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14.2.1899 Drittes Blatt
 
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Dienstag den 14. Februar

Drittes Blatt.

189»

Gießener A nzeiger

Wetfun

General-Nnzerger

Amt»- und Anzeigeblatt für den "Kreis Kietzen

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Deutsches Reich.

Darmstadt, 11. Februar. Auf Befehl des Kaisers wird ;tithessische Kavallerie-Brigade an den diesjährigen

a - til«r ttaifer den Eisenbahnminister Thielen zum Vortrag ynb nahm später noch militärische Meldungen entgegen.

Aerli«, 11.Februar. DieReichstags-Kommission

, 1* zjiir Borberatung des Bankgesetzes wird am nächsten Monte g gewählt werden. Ueber den Vorsitz schweben noch

»14.b. 8W«,

kränktLLaiser-Manöver» teilnehmen.

fe Leih Berlin, 11. Februar. Der Kaiser fuhr heute vor- * iHittag bei dem Staatssekretär v. Bülow vor und hörte g 8 Uhr. Met im königlichen Schloß die Vorträge des Chefs des Dam-Ml, °a^8knmilstabes, Grafen v. Schliessen und des Chefs des ^^Mitür-Kabinetts, General v. Hahnke. Darauf empfing

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nax 1898.

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A »Handlungen zwischen den Fraktionen.

11. Februar. In der Wahl Prüfungs­kommission des Reichstages wurde gestern abend

X Koloniales. Der kaiserliche Richter im Bis-

H V m.arck Archipel Dr. Hahl, früher königl. bayerischer Rechts- MMant, ist von Neu-Guinea zurückgekehrt und hat sich zunächst nach Bayern begeben. Er war seit Anfang 1896 itim Mu-Guinea-Schutzgebiet thätig als Richter, als oberster Mmivaltungsbeamter im Bismarck-Archipel und auch als iL sWoertretender Landeshauptmann. Seine Thätigkeit war itt e-<N rkcht ersprießliche, zur Anerkennung wurde ihm voriges der Kronenorden 4. Klasse mit Schwertern verliehen. . Da Hehl wünscht, wie es heißt, nicht nach Neu-Guinea MMzmkehren. Zu seinem Nachfolger wurde der im Aus- itflflitigi'n Amte beschäftigte Assessor Dr. Schnee ernannt, der schm im Herbste 1898 in Herbertshöhe eingetroffen ist.

Zum Fall Arons wird derTägl. Rundsch."

aLdlnvMnrch Muhl des Abgeordneten Zeidler (kons.) für gültig en, Trau^M cc^It' , ,

Berlin, 11. Februar. Das Abgeordnetenhaus sllun°eD ' mild un der nächsten Woche die erste Beratung des Aus- ahrung ffichuiiHsgesetzes zum bürgerlichen Gesetzbuch und des Gesetz- n), ScAl/lstrasse I emilwm fes betreffend die freiwillige Gerichtsbarkeit in die ViMberatung einfügen, da man die Absicht hegt, diesen D^MIWfeüchn Beratungen nur kurze Zeit zu widmen und sie desto ___- MMindliicher in der einzusetzenden Kommission zu beraten.

r gMi^ben: Einige Blätter stellen fortgesetzt Betrachtungen p.fo.'KUnt.W bliuriibtr an, wann und wie dielex Arons" auf Dr. Arons aHkvandt werden wird. Dieser selbst ist offenbar am besten

darauf vorbereitet, daß das Gesetz, dem man allgemein seinen Namen gegeben hat, auch demnächst auf ihn seine Wirkung ausüben wird. Dem Vernehmen nach bereitet er die Gründung einer neuen sozialpolitischen Zeitschrift vor, die er nach seiner Disziplinierung in Gemeinschaft mit dem be­kannten Privatdozenten Dr Jastrow, dem früheren Heraus­geber derSozialen Praxis", und Dr. Heinrich Braun herausgeben wird.

