresgehalt beträgt.
— Aus Madrid läßt sich die „Voss. Ztg." berichten, daß nach einer Meldung des „Jmparcial" die Regierung sich durch die Kortes zur Veräußerung der Karolinen und der übrigen ostasiatischen Inseln ermächtigen lassen werde. Wieweit Deutschland hierbei beteiligt ist, geht daraus nicht hervor.
— Die sozialdemokratische Presse, das heißt die Blätter, welche der Verbreitung der sozialistischen Ideen und Lehren dienen, zerfällt in zwei Teile, die politische und die Gewerkschaftspreffe. Von den 71 politischen Zeitungen erscheinen 41 täglich, 16 wöchentlich dreimal, 7 wöchentlich zweimal, 6 wöchentlich einmal und eine monatlich; hierzu kommen noch zwei wöchentlich erscheinende Unterhaltungsblätter, eine wöchentlich erscheinende Wochenschrift und zwei
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Amtlicher Feil
Adresse für Depeschen: Anzeiger chießen.
Fernsprecher Nr. 51.
Redaktion, Expedition und Druckerei:
Schukstraße Ar. 7.
Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt Mütter für hessische Uotksknnde.
Bekanntmachung, betr.: Kurpfuscherei.
Ein gewisser Otto Mehlhoru in Brunndöbra (Sachsen) macht in hiesigen Zeitungen Reklame für ein vorzüglich bewährtes Mittel gegen Rheumatismus und Asthma, über welches er gegen Einsendung einer 10 Pfg.- Marke Auskunft geben will. Diese Auskunft besteht in der Uebersendung mehrerer Drucksachen unter 5 Pfg.-Marke, darunter auch eine Offerte auf das gepriesene Heilmittel, welches Cineol genannt und zum Preise von 2 Mk. pro Flasche gegen Nachnahme angeboten wird. Auf Bestellung erhält man alsdann das Mittel nebst Gebrauchsanweisung zugesandt, nach welcher dasselbe gegen nicht weniger als 25 Krankheiten des menschlichen Körpers wirksam sein soll.
Das Mittel besteht nach der chemischen Analyse zum größten Teil aus Terpentinöl unterZusatz einer geringenMengeMenthol und repräsentiert die Flasche desselben einen Wert von höchstens 20 Pfg.
Es handelt sich hiernach um den Vertrieb eines schwindelhaften Geheimmittels, wobei mit der pekuniären Schädigung des leichtgläubigen Publikums^ um deswillen auch eine Gefährdung desselben Hand in Hand geht, weil das qu. Mittel als wirksam gegen eine Reihe schwerer innerer Erkrankungen (Magenleiden, Rachitis, Blasenkatarrh, Brechdurchfall, Influenza, Lungenschwindsucht 20) angepriesen wird, gegen die ihm jede Heilkraft fehlt, während seine Anwendung überdies die gebotene Zuziehung ärztlicher Hilfe zum schweren Nachteil des Kranken verzögert.
Wir warnen deshalb das Publikum vor diesem Schwindel.
Darmstadt, den 4. Januar 1899. Großherzogliches Polizeiamt Darmstadt. Weber.
Bekanntmachung,
betr.: Den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche zu Alsfeld.
Nachdem unter den Faseltieren der Stadt Alsfeld die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden ist, ist über die Gemarkung Alsfeld und über das verseuchte Gehöft, den städtischen Faselstall, die Sperre verhängt worden.
Gießen, den 12. Januar 1899.
Großherzog'.iches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Feuilleton.
Englische WoMsöMiotßeken.
Von Dr. Ernst Schultze.
(7. Fortsetzung.)
Fragt man aber den Bibliothekar einer public library, welche Autoren am meisten gelesen werden, so nennt er uns mit Stolz die besten Namen aus der englischen Literatur, und es ist bemerkenswert, daß darin das Gefühl der Leser am meisten zum Ausdruck kommt; es kommt sehr häufig vor, daß z. B. die Arbeiter in den Fabriken sich gegenseitig von den Büchern, die sie lesen, und von dem Eindruck, den diese auf sie gemacht haben, erzählen. Allerdings ist auch zu berücksichtigen, daß die Bibliothekare dem Publikum in der liebenswürdigsten Weise zur Hand gehen und jeden Leser, von dem sie annehmen können, daß er nicht recht weiß, was er lesen soll, zu beraten suchen.
