Ausgabe 
12.3.1899 Drittes Blatt
 
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Mannheim, 10. Marz. Die beiden Inhaber derFleisch. Importfirma Schmitz u. Oechelhäuser sowie ein Arbeiter der Firma wurden unter dem Verdacht verhaftet, verdorbene amerikanische Fleischwaren unter Benutzung eines gefälschten tierärztlichen Stempels verkauft zu haben.

Kimmungen der Kommission entscheidet absolute Stimmen­mehrheit. Bei Stimmengleichheit giebt die Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag. Wenn sich bei der Feststellung des Gesamtergebnisses der Prüfung eine gleiche Anzahl von Stimmen für genügend und für ungenügend findet, so ist die letztere Zensur zu erteilen. ,

§ 25. Nach Beendigung der Fakultäts-Prusung erstattet die Prüfungskommission über jeden der Kandidaten, welche die Prüfung bestanden haben, einen besonderen vom Vor­sitzenden zu unterzeichnenden Bericht an das Großherzogliche Ministerium des Innern.

§ 26. Diese Prüfungsordnung tritt alsbald m Kraft.

§ 27. Den Kandidaten, welche ihrer Militärpflicht vor dem Beginne der Prüfung Ostern 1899 genügt haben, kann das Dienstjahr auf die Studienzeit angerechnet werden.

§ 28. Die Kommission kann Kandidaten, die zur Zett des Inkrafttretens dieser Prüfungsordnung einen so erheb­lichen Teil ihrer Studienzeit bereits zurückgelegt haben, datz ihnen die Vorlegung der im § 5 Nr. 4 bezeichneten Arbeiten und Zeugnisse billiger Weise nicht zuzumuten ist, Die Vor­legung ganz oder teilweise erlassen.

§ 29. Bei Kandidaten, die ihr Rechtsstudium vor dem Jahre 1896 begonnen haben und sich der Prüfung rm Jahre 1899 unterziehen, kann die Prüfungskomnnfiion be­schließen, daß das Recht des Bürgerlichen Gesetzbuchs nebst reichs- und landesrechtlichen Ergänzungen (§ 7) nur insoweit zum Gegenstand der Prüfung gemacht werde, als es erforder­lich ist, um Gewißheit darüber zu erlangen, daß sich der Kandidat mit den Grundzügen des neuen Rechts vertraut gemacht hat, daß aber im übrigen bei der Prüfung solcher Kandidaten in der Dogmatik des Privatrechtes nach den bisherigen Grundsätzen zu verfahren sei.

Er träumet in dem Maien

Von Blümlein mancherleien."

In Oesterreichisch-Schlesien wurde die den Winter ver- innbildlichende Figur mit Kleidern, Bändern u. s. w. aus- taffiert, auf eine Stange gesteckt und unter Gesang hinaus aufs Feld getragen. Hier angekommen, entkleidete man die Figur und riß sie in Stücke. Alsdann beschaffte man eine Tanne, schmückte sie mit Bändern und trug sie unter großem Jubel durch die Straßen, wobei man sang:

Den Tod haben wir hinausgetragen,

Den lieben Sommer bringen wir wieder,

Den Sommer und den Mai, Der Blümlein allerlei."

Der Kampf zwischen Winter und Sommer wurde in manchen Gegenden auch dramatisch vorgeführt. Den Winter stellt gewöhnlich ein Jüngling dar, der mit Stroh und Moos unkenntlich gemacht war; der Sommer war m grünes Laub gehüllt. Beide kämpften miteinander, bis der Sommer siegte, worauf der Winter zum Ort hinausgetrieben wurde.

Der älteste Bericht über diese Spiele findet sich tn Sebastian Franks Wellbuch. In diesem heißt es:Zur mittenfasten ist der Rosensonntag. An diesem tag hat man an etlichen orten ein spil, daß die bueben an langen ruoten bretzelu herumb tragen in der statt, und zwen angethone mann, einer im Singrüen oder Ephew, der heißt der Summer, der ander, der heißt der Winter, darnach geht man darauff zum wein."

Bei den Deutsch-Böhmen im Saazer Kreise," berichtet v. Reinsberg-Düringsfeld,ist es üblich, an Lätare mit

Ausland.

Wien, 10. März. Die Gerüchte, daß Oesterreich- Ungarn beabsichtige, die Erwerbung eines chinesi- chenKüstenstriches durchzusetzen, werden von kompetenter Seite als unbegründet bezeichnet.

Wien, 10. März. In Rohrau ist das Geburtshaus Josef Haydns abgebrannt.

