Ausgabe 
13.4.1899 Erstes Blatt
 
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Donnerstag -en 13. April

Erstes Blatt.

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Amts- und Anzeigeblutt für den Atreis Gietzen

ruar d. I. mit, daß er das Präsidentenamt über den erst-

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Bei Postbezug 2 Mark 50 Pf,, vierteljährlich.

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ganisationen aus. Fürst Wied seinerseits hat am 20. März dem Herzog seinen Dank für das Schreiben und warme Zustimmung ausgesprochen.

Von der Postverwaltung. Dem Präsidenten des deutschen Handelstages ist auf die Eingabe, betreffend Haftung der Postverwaltung für Versehen ihrer Beamten, vom Staatsselretär v. Podbielski folgender Bescheld zu­gegangen ;Dem dortseitigen Wunsche gemäß habe ich bte Frage, ob die Neichspostverwaltung beim Abschluß von Abkommen wegen Prüfung der Empfangsberechtigung der Abholer von Postsendungen die Haftpflicht für Versehen ihrer Beamten übernehmen könne, eingehend erwogen; bei aller Bereitwilligkeit, dem Publikum, insbesondere dem

Verwaltung mit Rücksicht auf das Ergebnis der stattgefuw denen Erörterungen die Ersatzverbindlichkeit auch ferner

sich also offenbar in seinem Uebereifer, Deutschland zu ver­drängen, hier zu weit vorgewagt, so daß es vor die Wahl gestellt wird, entweder Deutschland Zugeständnisse zu machen, oder alle Konsequenzen eines offenen Vertragsbruches in den Kauf zu nehmen. Man darf wohl nicht daran zweifeln, daß unsere Diplomatie diesen Vorteil wahrnehmen wird. Wie dieT. R." nachträglich erführt, wird an Berliner unterrichteter Stelle vorläufig noch bezweifelt, daß überhaupt ein Abkommen Englands mit den Tonga-Jnseln in der be­haupt eten Art abgeschlossen sei.

Kongreß wurde heute in Anwesenheit des Statthalters, des Bürgermeisters und des Vertreters des Unterrichts- Ministeriums mit einer von Geheimrat Quink gehaltenen Rede eröffnet.

Paris, 11. April. General Gallifet erklärte in seinem Verhör vor dem Kassationshofe, welches heute von dem Figaro veröffentlicht wird, daß der frühere englische Militär-Attache, Oberst Talbot, mit dem er befreunbet war, nach seiner Rückkehr aus Egypten ihn besucht unb ihm sein Erstaunen ausgedrückt habe, warum Esterhazy sich noch immer auf freiem Fuße befinde. Während seines ganzen Aufenthalts in Frankreich habe er den Namen Dreyfus nicht gekannt, es sei ihm aber unbegreiflich, daß man Ester­hazy noch nicht verhaftet habe. Vier andere Militär- Attachös hätten gewußt, daß Esterhazy ihnen für einen Tausendfranksschein alle Aufklärungen geben würde, die sie nicht auf direktem Wege im Ministerium sich beschaffen konnten. Der frühere Präsident Casimir Perier, dessen

Präsident Graf Bal le st rem 1

aal drückt die Hoffnung aus, daß sich auch die noch fehlenden $ trrtn recht bald hier einfinden möchten.

Born Reichskanzler Fürsten Hohenlohe ist ein Dank- s 'ßreiben für die ihm zum 81. Geburtstage dargcbrachten

ML!uȟnsche eingegangen.

Zur Beratung steht zunächst bie Vorlage betr. das ,'^lag^enrecht der Kauffahrteischiffe.

Die Vorlage bezweckt hauptsächlich, klarzustellen, daß 3;u$ ii> der Form der Gesellschaft mit beschränkter Haftung »unter deutscher Flagge Rhederei betrieben werden kann. Ächrieem enthält die Vorlage noch einige Verbesserungen tn-sGefttzes von 1867 über die Nationalität der Kauffahrtei- sMr. . Ä

Nach kurzer Debatte wird die Vorlage an eine Kom- c liffiot verwiesen.

