1899
Freitag den 14. April
Erstes Blatt.
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Alle Anzrig«u>vermittlung»ftellen bei In- uni Suflcateft nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger attgeg«.
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Deutscher Reichstag.
63. Sitzung vom 12. April. 1 Uhr.
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Abg. Hasse (nl.) erklärt namens seiner Freunde, daß dieselben der Borlage im ganzen sympathisch gegenüberständen. Die Bestimmung im Artikel II des § 2 wegen der expressen Boten müsse entschieden eine andere Gestalt erhalten; aus politische Zeitungen dürfe sie nicht ausgedehnt werden. Beim Zeitungstarif, dessen System im ganzen richtig gewählt sei, solle man die Berücksichtigung des Abonnemeutsprelses nicht gänzlich fallen lasten. c m
Abg. Pachnicke (frs. Bg.) erkennt an, daß die Vorlage einige dankenswerte Reformen bringt, die unabhängig gemacht werden von der Beseitigung der Privatposten. Das sei die Hauptsache für die Postverwaltung. Gegenüber diesem fiskalischen Motiv sei alles andere nur Dekoration, Stuck und Mauerputz. Redner schildert den großen Nutzen, den die Privatposten mit ihrer billigen Beförderung auch
liee^me »en Ewigen zu her nachmittag, für ftcrtai Tag erscheinenden Nummer bi» vor«. 10 Uhr.
sachlich auf deutschen Dampferlinien befördert würden. Auch der Parlamentsuntersekretär Brodrick konnte die Richtigkeit der Behauptung Dennys nicht in Abrede stellen; er erklärte nur die Bereitwilligkeit der englischen Regierung, bei gleiche« Bedingungen stets den britischen Schiffen den Borzug zu
Abg. v. Bernstorff-Lauenburg (Np.) spricht sich dahin aus, daß er das Prinzip des Zeitungstarifs für em gesundes halte. Die Frage der Privatposten müsse unbedingt bald gelöst werden. Er hoffe auf eine Einigung
Boten, ebenso den Artikel 3. Seine Partei beantrage Streichung dieses Artikels und stimme der Erweiterung des Monopols nur zu, wenn alle die noch in der Begründung verheißenen Tarifherabsetzungen einschließlich derjenigen, zu denen das Gesetz den Reichskanzler ermächtige, durch das Gesetz selbst festgelegt würden.
Staatssekretär v. Podbielki entgegnet dem Vorredner, mit Tarifherabsetzungen könne nur ganz schrittweise vorge-
Gießen, den 13. April 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Gratisbeilagen: Meiner Familienblätter, Der hesstssche Landwirt Mütter für hessische Volkskunde. __
in der Kommission.
Nächste Sitzung morgen 1 Uhr. Tages-Ordnung: Fortsetzung der heutigen Beratung.
Schluß 5Vt Uhr.
und an die Angestellten thue die Vorlage zu wenig; ihr Standpunkt sei zu engherzig. Eine Ausdehnung des Postregals könne er, Redner, nicht gutheißen, und was den ^eitungslarif betreffe, so habe er vieles an demselben auszusetzen. Bekämpfen müsse er die Vorschrift gegen die Zeitungsbeförderung mit expressen Boten. Selbst der armen Zeitungsfrau wolle man ihr Brot nehmen, sie gleichsam verstaatlichen. Endlich wünsche er, daß alle ^gesagten
Äbreffe für Depefchen: Anzeiger $<4««.
Fernsprecher Nr. 61.
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gewählt. ,
— Ein neuer Zwischenfall? „Reuters Bureau» läßt sich aus Apia melden: Eine aus Engländern und Amerikanern bestehende Truppenabteilung wurde am 1. April von Mataafa-Leuten aus einem Hinterhalt überfallen. Drei Offiziere und vier Matrosen wurden getötet.
— Ceeil Rhodes. Die englische Presse hat mit solcher Übereinstimmung und Hartnäckigkeit behauptet, daß die Zinsgarantie des Deutschen Reichs für die Pläne von Cecil Rhodes bereits gesichert sei, daß selbst sonst gut unterrichtete deutsche Blätter sich dadurch haben irre machen lasten. Jetzt hat jedoch Cecil Rhodes selbst eingestanden und öffentlich erklärt, daß die Verhandlungen über den Eisenbahnbau bisher noch zu keinem Ergebnis geführt haben.
— Die Vorgänge in Samoa. Der in San Franzisko erscheinende ..Deutsche Demokrat" veröffentlicht einen Brief von einem deutschen Beamten in Samoa; dann heißt es: Kein Anhänger Mataafas ist getötet worden. Admiral Kautz hat das Bombardement nicht vorher angekündigt; die Bevölkerung glaubte zuerst, es würde em Salut gefeuert. Die Deutschen tadeln das Verhalten des Konsuls Maxse, nicht das Verhalten der Amerikaner. Der deutsche Kreuzer ..Falke" nahm deutsche und ebenso amerikanische und englische Frauen und Kinder an Bord. Die Insassen der französischen Mission wurden in hohem Grade in Gefahr gebracht; ein junges Mädchen wurde verwundet. Admiral Kautz verweigerte die Aufnahme der Verwundeten an Bord der ..Philadelphia", „da das Schiff kein Mädcheninstitut sei". Die Mannschaften Tanus wurden durch ote Engländer verhindert, sich mit Mataafa zu djcreimgen. Die Geschäfte wurden offen von den Anhängern Mataafas geplündert. Die Engländer fürchteten sich, die Straßen zu betreten, während die Mataafa-Leute vor der Stadt waren. Am 24. März erklärte Mataafa dem Admiral Kautz, er würde mit dem Kampfe aufhören, wenn die Weißen ihn m Ruhe ließen. Der Brief schließt, die einzige Abhilfe für ; die Wirren ist die Entsendung neuer Konsuln und Befehls- ! Haber, welche in Uebereinstimmung handeln.
