Ausgabe 
13.8.1899 Erstes Blatt
 
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ein Kampfverein werden. Die Kämpfer müssen das Soli- daritäts und das Klassenbewußtsein unter den Dienstboten wecken und stärken, dann aber werden Sie dahin gelangen, wohin jede Klassenbewegung gelangen muß: zur Sozial­demokratie. (Großer Beifall.) Mögen Sie wollen oder nicht, Sie werden in unsere Reihen gedrängt durch Ihren Kampf und durch den Druck von oben. (Anna Steffenhagen ruft: Niemals, niemals!) Die Hauptwaffe im Kampf: Das Koalitionsrecht, fehlt Ihnen noch. Sie dürfen sich nicht verabreden, um durch gemeinsame Arbeitsniederlegung bessere Verhältnisse zu erzwingen. Mit einem Jahre Gesängnis wird jede von Ihnen bestraft, die zu einem Streik anreizt. Das Zuchthausgesetz, welches den gewerblichen Arbeitern erst beschert werden soll, existiert für Sie schon seit ewigen Zeiten. Es wurde hier lobend hervorgehoben, daß einige Herrschaften Beiträge zu Ihrer Unterstützungskasse gespendet haben. Ja, wollen Sie sich denn mitWohlthaten" ab­speisen lassen? (Zuruf: Nein!) Empfinden Sie es nicht als eine Schmach, wenn man Ihnen Wohlthaten gewährt, statt des guten Rechts? Wer sein ganzes Leben dem Dienst der Besitzenden geopfert hat, den muß es doch empören, wenn er mit Bettelpfennigen abgespeist wird. (Beifall.) Wenn erst das Klassenbewußtsein in Ihnen erwacht, dann werden Sie sich durch die Wohlthaten der Herrschaft mehr bedrückt fühlen, als durch die schlechten Schlafstellen und die sonstigen Mißstände, die hier zur Sprache gebracht wurden. Ich will Sie nicht auffordern, sich der Sozial­demokratie anzuschließen. Sie werden mit der Zeit von selbst zu uns kommen. (Anna Steffenhagen: Niemals!) Wenn Sie auch von der Sozialdemokratie noch nichts wissen wollen, so begrüße ich doch Ihre Bewegung mit Freuden, denn ich hoffe, sie wird dazu beitragen, daß die Dienstboten endlich erkennen lernen, was es heißt:Mensch sein". (Stürmischer Beifall.)" Dazu bemerkt dieT. N.": Wenn der Abgeordnete Auer in der Versammlung gewesen wäre, würde er vielleicht seinen klassischen Ausspruch von Stutt­gart wiederholt haben:Und das will noch emanzipiert werden?" Hoffentlich ist wenigstens das Dienstmädchen der Frau Lily Braun in der Versammlung gewesen und wird sich die Worte ihrer Dienstherrin hinter die Ohren ge­schrieben haben. Hoffentlich macht sie nicht ferner den Harmoniedusel mit, in dem sie bisher die Stiefel putzte, während Frau Lily Braun die gnädige Frau spielte. Selbst auf die Gefahr hin, die Schmach der Weihnachtsbescherung nicht wieder auf sich nehmen zu können, wird sie, so hoffen wir, Arbeitsteilung verlangen und um einmal ganz Mensch zu sein, der gnädigen Frau Braun das Aufwaschen über­lassen. Das wäre für Frau Braun außerordentlich gesund, sie würde dann vielleicht in ihrerBildung" soweit zurück­kommen, daß sie wieder natürlich denken lernt.

Dortmund, 11. August. Zur heutigen Einweihungs­feier wird noch gemeldet, daß die Rede des Kaisers mit großem Enthusiasmus ausgenommen wurde, besonders bei der Stelle, wo es heißt: Die Regierung sei sest entschlossen, das ganze Werk durchzuführen, brach ein nicht enden­wollender Jubel los.

Frankfurt a. M., 11. August. DieFranks. Ztg." meldet aus Konstantinopel: Der Sultan machte dem Großvezir ein Bargeschenk von 16,000 Pfund. In maßgebenden Kreisen herrscht hierüber wegen der trostlosen Finanzlage große Verstimmung.

