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14.12.1899 Zweites Blatt
 
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Nr. 294 Zweites Blatt Donnerstag den >>. Drcember

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Gießener Anzeiger

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* Vom Kriegsschauplatz.

Wie zu erwarten war, wirkt die Kunde von der Niederlage Gataere's, der übrigens nach einer amtlichen Depesche aus Prätoria bei Stormberg 67 2 Mann an Gefangenen verlor, während die Zahl seiner Toten und Verwundeten unbekannt ist, in England höchst deprimierend, zumal da der Rückzug Gatacre'S einer Flucht verzweifelt ähnlich sah. Der Standard" sagt fast mit unseren eigenen Worten: Gataere's Niederlage wird der wachsenden Insurrektion neuen Brenn­stoff zuführen, die Kunde der Katastrophe wird wie ein Feuerbrand durch die Kolonie laufen. Hier haben wir wieder einen neuen Ausschub jenes schnellen, siegreichen Vor­marsches auf die Hauptstädte der Buren, von der Sanguiniker bereit« im Oktober sprachen. Das Blatt fordert dann Buller auf, durch einen zermalmenden Schlag am Tugela- Fluffe das britische Prestige wiederherzustellen. Die Times" schreiben, es wäre kindisch, den Ernst der Nieder­lage zu unterschätzen; sie sei eine Wiederholung des Un­glücks von Nickolsons Nek. Die politischen Konsequenzen würden nur zu wahrscheinlich eine ernste und sofortige Wirkung auf die militärische Lage haben und möglicherweise recht unangenehm und bedrückend sein. Jedoch sei absolut sicher, daß keine zeitweilige Niederlage den endgiltigen Ausgang des Krieges berühren könne.Daily Chronicle" findet, die Niederlage mache starke Anforderungen an die Geduld, welche die Minister predigen, sie sei die schlimmste Illustration von dem unzureichenden Kundschaftsdienst und der Ausrüstung der englischen Armee. Man glaubt, daß die Details der Schlacht noch viel vernichtender sind, als das, was das Kriegsministerium veröffentlicht hat und nimmt an, Gatacre werbe sich nach Queenstown zurückziehen und sich bis zur Ankunft der Verstärkungen auf die Verteidigung beschränken müssen, lieber den Verlauf des Kampfes wird noch gemeldet:

London, 12. Dezember. AuS Molteno etngetioffene Mel­dungen besag n GatacreS Truppen marschierten fteben -Stunden, fortwährend auSglettend und hinfatlend, bis sie da« natürliche Batst', erreicht hatten, an deffen Ende fich die Haupt- posttton des Feinds auf Root Kop befand. Der Tag brach an und eS war ziemlich hell. A s die irischen Schützen und Gatacre mit feinem Stab eben in die Tbatsenkung etnbogen, eröffnete der K-tnd auf dem rechten F ügel unerwartet ein verheerende« Feuer. Auf die Schützm folgten btc Northambeiländer und die Füsinere, den N-chtrab bildete die Artillerie. Die Kolonne marschierte in Vterer-Zügen ; trotz der Plötzlichkeit deß Angr ff4 entstand Line Kon­fuston. Gatacre und die Oifistere brachten die Truppen mit großer Kaltblütigkeit in G-fecht«auiN.llung, und br Kampf tobte; die Ar­tillerie ei reichte eine Position auf der linksseitigen Anhöhe; die Infanterie erklomm den Hügel, doch geriet sie, oben angekommen, unter furchtbare« Gewehrfeuer von drei Seiten und mußte fli hen. D e Artillerie deckte den Rückzug, Nun brachten die Buren ihre Geschütze den Hödenzug entlang und werfen meilenweit Granaten unter die daS Thal entlang fliehenden Truppen; sie schoffen vorzüglich und die Granaten krepierten stets dicht bet den Fliehenden. Schließlich eröffneten die Buren von der Anhöhe, welche die Straße beherrschte, ein verheerendes Gewehr feuer auf die Fii henden. Gatac eS Heerestrümmer trafen 11 Ubr morgen« in Molteno ein. Die StL-ke dcS Feind.« wiid auf 6000 Mann geschätzt in einer faktisch uneinnehmbaren Stellung.

