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Nr. 241 Erstes Blatt.
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Gießener Anzeiger
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Amtlicher Teil.
Bekanntmachung.
Nachdem die Grenzen des für die Nebenbahn Lollar- Londorf nötigen Geländes abgepflöckt sind und mit dem Erwerb des Geländes demnächst begonnen und auch der Bau unmittelbar danach in Angriff genommen wird, empfehlen wir den Besitzern der betreffenden Grundstücke, die zum Bahnbau erforderlichen Geländeteile in diesem Herbst nicht mehr zu bestellen.
Die Abpflöckung ist sorgfältig zu schonen und unterliegen Beschädigungen derselben der gesetzlichen Strafe.
Gießen, den 7. Oktober 1899.
Großh. Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Am Sonntag, 22. d. Mts., nachmittags 31/2Uhr wird Herr Oekonomierat Leithiger aus Alsfeld in Großen-Linden im Keßlerschen Lokal „Zum Löwen" einen Vortrag über Züchtuugsgrundsätze unb Aufzucht des Jungviehs halten, zu dem ich jedermann freundlichst einlade. Die Herren Bürgermeister von Großen-Linden und der umliegenden Orte wollen für Bekanntmachung im Orte sorgen.
Gießen, den 10. Oktober 1899.
Der Direktor des landw. Bezirksvereins, v. Bechtold.
Bekanntmachung.
In den Gemeinden Groß>Altenstaedten, Altenkirchen und Werdorf, Kreis Wetzlar, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und sind die Sperrmaßregeln aufgehoben worden.
Gießen, den 7. Oktober 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
*Der Krieg.
Gießen, 12. Oktober 1899.
Endlich sind die eisernen Würfel gefallen! Noch gestern früh war ein schwacher Hoffnungsschimmer vorhanden, bis auch dieser durch die später in den Mittagsstunden eintreffenden Nachrichten gründlich zerstört wurde. Zur Stunde, da diese Zeilen in den Druck gehen, sind die ersten Schüsse gefallen und die ersten Opfer an Menschenblut gebracht worden. So traurig diese Thatsache an und für sich ist, so ist die Gewißheit doch der bisher herrschenden Ungewißheit über das Kommende vorzuziehen. Auf wessen Seite die Sympathien der Deutschen und mit ihnen der gesamten Kulturwelt stehen, brauchen wir nicht noch einmal zu wiederholen. Auch auf die Ursachen des Krieges und die Winkelzüge der englischen Staatsmänner wollen wir nicht noch einmal eingehen; das ist hinreichend geschehen. Einst hieß es: „Du stolzes England, freue Dich!" Heute möchte man rufen: „Du stolzes England, schäme Dich!"
Das Ultimatum.
Wie wir kurz telegraphisch bereits berichteten, hat die Transvaalregierung sich zu dem Ultimatum an England entschlossen, zu dem sie mindestens schon vor acht Tagen berechtigt, ja dem Land gegenüber verpflichtet war. Möglich, wahrscheinlich sogar, wenn England nicht anderwärts schwere Verwickelungen entstehen, daß der nun unvermeidliche Kampf mit dem Untergang der beiden Burenrepubliken endet. Allein ihr Schicksal war auch beschlossen und besiegelt, wenn sie nicht kämpften — dann erst recht. Den Versuch einer letzten Entscheidung auf dem Felde der Ehre mußten die Buren machen, sie würden sonst ihrer ganzen Vergangenheit untreu werden und aller der Ruhmestitel verlustig gehen, die sie sich in Jahrhunderte langen Kämpfen errungen haben. Die entscheidende Meldung lautet:
London, 10. Oktober. Chamberlain empfing heute eine Depesche von Milner, in der dieser ihm den Empfang einer Depesche des britischen Agenten in Prätoria mitteilt. Diese Depesche des britischen Agenten besagt, daß er von dem Staatssekretär Reitz eine Note erhalten habe, in der die Regierung von Transvaal verlangt: 1) daß alle zwischen England und Transvaal schwebenden streitigen Angelegenheiten durch Schiedsspruch oder auf andere freundschaftliche, zwischen England und Transvaal zu vereinbarende Weise geregelt werden, 2) daß die englischen Truppen sofort von den Grenzen Transvaals zurückgezogen werden, 3) daß ave englischen Verstärkungstruppen, die seit
