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12.11.1899 Erstes Blatt
 
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nt. 267 Erstes Blatt.Sonntag den 12. November 1899

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Bei Poftbezutz 2 Mark 50 P?»

UrtMfltyreU vier'.rljädrNi- 2 Mark 20 Pt-

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Ale &n)äflen»Benmttta*f«B<* in Cif 3n> und Änflr.^f nehmen Anzeigen für H» ^ietzeva Anzeiger eettzas«

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WfchewVch eietmel

Mgcfeft

Aint». und Anjeig«i>z«tt für den Arei» Gietzen.

»cbettien, tpelitien und Druckerei: Sr. 1.

Virtuosin auf der Harfe. Die Kaiserin von Japan spielt die nationale Zither, den sogen. Koto, mit großer Fertigkeit. Für Schmucksachen interessieren sich, ebenso wie andere Frauen, auch alle Fürstinnen, aber in ganz verschiedener Weise. Kaiserin Friedrich liebt die Perlen, die Kaiserin- Wittwe von Rußland die Türkisen, die Kaiserin von Oester­reich bevorzugte Opale und Smaragden. Prinzessin von Wales hat eine Vorliebe für echte Spitzen, und ihre Sarnm» lung, die mehrere Millionen wert ist, soll zu den voll­kommensten gehören, die existieren. Auch die Exkönigin Isa­bella von Spanien sammelt eifrig Spitzen; sie nennt einen hauchzarten Shawl ihr eigen, der einen Wert von 80000 Mk. repräsentieren soll. Königin Viktoria sammelt indische Shawls kostbarer Art und beschenkt aus dieser Sammlung die zahlreichen Enkelinnen des Hauses, wenn sie Hochzeit machen. Auch der verschiedenen Sports, hauptsächlich aber der edlen Radlerei, muß Erwähnung gethan werden, wenn man von den Liebhabereien fürstlicher Damen spricht. Es dürfte kaum noch ein regierendes Fürstengeschlecht in Europa geben, dessen Mitglieder nicht den Radsport pflegen. Eine sehr bescheidene Liebhaberei hat die Präsidentin der Ver­einigten Staaten, Frau Mac Kinley. Sie schreibt nur auf rosa Briefpapier mit silbernem Schnitt xnb schiebt ihre Korrespondenz lieber auf, als daß sie einen anderen Brief­bogen benutzt, wenn je einmal ihr Vorrat davon ausgeht. Natürlich kommt das fast nie vor, denn ihre dienstbare» Geister sind gut geschult.

* Wie Shakespeare übet England im TrauSvaalkriege dachte. Daß Shakespeare mit seinem prophetisch-dichterischen Geiste in sehr vielen Dingen seiner Zeit voraus eilte und Wahr­heiten verkündete, die erst Jahrhunderte später zur allge­meineren Erkenntnis tarnen, ist eine längst bekannte That-

Gratisbeilage«: Gießener Fsmiliendiätter, Zer hesfihhe Landwirt, Möller für keMsche VMskunde._______________

treffe für Depeschen: Zn-eiger -Ktz«, Fernsprecher Ne. 51

* Vom Kriegsschauplatz.

Die ersten Abteilungen des englischen Ersatz- k o r p s beginnen auf dem Kr i egs s ch aup la tz e einzutreffen. Man meldet uns:

London. S. November. Der Dampfer »RoSlin Castle" ist in C a p ft a d t mit 2 Bataillonen In­fante r i e und einer Abteilung Offiziere eingetroffen.

Ueber Sir Redvers Bullers Kriegsplan verlautet na­türlich nichts, doch dürfte er zuriTchst Anstalten treffen, um mit Hilfe der ersten eintreffenden Verstärkungen dem weiteren Vordringen der Buren in der Richtung nach Durban an der Küste Einhalt zu thun. Es giebt militärische Sachver­ständige, die auf Grund der schlimmen Erfahrungen mit Zersplitterung der Streitkräfte im letzten Transvaalkriege die vollständige Ansammlung der Truppen vor Ergreifung der Offensive empfehlen. In diesem Falle würde man aber selbst im günstigsten Falle bis gegen Ende Dezember zu warten haben, was natürlich die Garnison von Lady­smith verloren geben hieße. Viel wahrscheinlicher ist, daß Buller, sobald er über genügende Streitkräfte verfügt, Ladysmith zu entsetzen suchen wird, eine Aufgabe, die aber nicht leicht sein wird, selbst wenn die Buren seinem Vorgehen keine anderen Hindernisse in de» Weg zu legen vermöchten, als die Zerstörung der Brücken über die jetzt ungemein reißenden Ströme.

