Ausgabe 
14.7.1899 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

mehrmonatliche Karten dieser Art und auf diese Weise laßt sich natürlich eine Fahrt von 1000 Kilometern und mehr noch viel billiger zurücklegen, als zum Normalpreis.

Unbegründet erscheint die Befürchtung, daß Tarifherab­setzungen die Einnahmen notwendig schmälern müßten. Auf dem von der Ungarischen Staatsbahn verwalteten Netz wurde am 1. August 1889 ein recht billiger 14-stusiger Zonentarif eingeführt (von 226 Kilometern ab beliebig weit 4 Fl. gleich 6,80 Mk. P.-Z.). Der früher stagnierende Personenverkehr stieg infolgedessen schon in fünf Monaten um 44 Prozent, die Einnahme um 6 Prozent, gegenüber dem Jahre 1888; Ende 1890 war der Verkehr um 138 Pro­zent, die Einnahme um 20 Prozent, 1892 der Verkehr um 216 Prozent, die Einnahme um 40 Prozent gestiegen; 1896 der Verkehr um 288 Prozent, die Einnahme um 90 Pro­zent erhöht gegenüber dem Jahre 1888. In Preußen da­gegen stieg die Zahl der Fahrten (eingerechnet 60 Fahrten auf jede Monatskarte in Berlin rc.) in demselben Zeitraum nur um 110 Prozent, die Einnahme nur um 48 Prozent.

Der ungarische Fernverkehr allein stieg schon im Jahre 1892 um 400 Prozent. Während die Mehreinnahme 1890 mehr 20 Prozent oder 2 825 000 Gulden betrug, stellten sich die durch den Zonentarif veranlaßten Mehrausgaben und das ist besonders zu beachten! nur auf 600 000 Gulden.

Und in Rußland, wo am 1. Dezember 1894 ein neuer Zonen-Staffel-Tarif (besonders billig für den Fernverkehr; im näheren Verkehr billiger Wersttarif) eingeführt wurde, stellten sich anstatt der erwarteten Mindereinnahmen schon im ersten Jahre nach der Reform Mehreinnahmen von 7 Prozent oder 4 Millionen Rubeln (gleich 8,6 Mill. Mk.) ein. Und da spricht man immer in's Blaue hinein von Einnahmeausfällen, die durch Tarifherabsetzungen zu be­fürchten seien, und bedenkt nicht, daß auch durch bessere Ausnutzung der Betriebsmittel eine große Verkehrssteigerung ohne wesentliche Mehrausgabe möglich wäre. Denn im Jahre 1895/96 fuhr ein Güterwagen in Preußen durch­schnittlich nur 46 Kilometer (Ausnutzung des Ladegewichts 65 Prozent), ein Gepäckwagen 120 Kilometer (Ausnutzung nur 3 Prozent), ein Personenwagen 120 Kilometer (Aus­nutzung ca. 26 Prozent) und eine Lokomotive nur 94 Kilo- meter täglich, also nicht mehr, als ein Radler an einem Nachmittage leistet.

Die schwarzseherischen finanziellen Befürchtungen, die man einer Personentarifermäßigung entgegenhält, erweisen sich bei näherer Betrachtung der Dinge also keineswegs als begründet, und es ist nur zu bedauern, daß reformfreund­liche Abgeordnete nicht mit besserem Rüstzeug versehen sind, um die Einwände der Reformgegner durch positive That- sachen zu widerlegen. M. A.

Deutsches Keich.

Berlin, 12. Juli. Wie dasBerliner Tageblatt" aus Zürich meldet, hat der Bundesrat den schweizeri­schen Delegierten bei der militärischen Abteilung der Friedens- Konferenz, Oberst Kuenzli, wegen des letzten Beschlusses dieser Kommission auf Nichtanerkennung einer allgemeinen Volkserhebung abberufen. Nach einer intimen Aeußerung dürften sämtliche Beschlüsse der kriegsrechtlichen Kommission illusorisch werden, da fast sämtliche Staaten gegen irgend einen der Beschlüsse Einwände machen. Damit wäre das Fiasko vollständig. Einzig auf dem Gebiete der Genfer Konvention könnten erfreuliche Fortschritte erzielt werden. Zwei Delegierte der Schweiz weilen noch im Haag, dürften aber alsbald abberufen werden.

