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14.9.1899 Zweites Blatt
 
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Donnerstag den 14. September

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Feuilleton.

Alle Anzeigen-vermittlungSstellen des In» und AuslandeL nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger cntgeye.

Snnahme von Anzeigen zu der nachmittags für dar jalgesden Tag erscheinenden Nummer bis vor«. 10 Uhr.

Siedaktiou, Expedition und Druckerei:

Kchnlstraße Ar. 7.

Zukunft zu haben scheint, betrifft die Vervielfältigung künst­lerischer Zeichnungen. Endlich sei noch darauf hingewiesen, daß ein Musikverlag durch das neue Verfahren eine große Raumersparnis erzielen kann, da es die Schwierigkeit be­seitigt, von solchen Tonwerken, die immer wieder neue Auflagen erfordern, die schwerfälligen Drucktypen zu ver­wahren. , . ,

* Beim hl. Veit von Staffelstein. Der Wirtschaftsbetrieb in der Meßnerwohnung auf dem Staffelberge bildete den Gegenstand einer Negierungsentscheidung. Wohl kein Tourist, der den Staffelberg bestiegen, hat es versäumt, in der Klause des Eremiten Ivo eine kurze Einkehr zu halten und sich an einem Glas Wein oder Bier zu erfrischen. Nach und nach schlichen sich aber in seiner Klause verschiedene Mißstände ein, die Altersschwäche machte sich bei dem Eremiten geltend, seine Landsleute veranstalteten förmliche Kneipereien m seiner Klause, diese wurden von den Verwaltungsorganen unter­sagt, und schließlich wurde dem alten Ivo ein Konfrater in der Person des Anton Käumpf aus Unterfranken beigegeben, der sofort um die Erlaubnis zum Tragen des Ordenskleides nachsuchte und diese auch in dem 3. Orden des heiligen Franziskus erhielt. Kaum 2 Monate lebten die beiden Konfratres Ivo und Antonius zusammen, sie konnten sich alsZweisiedler" nicht vertragen. Ivo zog sein härenes Gewand aus und zog in die Gemeinde Romannsthal. Später übersiedelte er in die Pflegeanstalt Gremsdorf, wo er sich heute noch befindet. Während der alte Ivo niemals um eine Wirtschaftskonzession nachgesucht hatte, sondern Wein, Bier, Schnaps u. s. w. an die Touristen nach Belieben gab, wurde die Wirtschaftsfrage unter dem Frater Antonius dahin geregelt, daß er gegen Entgelt nur Bier, Branntwein und Mineralwasser abgeben durfte, aber keinen Wem in striktem Widerspruch zu Scheffels bekannten Versen. Man sollte es kaum für möglich halten, daß an einem

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde.________________

eine Umwälzung der Buchdruckerei durch die Röntgen, strahlen prophezeit das französischeBulletin technique. Vie Idee zu derselben ging von dem Franzosen Jzambard aus. Die Röntgen'schen Strahlen haben bekanntlich die Fähigkeit, undurchsichtige Körper zu durchdringen und durch Ne hindurch auf eine photographische Platte zu wirken, da­gegen finden sie einen Widerstand an allen metallischen Stoffen. Wenn man nun ein einzelnes Blatt mit einer Tinte beschreiben oder bedrucken würde, die einen hohen Gehalt an metallischen Verbindungen besitzt, so würden gerade die Schriftzüge auf diesem Blatt die Röntgen'schen Strahlen nicht hindurchlassen. Man nimmt nun ein ganzes Packet von so und soviel tausend Blättern Papier, die in einer bestimmten Weise präpariert sein müssen und legt jenes mitradiographischer Tinte" beschriebene Blatt oben drauf. Die Röntgen'schen Strahlen gehen nun durch das ganze Pack Papier hindurch und werden auf jedem einzelnen Blatte die Schrift des Originals hervorbringen, weil sie nur an den von den Schriftzeichen bedeckten Stellen nicht hindurch­gelassen werden. Nun wird man das Packet auseinander- uehmen, die einzelnen Blätter nach dem bekannten in der Photographie angewandten Verfahren entwickeln und waschen, und auf jedem einzelnen Blatte wird die betreffende Schrift wie in einer Photographie erscheinen. Die Zahl der her­zustellenden Exemplare ist eigentlich beinahe unbeschränkt, denn Papier ist für Röntgen'sche Strahlen leicht durch­dringlich. Außerdem kann man mehrere solcher Packele von Papierblättern gleichzeitig den Röntgen'schen Strahlen aus­setzen, indem man sie, im Kreise angeordnet, einer Hittorf- schen Röhre aussetzt. Der Text des Originals kann mit einerradiographischen Tinte" entweder einfach mit der

