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14.10.1899 Erstes Blatt
 
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Der WerzweiflungsKampf der Wuren.

Gießen, 13. Oktober 1899.

Der zwölfte Oktober des Jahres 1899 wird in der Weltgeschichte verzeichnet stehen als einer jener Tage, die rinen Markstein bilden in dem Leben der Völker. Es be­steht kein Zweifel mehr: Der Krieg zwischen England und der Südafrikanischen Republik hat begonnen, die Pforte ist geöffnet zu jenem weitem, düsteren Wege, auf dem Leichen­hügel die Grenzsteine bilden, dessen fernes, im Dunkel sich verlierendes Ziel kein Sterblicher kennt. In atemloser Spannung hatte die Welt geharrt, sie hatte ungeduldig es gesehen, wie die Buren in dem Gefühl, daß der Einsatz ungeheuer hoch sei, daß Vaterland und Freiheit auf dem Spiele stehen, die Gunst der Lage nicht ausnutzten, um durch einen raschen Vorstoß sich den ersten und vielleicht auch den dauernden Erfolg zu sichern. Das Gefühl der Verantwortung mag schwer gelastet haben auf dem greisen Krüger und seinen Räten, und verständlich ist der Wunsch, den äußersten Entschluß zu verzögern, so lange noch die Möglichkeit des Friedens auch nur durch den schmälsten Spalt sich zeigte: das Bewußtsein, zum Kriege gezwungen zu sein, zu kämpfen, weil es die Pflicht der Selbsterhaltung gebietet, stärkt auch in den Schlachten den Arm und füllt das Herz mit rechtem Gottvertrauen. Nicht die Gewalt der Waffen allein entscheidet, nicht die Zahl und die wirt­schaftliche Ueberlegenheit. Noch immer haben die sittlichen Momente ihre gewaltige Wirkung geübt und schon oft hat ein kleines Volk, das entschlossen sein Recht und seine Frei­heit verteidigte, den ehernen Felsen gebildet, an dem die Macht eines zehnfach überlegenen Feindes zerschellte.

Worin liegt denn der letzte Grund dafür, daß in dem jetzt beginnenden Kampfe die Sympathieen fast der gesamten Welt auf der Seite der Buren stehen? Politische Reflexionen xnb Zweckmäßigkeitsgründe bestimmen nicht das Gefühl der Massen, sie werden von anderen Motiven geleitet. Kühle Erwägungen mögen vielleicht darauf weisen, daß eine ge- srdnete, englische Verwaltung weit schneller und sicherer die südafrikanische Republik dem europäischen Kulturleben er­schließen, das Land den modernen Staatengebilden anglie­dern würde; man mag darauf weisen, daß europäisches Kapital unter britischer Flagge rasch und gesichert ein mit natürlichen Schätzen reich gesegnetes Land der Allgemeinheit erschließen würde. Solche Argumentation mag etwas Be­stechendes haben. Aber sie vergißt das Eine, daß der Maß­stab, der an den wilden Bewohner des amerikanischen Ur­waldes angelegt werden darf, nicht auch giltig sein kann für Söhne der gleichen Rasse, daß der Angelsachse nicht das Recht hat, den Niederdeutschen zn verdrängen, nur weil er in trotziger Entschlossenheit an der Art und Sitte der Väter festhält. Wer war denn im Süden des dunklen Erd­teils der Pionier der Zivilisation? Wer hat dort in langen, opferreichen Kämpfen die Barbarei der Eingeborenen nieder­gerungen? Es waren die Nachkommen Derer, die, um ihres Glaubens willen vertrieben, in die Ferne zogen, sich eine Stätte der Freiheit zu gründen, um ihren Gott zu verehren in ber Weise, wie ihr Gewissen es ihnen gebot. Was sie besitzen, das haben sie mühsam sich errungen, und wenn heute die furchtbare Legende vom König Ahab und von Naboths Weinberg völkergeschichtliche Gestaltung ge­winnt, so mag auch der Jezabel Geschick den Uebermütigen, die nach dem Erbe des Schwachen die Hand ausstrecken, eine furchtbare Warnung sein.

