Ausgabe 
12.3.1899 Zweites Blatt
 
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Alle anderen

Kleider hatte er anzulegen vergessen.

Der Giftbrunnen von Gastein. Wir lesen in einer

rein und klar, doch seit Jahrhunderten schonGiftbrunnen

Grund" dieser Giftigkeit sei; man fand durch die chemische

daß ich mich nicht um häusliche Angelegenheiten kümmere. Die Zerstreutheit des berühmten Fabeldichters La Fontaine grenzte fast an Blödsinn. Er hatte einmal mit seinem Sohne, der fern vom Hause erzogen wurde, und den er längere Zeit nicht gesehen hatte, an einem bestimmten Orte ein Stelldichein verabredet Nachdem La Fontaine sich mit seinem Sprößling, den er nicht erkannte, einige Stunden unterhalten hatte, drückte er den Anwesenden seine Freude über das gute Aussehen des fremden jungen Mannes aus. Aber das ist doch Ihr Sohn!" wurde ihm erwidert, worauf der Fabeldichter wie geistesabwesend sagte:So, so! Ja, der ist auch ein netter junger Mann." Auch Sully, der berühmte Minister Heinrichs IV., litt sehr an Zerstreutheit. An einem Spätherbsttage fand er, daß es furchtbar kalt sei, was aber gar nicht der Fall war. Schließlich entdeckte

Wache, die selbst ein Opfer der Explosion geworden ist, ge­laden war. Wenn der Soldat, heißt es, dem das Gewehr gehörte, nicht eine dem Personal des Pulvermagazins fremde Person hätte herumstreichen sehen, so hätte er seine Waffe nicht geladen. DerGaulois" verzeichnet ein Gerücht, wonach die Direktion der Marineartillerie im Augenblick des letzten Kon­flikts mit England eine solche Menge Pulver und Spreng­stoffe in Lagoubran angehäuft habe, daß die einheimischen Arbeitskräfte dafür nicht genügten und fremde zu Hilfe ge­zogen werden mußten. Aus dem Munde dieser Ausländer, vermutlich Italiener, will man Drohungen gehört haben, worauf nun die Vermutung von einem Anschlag gebaut wird. Die Erschütterung war so stark, daß man sie auf 120 Kilometer in der Runde verspürte, anch in Nizza, wo sie in der Fremdenkolvnie große Aufregung verursachte, weil man während des Restes der Nacht auf nähere Stöße desErdbebens" wartete. Im Augenblick der Explosion, zwischen 2 und 3 Uhr morgens, befanden sich der Hafen­präfekt und zahlreiche hervorragende Herren von Toulou noch auf einem Ball, kaum zwei Kilometer von der Un­glücksstätte. Von dort aus eilten Damen in Gesellschafts­toilette nach Lagoubran, um die Verwundeten zu pflegen. Ein Essenbesitzer jener Gegend, der von dem Balle heim­kehrte, war zehn Minuten vor der Explosion an dem Pul­vermagazin vorbeigefahren. Ein anderer Wagen mit zwei Pferden und drei Insassen, der etwas später an der gleichen Stelle vorbeikam, wurde in's Meer geschleudert und nur einer der Insassen kam mit dem Leben davon. Die ersten Maßregeln zur Unterstützung der heimgesuchten Familien sind schon getroffen. Der Gemeinderat von Toulou hat den Beschluß gefaßt, die Kosten des Begräbnisses der Opfer, das am Dienstag stattgefunden hat, aus den städtischen Mitteln zu bestreiten und eine Grabstätte auf ewige Zeiten für die Verunglückten zu stiften. Die öffentlichen Gebäude sind schwarz beflaggt, das Theater und die übrigen Ver­gnügungslokale geschlossen.

