^nvigst geliebte
mz
ifen.
5223
beueu:
02421
Mittag» 5 Uhr, 4 statt.
svemn.
uh Bchlar.
Hotel Kessel).
Mehrer Dr. Kofwaa» Seßlar, im Anschluß 'Berfammluitg irn igung der UrkMden« übet die Msassung bo^nten Dr. ßolii ach einer Pause um cksahrl nach Belieben
scht, Gaste find will- n, wolle man zeitig, Grn des Verein», abngerstraße 4, ge* n. 6118
n Vorstand.
»pff“1
1S’fe,
itiäfl o C 0.8 *•: 4242 9 atratzen 9 gewährter Sylt»' V •■Matratzen 0 atratzen S latrafzen. g r.Kissen g
Nr. 160 Zweites Blatt Dienstag den li. Juli 18»»
Gießener Anzeiger
Keneral-Anzeiger
Annahme »an Anzeigen zu der nachmittag» für de» Atzenden Lag erscheinenden Nummer H» vor«. 10 Uhr.
»tlMWtis vierteljährlich
2 Mark 20 Pf,, monatlich 75 Pfß. mit Bringerloh».
Bei Postbezug R Mark 50 2ßfg. lierttljährliH
Llle Anzeigeu-BermittlungSstellm de» In- und Lu»l«tz«G nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger mtgtg*.
frf4d*t ttßNch mit JluSnahme de» Montag».
Di« Gießener Ao«rtte»ßlttter werden dem Anzeiger «»chentlich viermal beigelegt.
Anrts- und Anzeigeblutt für den Ttreis Giefzen.
Redaktion, Expedition und Druckerei:
Sch kßr-tze Ar. 7.
Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde.
Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießt».
Fernsprecher Nr. 51.
'W
Zur Lage auf der Balkan- Halbinsel.
Auf der Balkan-Halbinsel, diesem Pulverfaß Europas, gährt es wieder einmal, wie wir unfern Lesern bereits ausführlich v gemeldet haben. Im Vordergrund des Interesses stehen Fürst Ferdinand von Bulgarien, der angeblich vertrieben sein soll und Exkönig Milan von Serbien, auf den ein Attentat ausgesührt wurde. Wir geben beide Persönlichkeiten im Bilde wieder.
6.1
Der abgewandte Weltuntergang.
Neber die im Sommer und Herbst 1899 zu erwartenden Sternschnuppenfälle schreibt dem „Berl. Tagebl." Professor Dr. Förster, der Direktor der Berliner Sternwarte: Die sogenannte Perseiden-Erscheinung, nämlich der Sternschnuppenfall, welcher in den Tagen vom 8. bis 12. August aus dem Sternbilde des Perseus auszustrahlen scheint, wird diesmal besonders begünstigt sein durch die Abwesenheit des Mondscheins, da der Mond in diesen Tagen schon vor 9 Uhr abends untergeht.
In betreff der Leoniden, nämlich desjenigen Sternschnuppenfalls, welcher Mitte November aus dem Sternbilde des Löwen auszustrahlen scheint und zwar besonders reich alle 33 Jahre, liegt die Sache sehr eigentümlich. Der Mond ist am 16. November voll, aber er ist in denjenigen Morgenstunden, in denen der Strahlungspunkt dieser Meteore seine größte Höhe über dem Horizont erreicht, bereits untergegangen oder dem Untergang nahe.
In welcher Weltzeit aber der Durchgang der Erde durch die Leonidenschar eintreten wird, und ob wir in Deutschland um diese Weltzeit den Strahlungspunkt (den scheinbaren Ausgangspunkt) im Löwen genügend hoch für eine glänzende Erscheinung über dem Horizonte haben werden, ist durch die neuesten Untersuchungen über die Störungen, welche die Lage und die Gestalt der Bahn dieser Meteorschar seit dem Jahre 1866 hauptsächlich durch die Anziehungswirkungen des Jupiter erlitten hat, sehr ins unsichere gerückt worden. Zwar ergiebt die vollständigste Vorausberechnung auf Grund dieser Störungsuntersuchungen, daß der Durchgang der Erde durch die Ebene dieser Meteorbahnen wahrscheinlich am 15. November um 9 Uhr mitteleuropäischer Zeit, also um 4 Uhr morgens, am bürgerlichen
16. November erfolgen wird, somit upt die Zeit, um welche der Strahlungspunkt, abgesehen ' von der beginnenden Dämmerung, die günstigste Stellung über unserem Horizont haben wird. Indessen wird durch die aus derselben Rechnung folgende starke Veränderung, welche die Gestalt der Bahn hinsichtlich des kleinsten Abstandes von der Sonne erfahren hat, mindestens ein erheblicher Zweifel daran erweckt, ob die Erde bei dem Durchgänge durch jene Bahnebene ebenso zahlreichen Scharen von Meteoren, wie in den Jahren 1866, 1833 usw. begegnen wird. Jedenfalls muß sorgfältige Ausschau danach gehalten werden, ebenso wie in der zweiten Hälfte des November nach den Meteoren, die aus dem Sternbilde der Andromeda auszustrahlen scheinen und deren Vorausbestimmung im vorigen Jahre sich nicht bewährt hat.