In ergreifenden Worten hat noch zuletzt General Jou­bert, der Führer der Buren, sich an die Königin gewandt, sie möge es nicht dulden, daß die geheiligten Rechte eines schwachen, friedliebenden Volkes in ihrem Namen verletzt, daß ganz Südafrika in Kummer und Trauer versetzt werde. Die Worte sind verhallt gleich der Stimme des Rufers in obct Wüste, der Entschluß zum Kriege war längst gefaßt

und nur der Wunsch, den taktischen Aufmarsch an der Buren-Grenze zu vollenden, ehe noch der erste Schuß fällt, hat den frühzeitigen Beginn der Feindseligseiten verhindert. Vielleicht hat noch einmal die Gewißheit, daß die englischen Streitkräfte noch unzulänglich seien, die Salisbury und Chamberlain mit Wallenstein'schen Zweifeln erfüllt:Wär's möglich? Könnt' ich nicht mehr, wie ich wollte? Nicht mehr zurück, wie mir's beliebt? Ich müßte die That voll­bringen, weil ich sie gedacht? Aber so wie der gewaltigste Mann des 17. Jahrhunderts unfähig war, dem Netze zu entgehen, das er selbst geknüpft, so ist auch für Chamberlain und Salisbury heute der Rückweg verschlossen, und mancher Sohn einer englischen Mutter wird in den kommenden Tagen es büßen müssen, daß Ehrgeiz und Goldgier die Besonnenheit bezwangen. Nein, es giebt kein Rückwärts mehr. Ehern und scharf klingen die Worte des Ultima­tums, das die Buren stellten. Man hat in den Kirchen gebetet um die Erhaltung des Friedens, man hat nach­gegeben fast bis zur Demütigung, aber man hat im ent­scheidenden Augenblick auch den Mut zur entschlossenen That gefunden: Zurückziehung der englischen Truppen von den Grenzen des Transvaal, Zurückziehung aller seit dem 1. Juni nach Südafrika gelangten Mannschaften aus dem Bereich des Erdteils, Verbot der Landung weiterer Truppen, Anerkennung eines Schiedsspruches über alle streitigen Fragen das sind die Forderungen, die Krüger gestellt hat in dem vollen Bewußtsein, daß er den Engländern nur die Wahl ließ zwischen einer tiefen Demütigung und dem Kriege. Der Hieb ist die beste Deckung; mit rauher Hand hat der greise Krüger das englische Gespinnst zerrissen, und indem er ihnen die sittliche Verantwortung für das Kommende auflud, hat er zugleich für den beginnenden Feldzug seinem Volke die günstigste Situation gesichert. Denn noch ist der englische Aufmarsch lückenhaft und darum der Sieg der Burenarmee wahrscheinlich.

Noch weiden zum größten Teil die Pferde und Maul­esel, die für den Transport bestimmt sind, friedlich in Argentinien, in der Levante und im sonnigen Italien, nur ein geringer Teil der Soldaten hat die Schiffe bestiegen, die sie nach dem Süden führen sollen, alle Vorbereitungen zum Krieg sind unzureichend, Kriegsministerium und Admiralität haben eine erstaunliche Unfähigkeit gezeigt. Um so größer ist jetzt in London die Enttäuschung, wo die Kunst des Hin­haltens und Hinziehens nicht mehr verfing und die schlichte Diplomatie der Buren sich klüger erwies, als die fein aus­geklügelten Schachzüge ihrer britischen Gegner. Ohm Krüger vertraut felsenfest auf Gott, aber er weiß auch, daß Gott nur dem hilft, der sich selbst zu helfen versteht und daß, wenn der Krieg beschlossen ist in dem Willen des Ewigen, den keine Schuld mehr trifft, der sich durch rechtzeitiges Handeln den Sieg sichert. Und so wird denn der Kampf beginnen.

Es mag sein, daß Optimisten geglaubt haben, noch im letzten Augenblick werde die europäische Diplomatie sich ins Mittel legen und einen Krieg verhindern. Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Wer sollte auch einen Anlaß finden, die Engländer an einem Unternehmen zu hindern, das selbst dann, wenn es zuletzt mit ihrem Sieg endet, ihre Kraft lähmen, ihren Einfluß in dem europäischen Konzert ver­ringern muß? Gerade hier ist ja der Gesichtspunkt gegeben, der dem Unternehmen eine unabsehbare Bedeutung verleiht. Ein Anderes ist es, einen Feldzug gegen den Mahdi durch­zuführen und die ungeordneten Scharen der Derwische nieder­zuschmettern, ein Anderes aber ist es, ein Volk niederzu­ringen, das den letzten Kampf der Verzweiflung kämpft, dem nichts Anderes übrig blieb als das Schwert. Man mag verächtlich herabblicken auf ein Volksheer, auf jene ungeregelten Scharen, die vom Pflug weg in die Schlacht ziehen, aber gerade der Kampf um Haus und Hof verleiht auch dem Unzulänglichen eine ungeahnte Stärke, und die

Flinte des Buren schießt weit und trifft sicher. Die Soldaten der Engländer aber mögen noch so heiß sich begeistern für die Fahnen ihrer Königin, es wird dennoch auf ihnen stark das drückende Gefühl lagern, daß sie in Not und Tod ziehen für die Aktien der Spekulanten, und daß sie mit ihrem Blut das Steigen der Börse bezahlen.

