Ausgabe 
12.10.1899 Erstes Blatt
 
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des Ausschusses. 7. Etwaige Anträge der Mitglieder. 8. Vortrag des Herrn Lehrer Jung aus Darmstadt:liebet Schutzfärbung im Tierreich." Ein bedauerlicher Unglücksfall hat sich heute früh am Bahnübergang an der Frankfurterstraße ereignet. Der in der Oelfabrik be- Ichäftigte Arbeiter Ioh. Ruhland wollte gerade die Strecke überschreiten, als der um 6 Uhr 48 Minuten hier einlaufende Schnellzug Mainz-Darmstadt heranbrauste und den Mann anfuhr. Er erlitt einen doppelten Armbruch und einen Bruch des Nasenbeines. Als man den Verunglückten nach Hause brachte, klagte er auch über Schmerzen in der Rippengegend. Die Barriere war recht­zeitig geschlossen worden und soll R., der noch eilig auf die andere Seite wollte, dieselbe eigenmächtig geöffnet haben.

Mainz, 10. Oktober. Ein peinliches Vor­kommnis bildet gegenwärtig hier das Tagesgespräch. Vor kurzem hat sich nämlich eine in Wiesbaden zur Kur weilende Deutsch Russin aus dem Fenster gestürzt und zwar soll das Motiv zu dem Selbstmord auf ein Vorkommnis zurückzu­führen sein, das sich hier in Mainz abgespielt hat. Bei der Besichtigung der hiesigen Sehenswürdigkeiten soll die Dame in sehr brüsker Weise von einem Schutzmann um ihre Legitimationspapiere angegangen sein und als sie solche nicht vorzeigen konnte, auf das Polizeiamt gebracht worden sein, von wo die Dame nach kurzer Zeit wieder entlassen wurde. Der Vorfall hat die Dame sehr aufgeregt und soll die Ursache der Selbstentleibung gewesen sein. Da das Vorkommnis die Runde durch die Presse macht, ist sowohl seitens der Staatsanwaltschaft wie seitens der Bürgermeisterei eine Untersuchung eingeleitet worden.

** Von hessischen Behörden werden steckbrieflich ver­folgt» Schlosser Adam Bauch aus Urberach und Mechaniker Ferdinand Koch aus Stuttgart, beide wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amts­gericht Offenbach; Dienstknecht Ernst Naujocks aus Usenborn wegen Körperverletzung von Großh. Staatsanwaltschaft Gießen; Dienstknecht Karl Röhrig aus Vadenrod wegen widernatürlicher Unzucht und Haus­diener Heinrich Schwarz aus Frankfurt a M. wegen Betrugs, beide von Gioßh Staatsanwaltschaft Gießen; Backsteinarbeiter Bernhard Wißner aus Breslau wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Dorsch; Koch Fritz Füller aus Wiesbaden wegen Diebstahls von der Polizeiverwaltung WormS; Hausbursche Friedrich Rebel aus Eckenheim wegen Betrugs vom Großh. Amtsanwalt zu Worms; Eduard Raven aus Jarmouth in England, zuletzt in Alsbach a. d. B., wegen Straf­vollstreckung vom Großh. Amtsgericht Zwingenberg; Kesselschmied Eber­hard Willfarth aus Laineck wegen Betrugs, Heizer Andreas Heinrich Johann D re eßen aus Appeldün in Holland wegen Bedrohung und Bäcker Georg Döllinger auS Stein wegen Betrugs, letztere sämtlich vom Großh. Amtsanwalt zu Mainz.

