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Rt. 242 Zweites Blatt Samstag den 14 October
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
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Amtlicher Heil.
Bekanntmachung.
Nachdem die Grenzen des für die Nebenbahn Lollar- Londorf nötigen Geländes abgepflöckt sind und mit dem Erwerb des Geländes demnächst begonnen und auch der Bau unmittelbar danach in Angriff genommen wird, empfehlen wir den Besitzern der betreffenden Grundstücke, die zum Bahnbau erforderlichen Geländeteile in diesem Herbst nicht mehr zu bestellen.
Die Abpflöckung ist sorgfältig zu schonen und unterliegen Beschädigungen derselben der gesetzlichen Strafe.
Gießen, den 7. Oktober 1899.
Großh. Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Bekanntmachung,
betreffend: Die Maul- und Klauenseuche zu Trais-Horloff.
Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Trais-Horloff bis auf 2 Gehöfte erloschen ist, wird die angeordnete Sperre der Gemarkung und der Weide aufgehoben. Die Sperre der beiden Gehöfte bleibt noch bestehen.
Gießen, den 12. Oktober 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.
Bekanntmachung,
betreffend: Maul- und Klauenseuche zu Ruttershausen.
Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Ruttershausen bis aus 3 Gehöfte erloschen ist, wird die angeordnete Gemarkungssperre aufgehoben, die Sperre der 3 Gehöfte aber noch aufrecht erhalten.
Gießen, den 12. Oktober 1899.
Großh. Kreisamt Gießen, v. Bechtold.
Bekanntmachung, betreffend: Die Abhaltung des Viehmarktes zu Grünberg am 18. Oktober.
Der für Mittwoch, bett 18. b. Mts. borge- sehene Rindvieh- und Schweiuemarkt in Grünberg muß wegen der starken Verbreitung der Maul- und Klauenseuche in der näheren und weiteren Umgebung von Grünberg verboten werden. Die Seuche herrscht zur Zeit in 14 Orten des Kreises Gießen und in einer Anzahl von Orten der benachbarten Kreise Alsfeld, Schotten und Büdingen ziemlich nahe unserer Kreisgrenze und noch mehr
Feuilleton.
• Entführung mit einem Theatereffert. Zwischen Belgrad, Pest und Wien spielte sich dieser Tage eine Entführungsgeschichte ab, die mit ihren Verwechslungsszenen einer Theater- poffe nachempfunden zu sein scheint. Da langten kürzlich aus Belgrad je zwei Polizeiagenten in Budapest und in Wien an, um mit Hilfe von gewiegten, ortskundigen Detek- tives ein entffohenes Liebespaar auszuforschen. Die Entflohenen sind die junge, schöne Gattin des Belgrader Bankiers Mathias Sch. und ein junger Mann, von dem man vermutet, daß er Klavierlehrer ist. Die schöne, blonde Dame hieß mit ihrem Mädchennamen Mathilde K. und ist die Tochter eines Budapester Lehrers. Mathias Sch. sah seine Gattin zum erstenmale vor anderthalb Jahren in Wien und verliebte sich in sie. Er machte sie zu seiner Gattin und führte sie nach Belgrad heim. Mathilde, die bisher in ziemlich drückenden Verhältnissen gelebt hatte, wurde, als sie die Gattin des Bankiers war, eine Verschwenderin. Es kam deshalb zwischen den Ehegatten zu heftigen Auftritten und stürmischen Auseinandersetzungen. Sie machte schon einmal den Versuch, aus dem Hause des Gatten zu fliehen, doch vereitelte dies der Mann, der noch immer mit großer Liebe an seiner Frau hing. Trotz der scharfen Bewachung gelang es aber dieser Tage der jungen Frau, aus dem Hause ihres Gatten zu entkommen. Die Belgrader Polizei stellte fest, daß die junge Frau in Begleitung eines jungen Mannes nach Ungarn geflohen sei. Da gleichzeitig ihr Musiklehrer verschwunden ist, glaubt man diesen in ihrer
in den anderen benachbarten hessischen und preußischen Kreisen. . Die Gefahr der Verschleppung der Seuche ist unter diesen I Verhältnissen und da die Seuche noch viel verheimlicht wird, zu groß, als daß die Abhaltung des Marktes unter bestimmten vorzuschreibenden Bedingungen und Beschränkungen der Beschickung gestattet werden könnte. Auch die Zulaffung lediglich eines Schweinemarktes empfiehlt sich nicht, da besonders Läuferschweine häufig Träger des Ansteckungsstoffes sind.