Die großen Jupiterstörungen, welche auch diese Scharen in den letzten Jahren erfahren, hatten infolge der Unbestimmtheit wichtiger Grundlagen der bezüglichen Untersuchung nur sehr unsicher in Rechnung gestellt werden können. Es ist möglich, daß die Bahnen der letzten Meteore bei jener Jupiternähe überhaupt eine solche Veränderung erfahren haben, daß die reichen Strahlungen aus der Andromeda, die auch erst seit einigen Jahrzehnten beobachtet worden waren, bis auf weiteres zu Ende gegangen sind.
Jedenfalls ist der sogenannte Weltuntergang, welchen man seltsamer- und irrtümlicherweise aus den bisherigen Angaben der Fachmänner über den Durchgang der Erde durch die Bahn der Leoniden und eines bekannten Kometen für Mitte November 1899 angesetzt hatte, durch jene Störungswirkungen des Jupiter jetzt auch für die abergläubischen Befürchtungen als beseitigt zu erachten.
Deutsches Reich.
Berlin, 8. Juli. Zum Telegrammwechsel zwischen Kaiser Wilhelm und Loubet schreibt die „T. R.": Im „Figaro" spricht Whist seine Genugthuung aus über das Verhalten des Kaisers Wilhelm bei seinem Besuche an Bord der „Iphigenie", besonders über den Austausch der Telegramme zwischen dem Kaiser und dem Präsidenten Loubet. Eine Annäherung zwischen den Kabinetten von Paris und Berlin auf kolonialem Gebiete sei wünschenswert. Alles, was hierzu beitragen könne, müsse von Frankreich günstig ausgenommen werden. Die gestern ausgetauschten Telegramme seien ein neuer Beweis der friedlichen Gesinnung des Kaisers. Selbstverständlich urteilt eine große Zahl von Pariser Blättern auch sehr abfällig über den Besuch und knüpft in gewohnter Tonart allerlei bissige Bemerkungen und gehässige Ausfälle und Unterstellungen an den Schritt des Kaisers. In London hat das Ereignis, wie uns unser Berichterstatter telegraphiert, großen Eindruck gemacht, zumal nachdem der Kaiser die Hoffnung, daß er nach CoweS zur Regatta kommen werde, nicht erfüllt hat. Unser Berichterstatter fügt hinzu: Die Presse, ausgenommen „Daily Mail", sucht ihre Beunruhigung zu verbergen, aber wie ich von wohlunterrichteter Seite erfahre, herrschte bei Eintreffen der Nachricht von dem Depeschen-Austausch gestern in höchsten Politischen Kreisen geradezu Bestürzung. Man befürchtet, wenn auch kein Bündnis, so doch Anlehnung Frankreichs an Deutschland in Kolonialfragen und eine wesentliche Veränderung der jetzigen Konstellation. Die Kreise der Haute Finance sind gleichfalls beunruhigt und befürworten ein englisch-deutsches Einverständnis als friedlichste Kombination.
Berlin, 8. Juli. Wie das „Berliner Tageblatt" vernimmt , geht dem Bundesrat in. diesen Tagen eine im Reichsamt des Innern ausgearbeitete Novelle zum Weingesetz von 1892 zu, in welcher die gewerbsmäßige Herstellung von Kunstwein verboten wird.
Berlin, 8. Juli. Das Linienschiff Baden erlitt, wie dem „Berliner Tageblatt" mitgeteilt wird, während des Manöverierens in der Nordsee Havarie. Es mußte das Geschwader verlassen und traf in Kiel mit beschädigter Schraube ein. Bei Niederlassung des Heckankers traf dieser die Schraube, wodurch das Panzerschiff manöverierunfähig wurde. Es mußte mit einer anderen Maschine die Kaiserswerft zur Reparatur aufsuchen.
Berlin, 8. Juli. Die Kommission zur Ausarbeitung einer türkisch-griechischen Konvention, die ihre Sitzungen seit Monaten unterbrochen hatte, nimmt, wie das „Berliner Tageblatt" aus Konstantinopel meldet, dieser Tage ihre Arbeiten wieder auf. Man glaubt, diesmal zu einem Resultat zu gelangen, da die griechischen Delegierten Auftrag zu haben scheinen, in verschiedenen früher hartnäckig festgehaltenen Punkten nachzugeben.