Wiesbaden, 11. August. Bei der heute in Weilburg im sechsten Wahlbezirk des Regierungsbezirks Wiesbaden stattgehabten Ersatzwahl zum Abgeordnetenhause wurden 210 Stimmen abgegeben. Ingenieur M i s ch k e (natl.) erhielt 106, Landrat Beckmann-Usingen 104 Stimmen. Mischke wurde demnach gewählt.

Ausland.

Budapest, 11. August. Die Redaktion desEgyetertes" sandte dem Korpskommandanten die Einladungskarte zu der morgen stattfindenden Einweihung des Hentzi-Denkmals zurück.

Paris, 11. August. Der Minister des Innern hat drei Redakteuren der Revisions-Blätter, nämlich Rappel, Matin und Temps, das Kreuz der Ehrenlegion verliehen. Die Anti-Dreyfus-Presse sieht in dieser Bevorzugung einen Verrat des Kabinetts Waldeck-Rousseau.

Rennes, 11. August. Als Dreyfus nach dem Ge­fängnis übergeführt werden sollte, befand sich kein Neu­gieriger vor dem Lyceum. Die Ueberführung vollzog sich ohne jede Kundgebung.

Rennes, 11. August. In dem Garten eines an das Lyceum grenzenden Wohnhauses hat der Besitzer eine Tribüne errichtet, von welcher Neugierige gegen Geldentschädigung Dreyfus bei der jedesmaligen Ueberführung sehen können. Die Polizei hat dem Eigentümer mitgeteilt, daß die Tribüne sofort zu entfernen sei, sobald sich die geringste Kundgebung seitens der Besucher bemerkbar machen würde.

Rennes, 11. August. Im Laufe des heutigen Nach­mittags sind eine Anzahl antisemitischer Führer hier eingetroffen. Man glaubt, dieselben beabsichtigen für morgen während des Verhörs des Generals Mercier Kund­gebungen zu gunsten der Armee und auch des Generalstabes zu veranstalten.

Rennes, H. August. Dreyfus wurde heute früh 68/4 Uhr wiederum nur durch einen Gedarmerieoffizier in das Lyceum geführt. Die heutige geheime Sitzung währte kaum zwei Stunden. Paleologue beendigte seinen Kom­mentar. Er hatte zweifellos nur geringe Mühe, das Kriegs­gericht zu überzeugen, daß sein Kommentar der Geheimakten der richtige ist. Demange und Labori verließen gegen 9V4 Uhr in bester Stimmung das Lyeeum und gaben auf der Straße den Angehörigen Dreyfus' befriedigende Ver­sicherungen, ohne sich jedoch in Einzelheiten einzulassen. Morgen findet die nächste öffentliche Sitzung statt und zwar ist deren Beginn auf früh 6ya Uhr festgesetzt.

Rennes, 11. August. Die Aufzeichnungen Demanges und Laboris aus den geheimen Akten werden dazu dienen, um sowohl im Verlaufe des Zeugenverhörs, als bei den Plaidoyers alles das öffentlich diskutieren zu können, was jetzt mit ganz unglaublichen Entstellungen allenthalben geflüstert wird. Man fragte einen Verteidiger, ob die öffentliche Besprechung keine Gefährdung der Staatsinteressen bedeuten könne. Dieser entgegnete lächelnd:Ebensowenig als ob ich einen Vortrag über Ludwig XIV. halten würde."

London, 11. August. Der hiesige Handelsrat, welcher aus Mitgliedern der meisten britischen Handels­kammern besteht, hat eine Resolution angenommen, in welcher das Verhalten Chamberlains gegen Transvaal ver­urteilt wird.

Belgrad, 11. August. Infolge des Rücktritts der beiden Minister des Polizei- und Handels Ressorts, sowie wegen des Beschlusses der liberalen Abgeordneten, der Re­gierung in der Skuptschina wegen deren Haltung in der Attentats-Affaire das Absolutorium zu verweigern, ist die Situation sehr ernst geworden. Der Rücktritt des ge­samten Ministeriums ist wahrscheinlich.