Gießen, den 12. Oktober 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
____________________v. Bechtold.____________________
Gießen, den 12. Oktober 1899.
Betr.: Die Herbstübungen in 1899.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grosth. Bürgermeistereien beS Kreises.
Wir sehen der Vorlage aller noch rückständigen Quartier-, Fourage- und Vorspann-Bescheinigungen unfehlbar binnen 3 Tagen entgegen.
v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Wegen der in 8 ländlichen Ortschaften und in der Stadt Wetzlar herrschenden Maul- und Klauenseuche und da die Seuche in den angrenzenden Nachbarkreisen in gefahrdrohender Weise besteht und noch weiter um sich greift, sehe ich mich genötigt, die auf den
17. Oktober b. Js. in Braunfels und 18. Oktober b. Js. in Wetzlar anstehenden Viehmärkte hiermit aufzuheben.
Die Herren Gemeindevorsteher des Kreises ersuche ich, die vorstehende Anordnung auf ortsübliche Weise in der Gemeinde sofort bekannt machen zu lassen.
Wetzlar, den 9. Oktober 1899.
Der Königliche Landrat.
Werden die Engländer in Transvaal siegen?
Die in Amsterdam erscheinende „Deutsche Wochenschrift in den Niederlanden" veröffentlicht folgenden interessanten Privatbrief:
Prätoria, im September 1899.
Die Anfrage wegen meiner Ansicht über die Zustände in Südafrika will ich durch folgende Betrachtung erledigen, die ich aus meiner Vertrautheit mit Land und Leuten während eines zehnjährigen Aufenthaltes geschöpft. Laut Nachrichten aus Holland beunruhigt man sich daselbst mehr als hier zu Lande. Es scheint, daß man in Europa allgemein glaubt, die Boeren seien dem mächtigen Albion nicht
Begleitung. In Budapest kam es infolge dessen schon am nächsten Tage zu einer Aufsehen erregenden Verhaftung. Als der Belgrader Schnellzug in die Halle des Bahnhofes rollte, entstieg einem Wagen 1. Klasse eine tief verschleierte, schöne, blonde Dame am Arme eines jungen Mannes. Ein Detektive schritt auf die Dame zu und fragte sie, da die ihm gegebene Beschreibung auf die Frau Sch. paßte, wer sie sei. Ganz harmlos antwortete sie, sie sei die Gattin des Belgrader Banquiers Mathias Sch. und sei zu ihrem Vergnügen nach Budapest gekommen. Der Detektive erklärte höflich, daß sie auf Aufforderung der Belgrader Polizei nach Belgrad zurückkehren müsse. Der schönen Frau half kein Flehen und kein Weinen; sie wurde mit dem nächsten nach Serbien abgehenden Schnellzuge nach Belgrad zurückgeschickt. In Belgrad angelangt, wurde die blonde Dame auf dem Bahnhofe von dem Bankier erwartet. Wer aber beschreibt die Ueber- raschung des Herrn Sch., als er die Entdeckung machte, daß die blonde Dame gar nicht seine Frau sei. Das Rätsel löste die Fremde bald, die allerdings Frau Sch. in der Statur sehr ähnlich war, selbst, indem sie erzählte, daß sie im Eisenbahnzuge zwischen Belgrad und Budapest von Frau Sch., die jedenfalls gewarnt worden war, 3000 FrS. dafür erhalten habe, daß sie in Gesellschaft des jungen Mannes, ihres Kousins, in Budapest aussteigen und, falls sie angehalten werde, sich als Frau Sch. aus Belgrad ausgebe. Frau Sch. wollte mit demselben Zuge gleich weiter fahren, und zwar mit einem jungen Manne, der Wien als vorläufiges Reiseziel angegeben habe. Der Streich der Gattin des Bankiers, die auch Wertpapiere und Bargeld
gewachsen und sie müßten in Bälde die Niederlage erleiden. Das träfe sicher zu, wenn die Boerenrepubliken in Europa lägen, aber unser Land liegt mitten in Afrika, die Grenzen sind Hunderte von Wegstunden von der englischen Operationsbasis entfernt, und von da bis zu unserem Zentralpunkt Prätoria besteht ein Abstand von mindestens noch 60 Stunden. Prätoria ist gegenwärtig eine Feste, die selbst in Europa Respekt einflößen würde.