In einem nahe bevorstehenden Kabinettsrat soll die Frage der Mobilisierung eines oder zweier weiterer Armeekorps, von welcher wir schon berichtet haben in Erwägung gezogen werden, Wenn nun gemeldet worden ist, daß vom 2. Armeekorps, deffen Mobilisierung bevorstehe, die 1. Division sogleich nach Südafrika und die drei anderen Divisionen in das Lager von Aldershot ge­schickt werden sollen, so kann das wohl nur die Bedeutung haben, daß die vorhandenen ausgebildeten Mannschaften noch für eine Division ausreichen werden, daß aber für die anderen drei Divisionen erst Rekruten angeworben werden müssen und diese in Aldershot ihre erste militärische Aus­bildung erhalten sollen, bevor sie auf den Kriegsschauplatz nachgesandt werden. Rechnet man auch nur sechs Wochen auf die oberflächliche Ausbildung und drei Wochen zur

Gesunde«: 1 gold. Broche, 1 silb. Ring, 1 Perlen- kettchen, 1 Medaillon, 1 Taschenmeffer, 1 Gabel, 1 Regen­schirm, 1 Damenumhang, 1 Kinderhut, 1 Halsbinde und 1 weißes Tuch.

Gießen, den 11. November 1899.

Großherzogliches Polizeiamt Gieße».

I. V.: Roth.

Ueberfahrt, so dürfte Mitte Januar 1900 herankommen, ehe diese neuen Verstärkungen auf dem Kriegsschauplätze eintreffen können. Wird die Niederwerfung der Buren mit den jetzt vorhandenen Streitkräften nicht erreicht, so wird man sich also auf eine recht langwierige Kriegführung ge­faßt machen müssen. Die tatsächlichen Meldungen vom Kriegsschauplatz sind heute gleich Null. Wie haben nur die folgende zu verzeichnen:

London, 9. November. Wie daS »Reuter'sche Bureau" aut E st c o u r t unterm 6. d. M. berichtet, ist nach einer dort eingetrosienen zuverlässigen Nachricht Colenso im Besitze der Buren (Das wußte man längst. D. Red.) Wie amtlich berichtet wird, sollen dre an Bord des bei den Kap Verdischen Inseln von einer H av ar ie betroffenen Transportschiffes .Persia befindlichen Truppen auf den am 14. d. M. in Southampton abgehenden Dampf« Goth" gebracht werden. , . . .

Daß die amtlichen Berichte über dieSiege" der Engländer bei Ladysmith die öffentliche Meinung in London sehr ernüchtern würden, war vorauszusehen. Auch die anS der Umgebung von Ladysmith nach Pietermaritzburg kommenden Flüchtlinge, die man euphemistischEilboten" nennt, tragen erheblich dazu bei. Allem Anschein nach sind die Tage von Ladysmith gezählt. Eine Londoner Depesche des Pariser Temps" will wissen, General White habe alle f eine Munitio n erschöpft. In London gehe das Gerücht, GeneralFrench habe sich nachKapstadt begeben, um dem General Buller die Bedingungen der Kapitulation vorzulegen, oder um von ihm die Ge­nehmigung zu einem verzweifelten Ausfälle aus Ladysmith zu erhalten. Die Nachricht bedarf aber noch der Bestätigung. Höchst auffallend ist die folgende Meldung des offiziösen Reuter'schen Bureaus":

Kapstadt, 6. November. Die Meinung ist unzweifel­haft vorherrschend, datz die Bewunderung, welche durch den Mut der Buren bei den letzten Kämpfen hervorgernfen wurde, eine vortreffliche Vorbedeutung für eine künftige friedliche Beilegung bildet. Die gefangenen Buren find jetzt an Bord des Kriegsschiffes »Penelope" in TimonStow« gut untergebracht, es ist ihnen gestattet, besuche zu em­pfangen. Sie drücken alle ihre Dankbarkeit für die freund­liche Behandlung aus und zollen der Leistungsfähigkeit der britischen Artillerie hohe Anerkennung.

Wie außerordentlich liebenswürdig und friede­bedürftig die englischen Offiziösen auf einmal werden! Eine solche Sprache iu dem Augenblick, wo die ersten Verstärkungen am Cap gelandet sind! Ein nicht mißzuverstehender Wink für die Buren, die Büchse wieder an die Wand zu hängen in der sicheren Voraussicht günstigster Friedensbedingungen, jetzt, wo ein neues Armeekorps in England ausgerüstet wird! Man muß doch in London, denn von dort ist die Kapstadt-Depesche zweifellos bestellt

Feuilleton.

