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Mittwoch den 11. October
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Nr. 23S Erstes Blatt.
Gießener Anzeiger
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* Deutschland, England und der Südafrikastreit.
Gieße«, 10. Oktober 1899.
Der Streit zwischen Briten und Buren versetzt das deutsche Volk in eine eigentümliche Lage. Gerechtigkeitssinn und Jnteressenpolüik scheinen zu einander in Widerspruch zu treten. Die Heißsporne unter den Gefühlspolitikern wünschen, daß Deutschland für die Buren thätig Partei ergreife, während offiziöse Preßstimmen verlangen, daß die öffentliche Meinung in Deutschland aus Jnteressenpolitik den Buren Unrecht geben und das Vorgehen der Engländer gutheißen solle. Das sind beides Extreme. Zum Eingreifen würde uns wie das Recht, so die Macht fehlen, und wenn die deutsche Regierung auch nur eine Parteinahme für die Buren bekundete, so würde ein möglicherweise siegreiches England daraus einen Vorwand ableiten, uns in Afrika und Kleinasien den Riegel vorzuschieben, anstatt mit uns zu teilen, wie es letzteres wahrscheinlich nach dem vielgenannten Abkommen thun wird. Andererseits aber den Engländern recht zu geben und ihre Gewaltspolitik gutzuheißen, daran verhindert uns das Gewissen. Von den Buren gewisse Reformen zu verlangen, war nicht unbillig und ließ sich gutheißen. Aber das Reformverlangen war für Chamberlain nur die Brücke zu rücksichtsloser Unabhängigkeitsberaubung. Und das verdient die entschiedenste Verurteilung.
Wir sind durchaus der Ansicht, daß Deutschland nicht Gefühls-, sondern Jnteressenpolitik treiben muß, und vertreten ferner auch den Gesichtspunkt, daß es für Deutschland keineswegs wünschenswert ist, sich gänzlich von Rußland abhängig zu machen, und daß die Politik der freien Hand, die gelegentlich auch ein Zusammengehen mit England ermöglicht, zur Förderung der deutschen Machtentwickelung im Hinblick auf die gegenwärtige Weltlage das richtigste ist. Aber damit, daß die deutsche Regierung von der britischen das Versprechen gewisser kolonialer Vorteile entgegennahm, hat, wie der „Schwäb. Merkur", dem wir folgen, treffend ausführt, nicht das deutsche Volk auch sein Gewissen verkauft. Kein Volk darf sich das Recht nehmen lassen, das, was nach seinem Sittlichkeits- und Gerechtigkeitsgefühl eine Gewaltthat ist, rückhaltslos, selbst wenn sie von einer verbündeten Nation begangen würde, als eine Gewaltthat zu bezeichnen und . zu verurteilen. Und wenn Volk und Presse in Deutschland das unter Beobachtung der Formen internationaler Rücksicht thun, so kann dadurch keine Gefährdung der von der Regierung eingeschlagenen Jnteressenpolitik verursacht werden. Der Himmel bewahre uns davor, daß die öffentliche Meinung Deutschlands um den Preis eines Judasschillings erkauft werden -könnte. Eine solche Charakterlosigkeit würde der Anfang vom Ende unserer nationalen Größe sein.
Jntereffenpolitik wollen heutzutage unzweifelhaft die meisten Deutschen von ihrer Regierung betrieben wiffen, aber sie haben aus der Geschichte der Vergangenheit nur Mißtrauen gegen England geschöpft und haben daher auch wenig Vertrauen, daß die Engländer das, was sie in dem vielgerühmten geheimen Abkommen versprochen haben, auch halten werden. Man kann sich des Argwohns nicht erwehren, daß England, wenn es durch eine siegreiche Unterwerfung der Buren seine Macht in Afrika und sein Ansehen in der Welt ungeheuer gestärkt hätte, eine ganz andere, und zwar eine gebieterische Sprache führen würde, als es bis jetzt zu thun wagt. Das Ministerium Lord Salisbury's erweist augenblicklich der deutschen Regierung ein außerordentliches Entgegenkommen. Aber würde das so bleiben? Würde das siegreiche England nicht die alte Anmaßung gegen uns hervorkehren? Die deutsche Regierung scheint Grund zu der Annahme zu haben, daß sie ein solches Bedenken nicht zu hegen brauche. Aber das deutsche Volk hat es zu einer so optimistischen Auffassung noch nicht gebracht, und der genannte Argwohn wird in ihm auch nicht vermindert werden, so lange die Regierung es über den Inhalt, die Form und den Wert des mit England getroffenen Abkommens im Dunkel läßt, bezw. vielleicht lasten muß. So lange die deutsche Regierung nicht in der Lage ist, das Volk zu vergewissern, daß ihre „Jnteressenpolitik" unzweifelhaft eine Förderung der deutschen Jnteresten bedeutet, wird sie auch Schwierigkeiten haben, die Oeffentlichkeit mit der Schwenkung auszusöhnen, die sie in ihrer Haltung gegenüber England und der Transvaalrepublik vollzogen hat.
