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14.5.1899 Drittes Blatt
 
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Sonntag de« 14. Mai

1899

Drittes Blatt.

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liliefet WMi «»zeigen zu der nachmittags für de« .ftatoB Se| erfcheinendm Nummer bi« eer*. 10 Uhr.

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Die süddeutschen Staaten und die sreutzisch - hessische Eisenbahugemeiuschaft.

Rach einander haben sich die Landtage von Württem- Eng, Bayern und Baden in den letzten Wochen mit der Dicußischchessischen Eisenbahngemeinschaft beschäftigt, teils um die in deren Folgen entstandenen neuen Güter-Jnstra- KierungeNiund Einnahme-Ausfälle, teils um die Chancen Sines Anschlusses an die preußisch-hessische Verwaltung zu Lrsprechen. In letzterer Beziehung nun gab sich in allen Drei Landtagen, mit einer vereinzelten Ausnahme, durchweg eine starke Gegenströmung gegen eine engere Verbindung ümb, obgleich der Vertreter der Regierung Badens, in tDejjen Zweiter Kammer eine darauf bezügliche Interpellation erjt am letzten Mittwoch debattiert wurde, die Möglichkeit fit nicht ausgeschlossen erklärte, daß mit der weiteren Ent- wilkeliung des deutschen Reiches das Volk schließlich auch dehin drängen könnte, das gesamte Eisenbahnnetz Deutsch- Lands unter eine einheitliche und gemeinsame Verwaltung gebracht zu sehen.

Einstweilen ist das Widerstreben gegen die Vereinigung i n TLiddeutschland noch ein tiefgewurzeltes und die Antipathie i.fl bei manchen Volksvertretern selbst dahin zum Ausdruck gekoirmen, daß sie einen gewissermaßen geringschätzigen Ton gegen unser Großherzogtum durchschimmern ließen, weil es feine Oberhoheit über seinen Eisenbahnbesitz an Preußen ^getreten und ausgeliefert habe und sie durch die preußische Wivaittige Uebermacht vollständig lahmgelegt sei. Die be- -1 ttffeiiben Herren Landtagsabgeordneten hatten gut reden, i'klin «ihr Land liegt ja weit vom Schuß. Wenn indes bei Pen die gleichen oder nur ähnliche verzwickte Verhältnisse «gelegen hätten oder vorlägen, wie sie thatsächlich in nuferem hessischen Kleinstaate vorhanden sind resp. waren, i Pm «würden sie etwas weniger absprechend über die hessische .Handlungsweise geurteilt haben und sich gleichfalls für den Nnschlluß an die preußische Eisenbahnverwaltung aussprechen idfleri. Diese Gründe aber zwingen uns, die Bahngemein- 1 jchst auch heute noch als das vernüftigste und allein richtige i hu feiten unseres hessischen Landes in vollstem Maße an- ; iitrfc itncn und zu verteidigen.

Daß nicht alles reiner Vorteil ist, der uns aus der ? Vihugemeinschast mit Preußen resultiert, das liegt dem all­

gemeinen Verständnis nicht fern, und wir möchten sogar dem einzelnen flammenden Anhänger und Befürworter einer Er­weiterung der Eisenbahngemeinschaft, dem Freiherrn von Wöllwarth in Württemberg, in Erinnerung bringen, daß 1. die finanziellen Reichtümer und Überschüsse sich nicht unveränderlich und ungetrübt fortsetzen, wie ja der Rein­ertrag des letzten Betriebsjahres trotz einer Mehreinnahme von brutto 71'/z Mill. Mark, sich nur wenig aufgebessert haben soll, und zum zweiten: die Mehreinnahmen, welche Hessen aus seinem Eisenbahnanteil bezieht, jetzt zu gutem Teil durch die Fahrpreiserhöhungen der ersten, zweiten und dritten Personenklassen erkauft werden müssen. Bis zum Oktober letzten Jahres bezog unsere hessische Staatskasse aus den höheren preußischen Personentarifsätzen einigen Vorteil, seitdem jedoch sind auf vielen Strecken der früheren Ludwigsbahngesellschaft, und zwar auf den nicht am wenigsten frequentierten, die Fahrpreise sehr wesentlich erhöht. Aller­dings ist zu gleicher Zeit auch die vierte und billigere Wagenklasse eingeführt worden, aber das Fazit ist doch im großen ganzen eine größere Ergiebigkeit der Einnahmen.