dem 1. Juni 1899 in Südafrika angekommen find, in einem angemesienen, zwischen England und Transvaal näher zu bestimmenden Zeitraum wieder aus Südafrika zurückgezogen werden, während Transvaal seine, setls sich verpflichtet, sich j den Angriffs auf irgend eine englische Besitzung während der ein- zuleitenden neuen Unterhandlungen zu enthalten. Wird diese Bedingung angenommen, so wird auch die Negierung von Transvaal bereit sein, die bewaffneten Boeren von den Grenzen zurückzuziehen; 4) wird verlangt, daß die englischen Truppen, die auf dem Meere unterwegs find, an keiner Stelle in Südafrika gelandet werden. Die Regierung von Transvaal fordert dringend von der englischen R-gierung eine sofortige zustimmende Antwort bezüglich der obigen vier Punkte, und zwar soll sie ihre Antwort nicht später, als Mittwoch, den 11. Oktober, um 5 Uhr abendS geben. Die Regierung von Transvaal möchte noch hinzmügen, daß sie für den unerwarteten Fall, daß sie innerhalb der festgesetzten Frist keine zufriedenstellende Antwort erhalten sollte, sich zu ihrem großen Bedauern gezwungen sehen wird, die Handlungsweise der englischen Regierung als eine formelle Kriegserklärung anzusehen, und sich für dte wetteren Folgen nicht für verantwortlich halten wird; daß sie ferner auch, falls neue Truppenbe wegungen nach den Grenzen von Transvaal innerhalb der festgesetzten Frist stattfinden sollten, genöthtgt sein wird, diese Truppenbewegungen als eine formelle Kriegserklärung anzusehen
Wie uns aus London telegraphiert wird, erfahren die „Times", die Antwort Großbritanniens auf das Ultimatum der Südafrikanischen Republik werde lediglich das Bedauern darüber ausdrücken, daß Präsident Krüger einen ernsten Schritt gethan habe, und ferner besagen, daß die britische Regierung zur Zeit dem Präsidenten Krüger nichts weiter mitzuteilen habe.
Die englische Presse.
Die heutigen Londoner Morgenblätter bezeichnen das Ultimatum als anmaßend und, sogar.^ls unverschämt, da es Großbritannien diktiere, wieviel Truppen es in seinen eigenen Kolonien haben solle, und die letzte Hoffnung auf Frieden zerstöre.
Die „Times" druckt im Anschluß , an ihre Leitartikel ein Gedicht von Swinburne ab, das mit den Worten beginnt: „Patience long sick to death is dead“ (Die Geduld, lange tot krank, ist tot.) und mit den Worten endet: „Strike England and strike at home“ (Schlage England und schlage gründlich.). Im Leitartikel sagt die „Times", das Ultimatum werde seitens der großen Mehrheit des britischen Volkes mit tiefem Bedauern ausgenommen werden. Bis zum letzten Augenblick habe man an der Hoffnung festgehalten, daß Englands Differenzen mit der Republik ohne Blutvergießen beseitigt werden könnten, und noch am Montage habe der Herzog von Devonshire geäußert, er wolle nicht an einer friedlichen Lösung verzweifeln und gestern abend noch habe Lord James von Hereford seine Rede in Aberdeen in ähnlichem Sinne begonnen. Sowohl dem Tone wie dem Inhalte nach sei das Dokument (das Ultimatum), sagt die „Times", eine studierte und insolente Herausforderung. Den Männern, welche das Dokument aufgesetzt und gebilligt hätten, sei es darauf angekommen, ihren Streit mit England durch das Schwert zu entscheiden und durch das Schwert müsse er nun entschieden werden.