NczU,s,r-t- tncrttljäbrlid) 2 Mar! 20 Pf,, mnnathd) 75 Pftz. mit Bringerloh«.
©ti Postbezu, 2 Mark 50 Pf», vierteljährlich.
Amtlicher Teil.
Bekanntmachung, die Kreiskaste Gießen betreffend, wird hiermit zur Kenntnis der Interessenten ge-
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
daß der auf Freitag den 14. ds. Mts. fallende Mtag der Kreiskaste Gießen ausfällt,
2) daß sich die Kreiskaste vom 15. ds. Mts. ab m tm dem Metzgermeister Rausch gehörigen Hause in der fltidmbt Nr. 78 (am Oswaldsgarten) befindet.
Deutsches Reich.
Berlin, 12. April. Die Ankunft des Kaisers auf Schloß Urville ist auf den 10. Juni festgesetzt.
Berlin, 12. April. Die „Nordd. Allgem. Ztg." glaubt zu wissen, daß die deutsche Regierung im Hinblick auf die neue Weigerung, welche von englischer Seite gegen das bereits im Prinzip angenommene Erfordernis der Einstimmigkeit über die Entscheidungen der Kommission betreffs der Samoa-Frage erhoben ist, um eine besümmte Er- klärung über die Stellung der englischen Regierung zum Samoa-Bertrage gebeten hat.
Berlin, 12. April. In offiziösem Druck stellt die „Nordd. Allgem. Ztg." fest, daß über ein Vorkommnis, wie es eine Reutermeldung schildert, wonach angeblich der Admiral Kautz vor Samoa Forderungen an den Kommandanten des deutschen Kreuzers gestellt habe, welche der Ehre der deutschen Flagge zu nahe treten, an maßgebender Stelle nichts bekannt sei. Wären thatsächlich irgendwelche Differenzen zwischen beiden Befehlshabern vorgekommen, so sei unzweifelhaft, daß über dieselben von dem deutschen Kommandanten sofort eine telegraphische Meldung nach Berlin erstattet worden wäre. .
Derlirr 12. April. Von nationalliberaler Seite ist angeregt worden, im Reichstage eine Interpellation betresfend Samoa einzubringen. Die Abgeordneten Laste und Lehr haben bereits den Wortlaut der Anfrage festgestellt, die an den Staatssekretär v. Bülow gerichtet werden soll. In den übrigen Fraktionen wollte man sich heute über die Frage einer Interpellation über die Samoa- Angelegenheit schlüssig machen.
Berlin 12. April. Bei Beratung der Dampfersubventionsvorlage im Reichstag ist darauf hmgewiesen worden, daß durch die in der Vorlage geforderten Sub- I ventionen thatsächlich der Transport ausländischer Waren auf deutschen Schiffen subventioniert werde. Diese Ansicht findet eine Bestätigung in den Verhandlungen des englischen Unterhauses. Dort beklagte sich am Montag der Deputierte Denuy, daß nach Ostafrika besümmte englische Waren thctt-
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Tagesordnung: Erste Lesung der drei postalischen Vorlagen (über einige Aenderungen von Be- fimmiungen über das Postwesen; ferner betr. Fernsprechgebühren ; drittens Telegraphen-Wegegesetz). Die Beratung trflwdt sich zunächst auf die eigentliche Postvorlage.
Staatssekretär v. Podbielski empfiehlt die Vorlage in clllen ihren Einzelheiten. Er beleuchtet sodann einzelne gtgnn das neue Tarifsystem gerichtete Angriffe, so der .Dncsdener Nachrichten", welche die Vorlage einen „Wechsel- ialg* genannt. Aehnlich scharfe Kritik hätten das „Berl. Tagebl." und die „Berl. Morgenztg." geübt. Von anderer 6ntie sei von entartetster Mißgeburt gesprochen worden, so siilems der „Vereinszeitung deutscher Zeitungsverleger". In Wi n weiteren Ausführungen bezeichnet es Redner als un- Mcffend, daß private Anstalten nicht mehr bestehen könnten, , — r—- Genommen Um man ihnen die Beförderung verschlossener Ortsbriefe Porto-Ermäßigungen in das Gesetz selbst ausgenommen nehme. Was die Entschädigung der Anstalten anlange, so I wurden.
sei luiefe nur eine Billigkeits- und keine Rechtsfrage. Die inchädigung könne nicht zu hoch ausfallen, da ja die An- s!Lilien noch jung seien. In Bezug auf Uebernahme der Priv«atangestellten auf die Postverwaltung könne er bindende klkbarungen noch nicht abgeben.