Fulda, 10. Oktober. Am vergangenen Samstag fand die offizielle Feier des Einzugs des Feldartillerie-Regi­ments Nr. 47 in seine neue GarnisonSstadt Fulda statt. Von 4 bis 7 Uhr nachmittags vereinigte ein Festmahl zu genau hundert Gedecken das Offizierkorps mit Beamten und Bürgern von Fulda im dekorierten Saale des Bürgerver­eins. Herr Oberbürgermeister vr. Antoni brachte den ersten Trinkspruch auf den Kaiser aus. Kaufmann Reinhardt auf das Offizierkorps, der Regiments Kommandeur Herr Oberst­leutnant von Wasmer dankte für all die Ehrungen, die dem Regiment angethan wurden beim Einzuge in seine neue Garnison, und brachte ein Hoch auf die Bürgerschaft von Fulda aus. Fabrikant Richard Schmitt leerte sein Glas auf das Wohl der Offiziersfrauen und Herr Baumeister Wegner gedachte der Stadtväter und ihrer Bewilligungen für die Kaserne. Den Unteroffizieren und Mannschaften war auf Kosten der Stadt im Giesel'schen Saale ein Festschmaus veranstaltet worden. Auf eine Ansprache unseres Ober­bürgermeisters dankte der älteste Wachtmeister mit einem Hoch auf das gastfreundliche Fulda. Abends hatte sich der Bürgervereinssaal wieder gefüllt zum Festkommers, an dem alle Offiziere, viele Beamte und Bürger teilnahmen. An Trinksprüchen fehlte es nicht. Bis in den Morgen hinein wechselten Gesang- und Musikstücke mit allgemeinen Chor­liedern.

Marburg, 10. Oktober. Die von den vier Obstbau­vereinen Marburg, Kirchhain, Frankenberg und Ziegenhain beschlossene, von dem hiesigen Gartenbauverein im Saalbau arrangierte Obstausstellung wurde am Samstagmorgen um 9 Uhr durch den Vorsitzenden des letzteren Vereins, Herrn Direktor Dr. Hesse mit einer Ansprache eröffnet. Als Vertreter des Obstbauvereins für den Regierungsbezirk Cassel waren die Herren Obstbautechniker Huber und Stadt- gärtner Eubell aus Cassel erschienen. Seitens der Land­wirtschaftskammer, des Casseler Obstbauvereins, der Kreis­ausschüsse wie auch von vielen Privaten sind prächtige Ehrenpreise gestiftet. Im ganzen haben ca. 70 Obstzüchter ca. 2000 Obstkollektionen ausgestellt.

Treysa, 10. Oktober. Gestern fanden Vorübergehende an der Treysaer Straße zwischen Gilserberg und Sachsenhausen eine Dienstmagd hilflos und stöhnend am Wege liegen; sie war an derselben Stelle niedergekommen. Auf Veranlassung des Gensdarmen zu Gilserberg wurde die Bedauernswerte in das nächste Dorf gefahren und dort in Pflege gegeben.

Fritzlar, 10. Oktober. DieWild. Zeitung" schreibt: Die früher gemeldete Annahme, daß die hier noch garni« sonierende 2. Abt. des Hessischen Artillerie Regiments Nr. 47 das M u s i k ch o r auch fernerhin behalten werde, scheint nach soeben eingegangenen neueren Bestimmungen sich nicht zu erfüllen. Herr Kapellmeister Gerl ach bisher bei dem 5. Dragoner-Regiment in Hofgeismar ist bekanntlich als Dirigent des MusikchorS des 47. Artillerie-Regiments zu Fulda designiert. Bon feiner Antrittsmeldung in Fulda zurückreisend, sprach Herr Gerlach, heute hier weilend, vor und avisierte die alsbaldige Ueberführung des Musikchores von Fritzlar nach Fulda, da selbige vom Reg,ment aus gewünscht wird. Ob sich dieser Umzug so rasch bewerkstelligen läßt, bleibt abzuwarten. Sicher aber ist, daß manche Kirchweihmusik um Fritzlar in diesem 3?hr nicht mehr von den Mitgliedern der Artillerie-Kapelle wird ausgeführt werden können.

Gerichtssaal.

Berlin, den 10. Oktober 1899.

Prozeh gegen den Klub der Harmlosen.