„Daily Graphic" schreibt: „Transvaal hat den Handschuh hingeworfen, um ein System der Rassentrennung und Rassenverfolgung in Südafrika aufrechtzuerhalten. Wir nehmen diese Herausforderung an und Transvaal kann sicher sein, daß wir uns nicht zurückziehen, bis vom Tafelberge bis zum Sambesi jeder weiße Mann nut seinem Nachbar gleichsteht."
Die konservativen Blätter gebrauchen natürlich starke Worte. Die „Morning Post" schreibt: „Krüger hat die Maske abgeworfen, welche seine Fürsprecher in England bisher getäuscht hat.
Der „Standard" bemerkt: „Das Recht sowohl wie die Macht werden auf Seiten der Sieger sein".
„Daily News" meint, man könne nicht mehr sagen, daß die Buren für ihre Unabhängigkeit kämpfen und daß England sie zum Kriege habe zwingen wollen. Krüger habe den Krieg erklärt, weil er den Krieg der in der Note vom 8. September vorgeschlagenen friedlichen Lösung vorzog.
Das „Daily Chroniele" bezeichnet das Ultimatum als höchst unglücklich abgefaßt, doch enthalte es einige Wahrheiten, denen gegenüber kein billig denkender Mann seine Augen verschließen könne.
Nur der radikale „Morning Leader" nimmt direkt gegen die Regierung Stellung, wobei er schreibt: „Rhodes und Chamberlain haben ihren Zweck erreicht. Angetrieben durch Heu chlerische Friedens-Versicherungen, welchen die kolossalen Kriegs- Vorbereitungen in der That widersprachen, hat Transvaal endlich dem britischen Kabinett ein Ultimatum überreicht. Wir hedaueru und wir beklagen sogar diese Handlung, aber wir können nicht behaupten, daß wir sehr darüber überrascht sind. Das Wunder ist eben, daß die Buren, die sich wie Ratten in einer Falle gefangen sahen, nicht vor einigen Tagen schon einen verzweifelten Schlag gegen ihre Gegner führten, deren endgültiger Erfolg nicht zweifelhaft ist."
Der „Morning Leader" drückt am Schluffe die Hoffnung aus, daß, wenn der Kampf vorüber ist, die Nation, welche im Grunde Ungerechtigkeit heißt, alle diejenigen ernstlich zur Rechenschaft zieht, welche vom Kabinett abwärts dazu geholfen haben, daß Englands Ehre mit diesem grausamen und vorsätzlichen Verbrechen befleckt worden ist.
Daß die englische Presse größenteils den Krieg billigen würde, war vorauszusehen. Eindruck wird ihre perfide Heuchelei aber nirgends machen. Jedermann weiß ja, daß die Buren sich in der Notwehr befinden und daß es Selbstmord gewesen wäre, zu warten, bis England fertig
gerüstet dagestanden hätte. Nicht Transvaal hat den Krieg erklärt, sondern England, das mit herausfordernden Noten und mit der Ansammlung von Streitkräften an der Grenze der Republik, noch während die Verhandlungen schwebten, begonnen hat. Darüber giebt es keine Frage. Vor dem Richterstuhle der öffentlichen Meinung der gesamten gesitteten Welt, sowie vor dem Forum der Geschichte steht England als der frivole Friedensbrecher und Vergewaltiger des Völkerrechts, der Bur der südafrikanischen Republiken als der heldenmütige und todesmutige Verteidiger seiner ungerechter Weise angegriffenen Freiheit.
Vom Kriegsschauplatz.