Wien, 10. März. Die österreichische Regierung sucht offenbar eifrig nach einem Ausweg aus der Sackgasse der etzigen inneren Lage. Graf Thun berief am Mittwoch, nachdem er vom Kaiser empfangen worden, den Minister­rat und reiste dann nach Prag ab. Man glaubt, daß die Reise, die angeblich zunächst einem Besuche seiner Mutter gilt, auch mit dem Zusammentritt des tschechischen Rumpf­landtages am Dienstag und der Zusammenkunft der deutsch­böhmischen Abgeordneten am Montag in Zusammenhalt steht. Dies wird durch die Meldung, daß der Minister­präsident am Freitag mittag bei dem Führer der Deutsch- fortschrittlichen, Abg. Dr. Schlesinger, erschien, um mit ihm zu beraten, noch wahrscheinlicher gemacht.

Lemberg, 10. März. Der Direktor der galrzrschen Kreditbank hat sich erschossen. Die Bank erklärt, daß der Selbstmord in keinem Zusammenhänge mit dem Der- hältnis der Gesellschaft steht.

Prag, 10. März. Graf Thun empfing heute vor­mittag den Obmann der deutsch-böhmischen Landtags-Ab­geordneten, Dr. Schlesinger, und hatte mit demselben eine längere Besprechung der schwebenden politischen Fragen.

Rom, 10. März. Die Verhaftung des Mitschuldigen Acciaritos, namens Cherubini, in Wien ist unbegründet. Cherubini weilt zur Zeit in Griechenland.

Zürich, 10. März, Beim Uebergang über den Sankt Bernhard stürzten drei Reisende ab. Zwei wurden bereits tot aufgefunden. , .

Paris, 10. März. In der industriellen Verewigung der französischen Handels-Agrikultur fand gestern abend ein Diner unter dem Vorsitz des früheren Minister Präsidenten Meline statt. Letzterer ergriff das Wort zu einer Ansprache, in welcher er konstatierte, daß niemals mt Agitation der Parteien größer gewesen sei als jetzt. Er verzweifle aber nicht an der Zukunft und meine schon ;etzi, die Symptome dafür zu sehen, daß bald eine Periode bei Beruhigung eintreten werde und dem Beispiele anderer Staaten folgend, die Parteikämpse mehr und mehr an Schärfe verlieren würden. Auch in Frankreich würden die Partei-Streitigkeiten allmählich zur Ruhe gelangen, wen« man erkannt habe, daß die nationalen Interessen über ihnen stehen. Die wirtschaftliche Lage werde hiervon Nicht unberührt bleiben und einen bedeutenden Aufschwung nehmen. Mäline schloß mit dem Aufruf an die Versammelten, in diesem Sinne zu wirken.

Paris, 10. März. Ein hiesiger Journalist hatte eine Unterredung mit dem nach Europa zurückgekehrten Unter staatsanwalt von Guyana, Darir über dessen Sendungen zu Dreyfus. Darnach war Dreyfus' Zustand im Januar nicht sehr günstig. Indes konnte man nicht sagen, daß er krank war. Das Verhör dauerte zwei Stunden. Dreyfus erzählte, was er wußte von seiner Verhaftung bis zu seiner Verurteilung und erklärte, er verlange nichts, als Gerechtigkeit.

Im Kraichgau tragen die Mädchen bei diesem Feste einen mit Immergrün umwundenen Reif auf einem Stecken, an welchem kleine Spiegel, Goldflitter und Bretzeln befestigt sind. Die Knaben aber tragen viele solche kleine Kränze an ihren Stecken und gehen singend von Haus zu Haus, um Geld, Eier, Schmalz, Mehl und andere Gaben zu heischen, wobei sie jedesmal als Gegengabe einen ihrer Kränze abgeben. Dieser Kranz wird in der Stube über dem Tisch an einem Faden aufgehängt und bleibt bis zum nächsten Jahre hängen. Das Sommerlied, das man in jener Gegend singt, heißt so:

Tra, ri, ro,

Der Sommer, der ist do!

Wir wollen 'naus in Garten

Und woll'n des Sommers warten,

Jo, jo, jo.

Der Sommer, der ist do."

An anderen Orten sang man beimTod austragen" folgendes Lied:

So treiben wir den Winter aus, Durch uns're Stadt zum Thor hinaus, Mit sein' Betrug und Listen, Den schlechten Antichristen.

Wir stürzen ihn von Berg zu Thal, Damit er sich zu Tode fall' Und uns nicht mehr betrüge Durch seine späten Züge.

Und nun der Tod das Feld geräumt. So weit und breit der Sommer träumt.

Eingesandt.

Gieße«, 11. Mär» 18».