In der heutigen Sitzung sagte Graf KönigSmarck auf Verlangen der Verteidigung aus, daß Herr von Manteuffel von ihm genaue Aus­kunft über die Vorgänge im Klub verlangte und daß er ihm gesagt habe, er hätte von oben den Auftrag, möglichst scharf und schroff gegen den Klub der Harmlosen vorzugehen. Er teilte dem Zeugen auch mit, daß in demselben falsch gespielt worden sei. Auf eine weitere Frage seitens der Verteidigung erklärt der Zeuge, daß er von Herrn von Manteuffel die Verteidigungsschrift zur Einsicht erhalten habe. Hierüber kommt es zu einer lebhaften Auseinandersetzung zwischen Verteidigung und Staats­anwaltschaft, in der erstere letztere beschuldigt, in unzulässiger Weise Herrn von Manteuffel die Verteidigungsschrift ausgefolgt zu haben, während die Staatsanwaltschaft ihrerseits der Verteidigung vorwtrft, die Anklageschrift gedruckt und den Zeugen zu ihrer Information zuge­stellt zu haben.

Sodann werden verschiedene Portiers und Kellner aus den Spiel­lokalen vernommen, in welchen die drei Angeklagten verkehrt haben. Bemerkenswert ist hierbei die Feststellung, daß thatsächlich im Victoria- Hotel eine sog. Kartenhöhle im Klosetraum entdeckt wurde und daß in- folgedesse offenbar auf Veranlassung der Kriminalpartei der Wirt das Spielen inhibierte. An diesem Abend hatte Herr von Schrader eine große Seeschlange gemacht. Damals mar auch das Gerücht verbreitet, Kaiser Wilhelm habe die Schließung des Klubs angeordnet, und ver- schiedenen Spielern den Abschied erteilt. Der Zeuge Rentier Goldberg, in dessen Hause in der Friedrich Wilhelmstraße der Angeklagte v. Kröcher eine Wohnung inne hatte, bekundet, daß Kröcher sehr elegant eingerichtet war und daß er denselben für einen sehr reichen Mann gehalten habe. Zeuge Ebstein, welcher Herrn von Kröcher die Möbel-Ausstattung ge­liefert hat, bekundet, daß dieselbe nicht ausfallend elegant war. Zeuge Festner giebt dem Angeklagten von Kayser das Zeugnis eines sehr spar­samen und ordnungsliebenden Mannes. Zeuge Karcher, Pächter des Minerva-Hotel, hat an den Klub drei Säle für den Preis von 600 Mk. monatlich vermietet, den Vertrag aber aufgehoben, als er erfuhr, daß die Herren lauter Spieler seien. Zeuge von Zachewsky hat vielfach in den Spielerkreisen verkehrt und im ganzen 10,000 bis 12,000 Mk. ver­loren. Gegen die drei Angeklagt.n hatte er kein Mißtrauen, ebenso­wenig gegen Wolff. Es wird alsdann die Geliebte des Angeklagten Kayser, Frieda Vogt vernommen. Dieselbe erzählt, daß sie in der Lüne­burgerstraße einen gemeinsamen Haushalt geführt habe. Sie habe ihre Auslagen selbst bestritten, da sie ein Vermögen von ca. 13,000 Mk. be­sessen habe. Herr von Kayser habe stets einfach und sparsam gewirt­schaftet. Zeuge von Puttkamer sagt aus, er habe in der Weinhandlung von Knoop verschiedene Herren spielen sehen. Herr von Kröcher habe keinen auffallenden Gewinn gemacht. Einmal sei ihm erzählt worden, daß Herr von Kröcher dem verstorbenen Erbprinzen von Sachsen-Koburg- Gotha in einer Nacht eine Million abgewonnen habe. Die Sache sei ihm unglaublich erschienen. Der Oberstaatsanwalt nimmt das Wort zu einer Erklärung, wonach ihm von authentischer Seite mitgeteilt worden sei, daß dieses Gerücht lediglich eine Klatschgeschichte sei. Herr v. Kröcher habe von dem verstorbenen Erbprinzen nur einige tausend Mark ge­wonnen. Nach einer weiteren Aussage des Zeugen Grafen Pocci wird die Sitzung auf morgen vertagt.