Korrekturen von Parlaments - Steno­grammen sind so alt, wie die stenographische Bericht­erstattung überhaupt, schreibt dieT. R." nur hat bisher jeder Abgeordnete die Durchsicht seiner Reden selbst vorgenommen, um die Entgleisungen, vor denen auch der geübteste Redner in der Hitze des Wortgefechts nicht sicher ist, zu ebnen und zu glätten. Von unbefugten Eingriffen Dritter hatte man, wenigstens bei uns in Berlin, noch niemals gehört; erst dem Fälscher der vielbesprochenen Zwischenbemerkung des Reichstags - Präsidenten Grafen Ballestrem blieb es Vorbehalten, diese Tradition unserer parlamentarischen Körperschaften in unglaublich dreister Weife zu durchbrechen. Hoffentlich wird dafür Sorge ge­tragen werden, daß diese Keckheit für alle Zukunft einzig bleiben wird. Indessen, auch die Korrekturen der Redner selbst überschreiten manchmal das Maß des Erlaubten. Die Aenderungen sollen sich, wie es sich ja wohl von selbst ver­steht, nur auf die Ausmerzung formeller Unebenheiten be­ziehen, und solche Korrekturen sind in einem weit größeren Maße notwendig, als man gemeinhin anzunehmen geneigt sein mag. Wenn man die Reden mit photographischer oder gar phonographischer Treue wiedergeben wollte, da würde nicht selten ein entsetzliches Bild sprachlicher Ungeheuerlich­keiten herauskommen. Der Zuhörer merkt davon, wenn der Redner über einen großen Wortreichtum und einen schnellen Redefluß verfügt, entweder gar nichts oder nur die aller- gröbsten Verstöße und auch die nur dann, wenn sich der Redner gerade bei einem auffallenden lapsus linguae zu­fällig durch eine kleine Pause unterbricht. Unerreicht als klassischer Falschredner war seltsamerweise just der Parlamen­tarier, der vielleicht seit dem Bestehen des Parlamentaris­mus in Deutschland der wortreichste war und wohl für lauge Zeit als das Muster eines unvermeidlichen Bielredners gelten wird: Lasker. Hörte man ihm zu, so mußte man ihn wegen seiner nie versagenden Suada und seiner schier unfehlbaren Sicherheit in der Beherrschung der Sprache unwillkürlich bewundern, bekam man aber bann das Steno­gramm seiner Rede zu sehen, so gingen einem die Augen über. Verblüfft fragte man sich: Ja, um alles in der Welt, wo hast Du denn die Ohren gehabt? Da gab es in der That selten einen Satz, der ganz korrekt gewesen wäre. Abgesehen von den kleinen Entgleisungen, fehlten meist die Nachsätze, die

der Redner im Eifer verschluckt hatte und die nun nach­träglich eingeschoben werden mußten. Man kann ohne Uebertreibung sagen, daß von Laskers zahllosen Reden nicht eine einzige im unkorrigierten Stenogramm druckfähig war. Die korrektesten Redner, welche die deutschen Parlamente wohl jemals aufzuweisen hatten, waren hingegen Fürst Bis­marck, Bennigsen und Gneist. Besonders war Gneist von unerhörter Korrektheit, und das kam daher, weil er seine Reden stets auch der Form nach auf das sorgfältigste aus­gearbeitet hatte. Er sprach zwar immer frei, aber das Manuskript hatte er in der Tasche und pflegte es, sobald er fertig war, durch einen Diener auf die Journalisten­tribüne zu schicken. Das hatte für ihn den großen Vorteil, daß seine geistvollen und fein gemeißelten Ausführungen immer unverstümmelt in die Oeffentlichkeit kamen. Auch der jetzige Reichskanzler übt dieselbe Praxis, nur daß er gedruckte Abzüge seiner Erklärungen, die sich übrigens eben­falls als kleine schriftstellerische Meisterstücke durch ihre sorg­sam geschliffene Form auszeichnen, auf der Tribüne ver­teilen läßt. Fürst Bismarck pflegte das zwar nicht zu thun, was auch bei seinen oft sehr umfangreichen Reden nicht recht ausführbar war, aber er nahm auf die Berichterstattung für die Presse gleichwohl Rücksichten. Er gestattete den Gebrauch der amtlichen Stenogramme, doch nur nach ihrer Korrektur, die er selbst entweder gleich nach der Rede oder nach Schluß der Sitzung zu erledigen pflegte. Seine Aende­rungen waren indes äußerst geringfügig; feine Reden waren aber auch so glatt in der Form, daß eingreifende Kor­rekturen gar nicht notwendig waren. Das war um so er­staunlicher, als Bismarck in langen Perioden, die viele ein­geschachtelten Zwischensätze enthielten, zu sprechen liebte. Im Gegensatz hierzu beschränken sich andere Redner bei den Korrekturen nicht auf den Gebrauch der Feile in der Form, sondern fügen auch inhaltlich ganze Sätze hinzu oder streichen solche fort, wenn sie ihnen nachträglich unbequem werden. Beides ist eigentlich unzulässig, man pflegt aber bei der Zensur solcher Aenderungen ziemlich weitherzig zu sein. Nur wenn es sich um Korrekturen handelt, die den Sinn der Rede ändern, legt der Vorstand des Reichstags dagegen sein Veto ein, was allerdings nicht häufig, aber immerhin doch ab und zu tatsächlich vorkommt.