Bis an die Grenzen kann der Feind sich der Bahn bedienen, aber innerhalb derselben ist sie natürlich in der Macht der Boeren, während die Hauptpunkte gut verteidigt werden können. Sind die Engländer genötigt, ihren Train durch Ochsen und Maultiere mitzuführen, bann werden sie zu ihrem Schaden erfahren, was dies heißen will. Man muß diese Art des Transportes hier kennen, um sich einigen Begriff davon machen zu können, und muß ferner in Betracht ziehen, daß für die Jnvasionstruppen auch nicht das geringste an Nahrungsmitteln und sonst Benötigtem zu finden ist, denn alles muß von dem Train selbst mitgeführt werden; nur um diesen zu decken, ist schon eine respektable Heeresmacht von Nöten. Die eigentlichen Gefechtstruppen müssen hauptsächlich aus berittenen Mannschaften bestehen, die genug zu thun haben werden, um die Infanterie gegen die Guerilla-Banden der Boeren zu beschützen. Und dann das Ueberschreiten von Pässen und tiefliegenden Flüßchen!
Um nicht unter das Feuer der feindlichen Boeren zu kommen, wird jeweils die Aufstellung der Artillerie sich als notwendig erweisen, um die Berghöhen, von denen hier fast jeder Bach eingeschlossen ist, unter Feuer zu nehmen. Man kann sich so weit vorstellen, wie beschwerlich und zeitraubend dies alles sein muß.
In England scheint auch die Idee vorzuherrschen, daß der Sommer (von Oktober bis April) die passendste Zeit für den Feldzug fei. Der Hauptgrund für diese Anschauung scheint darin gesucht werden zu müssen, daß alsdann hier die Regenzeit eintritt und darum Wasser vollauf vorhanden ist, während der Winter als trocken bekannt ist. Doch machen sie gerade dabei den denkbar größten Schnitzer! Unsere Flüsse werden Sommers und Winters von Quellen gespeist, die stets eine gleichmäßige Quantität Wasser abführen. Mehr Wasser wäre nicht nur überflüssig, sondern würde selbst das Ueberschreiten der Flüsse und Bäche hindern. Infolge der eigentümlichen Bodenformation bleibt Wasser niemals in Deichen und Pfützen zurück, sondern ergießt sich in die nächstliegenden Bäche, successive Flüßchen und Flüsse bildend. Doch infolge des hier fallenden Tropenregens wachsen diese Bäche in unglaublich kurzer Zeit häufig zu wilden Gebirgsströmen an, in ihrer Wildheit jeder Menschengewalt spottend. Die stärksten Notbrücken werden weggerissen. Die armen englischen Soldaten, in solchem Klima und Landstrich marschierend, werden hier etwas er-
im Gesamtbeträge von 40 000 Franks mitgenommen habe, war also vollständig gelungen. Der Bankier setzt jetzt seine Nachforschungen in Wien und Berlin fort, da es möglich ist, daß das Paar bereits weiter als bis nach Wien gekommen ist.
* Krieg und Aktien. „Bataille" veröffentlicht unter dem Titel „In Transvaal" im „Figaro" folgende satirische Skizze: Der englische General zu seinem Adjutanten: „Wie steht es?" — Adjutant: „Unsere Verluste sind nicht sehr erheblich. Wir haben nur einige hundert Tote und Verwundete." — General: „Und der Feind?" — Adjutant: „Der ist halb vernichtet. Ungefähr 5000 Buren sind durch unsere Kugeln zerrissen."— General: „Gut!" — Adjutant: „Soll die Metzelei fortgesetzt werden?" — General: „Warten Sie (wendet sich zu einem Gentleman, der den Operationen mit der Lorgnette und der denkbar phlegmatischsten Miene folgt): „Mein Herr?" — Gentleman: „General?" — General: „5000 Feinde zu Boden gestreckt!" — Gentleman: „Wieviel sagen Sie?" — General: „Ziemlich 5000." (Zum Adjutanten): „Nicht wahr?"—Adjutant: „Augenscheinlich, eher mehr uls weniger." — General (zum Gentleman): „Genügt das?" — Gentleman (zieht ein Notizbuch aus der Tasche): „Ich werde berechnen. Hm! 5000. Der jetzige Kurs der Goldminen ist ... . Teufel! 5000, das ist nicht genug! Ich glaube nicht, daß die Goldminen bei einem einfachen Maffakre von 5000 Suren ernstlich steigen. Wir brauchen mehr." — General: „Also das genügt nicht?" Gentleman: „Nein. Der Markt ist unruhig, unentschieden. Er kann sich von einem Augenblick zum andern verschlech-