In Nürnberg ist bei derElektrizitäts-Aktien­gesellschaft vormals Schuckert u. Co." ein Arbeiterausstand ausgebrochen. Ein widersetzlicher Former wurde entlasten, worauf etwa 100 Former in den Ausstand traten.

Ausland.

Wien, 11. Februar. Von informierter Seite wird die Nachricht für unbegründet bezeichnet, daß die österreichische Armee-Leitung die Einführung eines neuen Infanterie- Gewehres beabsichtige.

Prag, 11. Februar. Der ZeitungPolitik" zufolge wird die Krisis für den Fall, daß die Verständigungs- Aktion im böhmischen Landtage scheitert, sich derart ver­schärfen, daß die Negierung in die größten Verlegenheiten geraten und interessante Zwischenfälle eintreten dürften.

Budapest, 11. Februar. Gerüchtweise verlautet, der Rücktritt Banffys sei unmittelbar bevorstehend. Er habe bereits das Ofener Palais des Grafen Zichy ge­mietet.

Rom, 11. Februar. Don Carlos weilt hier incognito. Es gelang ihm nicht, vom Papste in Audienz empfangen zu werden. Don Carlos ist über die Haltung seiner Ge­treuen nicht befriedigt. Er erklärte, die Agitation hätte schon längst beginnen müsten. Jetzt sei es zu spät.

Paris, 11. Februar. DerGaulois" veröffentlicht einen Plan der neuen Verteidigungswerke, welche von England im Kanal von Bristol zur Ausführung kommen sollen. Darnach werden vier neue Häfen mit Schnellfeuer- Kanonen auf 14 Kilometer Tragweite versehen und außerdem werden unterseeische Torpedos gelegt.

London, 11. Februar. Nach Telegrammen aus Washington habe die vor einigen Tagen dort eingegangene samoanische Post gemeldet, daß die Regierung die Befehle des Obcrrichters Chambers aufrecht erhalte und daß sie

erwarte, daß Deutschland das Verhalten seines Vertreters nicht billige.

London, 11. Februar. Die Blätter versichern, Lord Salisbury werde nächste Woche mit dem französischen Botschafter eine Unterredung haben über die Regelung der Bahr el Ghaza-Frage. Salisbury werde von Frank­reich fordern, daß es sich bis zum Ubangi zurückziehe und werde Frankreich weiter Vorschlägen, den Weg zum Nil offen zu lassen, wogegen England Frankreich kommerzielle Zugeständnisse machen werde.

Males und ProoinMes.

§§ Crainfeld, 11. Februar. Hier hat sich seit einigen Tagen ein Ortsgewerbe-Verein gebildet, welcher schon etwa 40 Mitglieder aus den Orten Bermuthshain, Grebenhain, Vaitshain usw. zählt. Wie verlautet, soll bei entsprechender Beteiligung eine Gewerbeschule für Maurer, Schreiner, Zimmerleute, Schmiede usw. errichtet werden. Der Jahres-Beitrag ist auf 4 Mk. festgesetzt, wofür den Mitgliedern das Vereinsorgan:Gewerbeblatt für das Großherzogtum Hessen" zugestellt wird.

L.V. Alsfeld, 11. Februar. Die Vorbereitungen für die Beschickung der im Juni in Frankfurt a. M. statt­findenden großen A u s st e l l u n g der deutschen Landwirt­schafts-Gesellschaft, werden auch in der Provinz Oberhessen eifrigst betrieben. Der landwirtschaftliche Provinzialverein beabsichtigt, diese Ausstellung mit Rindern, Schweinen und Ziegen zu beschicken, während die Pferdeausstellung von dem Pfcrdezuchtverein für das Großherzogtum Hessen vorbereitet wird. In den letzten beiden Wochen haben nun Kommis­sionen des Provinzialvereins die Vorbesichtigungen vorge­nommen. Von diesen Kommissionen sind bis jetzt zur Be­schickung ausgewählt: ca. 40 Simmenthaler und 38 Vogels­berger Rinder, 24 Stück Schweine und über 25 Stück Ziegen. An dieser Ausstellung sind die Zuchtvereine für die Kreise Lauterbach, Alsfeld, Büdingen, Friedberg und Gießen für Simmenthaler Vieh, und Schotten und Gießen für Vogelsberger Vieh beteiligt. Wenn der Provinzial­verein sich auch bewußt ist, daß er mit den alten Hochzuchten in Baden, Württemberg und Bayern nicht konkurrieren kann, weil seine Bestrebungen auf den fraglichen Zuchtgebieten noch zu neu sind, so hofft er doch zu zeigen, daß auch in Oberhessen die Viehzucht recht bedeutende Fortschritte macht.