Inzwischen aber legt man sich in Anbetracht der in offiziösen Preßorganen entfalteten Befürwortung der englischen Südafrikapolitik sehr naturgemäß die Grundfrage vor, ob denn das weitere Aufsteigen Englands unseren
eigenen Bestrebungen dienlich sein kann, ob nicht vielmehr die Erschütterung der britischen Macht in unserem Interesse läge und ob nicht die Vernichtung der britischen Macht am Cap und die Errichtung der „Vereinigten Staaten von Südafrika" uns viel größere Vorteile bringen könnte, als das die ausschließliche Seeherrschaft und womöglich die Weltherrschaft beanspruchende, anmaßende Großbritannien uns bieten würde. Die deutsche Regierung mag an strenger Neutralität festhalten — das ist „korrekt". Aber das deutsche Volk kann und wird es sich nicht nehmen lasten, im innersten Herzen mit dem Burenvolk in Südafrika zu sympathisieren und ihm sogar zu wünschen, daß ihm eine gegen die Engländer gerichtete Diversion der Rusten in Asien in ihrem Kampfe zum Siege verhelfen möchte.
Und das sagen wir ganz offen: das bramarbasierende Angelsachsentum, das in allen Weltteilen gegen das Buren- tum wirbt und wütet, und ein kleines um seine Unabhängigkeit kämpfendes Völkchen mit seinem von allen Enden des britischen Reiches zusammengelesenen Söldnertum zu vernichten droht, scheint uns eine recht verächtliche Rolle zu spielen. Die herrschenden Engländer, die ihre Haut nicht selbst zu Markte tragen, suchen mit Mietlingen, mit den Soldaten eines Volkes ein anderes Volk zu unterwerfen. Das war Roms Maxime — und es war Roms Untergang. Der Kern Englands ist nicht mehr, was er früher war. Sein alter Adel ist durch einen neuen ersetzt worden, der im Mammon fußt. Geldbesitz ist der herrschende Faktor in Englands sozialem und politischem L.eben, und hab gieriger H andels- und Erwerbsgeist bildet die Triebkraft des rücksichtslosen und jedes Recht in den Staub tretenden Imp erialis- mus, dessen Vorkämpfer der Kolonialminister, Herr Josef Chamberlain ist. (Vgl. letzte Meld.)
Deutsches Reich.
Berlin, 9. Oktober. Die Königin Wilhelmine der Niederlande wird heute nachmittag im Potsdamer Stadtschloste den Staatssekretär Grafen Bülow, den niederländischen General-Konsul George und eine Deputation des Berliner niederländischen Vereins empfangen. Heute abend findet Konzert im Neuen Palais statt.
— Reichskanzler Fürst Hohenlohe ist der „Nordd. Allgem. Ztg." zufolge seit einigen Tagen durch eine Erkältung genötigt, das Zimmer zu hüten.
— Der alldeutsche Verband, Gruppe Berlin, hielt gestern abend in der Schlaraffia eiue gut besuchte Versammlung über die Transvaalfrage ab. Es wurde einstimmig eine Resolution angenommen zu gunsten des Friedens, und ein Telegramm an den Vertreter Transvaals im Haag, Dr. Leyds, gesandt.
— Wiederzusammentritt des Reichstags. Wie wir schon am Sonntag meldeten, soll der Reichstag am 14. November wieder zusammentreten. Der Arbeitsstoff, der aus dem ersten Sessionsabschnitt unerledigt vorliegt, ist sehr umfangreich. Nicht weniger als fünf wichtige Vorlagen sind in den Kommissionen fertig durchberaten, sodaß ihre Verhandlung im Plenum beginnen kann, nämlich die Novelle zu den Post ge setz en; die neue Fernsprech-Gebühren-Ordnung; die Novelle zu den Justizgesetzen, worin u. a. der Nacheid und die Bestrafung uneidlicher falscher Aussagen vor Gericht eingeführt wird; die Novelle zum Strafgesetzbuch, allgemeiner bekannt unter dem Namen „lex Heinze", und die Novelle zur Gewerbeordnung, welche die Verpflichtungen der Gesindevermieter und Stellenvermittler regelt, für die Kleider- und Wäschekonfektion u. a. Lohnbücher und Arbeitszettel einführt, im Handelsgewerbe die Ruhezeit, die Mittagspause der Gehilfen und den Ladenschluß, den Baukonsens genehmigungspflichtiger Betriebsanlagen behandelt. In der Kommission stecken noch das Fleischbeschaugesetz, das dem Reichstag am 17. Februar zugegangen ist; das Telegraphenwegegesetz, das am 10. März vorgelegt, und die Reichsschuldenordnung, die am 4. Mai eingebracht wurde. Dazu kommen noch eine ganze Reihe insbesondere gewerbepolitischer Anträge aus dem Hause, die ebenfalls die zweite Lesung bereits passiert haben, und schließlich die Vorlage zum Schutz des gewerblichen Arbeitsverhältnisses, die sogleich in zweiter Lesung im Plenum verhandelt werden soll. Es stehen aber bereits noch weitere Vorlagen in sicherer Aussicht. Zunächst die Novelle zum Weingesetz, das bereits in dem sogenannten „Weinparlament", der mtt Wem-
intereffenten im Hochsommer gepflogenen Rücksprache, vorbereitet ist. Dann ist im Hinblick auf die Pestgefahr anzunehmen, daß ein Reichsseuchengesetz vorgelegt wird. Sehr wahrscheinlich ist eine Vorlage über die Regelung des privaten Versicherungswesens und den Schutz des Urheberrechts. Dazu kommt als eine der Hauptaufgaben der Session die Reform des Unfallversicherungsgesetzes, deren Einbringung im Laufe des Winters jetzt offiziös angekündigt ist.