passiver Opposition, was wohl die mildeste Form der Oppo­sition ist, dann sind wir aus dieser Passivität herausgetreten, haben uns aber sehr bald wieder zur Passivität verurteilt gesehen, so daß uns nur noch die Opposition durch die Presse übrig blieb. Schließlich berief König Alexander da« Ministerium Simic, in dem auch Radikale saßen, um die Konstitution zu ändern; aber die radikale Partei wollte hierbei nicht mitthun". Vom Präsidenten unterbrochen, zur Sache zu sprechen, bleibt Pasic doch bei seinen Ausführungen und erklärt:Erst durch Berufung des Ministeriums Ge- orgievic sind wir Radikale in entschiedene Opposition ge­treten. Uns handelte es sich um Führung einer äußeren Politik, wie sie Simic dem Volke vorgezeichnet hat. Aber die radikale Partei hat trotzdem jedesmal, wenn sie einen Zusammenstoß mit der Krone befürchtete, sich zurückgezogen, um das Land nicht aufzuwühlen und die Krone zu respek­tieren." Auf die Anklage kommend, berichtigt er vor allem, daß der verlesene Antrag Zivkovic in der radikalen Partei dahin ging, das Volk aufzufordern, das Geld nicht selbst in das Amt hinzulragen, sondern zu warten, bis die Exekution kommt.Uebrigens war das kein Protokoll, sondern es waren Notizen zu meiner persönlichen Information. Gleich nach dieser Sitzung bin ich wegen Preßdelikte nach Pozarevac in die Strafanstalt gebracht worden und weiß somit nicht, was alles später vor sich ging und was im Lande geschah. Im übrigen konstatiere ich, daß meine Partei seit 1894 sich stets versöhnlich und entgegenkommend erwies und nichts so haßte wie einen Zu­sammenstoß mit der Krone. Wir haben dies im Laufe der Jahre doch bewiesen. Ich war eben im Begriff, ins Bad zu reisen, da kam die Mitteilung von der Erkrankung und bald darauf von dem Tode meines Bruders, dem bald der Tod eines Vetters folgte. Ich war tief in die Seele ge­troffen, da kam zu all dem meine Verurteilung. Das hat meine Gesundheit gebrochen, meinen Mut gelähmt, und meine feste Absicht ging dahin, mich ins Privatleben zurückzuziehen." Er erzählt auch, wie streng er in der Haft gehalten wurde, wo er mit keinem Menschen verkehren, viel weniger irgend­welcher geheime Pläne schmieden konnte.Wenn ich auch nicht viel zu leiden hatte, wurde ich doch so streng gehalten, daß ich politisch tot war. Ich bin krank geworden und bin heute ein gebrochener Mann, der sich nach der Ruhe des Privatmannes sehnt! Am 7. Juni wurde ich aus der Haft entlassen, am 9. Juni war ich dann hier und besuchte meinen Arzt, weil ich mich unwohl fühlte; einige Freunde haben mich da wohl besucht, aber wir haben nicht politisiert. Ich sage Ihnen die Wahrheit, ich lüge nie; lieber will ich den

Adrrffe für Depeschen: Anzeiger Hieß«*. Fernsprecher Nr. 51.