* Vom Limeskastell Kemel. Aus Wiesbaden, 6. März, wird berichtet: Die Ausgrabungen an dem Limes­kastell Kemel, das im vorigen Dezember gefunden wurde, haben, wie der hiesige Altertumsverein mitteilt, vor einigen Tagen wieder begonnen und schon ein sehr erfreuliches Er­gebnis gebracht. Es wurde nämlich dicht hinter dem Chor der Kemeler Kirche das noch ziemlich wohlerhaltene nord­östliche, dem Limes zugewandte Kastellthor entdeckt; das Thor hat einen etwa 3,50 Meter breiten Durchgang und wird von zwei viereckigen Türmen wie üblich flankiert. Die Türme haben 2:1,80 Meter lichter Weite Seiten­mauern von 0,75 Meter Stärke; die Frontmauern messen etwa 1,80 Meter. Ob man in diesem Thor die Porta praetoria des Kastells vor sich hat, wird sich in den nächsten Tagen bei Aufsuchung der anderen Frontecken ergeben. Zutreffendenfalls hätte das Kastell eine Frontlänge von etwa 78 bis 79 Meter. Die Thortürme, die massenhaft Kohlen, verbrannten Lehm vom Oberbau, sowie Scherben und Eisenreste enthielten, werden noch weiter freigelegt.

* Altgermanische Reihengräber bei München. Die Haupt­stadt Bayerns, deren Name zu Anfang des 12. Jahrhunderts zuerst genannt wird, ist eine verhältnismäßig junge Stadt­gründung. Zwar führten Römerstraßen in nicht großer Entfernung südlich und auch westlich vom heutigen München vorüber. Aber keinerlei Funde haben bisher angedeutet, daß hier in vorrömischer, römischer oder frühgermanischer Zeit eine menschliche Ansiedlung vorhanden gewesen sei. Dagegen ist vor einigen Tagen bei den Ausschachtungen für einen Neubau in dem je ns eit der Isar gelegenen südlichen Vorort Giesing, der früher eine besondere Dorf­schaft bildete, ein altgermanisches, also wahrscheinlich baju- varisches Reihengräberfeld aus dem fünften oder sechsten Jahrhundert n. Chr. zutage gekommen. Leider sind von etwa 50 Gräbern, die sich durch humusartige Schwärze von dem umgebenden Kies abhoben, sowohl die Skelettteile als auch die wenigen sonstigen Funde (ein Kurzschwert, eine Anzahl Thonperlen u. s. w.) verstreut oder von zufälligen Zuschauern erworben und mitgenommen worden. Ob die Leitung der staatlichen Sammlungen weitere Nachgrabungen veranstalten wird, ist bisher nicht bekannt.

* Heber die Zerstreutheit berühmter Männer plaudert ein französisches Blatt: Buds, der von Erasmus das Wunder Frankreichs" genannt wurde, war sehr zerstreut. Eines Tages stürzte einer seiner Diener in sein Studier­zimmer und meldete, daß das Haus brenne. Buds er- wienerte ruhig:Sag das meiner Frau; Du weißt doch,

Vermischtes.

* Mit der Deutschen Kunstausstellung Dresden 1899 wird außer der Lukas Cranach-Ausstellung auch eine Aus­stellung von Alt-Meißner Porzellan verbunden sein, die Prof. Berling vom Knustgewerbe-Museum in Dresden vor­bereitet.

* Die Pest wüthet gegenwärtig in der Stadt Bombay mit nicht dagewesener Heftigkeit. Schon seit mehreren Wochen ist die Sterblichkeit fortwährend gestiegen. Letzte Wyche sind im Ganzen in Bombay 2309 Personen ge­storben, davon 972 nach amtlicher Angabe an der Pest. Genau ist diese Statistik nicht, da keine strenge Eintragung der Todesfälle besteht und Hunderte von Pestfällen ver- heimlicht werden. Wenn man die Zahl der gewöhnlichen Todesfälle auf 600 veranschlagt, so bleiben 1700 als solche an der Pest übrig. Die eingeborenen Indier bleiben bei dieser großen Heimsuchung ruhig und ergeben und freuen . sich nur, daß die Regierung keine strengen Maßregeln er- | greift. Die letzten vierzehn Tage sind wenig Fälle von i Panik vorgekommen. Die reichen Eingeborenen sind in aller Stille abgereist. Jetzt folgen die Handwerker. In der europäischen Kolonie ist der Gesundheitszustand über­raschend gut.

