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11.6.1899 Zweites Blatt
 
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1890

Sonntag den 1t. Juni

Zweites Blatt

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Gießener Anzeiger

General-Unzeiger

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vom marine-militärischen Standpunkte aus für kriegerische Eventualitäten durchaus notwendig sei, damit zwischen dem kaiserlichen Hauptquartier und den Chefs .der dem Feinde gegenüberstehenden Truppen sich keine Instanz mehr befindet. Die auf die Neuregelung der obersten Marme-Behorde bezüglichen Posten wurden unverändert bewilligt, desgleichen

seinen Platz in der englischen unb in der Weltlitteratur an- iUroCUenbert)aut)t folgt di- Wissenschaft in ihrem Gaug- dem allgemeinen Interesse sür ausländische Poesie: st- vertieft cs, soweit es vorhanden, merkwürdigerweise erweitert sie es nicht. So lebhaft sich deutsche G-l-hrt- mit Chaucer beschäftigt haben, das große Publikum haben sie ihm, trotz der vorhandenen trefflichen Verdeutsc^ingen, nicht gewinnen können. Ebenso verhält es sich mit Shakespeares Zeitgenossen: wer kennt aus eigener An­schauung Spencer, wer Marlowe, wer Ben ^onson? Die Beziehungen zwischen den fremden Dichtern und dem deutschen Publikum entwickeln sich gewissermaßen aus persönlichen Bekanntschaften, und wenn von Vermittlern gesprochen werden kann, so gehört dazu sicher nicht die Wissenschaft, sondern eher die heimische Dichtkunst und die Musik. So ist es auch in unserem Falle: Burns ist dem Deutschen kem Fremder. Einige seiner Lieder, ich erinnere nur an:Mein Herz ist im Hochland" und an ..John Anderson", haben bei uns Heimatrecht erworben. Und h^^ gebührt zum guten Teil das Verdienst der Musik, sei es, daß deutsche Meister uns den Text mit der schottischen Melodie hernberholten, wie Beethoven that, sei es, daß sie zu den Burns sch en Versen neue Weisen ersannen, wie vor allen -Kotiert S ch Wie vorteilhaft, ja, wie notwendig ein solches Vertraut­sein der Gesamtheit mit dem fremden Sänger auch dem Gelehrten ist, der ihn in seiner ganzen Eigentümlichkeit er­fassen und darstellen will, leuchtet ein. Gerade m dieser Beziehung sind wir Deutschen anderen Nationen voraus. Unser alter Erbfehler, fremden Einflüssen allzuleicht zu­gänglich zu sein, wird hier eine Tugend. Und ganz be­sonders ist das dem Engländer gegenüber der Fall. Der Engländer lebt nicht nur geographisch auf einer Insel. Er

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französische Demokratie in der P-rfon ihres Erwählten be- leidiat hat, ein Ende zu machen. ___

Ministerpräsident Dupuy empfing am Mittwoch vor­mittag Abordnungen von republikanischen Gruppen des Senats und der Kammer und besprach mit ihnen die poli­tische Lage. Dupuy uud die Abgeordneten kamen zu der Ueberzeugung, daß die Lage eine besondere Wachsamkei erheische. Der Ministerpräsident gab den Abordnungen die Versicherung, daß die Regierung sich nur von den Jnierefsen der Republik leiten lasse. Die Kammergruppe der nationalen Verteidigung beabsichtigte, am Donnerstag an die Regierung die Frage zu stellen, welche Maßregeln sie zu treffen gedenke, um bei Kundgebungen, die am Sonntag beim Rennen rn Longchamps erfolgen könnten, die Ordnung zu sichern. In der Anfrage soll auf die Artikel gewisser Blatter hmgewiesen i werden, die gerade zum Bürgerkrieg aufforderten. D. T.

werden. . .

MPC In Reichstagskreisen wird die Frage erörtert, ob jetzt, nachdem zu erwarten sei, daß wir mtt Spanien auch handelspolitifch auf einen b-ss-ien Fuß zu stehen lommen, der Zeitpunkt erschienen fein mochte, wo auch anbeiweite Regelung unserer h""delspolitischen Bezieh, ungen zu Portugal erfolgen könne. Mehrfach hat verlautet, daß ein neuer Handelsvertragsentwurf fertig gefteöt, in- dessen mit Rücksicht auf verschiedene Umstände zurnckgelegt worden sei. Keineswegs vereinzelt tritt die Ansicht auf, der Abschluß eines neuen Handelsvertrags Mit Portugal werde kaum früher als die Erneuerung der von 1891 bis 1894 stipulierten Verträge erfolgen.