Durch die Abberufung des Ob er Präsident en Dr. v. Achenbach aus dieser Zeitlichkeit ist nicht nur ein Oberpräsideuten-Posten, sondern ein Posten der wichtigsten in der preußischen Monarchie freigeworden. Es würde verfrüht sein, jetzt Namen zu nennen, die für die Nachfolge in Betracht kommen könnten. Jedenfalls aber wird es in der nächsten Zeit nicht an Versuchen fehlen, der Erledigung dieser Personalfrage vorzugreifen. Gerade bei ihr dürfte der Monarch doppelt über seinem Vorrechte wachen, die Wahl der Persönlichkeit selbst zu treffen. Der Ober-Präsi­dent der Provinz Brandenburg lebt wie kein zweiter höherer Beamter mit dem Hofe in enger Fühlung. Außerdem ist er gleichzeitig Oberpräsident von Berlin und seitens der maßgebenden Stelle ist von jeher großes Gewicht darauf gelegt worden, daß die staatlichen Aufsichtsrechte in dieser Beziehung so wahrgenommen werden, daß ebensowenig wie der Staat die Kommune Berlin zu kurz kommen.

M.P C. Nachdem die Aussichten des Zustande­kommens des Kanalprojekts im Abgeordneteuhause sich gebessert haben, mehren sich die Versuche, als den Felsen, an dem das Schiff mit dem Glücke des Kanals schließlich doch noch scheitern werde, das Herrenhaus hin­zustellen. Die Einbringung und Besprechung der Resolution des Grafen Mirbach, über das Arbeitswilligen-Schutzgesetz, wird dahin ausgelegt, daß es den Konservativen darauf angekommen fei, einen Wink zu erteilen, wie die Abstimmungs- Verhältnisse im Herrenhause lagen. Andererseits wird aller­dings auch gemeint, das Stimmenverhältnis, welches bei der Schlußberatung über die Resolution des Grafen Mirbach in die Erscheinung trat, sei durchaus nicht maßgebend für die zu erwartende Abstimmung über die Kanalvorlage. Sollte indessen doch, nachdem etwa der Kanal im Abgeordneten­hause Annahme gefunden, seine Verwerfung durch eine Mehrheit von Stimmen im Herrenhause ausgesprochen werden, so würden sich zwei Möglichkeiten für die folgende Zeit ergeben. Entweder der Kanal bliebe wirklich liegen, oder die Zusammensetzung des Herrenhauses würde durch einen sogenannten Pairsschnb erneuert werden. Einstweilen möchten wir meinen, sei kein Grund zu der Annahme vor­handen, daß sich die Dinge in dieser Weise zuspitzen würden. Abgesehen davon, daß die Neigung, in Sensation zu machen, um so mehr nach Bethätigung strebt, je weniger der Lauf der Dinge in der letzten Zeit den Erwartungen derjenigen entsprochen hat, die auf eine große Parlaments- und Ne­gierungskrisis schon zum ersten Teil des Sommers gerechnet hatten, lassen auch gewisse Parteigruppen und Führer nicht ab, darauf zu hoffen, daß es ihnen schließlich doch noch im Zusammenhang mit einer Ablehnung des Kanals gelingen möchte, zu größerem Einflüsse zu gelangen, als sie zur Zeit besitzen. Weil diese die Ablehnung des Kanals wünschen, erklären sie das Vaterland jeden Tag von neuem in Gefahr.

