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Freitag den 11. August
Nr. 187 Erstes Blatt.
1899
Gießener Anzeiger
Heneral-^Unzeiger
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vikrtkljährlich 2 Mark 20 Pf,, monatlich 75 Pf«, mit vringerlsh»
Bei Postbezu, 2 Mark 50 Pf,. .
vierteljährlich.
Rkle Anzeigen-BermittlungSstellen des In« tmb ÄullanX nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger ent«««*.
mr »nzeigen zu der nechmittag! für Mw fetgtotoi r*| erscheinenden Nummer W vor«. 10 Uhr.
flKdxt U«klch mit lulne^mt M Rente,!.
Die Wehen er He*Hft<*«ritter »erden dem Anzeiger »öchenUtch viermel ßeigeteg t.
Aints- und Anzeigeblatt für den Ureis Gie^ein
Kebehien, Expedition und Druckerei:
-chnkßr.ße Ar. 7.
Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Ktätter für hessische Uotkskunde.
Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße».
Fernsprecher Nr. 51.
Amtlicher Teil.
Gießen, den 9. August 1899.
Betr.: Die Landtagswahlen.
Das GroWerzogliche Kreisamt Gießen an die Grosth. Bürgermeistereien Alleudorf a. b. Lahn, Altev-Bufeck, Annerod, Bellersheim, Bettenhausen, Birklar, Daubriugen, Dorf-Gill, Eberstadt mit Arnsburg, Ettiugsbauseu, Garbenteich, Grotzeu-Buseck, Grotzen-Liuden, Gröningen, Hattenrod, Hausen, Heuchelheim, Hungen, Inheiden, Klein-Linden, Laugd, Laug-Göus, Langsdorf, Leihgestern, Lich mit Hof Albach, Eoluhauseu uud Mühlsachsen, Lollar, Mainzlar, Münster, Muscheuheim mit Hof-Güll, Nieder- Bessingen, Nouuenroth, Obbornhofen, Ober- Bejsingen, Ober-Hörgern, Oppenrod, Rabertshausen mit Ringelshausen, Rodheim mit Hof Gras, Rödgen, Röthges, Rüddingshaufeu, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Frie- delhausen, Steiuheim, Trais-Horloff, Trohe, Utphe, Billiugeu, Watzenborn mit Steinberg, Weitershain, Wieseck.
Nach Maßgabe der Vorschrift in Art. 47 des Gesetzes vom 8. Nov. 1872 (Reg. Bl. S. 385) haben demnächst in ibeii vorbezeichneten Gemeinden, von welchen
1. die Gemeinden Bellersheim, Bettenhausen, Birklar, Dorf-Gill, Eberstadt mit Arnsburg, Ettingshausen, Grüningen, Hattenrod, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Lich mit Hof Albach, Colnhausen und Mühlsachsen, Münster, Muschenheim mit Hof-Güll, Rieder-Bessingen, Nonnenroth, Obbornhofen, Ober-Bessingen, Ober- Hörgern, Rodheim mit Hof-Gras, Röthges, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen dem 4. Wahlbezirk der Provinz Oberhessen,
:2, die Gemeinden Allendorf a.d.Lahn.Alten-Buseck,Annerod, Daubringen, Garbenteich, Großen-Buseck, Großen- Linden, Hausen, Heuchelheim, Klein-Linden, Lang-Göns, Leihgestern, Lollar, Mainzlar, Oppenrod, Rödgen, Trohe, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedel- Hausen, Watzenborn-Steinberg, Wieseck dem 5. Wahlbezirk der Provinz Oberhessen,
73. die Gemeinden Rüddingshausen und Weitershain dem 7. Wahlbezirk der Provinz Oberhessen und
4. die Gemeinden Rabertshausen mit Ringelshausen dem 12. Wahlbezirk der Provinz Oberhessen angehören, neue Wahlmänner- und Abgeordneten-Wahlen stattzufinden.
Wir beauftragen Sie demgemäß, die Aufstellung der Urwählerlisten unter Benutzung des Ihnen mit nächster Post zugehenden Formulars nach Art. 6, 7, 8 und 13 des obengenannten Gesetzes mit Berücksichtigung der durch das Gesetz vom 6. Juni 1885 (Reg. Bl. S. 117) eingeführten Aen- derungen sofort in Angriff zu nehmen.
Stimmberechtigt und in die Urwählerlisten aufzunehmen sind hiernach diejenigen Staatsbürger, welche seit Anfang des Rechnungsjahres 1899/1900 zu einer direkten Staatssteuer herangezogen oder, wenn dies nicht der Fall, kommunalsteuerpflichtig und zwar an demjenigen Orte, an dem sie wohnen.
Erwähnte Liste wollen Sie nach ihrer Aufstellung sofort dem Großh. Steuerkommissariate zur Vergleichung mit der Liste der Steuerpflichtigen mitteilen (cfr. § 17 der Anleitung zur Vornahme der Wahlmännerwahlen). Wir bemerken, daß vorerst die Bescheinigungen auf der letzten Seite der Liste nicht zu unterschreiben sind.