Darmstadt, 10. Oktober. Der Verhandlungstagdesgroben Preßbeleidigungs-Prozesses gegenFrankfurter Zeitung", Mainzer Journal" undMainzer Neueste Nachrichten", der 12. d. Mts., rückt immer näher heran und der Hauptangeklagte, Redak­teur Giesen von Frankfurt a. Mk., scheint sich über den Ernst der Situation klar geworden zu sein. Nachdem er durch seine Ende voriger Woche gestellten eingehenden Beweisanträge die Ladung einiger Dutzend Zeugen (es sollen an 40 sein), größtenteils Beamte, zur Verhandlung veranlaßt, beantragte er nun in zwölfter Stunde Vertagung, da ihm sein Gesundheitszustand zur Zeit die Teilnahme an einer aufregenden Gerichtssitzung nicht gestatte. Dieses Gesuch wurde abgelehnt, und es muß nun abgewartet werden, ob eine Hinausschiebung der Sache eintritt. Jedenfalls verspricht die Sitzung, für welche der große Schmurgerichts- saal des Justizgebäudes benutzt werden wird, einen großen Umfang an­zunehmen. Mit Spannung sieht man der Entscheidung der Negierung darüber entgegen, ob die als Zeugen benannten Beamten von ihrer Pflicht zur Amtsverschwiegenheit entbunden werden. Bezüglich der der- maligen oder früheren Mitglieder des Ministeriums steht diese Ent scheidung dem Großherzog, bezüglich der anderen Beamten dem Ministerium zu. Durch eine Versagung der Zeugnisablage in dieser Richtung könnte vielleicht einer sensationellen, durch die Sach« und Rechtslage durchaus nicht gebotenen Aufbauschung des Falles am besten gesteuert werden, was auch im Interesse endlicher Beruhigung wünschenswert sein dürfte.

3Hain3, 9. Oktober. Strafkammersitzung. Die 30jährige Erzieherin Valerie Maria Margareta Elisabet Westphal auL Kau- kehmen (Ostpreußen) hatte sich in der letzten Zeit in Frankfurt, Wies­baden, Mainz, Rüdesheim, Biebrich und Bingen unter dem Namen einer Freifrau v. Pricken, als Rittergutsbesitzerin und als Tochter eines Rittergutsbesitzers in Hotels und bei Privatleuten einlogiert und Be­trügereien verübt. In Bingen schlug endlich ihre Stunde. Dort hatte sie sich in verschiedenen Geschäften Kleidungsgegenstände erschwindelt, was zu ihrer Verhaftung führte. Dem Polizeikommissar gab sic einen falschen Namen an und es hielt äußerst schwer, das Dunkel über ihre Herkunft zu lüften. Sie stammt, nach einem Bericht desM. A ", aus anständiger Familie, ist mit einer viermonatlichen Strafe in Breslau vorbestraft, auch in Wiesbaden hat sie eine Strafe verbüßt. Sie leugnet trotzdem, Strafen erhalten zu haben. Sie will das Lehrerinnen-Examen bestanden haben, obwohl ihr diese Lüge nachgewiesen wuroe. In Ru­mänien stand die Angeklagte einige Zeit in der Familie eines Prinzen in Stellung, wurde aber dort wegen verschiedener Schwindeleien ent- laffen. Im März war die Anacklagte einige Zeit im Irrenhaus, wurde aber bald als völlig geheilt entlassen. Das Gericht verurteilte sie zu IVi Jchren Gefängnis und 2 Wochen Haft.

Würzburg, 10. Oktober. Weil der Geistliche den 20jährigen Maurer Friedrich Memme l in Nüdlingen im Beichtstuhl nicht absol­vierte, trank sich Memmel einen Rausch an und stach am 16. April am Hellen Tage den verheirateten Bauer Holzheiner in Münnerstadt ohn e Anlaß tot. Das Schwurgericht verurteilte den Mörder zu 10 Jahren Zuchthaus.

Theater.