(38 folgen Wahlprüfungen. Die Wahlen der Ab- ;-eirbineten Franken (nl.), Basserrnann (nl.), v.Blödau ld.l.F.) und Heiligenstadt (nl.) werden für gilttg eaxlätt. die Wahlen der Abgeordneten v. Bonin-Bahren- k-isch (kons.), Kraemer (nl.), Graf Bismarck-B oh len (*inf.) einstweilen beanstandet.

Endlich stehen noch Petitionen auf der Tages- cmbmug.

Verschiedene Petitionen betr. das Grundstücks- und .'lIhpv thekenmaklerwesen werden debattelos der Re- als Material überwiesen.

Heber Petitionen betr. schnellere Frachtver- b>i«dungzwischendenmitteldeutschenJnduftrie- und England beantragt die Kommission Ueber- zur Erwägung. Dieser Antrag wird angenommen.

Petitionen betr. an de rw eite Regelung des Apo- rchle nwcsens, ferner betr. die Bäckereiverordnung \ twrbcm debattelos an die Regierung als Material übet» tiStfen, ebenso verschiedene Petitionen betr. die Mern- fil lltsgebung.

Morgen 1 Uhr: Die drei postaltscheu Vorlagen in eichl Lesung.

Schluß gegen 4 Uhr.

der Stadt vorgerückt. Jetzt sind sie auf dem Rückwege begriffen, nachdem sie drei in der Umgegend gelegene Dörfer, in welchen Angriffe auf die Deutschen vorgekommen waren, zerstört hatten. Den Ort Jtschau halten die Deutschen dagegen noch besetzt. Man glaubt, daß die Angelegenheit damit tatsächlich beendet sei. Die Deutschen würden die Wirkung ihrer bisherigen Maßnahmen abwarten. Wenn sich ein Erfolg zeige, würden keine weiteren Schritte unter­nommen werden. Die Deutschen seien jedoch entschlossen, dem jetzt herrrschenden Geiste der Gesetzlosigkeit Einhalt zu gebieten. Es scheine so, als ob die Bevölkerung in ihrem Verhalten von den Ortsmandarinen bestärkt werde.

Die Aneignung der Tonga-Jnseln durch England findet eine merkwürdige Beleuchtung durch den zwischen Deutschland und England am 6. April 1886 ab­geschlossenen Vertrag über die deutsche und englische I» teressensphäre in der Südsee. Der § 6 dieses Vertrages lautet:Diese Erklärung findet keine Anwendung auf die Schifferinseln (Samoa), mit welchen Deutschland, Groß­britannien und die Vereinigten Staaten Verträge abge­schlossen haben, noch auf die Freundschaftsinseln (Tonga), mit welchen Deutschland und Großbritannien Verträge ab­geschlossen haben . . ., welche Inselgruppen nach wie vor ein neutrales Gebiet bleiben sollen" u. s. w. England hat

Adresse für Depeschen: >ie|au

Fernsprecher Nr. 51.

treten." _ ... .

Von den Flottenvereinen. Zwischen dem Präsidenten desHauptverbandes deutscher Flottenvereine im Auslande", Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg- Schwerin, und dem Präsidenten desDeutschen Flotten­vereins", Fürsten zu Wied, hat vor einiger Zeit ein Brief­wechsel stattgefunden, den dieB. N. N." mitteilen. Herzog

ablehnen." ,

Deutschland und China. Eine gestrige Mel­dung desR. B." aus Peking sagt: Die deutschen Truppen

Gratisbeilagen: Gießener Famiürnblütter, Der hefMe Landwirt Mittler für hessische Volkskunde.

Ausland.

Wie», 11. April. Die Gerüchte, die Ankunft des Prinzen Georg und der Prinzessin Mathilde von Sachsen beträfen eine Verschlimmerung im Befinden der leicht erkrankten Erzherzogin Maria Josepha, sind

tptfeition und Druckerei:

AchNkßr.tze Nr. 7.

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Deutscher Reichstag.

62. Sitzung vom 11. April. 2 Uhr.

Anwesend sind nur etwa 30 Mitglieder des Hauses

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

tUrtrhri ttgttch it ck i-nadme deS SZontagl.

tat Gießener neitrtr»lfä(tet r ntkn dem Anzeiger "DriUch viermal ieigetegt.