Nach dieser Schilderung müssen die Verluste Gatacres an Totcn und Verwundeten viel größer gewesen sein, als er sie angiebt. Die Londoner Blätter verlangen einstimmig, daß die in Mobilisierung begriffene siebente Division unverzüglich nach Südafrika gesandt werde.

Während so im Zentrum des Kriegsschauplatzes die Karten sich leicht übersehen lassen, ist die

Situation am Modder-River nach wie vor unklar. Heute meldet man:

gottrenco MarqueS, 12. Dezember. Eine amtliche Depesche aus Prätoria besagt: Am Midder-River kam eS gestern abend zu einem Gefecht. General Cronje behauptete ferne Posrtton und machte 60 Gefangene. .

Das find mit den 672 bei Stormberg abgeschntttene zusammen schon über 720. Wenn die englischen Truppen sich so leicht von den Buren escamotieren lassen, so werden in Prätoria, wo schon gegen 2000 MannFrieden im Krieg" spielen, bald mehr Engländer als Buren sein. Leider ist auch aus dieser Meldung nicht zu erkennen, ob das Gefecht am rechten oder linken Modderufer stattgefunden hat, aber jedenfalls war es für die Buren erfolgreich. Offenbar ist das Gefecht identisch mit dem vomReuterschen Bureau" unterm 10. Dezember aus Modder-River-Station gemeldeten, in welchem die Stellungen der Buren vollständig demaskiert und die feindlichen Geschütze nach einer Stunde zum Schweiaen gebracht worden sein sollen. Thatsächlich handelt es sich wieder um einen total verunglückten Versuch Lord Methuen's, die feindliche Um» H ammerung zu durchbrechen.

London, 12. Dezember. DemChicago Chronicle" zufolge sollen die Freunde des bisherigen amerikani­schen Konsuls in Prätoria, Macrum, der Meinung sein, daß dieser mit wichtigen Mitteilungen für das Svaatsd eparte ment, die er nicht telegraphieren konnte, nach Amerika zurückkehre. Er überbringe einen an Mac Kinley und den Kongreß gerichteten Appell Krügers, worin dieser die Union auf fordert, falls kein Bündnis zwischen ihr und England bestehe, dies auch der Welt zu zeigen, indem sie die Initia­tive zu einer europäischen Intervention er­greift, welche dem Kriege in einer für Transvaal ehren­vollen Weise ein Ende machen würde.

Heber die Zustände in Ladysmith wird be­richtet, daß daselbst Gatacres Niederlage deprimierend ge­wirkt hat und daß nunmehr viele Holländer, welche bisher damit gezögert hatten, sich den Buren anschließen werden.

AuS Lourenco-Marquez wird gemeldet, daß die Buren englische Depeschenträger, welche Mel­dungen aus Ladysmith mit sich führten, abge­fangen haben. Aus ihren Botschaften geht hervor, daß Menschen und Pferde inLadysmith nurnochhalbe Rationen erhielten. Der Whisky koste zwanzig Schillinge die Flasche, Milch und Konserven zwei Schillinge sechs Pence die Büchse. Bier sei nicht vorhanden; das Rathaus und das Kloster seien zerstört. Eine Granate sei in das Hotel Royal gefallen, wo man gerade beim Diner war. Das Geschoß habe den daselbst befindlichen Doktor Stark getötet. Ferner seien das englische Kirchenportal und noch zahlreiche andere Bauwerke durch Granaten in Trümmern gelegt.

Aus Kapstadt wird berichtet: Gerüchtweise ver­lautet, daß gestern den ganzen Tag über beim Mod- derfluß gefochten worden ist. Einzelheiten fehlen.

Aus Liverpool wird gemeldet, daß die dortige öffentliche Meinung über die neue Niederlage der Engländer sehr entrüstet sei. Das Publikum beschuldigt ganz besonders den höheren Generalstab.

Aus Colenso wird berichtet, es ständen nur noch zwei Pfeiler der zerstörten Brücke.

Fokales und Provinsieües.

Gießen, den 13. Dezember 1899.