— Die Klage des Grafen Erich zur Lippe- Weißenfeld gegen den Graf Regenten Ernst auf Herauszahlung der seit dem Jahre 1857 auf Grund des Brüdervergleiches bezogenen Rente ist von dem Landgerichte ix Detmold kostenpflichtig abgewiesen. Der Anspruch des Klägers gründete sich darauf, daß er die Ebenbürtigkeit der seit dem Jahre 1857 in den Genuß der Rente getretene« Mitglieder der Linie Biesterfeld, die als Voraussetzung für den Bezug der Rente stipuliert war, bestritt.
— Kultusminister Dr. v. Landmann. Die „Neue Bayer. Zeitung" meldet: „Die Professoren der Münchener Hochschulen sind, wie man weiß, mit dem Kultusminister Dr. v. Landmann sehr unzufrieden. Diese Unzufriedenheit, welche an Erbitterung grenzt und privatim sich oft in der schärfsten Weise äußert, fand kürzlich eine« drastischen Ausdruck. Der Direktor der Technischen Hochschule glaubte aus Anlaß der Vollendung der Neubauten an dieser Hochschule ein Dank-Diner des Pro- fessoren-Kollegiums für den Herrn Kultusminister veranstalten zu sollen und lud den Kultusminister dazu ein. Die Sache wurde dann vom Lehrerkollegium beraten Und das Diner mit Zweidrittelmehrheit abgelehnt, unter scharfer Kritik. So mußten ein paar Dutzend Eingeladener und der Kultusminister Dr. v. Landmann wieder „ausgeladen" werden."
Sozialdemokratischer Parteitag.
Hannover, 9. Oktober.
Der sozialistische Parteitag wurde heute vormittag 9 Uhr im Saale des Ballhofes durch den Abgeordneten Singer mit einer Begrüßungsansprache eröffnet. Etwa 300 Delegierte waren anwesend. Zum Vorsitzenden wurde Singer gewählt. Alsdann stimmte der Parteitag dem Vorschläge bei, die Arbeitszeit auf 8 Stunden täglich, also bis 7 Uhr abends zu beschränken. Es folgt als erster Gegenstand der Tagesordnung der Geschäftsbericht des Parteitages. — Zum Geschäftsbericht des Partei-Vorstandes liegen zwei Anträge vor, nach welchen der Parteitag die Unterlassung der Registrierung des Löbtauer Schwurgerichts-Urteils im „Vorwärts" mißbilligt und die nachträgliche Aufnahme in dieListe der Klassenkampf- Opfer beschließen soll. Um diese beiden Punkte drehte sich während der ganzen Vormittagssitzung die Debatte. Der Berichterstatter des Partei-Vorstandes, Abgeordneter Auer betonte, daß von fünf Vorstandsmitgliedern vier für die Nichtveröffentlichung des Urteils waren und deshalb demgemäß verfahren wurde. Ledebour-Dresden griff den Parteivorstand wegen der Unterlassung der Registrierung an, die er als einen schweren Mißgriff bezeichnete. — I« der Nachmittagssitzung des sozialistischen Parteitages wurde über die Parteikafse und über die Parteipresse Bericht erstattet. Die gesamte Reineinnahme betrug im Vorjahre 254753 Mk., wovon rund 118000 Mk. auf Beiträge dev Parteigenossen entfallen. Die Zahl der Abonnenten ist von 200000 auf 400 000 gestiegen. In der Angelegenheit des Löbtauer Urteils wurde dem Parteioorstande ein Vertrauensvotum erteilt. Abgeordneter Hoch-Hanau betont, daß man in den letzten Jahren mit zwei Strömungen -zu kämpfen gehabt habe, mit derjenigen des Freiherrn von Heyl und derjenigen des Freiherrn von Stumm. In allen wichtigen Fragen sei von der Fraktion stets volles Einvernehmen erzielt worden. Es wurden dann noch eine Reihe von Anträgen durch die Referenten begründet.
Ausland.
Wie«, 9. Oktober. Morgen erscheint eine kaiserliche Entschließung, mittelst welcher die Schließung der Reichsrat-Session angeordnet wird. Die Einberufung des Reichsrates wird Mittwoch bekannt gegeben werde«.
Petersburg, 9. Oktober. Die Ober-Preß-Verwaltung forderte den finnländischen Senat auf, gegen die neue finnlündische Preß-Verwaltung eine Untersuchung einzuleiten, weil letztere die Verbreitung schädlicher Bücher in finnländischer Sprache gestaltete.