Dadurch haben die zumeist aus unserem Lande sich rekrutierenden Passagiere, welche sich durch die neue Klassen­ordnung nicht degradieren, oder zum mindesten nicht deklassieren lassen wollten und auch weiterhin die gewohnte Wagenklasse jetzt zu höherem Preise benützen, nun in letzter Reihe ihren wohlgemessenen Teil zu den vielbestaunten, fast beneideten hohen Eisenbahneinnahmen Hessens beizutragen. Den Haupt­teil liefert freilich die allgemeine kolossale Verkehrsent­wickelung, die sich infolge des ungeahnten Aufschwungs von Deutschlands Handel und Industrie eingestellt hat und an der auch unser Land in nicht geringem Grade partizipiert. Nach alledem fallen uns die großen Finanzen doch nicht so gerade vom Himmel in den Schoß, sondern die hessischen Staatsbürger steuern ihr wohlgezähltes Scherflein dazu bei.

Es ist nicht zu leugnen, daß recht unliebsam die par­tielle Verteuerung empfunden wird, die wir in Hessen durch die Neuregelung der Fahrpreise im letzten Herbst erfahren haben. Aber wir halten sie nur für eine momentane und vorübergehende, da dem immer stärker sich aufdrängenden Verlangen der Oeffentlichkeit nach einer angemessenen Ver­billigung der Eisenbahnfahrt sich auch schließlich Preußen nicht auf die Dauer zu widersetzen vermag, und ein be­

friedigender Ausgleich, der auch die große Bevölkerungszahl Preußens umfaßt, dann stattfinden wird. Sonst aber hat sich die Zweckmäßigkeit der Gemeinschaft mit Preußen int großen ganzen bewährt, wenn auch in der Frage neuer Nebenbahnbauten manche Differenzen zeitweise auftreten. In diesem Punkte darf die unparteiische und gerechte Be- urteüung nicht außer Acht lassen, daß, im Verhältnis des Besitzstandes, bei unrentablen neuen Nebenbahnen Preußen mit 98 Prozent an dem eventuellen Betriebsverlust beteiligt ist und deshalb einer Aufnahme derartiger Strecken in die Gemeinschaft nicht jederzeit sehr geneigt sein mag. DaS hessische Land ist indes darum doch in der Lage, sich seine Nebenbahnen weiter nach seinem Bedarf auszubauen, nur geht es dann auf sein eigenes Risiko.

Was nun die Schaffung der hessischen Bahngemein­schaft mit Preußem veranlaßt hat, so war dies, wie es noch jedermann erinnerlich ist, die Verstaatlichung der Hessischen Ludwigsbahn. Unser Großherzogtum war damals nicht im Besitz eines geschlossenen Staatsbahnnetzes, das durch das ganze Land sich zog. Gerade die wichtigsten Linien waren in Privateigentum, und dazu noch, in Folge der Lage unseres Landes, mit den preußischen Strecken der Ludwigsbahn so verquickt und verkoppelt, daß bei einer Betriebszerreißung die größten Schwierigkeiten heraufbeschworen wurden. Ebenso schwierig war eine gedeihliche, einheitliche Betriebsführung der durch preußisches Gebiet getrennten neuen hessischen Staatseisenbahnen in Rheinhessen und Starkenburg einer­seits, und derjenigen in Oberhessen andererseits zu erzielen. Den Ausschlag gaben jedoch die Erfahrungen und Er­wägungen, die bezüglich der Verkehrsableitungen unter dem Regime der Ludwigsbahn gesammelt waren. Diese Gesell­schaft ist viele Jahre hindurch durch massenhafte Verkehrs­entziehungen, teils über die rechtsrheinischen Linien, teils über die Mam-Neckarbahn und Friedrichsfeld, um viele Millionen Mark geschädigt worden. Alle Proteste dagegen waren ziemlich wirkungslos, und nur langsam konnte sich die Ludwigsbahn von dem gegen sie geführten Schlag erholen.