Bis längstens zum 1. September d. I. ist bei Meidung der Absendung eines Wartbotens berichtliche Anzeige über den Befolg der Auslage an uns zu erstatten.
v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Betr.: Bildung einer öffentlichen Wassergenossenschaft in den Fluren I und II der Gemarkung Steinheim.
Auf Antrag der Großh. Kulturinspektion Gießen ist der in unserer Bekanntmachung vom 7. August l. Js. (Kreisblatt Nr. 184) festgesetzte Abstimmungstermin vom 30. August l. Js. auf
Montag, den 4. September l. Js., vormittags 10 Uhr
verlegt worden.
Gießen, den 8. August 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.: Frhr. Schenck.
Prozetz Dreyfus.
Rennes, 9. August.
Der Zugang zum Lyceum und zum Militärgefängnis wurde heute früh vollständig abgesperrt, sodaß Dreyfus ungesehen von dem hinter dem Truppenkordon befindlichen Publikum den Weg zum Lyceum zurücklegen konnte. Die
heutige Geheimsitzung war mittags bereits beendet. General Chamoin wird morgen noch zwei Stunden sprechen; heute legte derselbe weitere Dokumente aus dem geheimen Aktenstück vor. Nach Chamoin folgt der Kommentar PalSologues, des Vertreters des Ministeriums des Auswärtigen. Während einerseits gemeldet wird, die nächste öffentliche Sitzung finde am Samstag statt, kommt von anderer Seite die Nachricht, die nächste öffentliche Sitzung sei auf Montag festgesetzt. Die Verschiebung der öffentlichen Sitzungen soll dem Gesundheitszustand Dreyfus' zuzuschreiben sein, welcher auch den Vorsitzenden des Kriegsgerichts beunruhige, Dreyfus soll einige Tage der Ruhe pflegen.
Die Gendarmerie-Offiziere, die Dreyfus bewachen, haben die Befürchtung eines Attentats ausgesprochen. Einer derselben äußerte sich dahin, in Rennes gebe es Leute, die für 40 Sous einen Revolver abschössen.
Nachdem in der heutigen Sitzung des Kriegsgerichts die Prüfung des geheimen Dossiers fortgesetzt worden ist, wird morgen mit der Durchlesung des ultra geheimen Dossiers, des diplomatischen Dossiers, begonnen. In der ersten geheimen Sitzung wurden von den 379 Schriftstücken, aus denen das Dossier besteht, 55 geprüft. Das Studium der übrigen Schriftstücke wird geringere Zeit in Anspruch nehmen, da dieselben nur als Ergänzung dienen. — Jaurös wird in der nächsten Woche seine Vorträge über den Dreyfus- Prozeß in Rennes beginnen. Man erwartet, wenn dieselben nicht polizeilich untersagt werden, heftige Zusammenstöße zwischen den beiden Parteien.
Fonzinetti hat sich dahin geäußert, daß Dreyfus Rennes vollkommen rehabilitiert verlassen werde. Die Gerüchte, daß der gestrige Tag neues Beweismaterial für Dreyfus gebracht hätte, seien leeres Geschwätz.
In einer der geheimen Sitzungen des Kriegsgerichts soll Dreyfus seinem Erstaunen Ausdruck gegeben haben, daß man ihm so viele Papiere vorlege, die mit seiner Angelegenheit gar nichts zu thun hätten. Gestern nachmitag empfing Dreyfus im Gefängnis seine Verteidiger Demange und Labori.
Deutsches Keich.
Berlin, 9. August. Die „Post" meldet aus Warschau: Das Kriegsgericht verurteilte den Händler Roze- witsch aus dem Grenzorte Wieruszow wegen versuchten Verrats militärischer Geheimnisse zu lebenslänglicher Ansiedlung in Sibirien. Der Sohn, welcher preußischer Unter- than ist, wurde freigesprochen.
Berlin, 9. August. Dem „Lokal-Anzeiger" wird aus
Zum Will der 13. Ulanen.
Don Wolf von Metzsch-Schilbach.
(Nachdruck verboten.)
Große mehr oder weniger kriegsmäßige Märsche haben jenseits unserer östlichen Grenzpfähle russische Kosaken und Einheitsdragoner-Regimenter vielfach durchgeführt. Aus solchen Märschen entstanden die in Fachkreisen oftbesprochenen Marschmanöver, aus denen sich erst in späterer Zeit in Rußland Manöver herausgestalteten, die gleich den unseren alle drei Waffen im Verein zur Geltung kommen lassen. Richt lange ist es her, da hat auch ein österreichisches Kavallerie-Regiment, das aus seiner Galizischen Garnison in neue Quartiere nach Klagenfurt in Kärnthen verlegt wurde, einen Fußmarsch über eine Strecke zurückgelegt, welche die Entfernung zwischen Hannover und Straßburg roch ein wenig übertrifft. In Deutschland sind große Dauermärsche dieser Art nicht durchgeführt worden. Zwar haben gelegentlich ganze Armeekorps beim Aufmarsch zu den Kaisermanövern umfängliche Kriegsmärsche durchgeführt, so beispielsweise das 8. Korps, damals unter Freiherrn von Soe von Trier nach Metz, aber die Entfernungsgrenze von eirva 1OO Kilometer ist dabei wohl nie überschritten worden. Auch hat der Kaiser wiederholt das in Posen garnisonierende Leib-Husaren-Regiment zu den großen Herbstübungen auf beträchtliche Entfernungen herangezogen. Noch in ziemlich fröscher Erinnerung ist ferner daß seinerzeit eine Schwadron ders Paderborner Husaren-Regiments, dessen Chef der Zar i|L zur Parade nach Görlitz in Schlesien befohlen wurde, al« das russische Kaiserpaar dort weilte. Aber immer wurden dann die Strecken auf dem Schienenwege zurück- Mgt.