* Der Dichter Kipling, von deffen Erkrankung kürzlich berichtet wurde, ist in Indien, in Bombay, geboren; er ist jetzt 33 Jahre alt. In Indien hat er seine Jugend verbracht, ist dann längere Zeit in Süd-Afrika gewesen und lebt augenblicklich in Nord-Amerika. Kipling kann als | poetischer Vertreter der kolonialpolitischen Ideen gelten, die ' von Sir Charles Dilke zuerst klar gestellt wurden und jetzt unter dem Namen Imperialismus die Beziehungen des eng­lischen Mutterlandes zu seinen Kolonien beherrschen. Es ist die Weltpolitik, welche das Kolonialreich möglichst aus­zubreiten sucht. Der Grundgedanke ist der, daß das Mutter­land der Kolonie vor allem militärischen Schutz nach außen hin gewährt und dafür die Vorteile der Handelsbeziehungen zu den Kolonien hat. Die Formel lautet etwa:Das Mutterland hat das höchste Interesse an der Einfuhr aus den Kolonien, erst das zweite an der Ausfuhr seiner In­dustrie und Erzeugnisse." Kipling hat nun in seinen No­vellen und Erzählungen die ideale Seite dieses Gedankens hervorgehoben, indem er mit außerordentlicher poetischer Kraft, in großer Anschaulichkeit den Schilderungen und scharfumrissener plastischer Darstellung der Charakte, das Leben in den Kolonien und die treibenden iutellektuellen und psychischen Kräfte schildert, die hinter diesem großen kolo­nialen Leben stehen. Seine bekannteste Arbeit dürfte das Dschungeln-Buch sein, ein Fabelbuch für Groß und Klein, voll edler Gedanken und packender Wahrheit für alle Zeiten. Indessen giebt es zahllose andere Werke von ihm, die in dem großen Heer der englischen und amerikanischen Zei­tungen und Zeitschriften verstreut sind. In jüngster Zeit hat Kipling vor allem durch zwei Gedichte den jubelnden Beifall der Amerikaner errungen. Das erstere erschien beim Ausbruch des spanisch-amerikanischen Krieges. Es war in gewaltiger Sprache etwa auf den Ton gestimmt, den die Marschlieder der Cromwell'schen Jronside (Eisenseiten, d. i. Eisenreiter) inne hielten, eine Mischung von Psalmodie und Schlachtgesang, wie sie glücklicher nicht gedacht werden kann. Der wiederkehrende ReimLest we forget, lest we karget" (damit wir nicht vergessen) enthielt in kürzesten Ausdrücken in jedem Refrain eine ernste Mahnung an die Pflichten, die das amerikanische Volk mit seinem neuen Vorstoß in der Weltpolitik gegen die ganze Welt übernahm. Stärker noch wirkte Kiplings neueste DichtungThe white mans bürden. (Die Last des weißen Mannes.) Die Last des weißen Mannes ist sein fein entwickeltes Gewissen und seine durch das christliche Bekenntnisgedrungene" Nächstenliebe, die ihn zwingt, hinauszugehen, um seine Kultur allen Völkern der Erde zu bringen.

* Hebet die Explosion bei Toulon werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: In der Nacht zum Sonntag wurde die Bevölkerung Toulons durch einen Knall und eine Er­schütterung aufgeschreckt, die viele der Explosion der Pulver-

