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12.2.1899 Erstes Blatt
 
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Nr. 37 Erstes Blatt. Sonntag den 12. Februar

1800

Meßmer Anzeiger

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Amtlicher Wl.

Nr. 3 des Reichsgesetzblattes, ausgegeben den 7. d. M., enthält:

(Nr. 2544.) Bekanntmachung, betreffend die Einführung von Bestimmungen über die Beseitigung von Ansteckungsstoffen bei der Beförderung von lebendem Geflügel auf Eisenbahnen. Vom 2. Februar 1899.

Gießen, den 10. Februar 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

__________________v. Bechtold.___________________

Gießen, den 8. Februar 1899.

Betr.: Die Errichtung einer Zwangsinnung für das Schornsteinfeger-Gewerbe im Bezirke des Groß­herzogtums Hessen.

Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen ait die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. Nachstehende Bekanntmachung bringen wir zu Ihrer Kenntnis mit der Auflage, sie in Ihrer Gemeinde den In- tc-reffenten auf ortsübliche Weise bekannt zu geben.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Betreffend: Die Errichtung einer Zwangsinnung für das Schornsteinfeger-Gewerbe im Bezirke des Großherzogtums Hessen.

Nachdem bei der Abstimmung sich die Mehrheit der beteiligten Gewerbetreibenden für die Einführung des Beitritts­zwanges erklärt hat, ordnen wir hiermit an, daß zum 1. April 1899 eine Zwangsinnung für das Schornstein- fezgerhandwerk in dem Bezirke des Großherzogtums Hessen mit dem Sitze in Darmstadt und mit dem NamenSchorn- fteinfeger-Zwangsinnung für das Großherzogtum Hessen" errichtet werde.

Bon dem genannten Zeitpunkt ab gehören alle Gewerbe­treibenden, welche in dem Großherzogtum Hessen das Schorn­steinfeger-Handwerk betreiben, dieser Innung an.

Darmstadt, am 26. Januar 1899.

Großherzogliches Kreisamt Darmstadt.

__v. Marquard._______________

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, baß die nach § 6 des Neichsgesetzes vom 21. Juni 1887 6 bet die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Aufschlags von Fünf vom Hundert, pro Monat Januar 1899 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 Kg. betragen:

Hafer Mk. 16,10, Heu Mk. 5,75, Stroh Mk. 4,20.

Gießen, den 7. Februar 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.

Gesundet»: Geld, 1 Brosche, 1 Geldbeutel mit Inhalt, 2 Paar und 1 einzelner Handschuh, 1 Cape, 1 Taschentuch, 1 Regenschirm, 1 Fächer, 1 Hufmesser, 1 Hammer, 3 Larven und 1 Teil eines ^Pferdegeschirres.

Gießen, den 11. Februar 1899.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.W __________________Muhl.__

Bekanntmachung,

betr.: Die Abhaltung der Viehmärkte in Gießen.

Es wird hiermit wiederholt zur Kenntnis der Jn- lrr rffenten gebracht, daß auf Grund des § 17 des Reichs- zefetzes über die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen vom 23. Juni 1880 und 1. Mai 1894 sowie der Ver- sÜDUNg Großh. Kreisamts Gießen vom 5. März 1898, allss anläßlich der Gießener Viehmärkte in Gast-, Privat- tnö sonstigen Stallungen zu Gießen und in den ^rien Wieseck, Heuchelheim und Klein-Linden unter- zeborachte Vieh, an den jeweiligen Markttagen von 8 Uhr ^Eags ab an dem dazu bestimmten Platze zwecks Unter» wfiung durch Großh. Kreisveterinäramt Gießen vorqeführt senden mnß.

Da es lucht thunlich ist, daß die, die Untersuchung ownehmenden Tierärzte die Stallungen besuchen und das vmt zurückgebliebene Vieh besichtigen, ist die Schutzmann­

schaft angewiesen, die noch mit uubesichtigtem Vieh besetzten Stallungen in Zukunft solange zu sperren, bis alles Vieh aus denselben an die Untersuchuugsstelle am Viehmarkte vorgeführt ist, ferner aber auch diejenigen Handelsleute u. s. w. zur Anzeige zu bringen, welche die von ihnen zu Markt gebrachten Tiere nicht zur Besichtigung an die ge­dachte Stelle bringen lassen.

Gießen, den 10. Februar 1899.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. _________________Muhl._________________

Deutscher Reichstag.

29. Sitzung vom 10. Februar. 1 Uhr.

Tagesordnung: Fortsetzung derBeratung der Novelle zum Bankgesetz.