Feder oder mit der Schreibmaschine geschrieben werden, die Schreibmaschine giebt im besonderen die Möglichkeit, eine vollkommene Druckschrift herzustellen. Natürlich ergeben sich aus weiterer Ueberlegung einige Bedenken gegen den Wert des Verfahrens. Zunächst muß jedes Blatt Papier, das den Druck aufnehmen soll, photographisch präpariert sein. Sodann muß nach erfolgter Bestrahlung wiederum jedes einzelne Blatt entwickelt werden. Endlich muß man daran denken, eine positive Schrift zu erhalten, die nicht etwa Weiß auf Schwarz, sondern, wie wir es gewöhnt sind, Schwarz auf Weiß zu lesen ist. Was zunächst den letzten Punkt betrifft, so ist er nicht schwer befriedigend zu lösen, und die Gewinnung positiver Schriftbilder kann gleich bei der ersten Bestrahlung geleistet werden. Bezüglich der Ent­wickelung des photographischen Papiers kann man schon jetzt sagen, daß der industrielle Erfolg der neuen Entdeckung wahrscheinlich zum großen Teile davon abhängen wird, ob noch ein Verfahren gefunden werden kann, durch das das Entwickeln des photographischen Papiers sozusagen im Augenblick erfolgt. Schließlich muß auch die Herstellung von lichtempfindlichem Papier noch viel billiger werden. Uebrigens ist durchaus die Möglichkeit gegeben, die Papier- blätter auf beiden Seiten zu bedrucken. Die Frage, ob dieses Druckverfahren dazu berufen sein könnte, die so hoch vervollkommneten gegenwärtig benutzten Verfahren zum Buch- und Zeitungsdruck zu verdrängen, mag vorläufig dahingestellt bleiben. Immerhin lassen sich schon jetzt einige Anwend­ungen der neuen Erfindung voraussehen, in denen sie ganz Unerwartetes und Unerreichtes zu leisten imstande fein wird. Zunächst bezieht sich das auf die Vervielfältigung von Geheimschriften, also sagen wir: Staatspapieren, diplo­matischen Schriften, Mobilmachungsplänen, vertraulichen Cirkularen 2c., deren Geheimnis ganz gesichert fern muß. Das zweite große Gebiet, auf dem der Röntgen-Druck eine

erklären, und dann den König ermorden. Dimic soll Zeuge dieser merkwürdigen Unterredung gewesen sein. Der Atten­täter hält jetzt diese Aussage aufrecht. Dimic (in starker Entrüstung):Du lügst, Du lügst, Elender!" Er beteuert abermals seine Treue und Ergebenheit gegen den König und betont wiederholt, den Attentäter nicht zu kennen. Präsident:Woher kommt es, daß der Attentäter Dich kennt und Du ihn nicht?" Angeklagter (um sich blickend):Herr, hier sitzen viele, die ich vom Sehen kenne und die mich dennoch nicht kennen, von mir nichts wissen." Präsident:Woher hast Du so viel Geld gehabt?" Angeklagter:Ich habe gerade um diese Zeit Zahl­ungen gehabt und mußte daher mir Geld beschaffen, mir fehlte noch ein Rest, und ich behielt daher alles in der Kasse. Ich bin in der Lage, jeden Dinar, jeden Centime nachzuweisen. Am 4. Juli hatte ich der Kreditanstalt 4000 Francs zu zahlen; sehen Sie in meinen Büchern nach, ich führe über alle Gelder genaue Rechnung."

Zeuge Peter Stojanovic, Schwiegervater des An­geklagten, entlastet Dimic und bestätigt dessen Angaben über die Provenienzen der gefundenen Gelder.

Auf einmal erhebt sich jetzt der Attentäter und ver­langt unter allgemeiner Heiterkeit, seinen Verteidiger kennen zu lernen. Der erhebt sich auch von seinem Sitze und stellt sich dem Attentäter durch eine Verbeugung vor.

Die Vernehmung Paste'.