Untersuchung absolut keinen Stoff, den man hätte beschuldigen können, es fanden sich nicht mehr Bacillen, nicht mehr Salze und mineralische Bestandteile als in anderen Wassern, im Gegenteil viel weniger. Das Wasser dieses Brunnens mußte als im höchsten Maßerein" bezeichnet werden und dennoch hatte man wiederholt die Erfahrung gemacht, daß es nachteilig wirke, ja, daß es, in größeren Mengen ge­nommen, sogar bedenkliche Erscheinungen, heftiges Erbrechen und in der'Folge einen schweren Magenkatarrh hervorzu. rufen imstande war. Nun hat H. Koeppe das Phänomen erklärt! die Ursache der Giftwirkung des Wassers ist seine allzu große Reinheit. Die Deutung ist einfach. Reines Wasicr, d. h. solches, welches weder durch mineralische, noch durch organische Beimengungen verunreinigt ist, hat die Eigen­schaft, Salze, wo es solche in leicht zugänglicher Form an- trifft, an sich zu ziehen, bis zu einem gewissen Grade der Sättigung. Da nun die oberflächlichen Zellen der Schleim­häute Salze enthalten, erfahren sie durch das reine Wasser eine schwere Schädigung; das Wasser entzieht ihnen ihre Salze und bringt sie zum Absterben; sie quellen auf und werden abgestoßen. Man kann diese Wirkung leicht scsi stellen, indem man solch chemisch reines Wasser mit bem Protoplasma einer lebenden Zelle zusammenbringt; bas Protoplasma verändert sich rasch, es quillt und die Zelle stirbt. Ereignet sich das auf der Magenschleimhaut, so hat man das ausgesprochene Bild eines Magenkatarrhs, der je nach den Umständen leichter oder schwerer ist. Ars diese förmliche Giftwirkung des reinen Wassers ift das manchmal beobachtete Erbrechen beim Eisschlucken zurückzu­führen, und das ist auch der Grund, weshalb erfahrene Touristen vor dem Genüsse von Schnee- und Gletscherwasicr, sowie des Wassers der klaren Gebirgsbäche warnen. Nicht die Kälte ist in diesen Fällen das Schädliche, wie man wohl denken könnte, sondern die allzugroße Reinheit dcs Wassers. Ein merkwürdiger Widerspruch!"

* Verkehrswesen. Eine Wartburgbahn plant bic Zentralverwaltung für Sekundärbahnen (H. Bachstein) in Berlin. Sie ist zum Teil als elektrische Bahn geplant unb wird in Verbindung mit der elektrischen Straßenbahn in Eisenach am dortigen Bahnhof ihren Anfang nehmen, im Marienthal, der vielbesuchten Touristenstraße, abzweigcn unb am Reuter- und Wagnermuseum vorbei durch das Hainthal als Zahnradbahn den Weg bis zur Höhe der Wartburg restauration nehmen, in deren unmittelbarer Nähe sie enben soll. Das Projekt hat die Genehmigung des Großherzogs von Sachsen erhalten und von allen maßgebenden Behörden gebilligt worden. Die Bauerlaubnis zu einer elektrischen Schmalspur bahn über den Großen Sankt Bernhard (Martigny-Gr. Sankt Bernhard-Aosta) ist bei der schweizerischen und der italienischen Regierung nachgesucht worden. Die Länge der Bahn, welche mit einer Zahnstange versehen werden soll, beträgt 70 Kilometer, die Steigung bis zu 60 v. T. Be­merkenswert ist, daß die erforderliche elektrische Kraft durch Ausnutzung der zahlreichen Wildbäche des Großen Sankt Bernhard gewonnen werden soll.

* Gutes Gewißen! Student (in hohen Semestern): Da les' ich in der Zeitung, daß hier in München im ver­flossenen Jahre der Bierkonsum um einige Liter pro Kops zurückgegangen wär'! . . Meinetwegen mich trifft keine Schuld!" Flieg. Bl.

Das kommt davon. Vater:Nun hab' ich Dir ein Fahrrad versprochen, wenn Du versetzt würdest und doch hat's wieder nicht geholfen! Was hast Du denn nur immer getrieben in der Zeit?" Sohn:Radfahren erlernt!"

Seiner Wasser dumpfes Brausen Stimm' das Schlummerlied mir an! Und in seiner Winde Sausen Grüß' ich scheidend dich, o Lahn!

VorstehenderGruß an die Lahn" ist aus einem jüngst veröffent­lichten größeren Gedichte gleichen Namens alsLied" zusammengeftellt Möge die deutsche Jugend an der Lahn es wert finden, in chren Lieder­schatz ausgenommen zu werden! R. L.