Bom »ZirkuS Hülsen" jun. Der Intendant des Wies­badener Hoftheaters, Herr v. Hülsen, hat bekanntlich demRhein. Kurier" als Entgelt für die ungünstige Besprechung einer Opernauf- führung die Berichterstatterkarten für die Vorstellungen des Hoftheaters entzogen Man regte sich über diesen merkwürdigen Streich nicht beson­ders auf, obwohl diese Nachahmung einer Kampfweise, die sich hin und wieder einmal bei dem Direktor eines kleinen Provinztheaters findet, immerhin befremden mußte. Neuerdings tritt aber die Angelegenheit in ein anderes Stadium Man findet nämlich in Wiesbadener Blättern folgende öffentliche Erklärung:Die Intendanz der königlichen Schau­spiele in Wiesbaden hat gleichzeitig mit der Maßregelung des Rhein. Kuriers einen Anschlag am schwarzen Brette des königlichen Theaters veröffentlicht, in welchem als Grund des Boykotts meine Besprechung der letzten Aufführung vonFigaros Hochzeit" genannt wird. In dem­selben Erlasse soll diese wie meine gesamte kritische Thätigkeit und Fähigkeit aufs Schärfste verurteilt werden. Meine sofort eingeleiteten Schritte, mir von Herrn v Hülsen eine Kopie dieses Schriftstückes be­hufs Klarlegung der ganzen Angelegenheit zu verschaffen, sind erfolglos geblieben. Das Stadtgespräch, auf welches ich mich somit allein ange­wiesen sehe, weiß Wunderdinge von dem Wortlaute dieses Plakates zu erzählen, das sich gegen den ^-Berichterstatter,dem Vernehmen nach" einen gewissen Tonkünstler Edmund Uhl, richtet und dessen ganz inkom­petente Besprechungen künftighin für das Publikum und die gebildeten Mitglieder des königlichen Theaterstiefer hängen sollen".Ganz be­sondere Vorsicht sei deshalb auch denjenigen Künstlern anzuraten, die von den betreffenden Kritikern mit Lob bedacht wurden" u. s. w. Ich beschränke mich auf die Mitteilung dieser mir zu Ohren gekommenen

Bruchstücke und überlasse es dem Publikum, sich selbst ein Urteil über diese Kampfesweise zu bilden. Wiesbaden, den 3o. September 1899. Edmund Uhl, Musikrefercnt deS Rhein Kuriers." Mit derartige» Mitteln also sucht, die Richtigkeit der angeführten Stelle vorausgesetzt, die Leitung der königlichen Bühne zu Wiesbaden einen Kritiker mund­tot zu machen, der nach dem Urteile der öffentlichen Meinung stets offen für seine künstlerische Ueberzeugung eingetrcten ist. Das Wiesbadener Hoftheater ist aber auch sonst noch bemüht, die Gemüter durch absonder­liche Kunstanschauungen in Atem zu halten. Musikzeitungen enthalten z. B. nachstehende merkwürdige AnzeigenAn dem hiesigen königlichen Theater ist die Stelle eines zweiten Bühnendirigenten (Kapellmeister- Volontärs) ohne Gehalt (!) sofort zu besetzen. Es gibt diese Stellung Gelegenheit, sich Routine und Sicherheit im Dirigieren unter entsprechen­der Oberleitung anzueignen. Qualifizierte Bewerber wollen ihre Gesuche unter Beifügung ihrer Atteste und des künstlerischen Lebenslaufs an die unterzeichnete Intendantur einreichen." Bei der selbstbewußten Zuver­sicht, mit welcher die königliche Intendantur von der Einrichtung deS Kapellmeister-Volontärs" spricht, muß man freilich beinahe annehmen, daß innerhalb der deutschen Opernwelt dieser unentgeltlich amtierende Dirigent thatsächlich existiert. Ob die seitens der königlichen Intendantur gebotene Gelegenheit, sich Routine zu erwerben, als eine entsprechende Gegenleistung betrachtet werden kann, wollen wir getrost dem Urteil intressierter Kreise überlassen; merkwürdig erscheint nur, daß die Wies« badener Intendantur nicht gleich noch weiter geht und sich von dem kapellmeisterlichen Abcschützen Lehr- und Schulgeld zahlen läßt. Das wäre folgerichtig gehandelt.