Der Kriegszustand zwischen England und Transvaal beginnt heute nachmittag um 3 Uhr nach englischer Zeit; voraussichtlich werden morgen schon Nachrichten über Ereignisse vorliegen. Die strategische Lage ist bereits früher hier erläutert worden, es erübrigt, kurz zu wiederholen, welchen Verlauf notwendigerweise die ersten bald zu erwartenden Kämpfe nehmen müssen. — An der Westgrenze von Transvaal und dem Oranjestaat lagern die Buren zwischen Boshof und Kimberley, zwischen Bloemhof und Fourteen Streams, zwischen Lichtenburg und Mafeking, überall in der Nähe der englischen, an der Front der Buren entlang laufenden Bahn. Die in den Händen der Engländer befindlichen Stützpunkte und Bahnstationen sind zur Verteidigung eingerichtet. Hier ist bei einem Vorstoß der Buren zu erwarten, daß die Bahn an mehreren Punkten unterbrochen wird und kleinere englische Abteilungen abgefangen werden; ein schneller Erfolg gegen die vorbereiteten und mit Maschinengeschützen versehenen Stellungen der Engländer bei Kimberley, Vryburg, Mafeking ist nicht wahrscheinlich. Es würde nicht überraschen, wenn sich der erste Kampf an der Westküste bei Fourteen Streams abspielen würde, wo die englische Bahn den Vaal überschreitet. Diese Brücke zu zerstören, ist für die Buren ebenso wichtig, wie für die Engländer die Behauptung der Brücke. Aehnliches läßt sich auch über die Oranje-Brücken unweit Hope-Town, die Pontons von Norwal und Bethulil sagen. — An der Südostgrenze steht dem Einrücken der Buren bis über Newcastle hinaus kein Hinternis entgegen; die britischen Vortruppen werden hier unter leichten Rückzugsgefechten auf die Linie Dundee-Glencoe-Biggarsberge zurückweichen müssen, während jedenfalls gleichzeitig Buren und Engländer mit zweifelhaftem Erfolge in der Gegend des van Reenen-Paffes nordwestlich Ladysmith handgemein werden. Diesen Paß in den Händen der Buren zu lassen, wird man englischerseits nicht geneigt sein. — Die Burenheere werden jetzt anschwellen, auf welche Ziffer ist schwer vorauszusehen, jedenfalls sind die Buren jetzt noch an Zahl bedeutend den Engländern überlegen, die heute höchstens 20000 Combattanten zählen. Mit jedem Tage ändert sich das zu gunsten der Engländer.
Aus Mafeking wird der „Köln. Ztg." depeschiert: Die englischen Truppen richten sich in jeder Weise auf einen für heute nacht zu gewärtigenden Angriff ein. Die Mannschaften legen über Nacht die Waffen nicht ab. Die Vorposten sind verstärkt. Alle Truppen haben sich zum Kampf bereit zu halten. Man glaubt, daß die Buren versuchen werden, die Stadt bei Tagesanbruch zu bombardieren. — Der „South African News" ist ein Telegramm aus Prätoria zugegangen, in dem es heißt, General Joubert habe die verschiedenen Lager der Buren angewiesen, sich für den sofortigen Vormarsch bereit zu halten.
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Weitere Meldungen:
Brüssel, 11. Oktober. Dr. Leyds erhielt eine Depesche aus Prätoria, wonach morgen die Buren in Natal eiu- rücken und New-Castle stürmen werden.
London, 11. Oktober. Der Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet aus Ladysmith, die Grenze von Natal stehe den Buren offen. Die gesamte Bevölkerung an der Grenze sei geflüchtet. Die englischen Truppen bereiteten sich auf den Angriff der Buren vor. In Mafeking seien alle Vorbereitungen seitens der Engländer getroffen, um einen Handstreich der Buren zu verhindern. Alle Häuser sind verbarrikadiert. (Vgl. neueste Meld.)
Deutsches Reich.
Berlin, 11. Oktober. Der Kaiser hat während seines Jagdaufenthalts in Schweden den Kronprinzen von Schweden und Norwegen zur Teilnahme an der diesjährigen Hubertusjad im Grünewald eingeladen. Der Kronprinz hat die Einladung angenommen und wird am 1. November in Berlin eintreffen.