Auch Baden beteiligte sich damals an der Exekution gegen das hessische Verkehrsinstitut, und wenn nun, bei dem Wandel der Zeit, sich die Situation soweit geändert hat, daß heute dem badischen Lande ein finanzieller Schaden daraus erwächst, so darf es sich in Ansehung seines früheren

Seine Frau schenkte ihm am 26. Mai 1583 eine Tochter, Susanna, und zwei Jahre später Zwillinge, Hamlet und Judith. Hamlet, sein einziger Sohn, starb schon in den Kinderjahren. Die älteste Tochter Susanna heirathete 1607 den Arzt Dr. John Hall; ihre einzige Tochter Elisabeth verheiratete sich 1626 mit Thomas Nasch und verstarb 1669, nachdem sie 1649 noch eine zweite Ehe mit John Barnard eingegangen, ohne Kinder zu hinterlassen. Die jüngste Tochter unseres Dichters, Judith, heiratete 1615 den Thomas Quincy, sie schenkte ihm drei Söhne, die aber sämtlich vor ihrem Tode im Jahre 1661 verstärken."

Der Sohn eines Neffen von Lessing war der berühmte Maler Carl Friedrich Lessing (geboren am 15. Februar 1808 zu Breslau, gestorben am 5. Juni 1880 zu Karls­ruhe), und dessen Sohn Otto Lessing nimmt als Bildhauer und Maler eine hervorragende Stelle ein. Der Enkel des durch Lessings Nathan geheiligten Philosophen Moses Mendelssohn war der geniale Komponist Felix Mendelssohn- Bartholdy.

Als Künstlerfamilie berühmt geworden ist die Familie Devrient, beginnend mit Ludwig Devrient (geboren 1784 zu Berlin, gestorben 1832 ebendaselbst), dem genialen Dar­steller des Shylock, Lear, Richard III., Franz Moor usw. Seine drei Neffen, Emil, Karl August und Philipp Eduard, spielen als glänzende Künstler sämtlich eine bedeutende Rolle in der Geschichte der deutschen Schauspielkunst, und auch die Söhne von Karl August und Philipp Eduard, Friedrich und Otto, erwarben sich wiederum in der Kunst ihrer Väter einen ausgezeichneten Namen; letzterer verdient auch als Dichter und Schriftsteller die ehrenvollste Hervorhebung. Darwin, der berühmte Naturforscher, war der Enkel des Naturforschers und Dichters Erasmus Darwin; seine beiden Söhne Francis (geboren 1848) und George Howard (ge­boren 1845) sind beide als Forscher und Gelehrte hervor­ragend. Auch der Sohn des französischen Romanciers Alexander Dumas, Alexander Dumas Sohn, erbte da« litterarische Talent seines vielgelesenen Vaters.

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können . . . Ich weiß, daß diese Kinder nicht zärtlich er­zogen werden; desto besser für sic, sie werden kräftiger da­durch; man giebt ihnen nicht das Ueberflüssige, aber sie haben das Notwendige. Man macht aus ihnen keine Herren, aber Ackerbauer und Handwerker. Ich sehe in dieser Erziehungsweise nichts, was ich nicht für meine Kinder wählen würde." Später erkannte der Verfasser desEmil", der große Reformator des Erziehungswesens, selbst, daß er sich mit Scheingründen betrogen habe, das Schicksal seiner Kinoer erfüllte ihn mit bitterer Reue, und er betont in seinem berühmten Werke, daß es für Väter und Mütter keine heiligere Pflicht gäbe, als die Erziehung ihrer Kinder. Ja, wer weiß, ob nicht seine Gewissensbisse zuerst ihm den Gedanken eingaben, sich mit der Frage der Erziehung zu beschäftigen, und ob wir nicht gerade der ihm so oft vor­geworfenen Maßregel die gewaltige, durch denEmil" hervorgerufene Umwälzung unseres Erziehungswesens ver- danken.