Kunst und Wissenschaft.

Das Expeditionsschiff der deutschen Südpolar« Expedition. Die in Aussicht genommene deutsche Expedition in das antarkttfche Eismeer ist nunmehr soweit gefichert, daß einer Anzahl von Schiffswerften die Bedingungen für Bau und Aus­rüstung des Schiffes übermittelt wurden. Der Termin zur Fertig­stellung desselben ist auf den 1. Mat 1901 festgesetzt, falls der Bau nicht früher fertig wird. DaS Fahrzeug soll ein hölzernes Segel­schiff, jedoch mir Schrauber maschine und Dampfkessel sein. Um den Eispressungen Widerstand zu leisten, muß eS außergewöhnlich stark, see- und segellüchttg sein und Raum für eine Besatzung von 30 biS 32 Personen, sowie sür die bet einer Reisedauer von etwa drei Jahren erforderlichen Vorräte bieten. Ferner soll das Schiff elrk- trtsche Beleuchtung, Dampfheizung und einen Desttlltrapparat, der täglich 600 Liter Trtnkwasser liefern kann, erhalten. Außerdem nimmt es eine Windmühle, ein in seine Teile zerlegtes Stations- Haus, vier kleine Observatortumsräume und einen Freiballon an Bord. Schraube und Räder müssen leicht aus dem Wasser gehoben werden können. Die Geschwindigkeit deS Schiffes ist aus sieben Knoten bestimmt, und der Tiefgang darf bet einer Länge von 47 Meter zwischen den Perpendikeln und voller Ausrüstung 4 Meter 8 Zentimeter nicht übersteigen. Im Innern müssen sich behag­liche Wohnräume für die Mitglieder der Expedition befinden. Außer dem Führer wird die Expedition aus fünf wissenschaft­lichen Teilnehmern, dem Kapitän, drei SchiffSoffizieren,, einem Maschinen-Ingenieur, sechs Maschinisten, einem Hetzer, neun Matrosen, einem Steward und einem Koch bestehen, als» 28 Köpfe zählen. Ladung und Ausrüstung werden voraussichtlich ein Gewicht von 733,6 TonS Haden, darunter 120 TonS Piootant, 30 Tons Getränke, 5 TonS Petroleum, 400 TonS Kohlen, 5 TonS Raphta, ein Naphtaboot, endlich 40 Eskimohunde und deren Proviant. Die Takelung wird die eines Dreimast-Marssegel-Schunertz sein, und zwar soll daS Schiff auch ohne Dampfkiast, lediglich unter Segel fahren können. Die Dampfheizung mutz so bemessen sein, daß bet einer äußeren Lufttemperatur von 30 Grad alle Wohnräume auf 4-10 Grad E. erhalten werden. Der Erbauer muß die volle Garantie für Güte der Arbeit, Konstruktion und Leistungsfähigkeit aus ein Jahr übernehmen; verzögerte Ablieferung über den frstgestellten Termin bedingt eine Konventionalstrafe von 100 Mark den Tag und Urberschrettung des Tiefganges um 50 Millimeter eine Strafe von 1000 Mark. Die Ausführung der Bauarbeiten steht unter Aufsicht von Mitgliedern der Baukommission. Die Ablieferung des völlig betriebsfähigen Schiffes muß auf der Werft des Erbauer« oder in Geestemünde, Bremerhafen oder Hamburg erfolgen. Der Bau erfolgt sür Rechnung des Reichsamts des Innern.

Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Arantfurter Börse vom 10. Oktober.

Wechsel auf New-Amt zu 4.21%22',.

Prämien auf Kredit per ult. Oft. 1.70%, do. per ult. Roo. 3.10%, Diskonto Kommandit per ult. Okt. 1.35%, do. per ult. Nov. 2.40%, Lombarden per ult. Oki. 0.50%.