Deutsches Reich«

öetlin, 11. April. Für den 24. April ist der Besuch IHi Kaisers auf der Wartburg zur Auerhahnjagd < iigtfagt. Der Großherzog von Sachsen-Weimar trifft schon t ui 18. April auf der Wartburg ein.

Berlin, 11. April. Die Geschäftsverteilung im - «üchstage ist heute vom Präsidenten dahin getroffen t Eden, daß zunächst die vom Reichspostamt eingegangenen | Erlagen, wie die Novelle zum Postgesetz, die Fernsprech- (Nüühren-Ordnung und das Telegraphengesetz zur ersten Lößiatüng gestellt werden sollen. Dann soll der Gesetz- emtoirrf betreffend die Schlachtvieh- und Fleischbeschau zur ü Bkatung gelangen. r . .

Berlin, 11. April. Im Abgeordnetenhanse wurde , M Kommissionsbericht der 13. Kommission über die Anttäge te (Ctr.) und Weyerbusch (freis.), betreffend Aenderung ; ötd Sommunal-Abgabengesetzes in der Richtung einer Er- 1 laufterung des Haus- und Grundbesitzes, beraten. Die

Hrmission hatte dazu verschiedene Anträge eingebracht: l.,btt beiden Anträge Mies und Weyerbusch abzulehnen; L1!. büe Regierung aufzufordern, in Ergänzung früherer lÄidfje die Gemeindebehörden dahin anzuweisen, daß in , kneten Fällen mehr als bisher auf eine zweckmäßige

Haltung der Gebäudesteuer-Veranlagung zur Entlastung kleinen Hausbesitzer durch geeignete Gewerbesteuer-

Dbniungen und zur Einschränkung der Gebäudesteuer gegen- Ükr anderen Realsteuern hingewirkt werde; 3. die ein- WNgenen Petitionen für erledigt zu erklären. Nach üLge rer Debatte, in welcher sich die meisten Redner mit i d (i Resolution der Kommission einverstanden erklärten, Wb« dieselbe in ihren einzelnen Teilen angenommen. sMe Sitzung Donnerstag. Tagesordnung: Erste Lesung ua Kanal-Vorlage. .

Berlin, 11. April. Dem Bundesrat ist em Gesetz- M irf betreffend die Gebühren für die Benutzung des Nisn-Wilhelm-Kanals zugegangen.

! Berlin, 11. April. Z u r Samoa fr a ge liegen heute Btnt neuen Meldungen vor. Dagegen beleuchtet eine Miner Zuschrift desHamb. Korr." die Stellung unserer

unbegründet.

Karlsbad, 11. April. Der 17. medizinische

Reaieruna in "einem Sinne, der endlich einmal wohlthuend I Adolf Friedrich teilte dem Fürsten Wied unter dem 18. Feb- non früheren ofsiMs^Aeußerunaen ab sticht. Es heißt da: ruar d. I. mit, daß er das Präsidentenamt über den erst- Weun auch der Fortgang der diplomatischen Verhandlungen I genannten Verband übernommen habe, unb druckte bie

zwischen den Mächten durch die letzten Meldungen über die Hoffnung auf em gutes Einvernehmen zwischen beiden Or.

M-n-n-n I ®Sen ©amoa nid? au^alten wird so kann °s > ........- - W,°d tanerf«» bat am 20. Mar,

8 - - ' ' " c * doch nicht wunder nehmen, daß die deutsche Regierung sich

jetzt mit der Annahme ihres Vorschlages der Entsendung einer Hohen Kommission nicht zufrieden giebt. Die halb­amtliche Note der ,.Nordd. Allg. Ztg.", die am Sonnabend erschien, läßt mit erfreulicher Deutlichkeit erkennen, daß die kaiserliche Regierung von England und Amerika Genug­tuung für die von englischen und amerikanischen Beamten und Seeoffizieren verübten offenkundigen Verletzungen des klaren, in der Berliner Akte von 1889 festgesetzten Ver- tragsrechtes fordert. Deutschland muß darauf bestehen, daß von London und Washington aus sehr nachdrücklich den