Abg. v. Kardoff (Rp.) verbreitet sich zunächst aus­führlicher über die Währungsfrage. Des weiteren bemerkt er, in die glühenden Lobsprüche auf die Leistungen der Reichsbank könne er doch nicht so ganz einstimmen. Denn das Hauptkriterium hierfür seien die Wechselkurse. Ein zweites Kriterium sei der Bankdiskont, ein drittes der Schutz des Goldvorrats. Daß der industrielle Aufschwung wenig­stens zu einem Teil an der Goldabnahme die Schuld trage, wolle er zugeben, mehr ausschlaggebend seien aber gewesen die ausländischen Anleihen und die Handelsunterbilanz. Die Notenkontingentierung halte er für verfehlt; 1875 habe er ihr zugestimmt, aber damals sei er noch in dieser Frage sehr unwissend gewesen. (Heiterkeit; Ruf links: Jetzt auch noch!) Wenn die Kommission es fertig bringe, unseren Goldvorrat zu schützen und den Diskont niedrig zu halten, werde er ihr sehr dankbar sein.

Abg. Fischbeck (frs. Vp.) widerspricht den Schluß­folgerungen des Vorredners aus der Handelsunterbilanz. Daß Deutschland nicht in Verarmung begriffen sei, werde durch den Augenschein wie durch die Einkommensteuerstatistik ausreichend dargethan. Redner wendet sich hierauf den vor­gestrigen Ausführungen des Abg. Gamp zu und erwähnt des weiteren einen Artikel imDeutschen Wochenblatt" des Abg. Arendt. Da werde über die Gefahren gespottet, welche für eine verstaatlichte Bank im Kriegsfälle entstehen könnten. Und da sage Herr Arendt:Gesetze zu machen für den Kriegsfall, das sei nicht deutsche Art!" Nun, meine Herren, ich wünschte wohl, daß Herr Arend wieder gesund ist, wenn wir hier über die Militärvorlage beraten. Dann mag er wiederholen:Wir machen hier keine Gesetze für den Kriegs­fall!" (Heiterkeit.) Redner erklärt schließlich noch das Ein­verständnis seiner Partei mit der Vorlage.

Abg. Hahn (Bd. d. L.) bemerkt, die Angriffe gegen die Reichsbank seien nicht gerichtet gegen die Person des Präsidenten, sondern gegen das System. Dem Präsidenten müßte ein wirtschaftlicher Ausschuß aus allen Kreisen der Bevölkerung zur Seite gesetzt werden. Dringe man in der Kommission mit der Verstaatlichung nicht durch, dann müsse wenigstens der Gewinnanteil der Aktionäre herabgesetzt werden. Eine Garantie von 4 Prozent Dividende genüge vollkommen. Das Wichtigste sei aber die Diskontpolitik. Diejenige der Reichsbank habe sich nicht bewährt, und die Schuld daran liege in der Hauptsache bei der ganzen Organisation der Bank. Redner verbreitet sich weiter über die Wirtschafts­politik, die Bismarck'sche und diejenige Caprivis einander gegenüberstellend; letztere habe der Landwirtschaft keinen genügenden Schutz geboten. Eine bessere Diskontopolitik würde eine Wohlthat sein für alle produktiven Stände Deutschlands (Beifall rechts.)

Präsident der Neichsbank Koch nimmt die Diskonto­politik der Reichsbank in Schutz. Wenn das Wirtschaftsleben so in die Höhe gehe, wie seit 1895, wenn der Wechselverkehr so außerordentlich zunehme, dann seien die eingetretenen Diskontoveränderungen, nur natürlich. -Die beste Politik gegen Goldausfuhr sei und bleibe immer die Diskontopolitik. Den ihm, dem Redner, vom Abg. v. Kardoff gemachten Vorwurf, seine Leitung der Bank sei eine verhängnisvolle, müsse er als den stärksten Vorwurf bezeichnen, der ihm hätte gemacht werden können. Ferner sei behauptet worden, die Grundlagen unserer Währung seien nur schwache. Was werde das im Auslande für einen Eindruck machen, wenn hier ein Abgeordneter die Säule unseres nationalen Kredits als schwach darstelle!

Abg. Brömel (frs. Vg.) wendet sich gegen die Aus­führungen des Abg. Hahn, wobei er bemerkt, wenn Herr Hahn die Ausschließung fremder Waren als Hohenzollern- politik bezeichne, dann hätten die Konservativen kein Recht, die gegenwärtige Politik der Handelsverträge ebenfalls als

Hohenzollernpolitik zu bezeichnen (Rufe links: Sehr richtig!). Redner tritt dann einem Angriffe des Abg. Heiligenstadt auf den Reichsbankdirektor in Hamburg entgegen, ebenso den Ausführungen desselben Abgeordneten über die Zentral« Genossenschaftskasse. Diese halte es nicht einmal für nötig, für genügende Veröffentlichung ihrer Geschäftsberichte zu sorgen.