Notierungen: Kredttaktren 226 50, Diskonto Kommandit 190.70191, StaatLbahn 141.10240.50, Gotthard 142.20, Lom­barden 31.90, Ungar. Goldrente 96.80, Italiener 91.7050, 6proz. Mexikaner, 3proz. Mexikaner 2610, Oesterr. Coupons 84%, Amerik. Coupons 4 20, Privat-Diskont 4%%

1% big 2% Uhr: Kredit 226 50-227.10, Diskonto Kom­mandit 190 90-192 20, Staatsbahn 141-140.70-90, Lombarden 31.9032, Bochum 256.60.

Butter, Käse und Eier.

Berlin. Hof- und Genossenschaftsbutter 1. Qualität 112 Mk., 2. Qualität 110 Mk.. do. Abfall 105 Mk. Königsberg i. Pr. 100 bis 108 Mk. für 50 Kilo. Hamburg. Butter 1. Klasse 112.15 Mk., 2. Klasse 120.95 Mk. für 50 Kilo netto, reine Tara. Nordhausen. Landbutter 2.20 Mk., Speisebutter 2.80 bis 2.40 Mk., feinste Gutsbutter 2.60 bis 2.80 Mk. für 1 Kilo. Eier 3.80 bis 4.40 Mk. für 60 Stück, 1,27 bis 1.34 Mk. für 1 Kilo. Käse 4 bis 5 Mk. für

60 Stück. Magdeburg. Eßbutter 2.20 bis 2.60 Mk. für 1 Kilo. Eier: für 60 Stück 3 20 bis 4 Mk. Kempten. Süßrahmbutter 98 Mk., Sennbutter 95 Mk. für 50 Kilo im Engros-Einkaus. Käse: Monatskäse, Fabrikat, welches in jungem, unversandtfähigem Zustande von den Sennereien zur Ablieferung kommt. Engros-Einkaufspreise auf den Sennereien des Allgäu per 50 Kilo: Limburger feinste prima voll­fett 38 bis 40 Mk., Limburger feinste prima 32 Mk., Limburger prima 30 bis 31 Mk., Limburger sekunda 28 Mk., Ramadour, feinste prima 36 bis 36 Mk., Weißlack, vollfett (Bierkäse) 40 bis 40 Mk., Weißlack %fetr (Bierkäsc) 35 Mk.Würzburg. Butter 0.85 bis 0.95 Mk. für % Kilo.

Kohlen.

Es notieren:

t«

225-230 195-200

295-300 335340

220 -225

Ruhr-Fettnuß, Körnung I und II

Nußschmiedekohlen

Deutsche Anthrazit-Nußkohlen

Engl. Anthrazit-Nußkohlen

Ruhr-Flammnuh, Körnung I und II

H in 200-205

F-ttscbrot 185190 JL, Ruhr-Brechkoks 295300 JL, AuSsiebgrieS 160165 Jt, alles per 10 Tonnen ab Mannhetm-LudwigShafen a. Rh. Die Zufuhren von den Zechen werden immer geringer, während bei der vorgerückten Jahreszeit hauptsächlich Hausbrandkohftn stürmisch begehrt sind.

Zahlungseinstellungen.

Konkurseröffnungen: Krämer Adolf Urban, Boofzheim (Benfeld); Kaufmann Wilh. Beermann, Bialla; Uhrmacher Ernst Hoffmann, Falkenburg; Schieferdecker Emil Schlegel, Freiborgsdorf (Freiberg); Gärtner Friede. Friedrichs, Hannover; Kaufmann Karl Diebitsch, Hannover; Kaufmann Otto Hallbaum (Gans & Hullbaum), Hannover; "Witwe C. B. Gerken, Förrien, (Jever); Moses & Rosenberg, Kolberg; Cigarrenfabrikant Joh. Friedr. Wilh. Horn, Lelpzig-Neuaellerhausen; Ledorwarenfabrikant Karl Rich. Rossberg, Lengefeld; Kaufmann Karl Hinrichs, Hüllhorst (Lübbecke): Händlerin Ida Berkenhout (Lda Mock), Lübeck; ächuhwarenhäudler Georg Wilh. Reeg, Mainz.