Liebhabereien fürstlicher Samen. Jeder Mensch hat wohl irgend eine besondere Liebhaberei, und ganze Industrien, die der Sammellust der Liebhaber dienstbar sind, beruhen darauf. Auch jene beneidenswerten Sterblichen, die auf den Höhen der Menschheit wandeln, haben ihreStecken­pferde", und zwar sind es nicht zum wenigsten die Damen, die irgend ein Steckenpferd hätscheln und pflegen. Königin Margherita von Italien hat, so wird geschrieben, eine recht merkwürdige Liebhaberei. Sie ist seit vielen Jahren eine Sammlerin von Schuhen und Handschuhen berühmter Frauen und besitzt Schuhe von Maria Stuart, von Marie Antot- xette, der Kaiserin Josephine, der Königin Anna von Eng­land, der Kaiserin Katharina III. von Rußland und anderen. Es giebt auch leidenschaftliche Raucherinnen unter den Fürstinnen. Die verstorbene Kaiserin von Oesterreich zum Beispiel rauchte täglich 30 bis 40 türkische Cigaretten. Auch die Kaiserin-Witwe von Rußland raucht, ebenso die Königinnen von Rumänien und Italien. Erzherzogin Mathilde, die Tochter des verstorbenen Generalissimus der österreichischen Armee, wurde sogar ein Opfer des Ruuchens. Sie rauchte im Geheimen in ihren Zimmern und wurde von ihrem Vater dabei Überrascht. In ihrer Angst steckte sie die brennende Cigarette in die Tasche ihres Mousselinkletdes. Dieses fing Feuer und die erst sechzehnjährige Erzherzogin erlitt derartige Brandwunden, daß sie nach einigen Stunden verstarb. Zu den besonderen Liebhabereien der Fürstinnen gehört die Musik. Die Königin von England, sowie chre Tochter, die Marquise von Lome, und ihre Schwiegertochter, Prinzessin von Wales, spulen Piano «nd Orgel. Königin Elisabeth von Rumänien ist sogar

fache. Es können aber aus verschiedenen seiner Dramen sogar Aussprüche vorgeführt werden, die seinen Standpunkt in dem jetzigen englischafrikanischen Kriege kennzeichnen. Wir geben die von derTügl. Rundschau" zusammen- gestellten Aussprüche hier wieder, wie sie sowohl für England gelten wie auch für das tapfere Burenvolk

Für England.

Fülle Deinen Beutel mit Geld.

(Jago.)

So wissen wir, wie gewitzigt helles Volk, Mit Krümmungen und, listigem Probieren Durch einen Umweg auf den Weg zu kommen.

(Polonius.)

Woll'n wir mit Gründen der Vernunft hier rede«, So schließt die Thor' und schlaft.

(Troilus und Cressida.)

Die Niederlage hier schreit Mord.

(Hamlet.)

Auf Euer Haupt

Komm' nun der Waisen Schrei, der Witwen Thränen, Der Toten Blut, verlaff'ner Mädchen Klagen

Um Gatten, Väter und um Anverlobte, Die diese Zwistigkeit verschlingen wird.

(Heinrich V.)

Nie färbte nackte, faule Politik

Das, was sie schaffte, mit so herben Wunden.

(Heinrich IV.)

Die armen Englischen,

Die Opfer sitzen sie beim wachen Feuer, Erwägend still die morgende Gefahr.

(Heinrich V.)

Amtlicher Teil.

Gießen, den 7. November 1899.

Setr.: Ausführung des Jnvalidenversicherungsgesetzes vom

13. Juli 1899, hier: Wahl der Vertreter der Arbeit­geber und der Versicherten bei den unteren Ver­waltungsbehörden.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen en die Großh. Bürgermeistereien der Land- gemeinden des Kreises.

Sie wollen uns binnen längstens drei Tagen tnf Grund der Heberegister der in Ihren Gemeinden be­stehenden örtlichen Jnvaliditäts- und Altersversicherungs­stellen die Zahl der bei diesen Stellen z. Zt. gegen In­validität und Alter Versicherten angeben, abzüglich derjenigen Personen, die einer eingeschriebenen Hilfskaffe, welche die im § 75 des Krankenversicherungsgesetzes vor­gesehene Bescheinigung besitzt, angehören. (Solche Kassen sind in Garbenteich, Rödgen, Watzenborn und Wieseck vor­handen.)

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Betr.: Maul- und Klauenseuche.

Wegen der im Kreise Gießen und den Nachbarkreisen herrschenden Maul und Klauenseuche müffen wir die folgenden Viehmärkte abermals verbieten:

zu Gießen, 14. November 1899,

Alleudors a. d. Lda., 15. November 1899,

n Grünberg, 16. November 1899.

Gießen, 28. und 29. November 1899.

Gießen, den 10. November 1899.

Großh. Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Betr.: Viehmarkt zu Alsfeld.

Wegen Auftretens der Maul- und Klauenseuche in »Sherer Umgebung von Alsfeld haben wir den für den 15. ds. Mts. daselbst vorgesehenen Viehmarkt verboten.

Alsfeld, den 7. November 1899.

Großherzogliches Kreisamt Alsfeld.

Dr. Melior.