Petersburg, 11. August. Umschwung in Rußland. DieIntern. Korresp." bringt aus Rußland folgende Meldung, die geeignet ist, unsere dortigen Landsleute, sowohl die deutschen Reichsangehörigen wie die russischen Unter- thanen, zu beunruhigen:Es ist leider zu besürchten, daß die etwas freiere Richtung, welche feit drei Jahren in nationaler, kirchenpolitischer und wirtschaftlicher Beziehung innerhalb der russischen Staatsverwaltung vorherrschte, wieder vollständig verschwinden wird. In sehr kurzer Zeit dürfte der Geist Pobedonoszews der allein maßgebende sein, der sich in der Zurückdrängung alles Nichtrussischen und Nichtorthodoxen kundgiebt. Dies werden die Deutschen der baltischen Länder und der südrussischen Ackerbaukolonien ebenso erfahren wie die Finnen und Polen, und in religiöser Hinsicht werden die Katholiken, linierten und Juden darunter zu leiden haben. Desgleichen ist beabsichtigt, den aus­ländischen Handel, die fremden Fabrikunternehmungen und Kapitalistengesellschaften noch weiter zu beschränken als bis­her. Das Stockrussentum, welches glaubt, daß Rußland militärisch, politisch, geistig und wirtschaftlich das Ausland überhaupt nicht mehr brauche, gibt sich der Hoffnung hin, der Zar werde diese Anschauung bald völlig zu der feinigen machen." Wir können unsererseits versichern, daß keine Anzeichen vorliegen, die einen derartigen Umschwung glaub­haft machen. Den baltischen Deutschen geht es schlecht, aber doch um ein weniges besser, als unter Alexander III. Dem ausländischen Handel ist, wie unser Petersburger Be­richterstatter in vergangener Woche mitteilte, keine Beschränkung auferlegt, vielmehr eher eine größere Bewegungsfreiheit gestattet. Gegen die Erwerbung von Grundeigentum durch Ausländer, namentlich durch Deutsche, kämpfen zwar die Moskauer Blätter beinahe unausgesetzt an, aber die Regierung achtet nicht darauf und hat auch in diesem Punkte (z. B. im Kaukasus) in letzter Zeit neue Zugeständnisse gemacht. Was man gegen die deutschen Kolonien in Südrußland thun soll, ist unverständlich. Pobjedonoszew hat auf kirch­lichem Gebiet eine fast unbeschränkte Macht, aber die übrigen Minister denken nicht daran, in ihren Ressorts seinen Geist einzuführen, am allerwenigsten die Minister der Finanzen und des Verkehrswesens. Tägl. Nundsch.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, den 12. August 1899.

** Aus dem Verwaltungsdienst. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 9. August den Otto Hiss er ich aus Homberg a. d. O. zum Kreis­amtsbureauvorsteher bei dem Kreisamt Schotten zu ernennen. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums des Innern ist der Großh. Regierungsassessor Dr. Löslein in Heppenheim bis aus weiteres aushilfsweise mit der Wahr­nehmung der Dienstverrichtungen eines Kreisamtmannes bei dem Großherzoglichen Kreisamt Worms beauftragt worden.

** In der gestrigen Sitzung der Stadtverordueten-Ver» sammlung wurde die erledigte Stelle des Schlachthaus­verwalters nicht wieder besetzt, vielmehr statt dieser und der Stelle eines Fleischbeschauers die Stellen eines ersten und eines zweiten Hallen Meisters neu er­richtet und dem seitherigen Fleischbeschauer Geismar, bezw. dem Trichinenschauer Schmitz übertragen; der letztere wurde durch den seitherigen Metzgergesellen Ernst Reitz ersetzt. Die erledigte Stelle des Technikers (II. Assistenten) im Gas- und Wasserwerk wurde dem Maschinentechniker Walter Behrens in Frankfurt a. M. übertragen. Für eine zur Erledigung kommende Schutz­manns stelle wurde der Unteroffizier der 12. Kompagnie des hiesigen Infanterie-Regiments, Seitz in Aussicht ge­nommen.

** Im Verlage von Emil Roth, Gießen, erschien soeben zum Preise von 1 Mk.:Soolbad Salzhausen in der Wetterau" von H. Tasche. Zweite, nach dem Tode des Verfassers neubearbeitete Auflage von Karl Schnitt­spahn, Großh. Oberforstmeister i. P. Mit Illustrationen und zwei Karten. Der mit umfassender Sachkenntnis und großem Geschick verfaßte Führer wird allen Besuchern und Freunden des aufblühenden Soolbades hochwillkommen sein.