Eine treffliche Hilfe, zumal für den ungebildeten Leser, bieten auch die Kataloge der englischen Volksbibliotheken. Mehr als die Hälfte dieser Kataloge wird, wie bereits erwähnt, von der Belletristik eingenommen, während der übrige, wissenschaftliche Teil in verschiedene Unterabteilungen zerfällt. Diese Kataloge siod nun nach einem Prinzip angelegt, das meines Wissens in Deutschland bisher noch nicht zur Anwendung gekommen ist: Man bezeichnete es in England als das dictionary System; es besteht darin, daß jedes Werk nicht nur unter dem Namen seines Verfassers eingetragen', sondern auch unter dem Hauptwort seines Titels verzeichnet ist, eventuell auch unter den Hauptworten, salls es mehrere sind. Gustav Freytags „Ahnen" würden auf diese Weise sowohl unter „Freytag", wie unter „Ahnen" 8U finden fein, Hans Hoffmanns „Gymnasium zu Stolpen-
burg" sowohl unter „Hoffmann", wie unter „Gymnasium" und unter „Stolpenburg". Daß dies eine sehr äußerliche Katalogisierung ist und auf wissenschaftliche Bibliotheken nicht angewandt werden kann, ist selbstverständlich, und niemand 'besser bekannt, als den Engländern selbst. ~ Man benutzt das dictionary system eben auch nur für bie Lotion-Abteilung der public libraries, bei denen man voraussetzt, daß sie gerade von ungebildeten Lesern viel benutzt werden, und mir will scheinen, daß seine Anwendung hier recht angebracht ist."
Auf die wissenschaftlichen Abteilungen näher einzugehen, hat hier keinen Zweck. Ich will nur noch erwähnen, daß die letzte Seite des Katalogs gewöhnlich von der Aufzählung der Bücher der Kinderabteilung (juvenile department) gebildet wird; eine solche besteht nämlich in einer ganzen Reihe von public libraries. Es ist aus dem Bestreben hervorgegangen, den Kindern nicht dieselbe belletristische Literatur in die Hand zu geben, die für die Erwachsenen bestimmt ist, sondern ihnen eine Auswahl von Büchern zur Verfügung zu stellen, die für ihr Alter geeignet sind. Wohl in allen diesen Fällen steht die Bibliothek in Verbindung mit den Lehrern der verschiedenen Schulen, um das juvenile department in Einklang mit den letzteren zu halten, wie überhaupt auf die Wünsche und Bedürfnisse der Lehrer ganz mit Recht besondere Rücksicht genommen wird. In einzelnen public libraries hat man auch Lesesäle für Knaben und Mädchen eingerichtet, die des Nachmittags geöffnet sind, und sich als außerordentlich nützlich erweisen, namentlich in Rücksicht auf die Kinder, denen die elterliche Aufsicht während der Tagesstunden fehlt, und die hier sicherlich bei weitem besser aufgehoben sind, als in dem Gewühl und dem Schmutze der Straße.
Eine wichtige Neuerung, die zuerst an den ameri-
konischen Volksbibliotheken auftauchte, ist vor einer ganzen Reihe von Jahren von Liverpool in England eingeführt worden und jetzt dort in ausgedehntem Maße im Gebrauch. Man hat nämlich in den Städten, die sich über ein größeres Flächengebiet ausdehnen, es nicht bei der Begründung einer Zentralbibliothek bewenden lassen wollen, sondern hat auch die entlegeneren Stadtgebiete mit Büchern zu versehen gesucht, indem man eine Reihe von branch-libraries (Filial- Bibliotheken) einrichtete. Man findet diese Filialen jetzt in den meisten einigermaßen ausgedehnten Städten Englands. Sie bestehen gewöhnlich aus einem Lesesaal für Zeitungen und Zeitschriften, einer Nachschlagebibliothek und einer Ausleihebibliothek, die natürlich bei weitem nicht die Größe der Zentralbibliothek erreicht, aber doch sehr oft nicht weniger als 4000 oder 5000 Bände umfaßt. Am weitesten ist dieses System in Leeds ausgebildet, einer der Hauptindustriestädte Mittel - Englands mit 400,000 Einwohnern; sie dehnt sich über ein sehr großes Flächengebiet aus, und man hat deshalb dort nicht weniger als 33 Filialen eingerichtet, von denen einige nur in den Abendstunden geöffnet sind, weil sic hauptsächlich für Arbeiter bestimmt sind: dazu kommen dann noch fünf Filialen in Gemeindeschulen, die nur für Kinder dienen sollen (für die übrigens auch in einigen der anderen Filialen Vorkehrungen getroffen sind».
Auch für das weibliche Geschlecht findet man hier und da besondere Leseräume eingerichtet, obwohl man sich im allgemeinen damit begnügt, einen ober mehrere der Tische bes Lesesaales durch eine Tafel „Ladies only“ für dasselbe zu reservieren, das, nebenbei bemerkt, auch unter den Bibliothekaren (in England nicht so stark wie in Amerika) vertreten ist.
(Fortsetzung folgt.)