Bei Beginn der schöneren Jahreszeit, wo man sich wird« mehr in freier GotteSnatur bewegt, sei die Frage an die »ustLvdi-e Stelle^g^stattet^ man bcm Forstwart auf ForsthauS Hewatt nicht die Konzession zu einem Wtttschafisbetrteb, wenn auch tn bt ^^^DieseS^Forsthaus, so herrlich mitten im ^-lde gelegen, würd, stark frequentiert werden, wenn man daselbst einen Kaffee oder«te. rc haben könnte, was von gar vielen schon oft bedauert worden ist

Etiquettefragen in Serbien.

An den kleinen Balkanhöfen haben die Etiquettefragen von jeher eine große Rolle gespielt. Neuerdings machen I wieder verschiedene Vorgänge in Belgrad von sich reden. I Der russische Gesandte hat jede Gelegenheit wahrgenommen, um dem König Milan, in welchem er höchstens den Ober­kommandierenden der Armee sieht, seine Mißachtung zu zeigen. Daß der Vertreter des Zaren dabei auf eigene Faust ge­handelt haben sollte, ist kaum anzunehmen, er durfte vtel- wehr höherer Eingebung aus Petersburg gefolgt sein. Ser­bien steht am Zarenhofe überhaupt nicht in besonderer Gunst. Man sähe das Land und dessen Regierung tn Petersburg gar zu gerne in der Rolle, welche Bulgarien zu Rußland einnimmt, und die Entsendung einesGeneral Kaulbars" nach Serbien würde in den Wünsche« der maß­gebenden Petersburger Kreise liegen. Aber Politik und I Handelsinteressen mahnen die Belgrader allzusehr, einen engeren Anschluß an Oesterreich zu suchen, wobei man bisher sehr gut gefahren ist. Welche Schäden über Serbien herauf­beschworen werden, wenn ihm der österreichische Markt ver­schlossen wird, das hat sich vor einigen Jahren gezeigt, als die Seuchengefahr die ungarische Regierung veranlaßte, die Einführung serbischer Schweine zu verbieten. Man wird sich deshalb auch durch alle Herausforderungen des russischen Gesandten in Belgrad nicht dazu bewegen lassen, russische Politik zu treiben. Zudem ist ja Serbien Oesterreich zu großem Dank verpflichtet, da ersteres bekanntlich nur unter energischer Unterstützung Oesterreichs in dem Kriege mit Bulgarien so billig wegkam.

In diesen Tagen hat es in Belgrad wiederum einen Etiquettestreit gegeben. Der türkische Gesandte hat sich be­leidigt gefühlt, gleichzeitig mit dem Vertreter des Vasallen­staats Bulgarien vom König empfangen worden zu sein. Fürst Alexander wird durch diesen Zwischenfall nicht sehr angenehm berührt worden sein. Auch auf den serbischen Hof wird das Auftreten des türkischen Gesandten peinlich eingewirkt haben, da König Alexander und der Fürst von Bulgarien freundschaftliche Besuche ausgetauscht haben, und augenblicklich in guter Nachbarschaft leben. Besondere directe Folgen wird dieser Zwischenfall kaum haben, da Fürst Alexander seinem Suzerain gegenüber wohl nicht beschwerde­führend auftreten wird.

Immerhin haben, namentlich auf dem Balkan, kleine Ursachen vielfach große Wirkungen gehabt, und es ist nicht

dem Bändertod" zu gehen. Fünf Knaben ziehen nämliö von Haus zu Haus und führen überall eine kleine dramatisch Szene mit kurzem Wechselgespräch auf, indem sie etnfi König, dessen Töchterlein (den Frühling), zwei Diener W Königs (Sommer und Herbst) und den Tod (Winter) bin- stellen. Der König trägt eine Krone von Goldpapier uw einen mit Goldpapier unwickelten Rocken als Szepter, se« Töchterlein ein Schächtelchen zur Aufbewahrung der Gell­geschenke, die nach der Aufführung eingesammelt werde«. Die beiden Diener sind mit Degen versehen, und der hat statt einer Waffe ein Bündel Spähne in der Hand, w« sie zum Aubrennen des Feuers verfertigt werden. ..Band-' tob" heißt es, weil alle Knaben Hut und Brust nut viM Bändern geschmückt haben. Die Szene selbst begmnt der Werbung der beiden Diener um des Königs Tochterlem Dann naht auch der Tod und freit um sie. Der Konl­aufgebracht darüber, sticht ihn nieder, worauf die Knaver weiterziehen." , .

DasSommersingen" undTod austragen war früh' an sehr vielen Orten üblich; heute ist e8 gessen. Nur noch in einzelnen Gegenden (Schlesien, Boyvo u. s. w.) findet man kümmerliche Reste. Ueberhaupt > viele jener naiven, originellen Gebräuche, die im unserer Vorfahren eine so hervorragende Rolle spieu nach und nach der Vergessenheit anheiingcsallen, und d°°m" ist leider auch ein gut Stück Volkspoefie allmählich ver gegangen.

unmöglich, daß die Etiquettestreitigkeiten in Belgrad mit dazu beitragen, diegroße Abrechnung" etwas naher^zu^rucken.