** Das Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm rückt am Dienstag dem 15. ds. Mts. nach Mainz ab, um an der Truppenschau und Parade vor dem Kaiser teilzunehmen. Das in Aussicht genommene Scharfschießen im Gelände findet infolge dessen nicht statt.

* Wettschwimmen. Gestern nachmittag fand in der Militär Schwimmanstalt das alljährliche Wettschwimmen statt. Die zu durchschwimmende Strecke betrug 200 Meter, zur Hälfte stromauf- und stromabwärts. Die beiden besten Schwimmer befanden sich in der 7. Kompagnie, und brauchte

der erste die sehr kurze Zeit von 4 Minuten 6 Sekunden,, um die Strecke zu durchschwimmen.

** Zur Truppenschau in Mainz wird demM. A." ge­schrieben : Die jüngst durch die Presse gegangene Notitz von einer in Mainz stattfindenden Truppenschau vor dem Kaiser bestätigt sich. Es handelt sich lediglich um eine Verschiebung insofern, als das glänzende militärische Schauspiel anstatt wie gemeldet für den 7. nunmehr für Montag, 21. August bestimmt vorgesehen ist. An der Truppenschau nehmen Teil: Die 42. Infanterie-Brigade (Füs.-Reg. von Gersdorff (Hess.) Nr. 80, Wiesbaden; 1. Hess. Jns.-Reg. Nr. 81, Frankfurt a. M.); die 49. Infanterie-Brigade 1. Großh. Hess. Jns.-Reg. (Leibgarde-Reg.) Nr. 115, Darmstadt, Jnf.- Reg. (Kaiser Wilhelm) 2. Großh. Hess. Nr. 116, Gießen;, von der 50. Infanterie-Brigade das 3. Großh. Hess. Jns.- (Leib-)Reg. Nr. 117, Mainz; von der 21. Kavallerie Brigade das 1. Hess. Husaren-Reg. Nr. 13, Frankfurt a. M.; von der 25. Kavallerie Brigade das 1. Groß. Hess. Dragoner- (Garde-Dragoner-)Reg. Nr. 23, Darmstadt; von der 11. Feld-Artillerie-Brigade das Nass. Feld-Artillerie-Reg. Nr. 27, Mainz; ferner das Hess. Pionier-Bataillon Nr. 11, Mainz. Von den genannten Truppen werden dem Kaiser vorexerziert die beiden Regimenter Nr. 115 und 116 der 49. Jnf.-Brigade, sowie das Dragoner-Regiment Nr. 23 von der 25. Kavallerie-Brigade, während die übrigen nur an dem Vorbeimarsch teilnehmen.

** Ortsgewerbeverein. Wir machen an dieser Stelle diejenigen Mitglieder, welche sich morgen an der Fahrt nach Groß-Umstadt zwecks Teilnahme an der Generalver­sammlung des Landesgewerbevereins und Besichtigung der sehr interessanten Gewerbeausstellung beteiligen wollen, wiederholt darauf aufmerksam, daß die Abfahrt Sonntag morgens mit dem Schnellzuge 5 Uhr erfolgt, und die Rück­kunft bequem um ll20 abends stattfinden kann. Es werden direkte einfache Fahrkarten nach Groß-Umstadt ausgegeben, die zur freien Rückfahrt berechtigen, wenn dieselben in der Ausstellung mit dem entsprechenden Stempel versehen sind. Eine recht zahlreiche Beteiligung an dieser jedenfalls sehr interessanten Fahrt wäre sehr erwünscht.