Als zuerst verlautete, daß das 13. Manen-Regiment
den Befehl erhalten habe, von Hannover aus an der Parade in Straßburg und den nachfolgenden Kaisermanövern zwischen Karlsruhe und Stuttgart teilzunehmen, wurde diese militärische Neuheit in Fachkreisen viel besprochen, weil tatsächlich ein ähnlicher großer Fußmarsch zu Friedenszeiten von einem deutschen Regiment noch nicht durchgeführt ist.
Man nahm zunächst an, daß die ganze, rund 550 Kilometer messende Strecke einmal in Märschen, der Rückweg aber auf der Bahn zurückgelegt werden würde. Inzwischen hat sich aber, wie wir vernehmen, nach vielfachen zwischen Hannover und Berlin im Gang gewesenen Erörterungen die Frage dahin geklärt, daß das Regiment von der Leinestadt aus auf dem Schienenweg bis Gießen oder wohl richtiger bis einige Kilometer über die Universitätsstadt an der Lahn hinaus nach Butzbach befördert werden soll. Nach Zurücklegung dieser Bahnfahrt, die sich über 318 Kilometer erstreckt, tritt das Regiment seinen Fußmarsch zunächst nach Straßburg und dann ins Manövergelände an.
Von Gießen bis Straßburg liegen die Hauptstationen in folgenden Entfernungen: Frankfurt a. M. 50 Kilometer, Darmstadt 75, Heidelberg 125, Karlsruhe 175, Rastatt 200 und Straßburg 250 Kilometer. Abgesehen von den Märschen, die. das Regiment dann ferner während der großen Truppenübungen zurückzulegen hat, mißt die zweimal zu durchreitende Strecke Butzbach- bezw. Gießen- Straßburg und zurück rund 500 Kilometer, zu denen noch einige hundert Kilometer hinzukommen bis zu dem Tage, wo die 13. Ulanen voraussichtlich auf derselben Station, auf der sie den Ritt antreten, wieder einwaggoniert werden. Der Führer des Regiments, Herr v. Heyden-Linden, ist durch diesen Befehl vor eine Aufgabe gestellt, deren glückliche Lösung dereinst in den Annalen des Regiments
als eine der ehrenvollsten kavalleristischen Aufgaben dastehen wird. In den Wochen von Mitte August bis Mitte Oktober wird das militärische und sportliche Interesse ganz Deutschlands auf das Königs Ulanen-Reginunt gerichtet sein, und auf der Parade zu Straßburg dürften die Distanzreiter aus Hannover in ihren schmucken blauweißen Ulankas, mit dem neuverliehenen Garde-Adler an der Czapka, der Gegenstand ganz besonderer Beachtung sein.
Doch nicht nur eine überaus ehrenvolle, sondern auch eine sehr schöne Aufgabe harrt der 13. Ulanen, führt doch der Ritt südlich Gießen bis Straßburg durch einen der schönsten Abschnitte deutschen Landes. Zu Anfang südlich Gießen an der Lahn zieht sich die Marschrichtung durch Oberhessen hin in der Einsenkung, die Wetter und Nidda zwischen dem Taunus im Westen und dem Vogelsberg im Osten durchfließen; Feldberg und Taufstein, die höchsten Punkte des Landes nördlich der Mainlinie, grüßen dort ins Thal. Von Frankfurt bis Darmstadt zieht in der reichen Mainniederung die Straße sich hin und weiter südlich ist das Thal des Rheins, den einst das Regiment mit zu Deutschlands Strom gemacht hat, das der Marschroute die Richtung bis Straßburg, der „wunderschönen Stadt" bestimmt. Alt-Heidelberg die Feine liegt hier auf halbem Wege zwischen dem Ausgangspunkte des Rittes und seinem ersten Endziel. Die Höhen des Odenwaldes begleiten bis Heidelberg, das anmutige Neckarbergland durch Schwaben bis über Karlsruhe hinaus und vor die Thore von Rastatt die 13. Ulanen, und auf der letzten Strecke bis Straßburg ist es der sagenumwobene Schwarzwald, der östlich das Rheinthal umsäumt.
Doch auch nicht unbeträchtliche Strapazen stehen dem 13. Ulanen-Negiment bevor. Zunächst ist schon eine Bahn- fahrt, in der fünf Eskadrons mit Mann und Pferd, Sack