* Am vergangenen Samstag Abend versammelten sich die Mitglieder des Gießener Männr Gesangvereins, sowie eine Anzahl geladene Gäste in Steins Saalbau zur Feier des 11jährigen Bestehens des Gesangvereins, und wurde die Feier, welche in einem Bierkommers bestand, von dem derzeitigen 1. Vorsitzenden, Herrn Krieb, mit einer schwungvollen Rede eröffnet, welche darin gipfelte, daß es dem Verein nicht um Kunstproduktionen zu ihun sei, son­dern derselbe im Sinne der Devise:Einfach und gut!" in der bestmöglichsten Wiedergabe des Volksliedes seine Freude suche, und wurde dann auch das vom Redner aus gebrachte Hoch auf ein ewiges Blühen und Gedeihen des Vereins von allen Anwesenden mit Enthusiasmus aus­genommen. Daß unter der vorzüglichen Leitung seines Dirigenten, des Herrn Musikdirektors Krauße, der Ver­ein sich überall mit dem besten Erfolg kann hören lassen, bewiesen die in mustergiltiger Weise vorgetragenen Gesänge, von welchen nur einige hier erwähnt seien:Brüder reicht die Hand zum Bunde",Nach der Heimat möcht' ich wieder",Zieh' hinaus beim Morgengrauen" rc. rc. Die ferner zur Verherrlichung des Abends in durchaus ge­wandter und ansprechender Weise vorgetragenen komischen Stücke durch die bewährten Kräfte, der Herren Haus und Holl mann, fanden ebenfalls verdienten Beifall. Alles in Allem kann der Männer-Gefangverein stolz fein auf feine stattliche Milgliederzahl, sowie auf die gesanglichen Leistungen und nicht zum wenigsten auf die unter den Mitgliedern herrschende Harmonie und Brüderlichkeit. In diesem Sinne und mit dem ehrlichen Wunsche, daß sich der Gießener Männer - Gesangverein immer kräftiger entfalten möge, fei demselben hierdurch ein herzlicher Sängergruß dar­gebracht.

** Steinkohlenbezugsgesellschast Gießen. Am Montag- abend fand die diesjährige General-Versammlung obiger Gesellschaft statt. Aus dem Bericht des Vorsitzenden war zu entnehmen, daß die Gesellschaft am Schluffe des Geschäftsjahres (Ende Juli) 625 Mitglieder zählte, und daß diese Zahl heute 696 beträgt. Die Gesellschaft besteht erst drei Jahre. Am Ende des ersten Jahres betrug btc Mitgliederzahl 345, am Schluffe des zweiten Jahres 475.

Diese Zahlen geben am besten ein Bild von der Beliebt­heit eine« solchen, den heutigen Verhältnissen angepaßten Vereins. Im abgelaufenen Jahre hat der Verein 249 Waggon Kohlen bezogen und dafür einschließlich der Ver- waltungskosten 52,345 Mk. verausgabt. Es berechneten sich die Winterkohlen zu Mk. 1.04, die Sommerkohlen zu Mk. 1, die Anthracitkohlen zu Mk. 1.48. Die Rechnung war von drei Revisoren geprüft und richtig befunden worden. Es konnte daher dem Rechner und dem Vorstand Entlastung erteilt werden. Die Statuten wurden dem bürgerlichen Gesetzbuch angepaßt und auch beschlossen, den Verein bei Gericht eintragen zu lassen. Wir können noch bemerken, daß die Beiträge monatlich im Voraus erhoben werden, und dem in dem Geschäftsjahr gewünschten Kohlenquantum entsprechen müssen. Der Erheber braucht nicht zwetmal die Quittung zu präsentieren. Kann aus irgend einem Grunde der Beitrag bei Erscheinen des Erhebers in der Wohnung des Mitgliedes nicht bezahlt werden, so ist derselbe dem Erheber ins Haus zu bringen. Die eingehenden Gelder werden, soweit sie nicht augenblicklich verausgabt werden müffen, zinsbringend angelegt, und kommen die Zinsen den Mitgliedern zu gut. Anmeldungen können jederzeit beim Vorsitzenden, Herrn DickorL, Schanzenstraße, wie auch bei den übrigen Vorstandsmitgliedern ersolgen.