* Landesgewerbeverein. Als Sonderabdruck aus Nr. 31 des Gewerbeblattes für das Großherzogtum Hessen ist der ausführliche Bericht über die Thätigkeit des Gewerbe­vereins für das Großherzogtum Hessen und der Großh. Centralstelle für die Gewerbe (vom 14. August 1898 bis 13. August 1899) erschienen, welcher für die Hauptversamm­lung des Landesgewerbevereins am 13. August 1899 zu Groß-Umstadt als Vorlage dienen soll. Die Mitgliederzahl des Landesgewerbevereins hat sich im abgelaufenen Jahre um 1058 vermehrt, und betrug am 1. August 1899 8666 in 98 Gewerbevereinen, deren Zahl in Jahresfrist um 12 gewachsen ist. Dem Stand der Handwerker gehören 63 vom Hundert an, dem Gewerbestand überhaupt 82 vom Hundert. Am 1. Januar 1899 trat die vom Orts­gewerbeverein Darmstadt für Mitglieder des Landesgewerbe­vereins gegründete Sterbekasse in Thätigkeit. Bereits im Jahre 1898 war mit Einrichtung dieser Kasse begonnen worden, sodaß die zunächst erwartete Mitgliederzahl 800 schon Ende Januar 1899 vorhanden war. Noch war das 1. Quartal 1899 nicht abgelaufen, so war die Zahl der Anmeldungen auf 1300 gestiegen, welche Zahl sich bis heute auf 1492 erhöht hat. Außerdem sind noch weitere 84 Anmeldungen in Aussicht gestellt, sodaß wohl noch im Laufe des Sommers die Anmeldungen die Zahl 1600 erreichen. Bereits ausgenommen und mit Auf­nahmeurkunden versehen sind zur Zeit 1268 Mitglieder. Eine endgültige Uebersicht über Einnahmen und Ausgaben der Großh. Zentralstelle und des Landesgewerbevereins im Jahre 1898/99 läßt sich vorerst noch nicht mitteilen, da der Bücherschluß erst im Dezember l. I. stattfindet. Ganz wesentlich wirkte auf die Finanzlage des Landesgewerbe­vereins einesteils die Zunahme der Zahl der Mitglieder und andernteils die damit Hand in Hand gehende Bildung neuer Ortsgewerbevereine und die Gründung neuer Schulen ein. Wenn auch die Einnahmen mit dem Anwachsen des Landesgewerbevereins sich vermehren, so steigen gleichzeitig aber auch die von den Ortsgewerbevereinen für die Unter­haltung der Handwerkerschulen beanspruchten Mittel und zwar in solchem Maße, daß seitens der Großh. Zentralstelle den einzelnen Mehrforderungen gegenüber äußerste Zurück­haltung geboten ist und seit 1. April d. I. geübt werden mußte, wenn mit den verfügbaren Mitteln ausgekommen werden soll. Außergewöhnliche Kosten sind durch die Ein­richtung und Neuordnung der Bibliothek des Landesgewerbe­vereins und der technischen Mustersammlung (Gewerbemuseum) entstanden, welche Ausgaben zum geringeren Teile, und zwar, soweit sie Mobiliaranschaffungen betrafen, aus Ueberschüssen vorderer Jahre gedeckt werden konnten. Die an die Kunst­gewerbe- und Gewerbeschulen insgesamt gewährten Staats­zuschüsse berechnen sich auf rund 97,316 Mark, während von den beteiligten Gemeinden, Sparkassen rc. in baar rund 60,000 Mk. geleistet, an Schulgeld 44,360 Mk. und an sonstigen Einnahmen 3080 Mk. erzielt wurden. Hierzu muß noch bemerkt werden, daß bei Festsetzung der Gesamtleistungen der Gemeinden die Mietwerte der unentgeltlich über­lassenen Schulräume, sowie der Wert der zur Heizung derselben gestellten Heizmaterialien insgesamt in Höhe von 17,050 Mk. zu berücksichtigen sind. Die Leistungen der Ortsgewerbevereine, die sich in der Hauptsache aus den Zinsen der von den einzelnen Vereinen für die Errichtung der Schulgebäude und zum geringeren Teile aus Barzuschüssen zusammensetzen, sind auf 13430 Mk. zu veranschlagen. Die Aufwendungen für diese Unterrichts­anstalten ausschließlich der Staatszuschüsse und des 44 360 Mk. betragenden Schulgeldes beziffern sich hiernach auf 93560 Mk., während an Staatszuschüssen, roie oben angegeben, 97 316 Mk. aufgewendet wurden. Der Verkehr der Centralstelle mit den Ortsgewerbevereinen war im abgelaufenen Jahre sehr lebhaft. Soweit es die dienstliche Beanspruchung durch die