M.P.C. Als vor einigen Wochen die Nachricht auf­tauchte, der Generaldirektor der Kruppschen Werke Geheime Finanzrat Jenke beabsichtige aus seiner Stellung auszu- scheiden, wurde sofort ein scharfes Dementi losgelassen. Jetzt wird die Richtigkeit der Meldung bestätigt und gleich­zeitig der Nachfolger des Ausscheidenden genannt. Herr Geheimrat Jenke ist Mitglied des Staatsrats, im Central­verband deutscher Industrieller nimmt er eine hervorragend geachtete und beachtete Stellung ein; daß er sich für die Fortentwickelung der sozialpolitischen Gesetzgebung lebhaft interessiert, hat er erst jüngst durch seine Besprechung der Arbeitswilligen-Schutzfrage bewiesen. In früheren Jahren ist er wiederholt in erster Linie unter den Personen genannt worden, die für eine etwa notwendig werdende Neubesetzung des Finanzministerpostens in Frage kommen dürften. Wenn jetzt immer wieder davon die Rede ist, daß der Vicepräsident

des preußischen Staatsminifteriums Finanzminister Dr. von Miquel sich über kurz oder lang ins Privatleben zumck- zuziehen beagsichtige und gleichzeitig das Ausscheiden des Generaldirektors Jenke aus feiner Stellung, die er seit den 70er Jahren bei Krupp eingenommen hat, angentnöigt rotro, so möchte es nicht an Stimmen fehlen, die den letzteren als den präsumtiven Nachfolger des ersteren bezeichnen, es wird aber auch sofort ein Widerspruch hiergegen laut werden. , c