kammer eines Kriegsschiffes im Hafen zuschrieben, während andere in der ersten Verwirrung an ein Erdbeben glaubten. Der gewaltige Luftdruck hatte das Gas der Straßenlaternen ausgelöscht, in manchen Häusern alle Scheiben zerbrochen, die Hausthüren gesprengt und die eisernen Läden der Schaufenster zertrümmert. Matrosen, die hilfesuchend her­einkamen, meldeten, daß das Unglück nicht im Hafen ge­schehen sei, sondern zu Lande: Die Pulvermagazine von Lagoubran, die 50000 Kilogramm schwarzes Pulver- geborgen haben sollen, waren in die Luft geflogen. Der Kriegshafen von Toulon hat zwei Pulvermagazine, das von Milbau, das größere, daß unversehrt geblieben ist, und das von Lagoubran, das auf einer kleinen Halbinsel ange- o 7. v

legt ist In unmittelbarer Nähe ziehen sich auf dem Fest- I man, daß er vollständig nackt gewesen wäre, wenn er nicht lande die Bahnlinie von Marseille nach Toulon und die I zufällig den Ueberzieher anqezoqen hätte. ~ Landstraße hin. Etwa 30 zerstreute Häuser bilden ein 1 "

kleines Dorf, das nun größtenteils in Trümmern liegt.

Einzelne Leichen scheinen ins Meer geschleudert worden zu I naturwissenschaftlichen Rundschau der Bohemia:Eine selt- sein, denn die Flut schwemmt verstümmelte Gliedmaßen I same Giftwirkung ist in jüngster Zeit in ihren Ursachen an. Ueber die Ursache deö Unglücks weiß man noch nichts festgestellt worden. Bei Gastein 'ist eine Quelle, die obwohl Bestimmtes. Es ist von einer Selbstentzündung eines an- I rein und klar, doch seit Jahrhunderten schonGiftbrunnen" sehnlichen Vorrats von Schießbaumwolle, aber auch von I geheißen, und deren Wasser nicht getrunken wird. Vergebens einem böswilligen Anschlag die Rede. Auf einen solchen hat man sich bemüht, zu erforschen, was eigentlich der schließt man aus dem Umstande, daß das Gewehr einer 1c* ------ .. . . - -

Landwirtschaftliches.

Verhextes" Vieh. Friedrich Hessing der bekennte Orthopäd, veröffentlicht in der Wiener WochenschriftDir Da^e einen interessanten Aufsatz über die Gefahren der KuhmtlchernLhrrwa Er kommt darin auf die oft geradezu unglaublichen Stallverhättrüne des Viehes zu sprechen und schreibt u. a.: Das Gebtrgsvteh hat im Sommer in den Bergen wohl vorzügliches Weidefutter, genügend Luft und frisches Wasser, aber daS ändert sich, sobald es im Herbste eingestallt wird. Da wird es für sieben bis acht Monate in dum Raum eingesperrt, der so klein und niedrig ist, daß dort, wo viel­leicht zehn Kühe stehen, kaum für ein Stück genügende Luft »or- banden ist. Für Ableitung der verbrauchten und Zuleitung frischer Luft wird in den Bauernställen ganz und gar nicht gesorgt. . . - Ich habe häufig Gelegenheit gehabt, von Bauern die Klage zu ver­nehmen, daß ihr ganzes Vieh im Stalleverhext" worden sei, und daß die berdeigeholten Hexenbeschwörer alle Künste gebraucht hätten, um die Hexe auS dem Stalle zu treiben. DaS Vieh begann vätw ltch einige Stunden nach der abendlichen Futterzett zu toben und »a schlagen, einige Tiere gerieten vollständig in Schwdß und käme, fast um. Bet Tage wird hingegen das Vieh seltenverbext", will die Stallthüre gewöhnlich offen gelassen oder häufiz geöffnet nmD. erfolgt dadurch eine Ventilation deS Stalles, bet der daS Tin zur Not existieren kann. Während der Nacht jedoch hält der Bavo seinen Kuhstall womöglich hermetisch verschlossen, sodaß absolut kein« frische Lust etndringen kann. Ist die Luft vollständig verbraucht, U tritt der früher geschilderte Zustand derVerhexung' bet den Tierei ein. Da dem Aberglauben deS Bauers mit einem Vortrage übet Hygiene deS Stalles nicht betzukommen ist, habe ich in Füllern ich intervenieren konnte, den Leuten geraten, sie möchten das Stall­fenster bet Nacht offen lasten. Die Hex« wäre nämlich im Stalle eingesperrt worden, ste wolle aber frei ein- und ausgehen können, dann würde das Vieh gewiß nicht erkranken. Da« half.

Elephanten-Kafiee" 31

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