ÄKS und I ^anbeiäftanbe errtgegenjufommett, muß aber bie Wfr «Ä. tarIÄ lÄSta ober auch nur ent. > auf das Eraebms der stattaesnn-

schuldbarer Gewalttaten schuldig gemacht haben. Wir glauben zu wissen, daß die deutschen Vorstellungen nach dieser Richtung an Festigkeit und Entschiedenheit nichts zu

warten^ nich^ sofortt^®et)örfinbennoweitere Verstärkung I haben Jtschaufu nicht betreten, sinb aber bis m die Nahe erfahren werben. Nachbem sodann in deutlichen Worten"WAW,,h fitlh fip rtuf bcm 9tudtt,cae

die Erwartung ausgesprochen ist, daß die Vertragsbrüchigen I englischen unb amerikanischen Vertreter von ihren Mächten I unumrounben besavouiert werben, heißt es weiter: Welche I Mittel bie Regierung hier ergreifen kann unb muß, bafür I hat sie allein bas richtige Augenmaß, weil sie allem bie Situation unb bie Machtmittel voll übersehen kann. Sie wird vor keinem notwendigen Schritt zurückscheuen. Wir | wollen aber hoffen, daß es der diplomatischen Aktion ge­lingt, die durch Schuld der Engländer und Amerikaner in Samoa selbst arg verfahrenen Dinge ins rechte Geleise zu bringen. In London und Washington wird man sich

I schwerlich der Einsicht verschließen, daß nicht nur das Recht auf Seiten Deutschlands liegt, sondern daß auch die guten Beziehungen zum Deutschen Reiche es schon wert sind, daß man unbesonnene und Vertragsbrüchige Gewaltpolitiker von sich abschiebt. Das ist endlich eine männliche und ernst­hafte Sprache genau in dem Sinne, wie wir sie gewünscht haben. Wir glauben, sie wird verstanden werden schreibt die Tägl. Rundsch.

Berlin, 11. April. Zur Frage des Offizier- Ersatzes. Verschärfte Prüfungsbestimmungen für Fahnen­junker und Fähnriche sind ergangen. In einem Befehle des Kaisers an die General - Inspektion des Militär- I Erziehungs- und Bildungswesens heißt es:Ich habe mit Befriedigung ersehen, daß die Prüfungen zum Offizier, I sowie zum Fähnrich auf den Kriegsschulen und im Kadetten­korps zu wesentlichen Ausstellungen keinen Anlaß gegeben haben. Dagegen sind die Leistungen bei den übrigen Fähnrichprüfungen zumteil nicht unerheblich hinter den zu stellenden wissenschaftlichen Anforderungen zurückgeblieben.

I Der Hinweis in den Mir vorgelegten Berichten auf bie I Ursachen bieser Mängel, welche auf bie recht oberflächliche allgemeine Bilbung ber aus Vorbereitungs-Anstalten hervor- qegangenen Prüflinge, insonberheit berjenigen zurückzuführen

I finb, welche, ohne im Besitze ber Reife für bie Prima zu I sein, zu ben Prüfungen zugelaffen werben, läßt es Mir geboten erscheinen, daß die weitgehende Nachsicht, welche im Hinblick auf die Zahl der Meiner Armee noch fehlenden

I Offiziere bisher bei den Prüfungen zum Fähnrich gewaltet hat, in dem Maße fernerhin nicht mehr geübt werden soll.

I Ich will dem Vorschläge der Generalinspektion daher Meine I Zustimmung erteilen, daß die Ober-Militär-Examinations- I Kommission anzuweisen ist, den Maßstab an die wiffen- | schaftlichen Anforderungen, wie solche in der Verordnung über die Ergänzung der Offiziere des Friedensstandes vom

I 11. März 1880 vorgeschrieben sind, wieder voll anzulegen. I Gleichzeitig werde Ich den Generalkommandos und den I beteiligten obersten Waffenbehörden aufgeben, eine strengere I Prüfung der Gesuche um Erlaß des Zeugnisses der Reife für die Prima eintreten zu lassen. Die Bestimmungen dieser Meiner Ordre sollen, um den Prüflingen Zeit zu gewähren, erst vom Frühjahr nächsten Jahres ab in Kraft

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