Deutsches Wich

Berlin, 10. März. In der heutigen Sitzung der Reichstags-Kommission für die Novelle zum Bankaesetz ist der Beschluß der ersten Lesung wieder abgelehnt worden, wonach zur Verlängerung des Privilegiums der Reichsbank bis 1921 die Zustimmung des Reichstages nicht erforderlich sein sollte. Es bleibt bis auf einige gering­fügige Änderungen bei den Vorschlägen des Entwurfes.

Berlin, 10. März. In der W ahlp rüfirn gs- Kommission des Reichstages ist die Wahl des Abgeordneten Franzius (natl.) beanstandet worden. Die Wahl der Abgeordneten v. Blöd au (b. k. Frakt.) und Dr. Heiligenstadt (natl.) wurden für giltig erklärt.

Berlin, 10. März. Cecil Rhodes ist heute in Berlin angekommen. _ .

Berlin, 10. März. Zu der Ankunft von Cecil Rhodes ist noch zu berichten, der englische Botschafter hatte schon seit einiger Zeit Schritte gethan wegen der Aufnahme Cecil Rhodes bei den hiesigen leitenden Stellen. Cecil Rhodes wird wahrscheinlich auch vom Kaiser em­pfangen werden. Rhodes wird während seines hiesigen Aufenthaltes Gast drs Geheimen Kommerzienrats Hanse­mann sein. . ....

Berlin, 10. März. DerReichsanzeiger" veröffentlicht heute die vorliegenden amtlichen Berichte über die neuesten Vorgänge auf den Samoa-Inseln.

Berlin, 10. März. Die Nachricht, Staatssekretär Posadowsky sei infolge Ueberanstrengung genötigt, einen Erholungsurlaub zu nehmen, wird derPost" von best- unterrichteter Seite als durchaus unzutteffend bezeichnet.

Berlin, 10. März. Dem Reichstage ist der Entwurf eines Telegraphen-Gesetzes zugegangen.

Berlin, 10. März. Der Kommandeur der 19. Division in Hannover, General-Leutnant v. d. Milbe, hat sein Abschiedsgesuch eingereicht.

Berlin, 10. März In der Strafsache gegen den Vorwärts wegen Hehlerei sind zwei Verhaftungen er­folgt. Die beiden verhafteten Personen sind dringend ver­dächtig, die Briefe des Freiherrn von Stumm aus dem Pulte des Chef-Redakteurs der Post gestohlen zu haben.

Berlin, 10. März. Zur Samoa-Frage. Im Gegensätze zu der Auslegung, welche die meisten Blätter den Ausführungen des Staatssekretärs v. Bülow in der Budgetkommissivn des Reichstags über einereinliche | Scheidung" in der Samoa-Frage gegeben haben, und welche dahin ging, daß Deutschland die Insel Upolu, Amerika Tutuila und England Sawai erhalten sollte, wird den Münch. Reuest. Nachr." von gutunterrichteter Seite er­klärt, daß diese Dreiteilung an Stelle des Tridominats durchaus nicht den einzigen Weg zur Lösung der Wirren im Sinne der Bülow'schen Aeußerungen darstelle. Eine Ireinliche Scheidung" sei auch dadurch zu erreichen, daß die beteiligten Mächte sich über die Verteilung des Besitzes I in der Südsee im allgemeinen einigten. Wenn auch durch I das amerikanische Protektorat über Sawai ein wertvolles I Kompensationsobjekt zugunsten der Vereinigten Staaten aus I der darauf bezüglichen Rechnung ausgeschieden ist, so bleiben doch noch genug Punkte übrig, deren Regelung m Ver- I bindung mit der Samoa-Frage gebracht werden könnte. I Einer Dreiteilung der Samoa-Inseln würde man mit Recht ähnliche Bedenken entgegenstellcn können, wie sie dem jetzigen I Zustande gegenüber sich als berechtigt erwiesen haben. Zu- I dem würde für Deutschland daraus auf alle Fälle eine Be­einträchtigung seiner Interessen auf Samoa erwachsen,.deren I Uebergewicht nicht weggeleugnet werden kann. Unter diesen Umständen würden wir es für durchaus unerwünscht er­achten, wenn die öffentliche Meinung in Deutschland sich I schon jetzt mit dem Gedanken abfinben würbe, bie einzige Lösung ber Samoa-Frage bestehe in ber Aufteilung ber Inselgruppe unter bie drei Mächte. Vorläufig ist von einer I über die Beilegung und Schlichtung der jetzigen Differenzen hinausgehenden Regelung der Frage in den Verhandlungen I der drei Mächte überhaupt noch keine Rede.

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