Es wird nunmehr das Protokoll der Sitzung der radikalen Partei vom 20. Mai verlesen, aus dem hervorgeht, daß der Mitangeklagte Advokat Zivkovic den Antrag gestellt hat, eine Revolution vorzubereiten, und zwar dadurch, daß dem Volke beigebracht werde, weitere Steuerzahlungen zu verweigern. Pasic erklärt nun auf die Frage des Präsidenten, was er sei und womit er sich be­fasse:Ich bin Ingenieur und jetzt in Haft, früher war ich einmal Gesandter am russischen Hof, dann war ich auch Ministerpräsident und zuletzt Präsident des radikalen Komitees. Ich bin 54 Jahre alt und verheiratet. Im Jahre 1883 war ich zum Tode verurteilt; ich wurde in diesem Jahre wegen Preßdelikt zu neun Monaten Gefängnis verurteilt."

Präsident:Sie sind angeklagt, Hochverrat begangen zu haben, was haben Sie zu erwidern?"

Pasic (immer mit schwacher, schwer verständlicher Stimme):Wenn in einem Lande eine Opposition besteht, kann man prinzipiell diese verurteilen; aber es geht nicht an, einzelne Personen aus dieser Opposition herauszuheben und aburteilen zu wollen. Zuerst waren wir Radikale in

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Nr. 216 «weites Blatt

* Der Attentatsprozetz in Belgrad.

Belgrad, 12. September.

Bei der Fortsetzung der Verhandlung ist infolge der ringetretenen Wendung der Zuschauerraum überfüllt, ebenso die Diplomatenloge. Man erwartet dramatische Momente. Unverkennbar liegt eine gewisse Schwüle in der Luft. Man beginnt mit der

Vernehmung deS Likörfabrikanten Dimie.

Er soll Kassierer der Verschworenen gewesen sein. Er sagt aus:Alles, was ich bei der Voruntersuchung aus­gesagt habe, ist wahr! So wahr mir Gott helfe, ich bin unschuldig, ich bin ein treuer Unterthan der Obrenovic, und werde als solcher sterben. Ich habe nie im Leben den Attentäter gesehen, ich kenne auch nicht den Obersten. Ich habe Kovacevic bei mir nur gesehen, wenn er kam, um Schnaps zu trinken. Es zerreißt mir das Herz, unter so schwerer Anklage hier zu stehen. Meine Unschuld erhält mich aufrecht." Präsident:Man hat in Ihrer Kasse viel Geld gefunden." Dimic:Ich habe einen jährlichen Umsatz von 150 000 Francs. Ich habe nie im Leben Politik betrieben, ich bin unschuldig wie ein neu­geborenes Kind. Glauben Sie mir, Herr, ich kenne diesen Elenden (zeigt auf den Attentäter) nicht, ich sehe ihn hier zum ersten Male im Leben." Die Unschuldsbeteuerungen des Angeklagten üben tiefe Wirkung aus; denn er bringt sie im Tone starker seelischer Erregung hervor. Dimic wird mit dem Attentätrr konfrontiert; letzterer erklärt, Dimic zu kennen, und behauptet, Dimic sei des ihm zur Last gelegten Verbrechens schuldig. Dimic (in tiefer Erregung):Er lügt, er lügt, ich bin unschuldig! (Zum Attentäter ge­wendet): Du lügst, Elender! Wenn Du mir von dem Attentat auf Milan gesprochen hättest, so hätte ich Dich selbst zur Polizei geschleppt, ich bin ein treuer Diener des Königs. Du lügst!" Angeklagter:Nein, Du lügst! (Zum Präsidenten): Das erste Mal war ich bei Dimic im November, weiß aber nicht mehr genau, was wir gesprochen haben." Diese Konfrontation ist von großer dramatischer Kraft, man beginnt das große Drama zu be­greifen, das sich vor uns nun abspielen soll. In der Vor­untersuchung hat der Attentäter ausgesagt, er habe einmal im Mai mit Peter Karageorgievic eine Unterredung gehabt, bei der Dimic anwesend war. Da wurde die Ermordung Milans besprochen. Der Attentäter wollte für zweihundert Napoleondors den Mord auf der Straße begehen, worauf Karageorgievic erklärt hat, er solle lieber zu Milan in die Burg gehen, ihm das Geld zeigen und dessen Herkunft

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