Feuilleton.

Das 19. Jahrhundert.

Unter Mitwirkung hervorragender Fachgelehrter

herausgegeben von Friedrich Thieme.

(Nachdruck oder Auszug verboten.

IV.

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Der.MigS-U'

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Die deutsche Litteratur.

Fortsetzung.

In erster Linie müssen hier die Repräsentanten der ,. 2- ficksalstragödie eine Stelle finden, jener halb in dem 22L Älichznsmns, halb in der Romantik wurzelnden Periode, zu dck« jd)on Schiller mit seinerBraut von Messina" das M gab, und die ihre natürliche Erklärung in der

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Mnun zu müsten. Zacharias Werner, der Verfasser des V! $e6ruar" undMartin Luther" (geb. 1768, gest. 1823) 16i/ fdHtrte trotz seines großen Talents'an der Ungunst der 111.- b'tr Teilnahmlosigkeit des Publikums und seiner inneren lS^ HWgfigkeit; das Theater beherrschten die flachen, aber iscth gewandten Bühnenwerke Adolf Müllners (Die <SM'N) und Ernst v. Houwalds. Auch einer der be- betwitntoften Dramatiker unseres Jahrhunderts, Franz G rill- K^p )i.rze:r (geb. 1791, gest. 1872). gehört mit seinem Erst- E4m.gW«rkeDie Ahnfrau" der Schicksalstragödie an; in 1,: sei-M späteren Werken (Sappho, Das goldene Vließ u. s. w.) su! Ä ec die Vorzüge der klassischen und romantischen Dicht- uA Nu. vereinigen, er gelangte aber infolge seiner zarten Li und der Ungunst der Zeitverhältnisse ebenfalls nicht 34* höchsten Entwickelung.

Dietrich Grabbe, der im Alter von 36 Jahren ; (M 11836) an seinen gescheiterten Idealen zugrunde ging, JjL Erreiche der deutschen Litteratur ein Genie voll titanen­

KiLütSb. 11 stuv, uno oie ujre. natürliche isrtiarung in Der

V*gübiiin s!1(^jnatien jener Zeit der Enttäuschung findet, in welcher mLardbah"^ !Ü! diLeNmschen die Vergeblichkeit aller menschlichen Bestreb- M gegenüber dem Willen des Schicksals glaubten er- Sßrinc cm----- < e.cr...

Hafter Kraft, deren gewaltigste Offenbarungen uns in seinem Napoleon", seinerHermannsschlacht", seinemDon Juan und Faust" aufbewahrt bleiben. Auch er ward ein Opfer der Zeitverhältnisse, in die er sich nicht, wie Grillparzer, resigniert zu schicken verstand, sondern gegen die er an­stürmte wie ein rasender Titan, wobei sich seine Kraft an ihnen brach. Die Zeit huldigte keinem Grabbe, sondern einem Raup ach, einem Kotzebue des Dramas, begabt, aber oberflächlich; auch der hochbegabte Ferdinand Rai­mund, der Schöpfer des realistisch-romantischen Märchen­dramas, hätte vielleicht unter günstigeren Verhältnissen noch mehr geleistet. Der Roman Walter Scotts fand geschickte Nachbildner in Karl Spindler und Wilhelm Hauff (Lichtenstein"), unter den lyrischen Dichtern ragt vor allem Chamisso hervor (geb. 1781, gest. 1838), ein geborener Franzose, dessen Dichtungen jedoch einen echt deutschen Charakter tragen.