** Die Säcularpostkarte wird sich dadurch auszeichnen, daß die neue Germamamarke von einem Lorbeerzweig um» rahmt ist, während in der linken Kartenccke eine ausgehende Sonne mit der Zahl 1900 prangt. Der Bedarf soll auf V/2 Millonen Stück veranschlagt fein. Die Postverwaltung will die Karten am 30. und 31. Dezember ausgeben.

Zur hessischen Staatslotterie wird demDarmstädter Tägl. Anz." gemeldet: Die Slaalsregierung hat sich für einen von fünf ihr von der Staatslotterie-Kommission vor­gelegten Verlosungsplänen definitiv entschieden, und die Veröffentlichung dieses Planes wird im Laufe der nächsten Woche erfolgen, lieber die zu verleihenden Titel Haupt­kollekteur und Kollekteur ist folgendes bestimmt worden: Wer 100 bis 500 Lose abnimmt, wird Kollekteur, Haupt­kollekteur, wer 500 und mehr Lose auf eigene Rechnung abnimmt. Unter 100 ganze Lose werden nach den Städten des Landes nicht abgegeben. Die Hauptkollekteure, die also 500 und mehr Lose beziehen, erhalten Vorzugsbedingungen. Wie weit diese Meldung richtig ist, sei dahingestellt. Die bisher über die hessische StaatSlotterie gebrachten Mel­dungen haben sich als wenig zuverlässig erwiesen. Warum hüllt sich die betreffende Behörde in einer das ganze Land interessierenden Angelegenheit in ein so geheimnisvolles Schweigen, das sich sogar auf von freundnachbarlicher Seite erhobene schwere Vorwürfe erstreckt?

* Trotz der nun löjahr. Einführung des Krankenkayen. gefetzes herrschen immer noch Zweifel, ob auch Handlungs- lehrlinge versicheruugSpflichtig sind. Folgender Fall möge zur Belehrung dienen und säumige Arbeitgeber an ihre Pflichten erinnern: Ein Kaufmannslehrling, welcher in einem Darmstädter Geschäfte etwa 2 Jahre beschäftigt war und wöchentlich 2 Mk., in letzter Zeit 3 Mk. erhielt, wurde krank und starb nach kurzem Krankenlager. Der Prinzipal, welcher die Anmeldung versäumt hatte, mußte lautD. T. A." für Krankengeld, Sterbegeld, die Doktor- und Apotheker­rechnung, Nachzahlung des ganzen Betrages usw. aufkommen, und betrugen diese Kosten ca. 100 Mk. Bemerkt sei noch, daß in diesem Falle die KrankheitSzeit kurz, die Doktor- und Apothekerrechnungen klein waren. Die Ortskrankenkasse Merkur" für Handlungsgehilfen und Lehrlinge zahlt 26 Wochen Krankengeld bei freien Aerzten und Heilmitteln. Hiernach läßt sich leicht berechnen, welche enormen Kosten einem Arbeitgeber erwachsen können, wenn er Anmeldungen versäumt, zudem fich die Leistungen der Kasse mit der Höhe der Gehälter, zu welchen auch Naturalverpflegungen ge­hören, vergrößern. So betrugen die Kosten, welche in einem anderen ähnlichen Falle bezahlt werden mußten, über 200 Mk. Mögen diese Zeilen eine Mahnung an die Arbeit­geber sein und daran erinnern, wie versäumte Anmeldung ober falsch angebrachte Sparsamkeit zu großen Ausgaben Veranlassung geben können.

* Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Schlosser Adam Brandenstein aus Frankfurt a. M., Fahrbursche Mathäus Haas aus Klein-Steinheim und Fabrikarbeiter Anton Trautwein aus Aschaffenburg, sämtlich wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Offenbach; Steinbrecher Joachim Bressa aus Cuidais in Italien, Knecht Josef Schmelz aus Bamberg und Küfer- geselle Karl Reinhold Scholz aus Saegen, sämtlich wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Bingen; Photo