Straßburg, 11. Juli. Von jeher, auch zu französischer Zeit unterhielt der elsässische Protestantismus eifrige und innige Beziehungen mit den protestantischen Kreisen Deutschlands. So haben sich diese Preise nach der Eroberung in allem rascher in die neuen Derhaltnisie zu finden gewußt, als die Katholiken, und auf konfessionellem Gebiete besteht heute zwischen den elsässischen und alt­deutschen Protestanten eine innige Gemeinschaft. .Die El­sässer wünschten darum, daß der diesjährige fünfzehnte evangelische Kirchengesangvereinstag in Straßburg statt- finden möge, und ihrem Wunsche ist willfahrt worden. Zahlreiche Gäste aus allen Teilen Deutschlands, aus der Schweiz, sogar aus überseeischen Ländern, nehmen an ihm teil, und Elsässer und Lothringer sind aus allen protestan­tischen Gegenden in großer Zahl erschienen. Am Samstag wurde zunächst unter dem Vorsitz des Präsidenten des Ver­eins, des Geh. Staatsrats D. Hallwachs aus Darmstadt, die Sitzung des Zentralausschusses abgehalten. Außer Mecklenburg gehören nunmehr die evangelischen Kirchen aller deutschen Lande zum Verein. Mit Befriedigung wurde darauf hingewiesen, daß es nach vielen Mühen im vorigen Jahre endlich gelungen fei, eine Sammlung von 30 evan­gelischen Chorälen, genannt dasFestbüchlein", herzustellen, die den gemeinsamen Besitz von Kirchenmelodien darstellen, in deren Lesart man sich für den ganzen Umkreis des Deutschen Kirchengesangvereins geeinigt hat. Diese Weisen können nunmehr auf allen Festen und Vereinigungen deutscher Protestanten einheitlich gesungen werden. Das Festbüchlein hat auf die Gestaltung vieler neuer Gesang- und Choralbücher bestimmenden Einfluß geübt, und feine Lesarten sind durch das Militärgesangbuch Gemeingut der deutschen Armee geworden. Im künftigen Jahre sollen die sämtlichen Verbände die Vereine und Chöre ihres Bereichs dazu anhalten, für die Orgel des Protestationsdomes in Speyer ein Kirchenkonzert zu veranstalten. Am Nachmittage versammelten sich die Festteilnehmer in der neuen evangeli­schen Garnisonkirche, wo ihrer ein besonderer Genuß harrte. Die Kirche besitzt .eine herrliche Orgel, die durch den Or­ganisten Ruzz der erlesenen Zuhörerschar vorgeführt wurde. Am Sonntag nachmittag fand, wiederum iu der evangelischen Garnisonkirche, ein Festgottesdienst statt. Er war besonders ausgezeichnet durch die Vorträge der elsaß-lothringischen Kirchenchöre, die mit 870 Sängern und Sängerinnen auf­traten. Die Festpredigt hielt ein Rheinländer, Pfarrer Hackenberg aus Hottenbach, ein Mann, der als Mitglied der rheinischen Provinzialsynode, der preußischen General­synode, sowie des preußischen Abgeordnetenhauses auf dem Gebiete des Schulwesens und der Kirchenmusik bedeutendes für die evangelische Kirche geleistet hat. Seine Predigt gipfelte in folgenden Worten:Das evangelische Kirchenlied ist es, das alle evangelischen Gemeinden einend umfaßt, denn das Kirchenlied ist die gemeinsame Sprache der evangelischen Christenheit, und der Segen unserer Lobgesänge ist heiliger Gottesdienst". Bei der ge­selligen Vereinigung, zu der sich die Festteilnehmer am Abend in der Hauptrestauration der Orangerie zusammeu- fanben, wurde auch ein Telegramm des kaiserlichen Statt­halters, der ein eifriger Förderer des evangelischen Glaubens ist, verlesen. Es lautete:Bitte den heute zu harmonischem Wirken in Straßburg Versammelten meine wärmsten Grüße auszusprechen. Möchte ihre Arbeit unsere Gottesdienste immer erhebender gestalten! Hohenlohe." Das gemütliche Zusammensein trug nicht wenig dazu bei, die Verbindung zwischen den Elsässern und ihren Gästen aus Altdeutschland, aus der Schweiz und aus andern Ländern noch inniger zu gestalten.

Ausüm-.

M.P.C. Aus Paris wird uns geschrieben: In den Kreisen der hiesigen Deutschen schenkt man den Urteilen über den Austausch deutsch-französischer Höflichkeiten im Zusammenhang mit dem Kaiserbesuch auf derIphigenie", wie leicht verständlich ist, ein starkes Interesse. Es wird allerdings bestenfalls noch Jahrzehnte dauern, bis die Meinung der politisch verständigem, und namentlich auch der besitzen- den Kreise, es sei nicht nötig, daß Frankreich beständig an die Revanche denke, in die breiten Volksmassen dringe. Deshalb braucht man aber deutscherseits doch nichts un­versucht zu lassen, um dem französischen Volke goldene Brücken zu bauen und das thut Kaiser Wilhelm II. im wahrsten Sinne des Wortes. Wer die Stimmung in den Volkskreisen, besonders auch in Paris, zu verstehen sich be­müht, kann nicht umhin, anzuerkennen, daß die Franzosen für die Persönlichkeit des Kaisers ein außerordentlich leb« Haftes Interesse empfinden. Schlagend zeigt sich dies an ber Art, wie sie bie Frage stellen unb zu beantworten ge= neigt sinb, ob ber deutsche Kaiser die Pariser Ausstellung im nächsten Jahre besuchen werde. Bisweilen verlautet, der jetzige deutsche Botschafter Graf Münster werde wohl kaum noch bis zur Eröffnung der Ausstellung auf seinem Posten bleiben. Gewiß ist nur eins: daß die Anforderungen, die an diesen verehrten Herrn während der Ausstellung allein in Hinsicht der Repräsentation würden gestellt werben, keineswegs gering sein bürsten. Graf Münster ist aber, wie stch jetzt wieber gezeigt hat, wo er ohne irgend wie von Beschwerden des Alters gedrückt zu werden, sich als eins der thätigsten Mitglieder ^Friedenskonferenz im Haag bewahrte, trotz seiner vorgerückten Jahre noch sehr rüstig