Abg. Marcour (Centr.) erkennt es mit Dank an, Bas Artikel 1 Vorschläge: Gewichtserhöhung für einfache örisfe und Erleichterungen im Nachbarortsverkehr. Er bitte, in Bezug auf letzteres auch das platte Land zu berück' fichügen. Andererseits habe aber seine Partei auch große wdenken gegen bic Vorlage. Er empfehle Verweisung der Collage an eine Kommission. Ganz entschieden zu ver- Berffcn fei Artikel 3, dagegen zu billigen das System des nimm Zeitungstarifs. Wohl aber werde noch der Tarif jMnsten der kleineren, historisch berechtigten Provinz- Mungen zu reformieren sein, denn es mache doch einen llnltrschied, ob z. B. 10,000 Exemplare einer Zeitung in Heinen Packeten in alle Welt hinausgingen, oder ob sie in ödeten von 500 Exemlaren nur in die nächste Umgebung iiischickt würden. Ganz unannehmbar sei die Bestimmung ir Artikel 2, welche sich gegen die Zeitungsbeförderung kcch expresse Boten richte. Von der Streichung dieser Sistimmung mache seine Partei ihre Stellung zur ganzen
9 Berlin, 12. April. Die Aussichten für die Kanalvorlage haben sich, soweit sich die im Abgeordnetenhause herrschende Stimmung beurteilen läßt, tm Verlaufe der parlamentarischen Osterferien verschlechtert. Ern parlamentarischer Berichterstatter schreibt: Dre Opposition macht sich nicht nur unter den Konservativen m höherem Maße geltend, sondern erstreckt sich auch bis in die Rechen der Freikonservativen und Nationalliberalen Hinern. Unbedingte Anhänger sind in diesen letztgenannten Parteien eigentlich nur die Vertreter der bevorzugten Landestelle. Dagegen sammeln sich aus allen Parteien, nut Ausnahme der Freisinnigen, auch selbst im Centrum, die Gegner, soweit namentlich Schlesien in Betracht kommt. Die heutigen FraktwnS- sitzunqen werden eine gewiffe Klärung der Lage herbeifuhren.
Berlin, 12. April. Zum Samoa streit, lieber die Schritte, welche Deutschland thun soll, um in den Samoa- Angelegenheiten seine Rechte zu wahren, schreibt man der --MMMWIWZMW kommen sein, an die Regierungen in London und in Washington die unmittelbare Frage zu richten, ob sie emen Vertragsbruch wünschen und anstreben. Für den aufmerksamen Beobachter kann allerdings darüber gar kein Zweifel mehr sein, denn der Admiral Kautz und die ihn unterstützenden Engländer würden es wohl nicht gewagt haben, den Vertreter der dritten Vertragsmacht einfach bei Sette zu schieben und die vorhergehenden Beschlüsse der drei Mächte ohne weiteres umzustürzen, wenn sie nicht genau wußten, daß sie der Zustimmung und Unterstützung ihrer Regierungen dabei sicher waren. Die vollständige 8reft= stellung dieser Thatsache durch unmittelbare Aussprache zwischen den Regierungen der Vertragsmächte hätten aber trotzdem noch einen unverkennbaren Wert; dann wäre die Lage klar, und Deutschland könnte seine Stellung für künftige Zeit nehmen.
— Zum Bischof von Osnabrück wurde heute durch das Domkapitel der Regens Voß von Münster
8»irlage unbedingt abhängig.
Staatssekretär v. Podbielski bestreitet, daß bei Irlitcl 3 irgend eine fiskalische Absicht vorliege.
Abg. v. Waldow-Reitzenstein (kons.) erklärt, die Be- knken betreffs der Besümmungen über die Expreßboten Killten auch seine Freunde, desgleichen hätten sie auch Be- kn ken hinsichtlich des Artikels 3. In Bezug auf den Ent- ichLdigungsartikel behielten sich die Konservativen vor, Ab- inberungen in der Kommission zu beantragen; auch bezüglich diS Zeitungstarifs würden sie in der Kommission Vorschläge Lichen.
Abg. Singer (Soz.) bedauert, daß die Postverwaltung ciich hier wieder Plusmacherei treibe und sich die gewünschten Liickehrsreformen bezahlen laffen wolle mit Mehreinnahmen. Lars Zustandekommen der Vorlage werde dadurch ungemein iijchwert. Für den wichtigsten Punkt der Vorlage halte er in Erweiterung des Postregals. Seine Partei behalte sich l^uch ihre Stellung zu diesem Punkte der Vorlage noch tot;, weil sie befürchte, daß durch denselben die poliüsche MLcht der Verwaltung noch erhöht werde, und weil sie (mein Mißbrauch dieser Macht befürchte. Auch Anträge zu bitfifan Punkte werde seine Partei einbringen. Dem System m neuen Zeitungstarifs stimme er zu. Für bedenklich halte n i die Bestimmung gegen die Beförderung durch expreffe
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