Einen volkstümlichen, innig-gemütvollen Ton schlugen auch die Mitglieder der schwäbischen Dichterschule an, die Uhland, Justinus Kerner, Karl Mayer, Gustav Schwab, Eduard Mörike, I. G. Fischer, G. Pfizer u. s. w. Die Formen und Farben des Orients führte Friedrich Rückert in die deutsche Dichtung ein, während P lat en, ebenfalls ein Formgenie, nur die äußeren Formen der fremden Dichtung benutzt, im Geiste seiner Schöpfungen aber deutsch bleibt. Au Rückert lehnt sich Bodenstedt in seinen das orientalische Leben treu wiedergebendenLiedern des Mirza-Schaffy und seinen übrigen Gedichten an. Im­mer mann versuchte sich mit Erfolg in historischen und Ideendramen und entwarf Romane im Stil desWilhelm Meister", in seinemOberhof" lieferte er das Vorbild der später so beliebten Dorfgeschichten. Die Zeit der politischen Gährung (1830-1848) schufdasjunge Deutschland", eine Reihe von Dichtern und Schriftstellern, welche die Bekämpfung und Reformierung der politischen und sozialen Verhältnisse Deutschlands auf ihre Fahne schrieben. Karl Gutzkow (Die Ritter vom Geiste", »Der Zauberer von

Rom"), Heinrich Laube, Gustav Kühne, Theodor Mundt, Hermann Margraff, Ludolf Wienbarg (welcher durch eine Bemerkung in seiner Vorrede zw seinenAesthetischen Feld­zügen" dem gleichstrebenden Kreise den Namen gab), sind als die hervorragendsten und bekanntesten zu nennen. Im Anschluß an das junge Deutschland ist Heinrich Heine zu erwähnen, der Sänger desBuch der Lieder" und der Dichter derNeisebilder", ein geistvoller, witziger Kopf, dessen scharfe Satire weite Kreise jedoch zurückstößt. Den Feuilletonstyl bildete Ludwig Börne aus, die Unterhal- tungslitteratur vertraten Heinrich König, Theodor Mügge, Herloßsohn, Sealsfield, Jeremias Gotthelf, Berthold Auerbach, Adalbert Richter; für die Verwirklichung der Frauen-Emanzipationsideen wirkte Fanny Lewald, Ida Gräfin Hahn-Hahn, Luise Aston, während sich Annette von Droste-Hülshoff, Luise Hensel, Betty Paoli u. a. im Gegensatz hierzu in den Schilderungen des stillen Frauenglücks gefielen oder vor dem zähen Nieder­reißen des Bestehenden warnten.

Die dramatische Litteratur dieser Periode weist zwei der ersten Namen auf: Friedrich Hebbel und Otto Lud­wig. Beide, auf dem Boden des künstlerischen Realismus stehend, strebten nach schärfster Charakteristik und Lebens­darstellung, fanden aber bei ihrer Zeit für ihre hochgehen­den Ziele nur wenig Verständnis und liefern daher in ihrer äußeren Lebensgeschichte ergreifende Beispiele mühsamen Ringens und Emporstrebens. Größere Erfolge errang Friedrich Halm (Der Sohn der Wildnis",Wildheuer rc.), ein verspäteter Nachzügler der Romantik; und Eduard von Bauernfeld, der Verfasser zahlreicher geist- und witz­voller, aber keine liefere Befriedigung hinterlassender Lust­spiele. Weiche, schwärmerische Töne entlockte der Lyriker G eibel seiner oft etwas schwermutsvoll gestimmten Harfe, süße Melodie, schöne Form und Grazie zeichnen seine Ge­dichte aus.

Die Sturmvögel der Revolution flattern jetzt über die Bühne des Jahrhunderts: Georg Herwegh,