Bon Luthers Kindern überlebten den Vater vier, Johann (geboren 1526), Martin (geboren 1531), Paul (geboren 1533) und Margarethe (geboren 1534). Alle drei Söhne treten uns später als respektable Männer entgegen, Hans als kurfürstlicher Rat (gestorben 1575), Martin als Theologe (gestorben 1565) und Paul als angesehener Leib­arzt mehrerer sächsischer Kurfürsten (gestorben 1593). Der letzte männliche Sproß war Martin Gottlob Luther, Rechts­konsulent in Dresden, wo er im Jahre 1759 starb. Ver­mögen wir somit Luthers männliche Nachkommen weiter als 200 Jahre zu verfolgen, so treffen wir bei einem anderen berühmten Manne, Shakespeare, auf die bereits bei anderen großen Dichtern beobachtete Erscheinung, daß der Mannes­stamm in verhältnismäßig kurzer Zeit erloschen und zwar bei Shakespeare schon 53 Jahre nach seinem Tode. Wilhelm Oechelhäuser berichtet hierüber in seiner Einleitung zu den Werken des unsterblichen Briten:Schon mit 18 Jahren, im Dezember 1582, heiratete S. die acht Jahre ältere Anna Hathaway. Daß diese Ehe eine unglückliche gewesen sei, wie die Kritiker aus einzelnen Stellen seiner Werke und seines Testaments schließen wollen, ist durchaus unverbürgt.

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Gießener Anzeiger

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Die Gießener

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Feuilleton.

Die Kinder großer Männer.

Von Dr. Ernst WilmS.

(Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Ein trauriges Schicksal harrte der Hinterbliebenen des i in tiefer Armut und grenzenloser Verbitterung dahin- rimngenen unsterblichen Verfassers derLeonore", Gottfried hjquft Bürger. Marianne, seine Tochter aus erster Ehe, unvermählt am 11. November 1862 zu Remse, auch Ujjuite, die Tochter Mollys, fand als Gattin des Amts- cMors und späteren Friedensrichters Mühlenfeld ein «tägliches Los, obgleich sie das Unglück hatte, sowohl iitzril Gatten, als auch zwei erwachsene Kinder, wie Adolf (Bofotmann in derGartenlaube" mitteilte, jählings durch c Wa.ganfälle ins Grab sinken zu sehen. Ein anderer Sohn, iv;:!hon (aus der Ehe mit demSchwabenmädchen" Elise 'M>, starb kränklich und geistig verkrüppelt bereits im : 11 Jahre. Mollys Sohn Emil lernte als Buchhändler , m) etablierte 1821 in Naumburg eine Buchhandlung; ge- f Mllichc Mißerfolge nötigten ihn, das eigene Geschäft auf- 2 lijtbitn und in Leipzig für geringes Salär zu arbeiten. SSM; langem Siechtum starb er in Leipzig am 28. März 1M, seine Witwe und Kinder in bitterem Elend zurück- vchtSd.

Voltaire, Kant, Grillparzer, Seume und andere biteben »mm-mählt, Heine hatte keine Kinder. Jean Jacques «biijitau übergab seine ihm von Therese Levaffeur ge- schnkßen fünf Kinder im Einverständnis mit seiner Frau fuhrt nach der Geburt dem Findelhause, weil seine un- f'che:it Existenzverhältnisse ihn nicht in die Lage versetzten, | St guit zu erziehen. Er rechtfertigt in einem Briefe an Zsim d. Francueil diese Maßnahme mit seinem Elend und M« Leiden:ich bin meinen Kindern die Subsistenz s'Pdiig; ich habe ihnen eine bessere oder wenigstens eine fierte verschafft, als die, welche ich selbst hätte geben

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