— Arbeiterwohnungen. Der Vorsitzende des Gesamtverbandes der evangelischen Arbeitervereine Deutschlands, Lic. Weber, hat an das Staatsministerium nach
Feuilleton.
Keiseöriefe für den „Gießener Anzeiger".
(Nachdruck verboten.) n.
Sommertheater in München.
E. Nachdem die Oper, an welcher zuletzt noch häufig das Wagner'sche Jugendwerk „Die Feen" gegeben wurde, und das „Schauspiel", woselbst Ferdinand Bonn ein erfolgreiches Gastspiel absolvierte, geschlossen haben, stehen von Bühnen noch offen: das „Residenztheater", das „Volkstheater", das „Theater am Gärtnerplatz" und das „Deutsche Theater". Letzteres, in der Schwanthaler Passage gelegen, schon durch seine glanzvollen und behaglich eingerichteten Jnnenräume eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges, hat seit einem Jahre seinen Charakter vollständig verändert. Ursprünglich als „Schauburg" für den linken Flügel der modernen Dramenlitteratur bestimmt — im Frühjahre 1897 sahen wir hier das Zola'sche Schauerstück „Therese Raquin" — ist es jetzt in ein Varietetheater größten und vornehmsten Stils umgewandelt worden. Nicht nur, daß große Balletarrangements mit pompöser Ausstattung auf dem Repertoire erscheinen, Seil- und Parterre - Akrobaten ihre staunenerregenden Künste zeigen --ganz aparte, höchst originelle Nummern bringt der
Spielzettel, wie z. B. das Quartett der schwarzen Troubadours, welches uns in unverfälschter Negersprache amerikanische und afrikanische Nationalweisen zu Gehör bringt. Die farbigen Sänger, welche im tadellosen europäischen Gesellschaftsanzug erscheinen, und in ihrem ganzen Auftreten etwas sehr Zivilisiertes haben — hat sich bekanntlich in den letzten zwanzig Jahren in den „Vereinigten Staaten" doch so etwas wie eine Negeraristokratie herausgebildet — besitzen schöne, klangvolle Stimmen und einen wohlgeschulten Vortrag, der namentlich in der feinen Behandlung des Piano und Pianissimo echt künstlerische Wirkungen zu erzielen weiß. Die Tonstücke selbst erscheinen uns, von einzelnen abgesehen, schon etwas idealisiert. Dvorak, als er nach New-Aork übersiedelte, hat ja zuerst die musikalische Welt dadurch in Erstaunen gesetzt, daß er seinen von Amerika aus datierten Kompositionen echte Negergesänge zu Grunde legte. Eine Umbildung derselben nahm er für seine Zwecke allerdings vor, und es ist sehr möglich, daß diese Kunstmusik wiederum die Volksmusik beeinflußt hat.
Ein Haupttreffer des Spielplanes im „Deutschen Theater" besteht in der Vorführung der „Mutoskopen", dieser neuesten Wundererscheinung auf dem Gebiete der Optik, die alles schlägt, was man bisher dem Auge durch Lichtbilder, Transparente, Zauberspiegel an Illusionen bereiten konnte. Wenn sich auf der hellen Fläche des Vor
hanges der Stapellauf des Panzerschiffes „Wilhelm der Große" entwickelt, oder wir Felix Faure auf der Fasanen- jagd erblicken, so ist das alles so plastisch deutlich und lebenswahr, daß man keinen Moment an ein „Bild" denkt, sondern einem wirklichen Vorgänge als Augenzeuge beizuwohnen glaubt.
In alten Schmökern ist viel zu lesen von den Geisterbeschwörungen, mit welchen der Abenteurer Cagliostro selbst die Gebildeten unter den Zeitgenossen zu berücken verstand. Welchen Eindruck hätten seine Künste erst gemacht, wenn er bereits im Besitze jener technischen Errungenschaften gewesen wäre, die heute die moderne Wissenschaft, nicht zu lichtscheuem Thun, sondern zum Nutz und Frommen aller, zur Erheiterung und Belehrung der menschlichen Gesellschaft in den Dienst des Fortschritts stellt!
Während der Pausen besichtigt man im „Deutschen Theater" die luxuriös ausgestatteten Jnnenräume. Säulen, Plafondsmalereien, der „japanische Saal", der „Silbersaal" lassen keinen Zweifel darüber aufkommen, daß dieses Theater in einer Kunststadt ersten Ranges liegt. Der moderne Barockstil, in welchem es erbaut ist, paßt vorzüglich zu dem gegenwärtigen Zweck, welchem es dient. Zweitausend Personen kann der Zuschauerraum aufnehmen. Die großen Redouten des Münchener Karnevals werden hier abgehalten.