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Weitere Meldungen zur KriegSeröffuuug.

London, 12. Oktober. Aus Prätoria wird gemeldet: Die Mobilisierung derTransvaal-Armee, welche einen Augenblick unterbrochen war, wird wieder mit der größten Energie fortgesetzt. General Joubert hat den Offizieren mitgeteilt, daß sie sich auf eine längere Fahrt vorbereiten sollten. Die Vereinigung der Streit­kräfte beider Republiken ist nur die Frage weniger Stunden. In der Buren-Armee herrscht voll­ständige Ordnung.

London, 12. Oktober. Aus Prätoria wird gemeldet: Mittwoch nachmittag 5 Uhr 50 Min. nahm der britische AgentGreene Abschied vonKrüger und fuhr mittel- Sonderzuges nach Kapstadt.

London, 12. Oktober. Eine Depesche aus New- Castle besagt: 400 Buren sind über Langsnek in Natal eingebrochen und marschieren auf Jngogo, welches jetzt wahrscheinlich schon besetzt ist. Alles Eisenbahnmaterial wurde zurückgesandt. New-Castle wird geräumt. In Prätoria wurde der Kriegszustand proklamiert. Den britischen Unterthanen wurden Pässe zur freien Abreise an die Grenze angeboten.

Loudon, 12. Oktober. Der hiesige Generalkonsul Transvaals, White, reiste schleunigst nach Brüssel zu Dr. Leyds ab. Das Generalkonsulat wurde geschlossen.

London, 12. Oktober. In Regierungskreisen wird ver­sichert, alle Staaten hätten England die strikteste Neutralität im Transvaalkriege zu gesagt.

London, 12. Oktober. Die Abendblätter melden, daß die Buren gestern abend sofort nach Ablauf der in dem Ultimatum gesetzten Frist Laingsnek besetzten. Sie rücken jetzt in großen Massen in Natal ein und besetzten die Lagogo Höhen.

Paris, 12. Oktober. Die hiesige Gesandtschaft der südafrikanischen Republik verständigte die französische Republik von dem seit gestern abend zwischen Transvaal und England bestehenden Kriegszustände.

New-York, 12. Oktober. Präsident Krüger richtete ein Telegramm an die ZeitungWorld", in dem er seinen amerikanischen Freunden aufrichtig für die Transvaal be­wiesenen Sympathieen dankt. Der britische diplomatische Agent sei zurückberufen, und der Ausbruch des Kriege- sei sicher. Die beiden Republiken seien entschlossen, fall- sie in Englands Besitz übergehen sollten, daß ein Preis hier­für bezahlt werden würde, über den die Menschheit be­troffen sein würde. Indessen hätten die beiden Republiken die volle Zuversicht, daß die Sonne der Freiheit über Südafrika aufgehen werde, wie sie seinerzeit über Nord­amerika aufgegangen sei.

Mafeking, 12. Oktober. Heute vormittag ist eine be­trächtlich englische Streitmacht mit schweren Geschützen und Sanitätskolonnen aus der Stadt in der Richtung nach der Grenze abgerückt.

Johannesburg, 11. Oktober. Britische Staats- angeörige erhalten nur in sehr geringer Anzahl Erlaubnisscheine zum Bleiben.

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Letzte Telegramme.

London, 13. Oktober. (Tel.) Aus Ladysmith wird telegra­phiert: Die Engländer haben sich in der Verteidig­ungslinie Ladysmith-Dundee aufgestellt. Man befürchtet dort eine doppelte Umgehung dieser Linie. New- Castle scheint gestern von den Buren noch nicht definitiv besetzt worden zu sein. Ein Kommando von 200 Mann soll in die Stadt eingerückt, bald aber wieder zurückgewiche« fein.

Loudon, 13. Oktober. (Tel.) Nach einer Meldung aus Kimberley rückten die Truppen des Oranje-Freistaates bis auf drei englische Meilen an die Stadt heran. Der Eisenbahn-Verkehr nach dem Norden ist eingestellt.

Loudon, 13. Oktober. (Tel.) Eine neue deutsche Ab­teilung marschiert nach dem Lager Schirls am Klipflusse. Dieser weigerte sich, einen von einem Teile seiner