Abg. Heiligen st adt (nl.) bestreitet, unrichtig zitiert zu haben.

Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Antif.) hält es für das Richtigste, das Bankprivileg nur um ein Jahr zu verlängern, und durch eine aus allen Schichten der Be­völkerung zusammengesetzte Kommission ein neues Bankgesetz ausarbeiten zu laffen. Redner beleuchtet dann den Wechsel in der Stellungnahme der Sozialdemokratie, die vor zehn Jahren gegen die Bankvorlage gestimmt habe. Jetzt leiste sie dem Kapitalismus direkt Vorspann. Redner plaidirt noch für Verstaatlichung der Reichsbank, desgleichen der Abg. v. Wangenheim (Bund der Landw.).

Abg. Dr. Schönlank (Soz.) erörtert den Unterschied zwischen der von der Sozialdemokratie und der von den Junkern angestrebten Art der Verstaatlichung. Bei der Reichsbank bedeute diese Verstaatlichung die Auslieferung der Bank an die Junker. Dafür seien die Sozialdemokraten nicht zu haben.

Die Debatte wird geschloffen.

Die Vorlage geht an eine besondere Kommission von 28 Mitgliedern.

Morgen 1 Uhr: Interpellation Kanitz, betreffend die deutsch-amerikanischen Vertragsverhandlungen. Novelle zum Zivil- und Strafprozeß. Wahlprüfu,.geN.

Schluß 6 Uhr.

Lokales »ad DromnMes.

Gießen, den 11. Februar 1899.

Ernannt wurde am 1. Februar der Wilhelm Kautz in Friedberg zum Pedellen an der Augustinerschule (Gym­nasium und Realschule) zu Friedberg, mit Wirkung vom 16. Februar 1899 an.

* Der Kunstausstellung im Turmhaus am Brand sind heute für kurze Zeit aus hiesigem Privatbesitz fünf Porträts von Richard Scholz, einem durch andere Bilder (Genofeva",Abgestürzt") bereits vorteilhaft hier ein­geführten Maler, überwiesen worden, die wir der Auf­merksamkeit der Besucher angelegentlich empfehlen. Da die Dargestellten, drei junge Damen und zwei Kinder, sämtlich Gießener sind, werden viele Betrachter in der Lage sein. Bild und Wirklichkeit miteinander zu vergleichen, und wir zweifeln nicht, daß die überraschende Lebenswahrheit und die vornehme künstlerische Haltung dieser Gemälde sich ein­stimmigen Beifall verdienen werden. Ganz besonders seien die drei größeren, mit entzückender Leichtigkeit hingeworfenen Bilder hervorgehoben, denen der Künstler hoffentlich noch manches ähnliche zur Freude unserer Ausstellungsbesucher folgen läßt.

** Akademischer Gesang-Verein. Fest-Konzert am Sonntag, dem 19. Februar. Sage mir, mit wem du um­gehst, und ich will dir sagen, wer du bist. Zeige mir dein Programm, und ich will dir sagen, ob du ein würdiger Konzertunternehmer bist. Das sind zwei so wahre Aus­sprüche, daß man sich nach ihnen unbedenklich richten kann. Schauen wir uns aber das Programm des Akademischen Gesang-Vereins an, so müssen wir diesen Verein, in logischer Folgerung des oben Gesagten zu den allerbesten zählen. Vornehme Gesellschaft finden wir im Programm vereint, neben den Altmeistern Bach und Beethoven die beiden Geistes­verwandten Berlioz und Liszt, denen sich Chopin, Brahms anreihen; aber auch die jüngeren sind vertreten durch Sarasate, Tinel und Humperdinck. Wie nun ein kundiger Gärtner von jedem Baum zu festlichen Gelegenheiten die reifsten und schönsten Früchte bricht, so hat auch Musik­direktor Trautmann mit Kennerblick die Meisterwerke der Meister ausgewählt und aneinander gereiht. In erster Linie interessieren die Chorwerke, da das ja das eigentliche Feld des Vereins ist. Humperdinck, der glückliche und talentvolle Komponist desHänsel und Gretel", hat Nr. 1 des Pro­gramms erhalten und zwar mit seiner ChorballadeDas Glück von Edenhall". Humperdinck ist ein Moderner, aber im guten Sinne; er verwendet auch Pauken und Posaunen, giebt ihnen aber keine Soli. Berlioz schließt sich mit einer LegendeDie Flucht nach Aegypten" an; dieses Werk bildet den zweiten, übrigens ganz unabhängigen, Teil der Bib­lischen TrilogieDie Kindheit Christi". Der erste Teil