UPC Der V olksfrieden unter den National!- täten Oesterreichs-Ungarns. Der unbefriedigend- Stand der Nationalitätenfrage in Oesterreich-Ungarn hat eine Gruppe angesehener Politiker veranlaßt, sich mit der Frage zu beschäftigen, wie der nationale Frieden unter den Völkern der habsburgischen Monarchie hergestellt werden könnte. Wie wir hören, besteht der Plan, eine starke I Mittelpartei zu organisieren, welche eine Aussöhnung unter d-u «Rationalitäten auf d-1 Basis der nationalen Gleich, ber-chtigung h-rb-iführ-n will. Zu diesem Zwecke wird auch eine politische Wochenschrift unter dem Titel®ei $olis= frieden, Organ für nationale SBetftanbtgung und Gleich- berechtigung" herausgegeben werden. (Wien XIV.jotyn-

MPC Der Staatssekretär des Innern Graf Posa- dowsky hat dief-r Tage mit besonderem Nachdruck gesagt, die Vorlage zum Schutz d-S gewerblichinü^ beitsverhültnisfes fei nicht sowohl -m- folche des Reichsamts d-s Innern, sondern des Reichskanzlers, Sie (ei einstimmig vom Bundesrat angenommen worden, Nachdem es einige Seit für zweifelhaft gelten konnte, ob die Aus arbeitung des Entwurfs mehr zu den Kompetenzen des R-ichsjustizamts oder zu benen d-s Re.chsamts d-s Innern gehör- ist d-rs-lbe in den Grundzügen demnächst in letzterem ftstg-st-llt word-n. Es haben des weiteren dann kommista- ri che Verhandlungen mit Vertretern des R-tchstust zamts und sachverständigen Delegierten der größeren Bundesstaaten stattgesunden. In Reichs,agskr-isen wirb9=""mm=". dt- Generaldebatte über die Vorlage werde durch eine Er. klärung des Reichskanzlers Fürsten v, Hohenlohe emgelettet

Feuilleton.

Zur englischen LMeraiurgeschichte.

Max Meyerfeld: Robert Burns, Studien zu seiner dichterischen Entwickelung.

Berlin, Mayer u. Müller, 1899. VIII u. 138 S-

Qu den neuen Arbeitsgebieten, die sich die deutsche Menschaft in den letzten Jahrzehnten erobert hat, gehört ^moderne englische Litteratur. Lange Zeit hindurch kon­tierte sich das wissenschaftliche Interesse auf Shakespeare

seinen Kreis, jetzt umfaßt es, den Anschauungen unserer 5m- folgend, auch die Gegenwart und die Zeitspan^, die

yon Shakespeare trennt. Nach verschiedenen Seiten Bn macht sich die neue Wendung fühlbar. Im Umversitats- Wm charakterisiert sie sich als die nunmehr durchgefuhrte Dichtung selbständiger Lehrstühle für englische Sprache mb Litteratur, während bisher dieser Lehrzweig mit der manischen oder gar der romanischen Philologie zusammen- Hdowelt war; die Litteratur dagegen ist durch wertvolle nme Monographien bereichert worden. So fanden Shelley w kvelene Richter und Tennyson in E. Koeppel neuerdings lvWiqe Biographen. Vielleicht hat die Jahrhundertfeier mn Burns' Todestag, die vor drei Jahren begangen wtie, den äußeren Anlaß gegeben, daß sich das Studium 'hm schottischen Dichter zuwandte, und verdanken wir ihr »m noch keine umfaffende Lebensbeschreibung, aber doch ,« sehr talentvollen Vorläufer zu emer solchen. Alle W Arbeiten haben nicht nur die Bedeutung, uns Deutschen i-i! Bekanntschaft dieser Dichter zu vermitteln; vielmehr Hn sie bis zu einem gcwifien Grade die Kenntnis ihr r kilike voraus, und suchen, gestützt darauf, dem Dichter

schließt sich gegen Fremdländisches, namentlich gegen Deutsches, in selbstgenügsamem Hochmut ub. In zahlreichen kleinen Zügen äußert sich das. Erstaunlich ist beispiels­weise, wie wenig die deutsche Sprache m England bekannt ist Etwas, was der Tauchnitz Edition oder den billigen Uebersetzungen bei Reklam und Meyer entspräche, giebt es dort nicht. Und selbst die deutsche Wissenschaft wird nicht ohne Widerstreben gewürdigt, und englische Gelehrte, von denen man ein leidenschaftsloseres Urteil erwarten sollte, verschmähen es nicht, mit Spott auf die sorgfältigen wissen­schaftlichen Studien derGerman students und ihrer -Professors zu schauen. .

Solchem Spott wird vielleicht auch die vorliegende Arbeit anheimfallen, denn sie ist ein hervorragendes Bei­spiel von minutiöser Quellenforschung, und gerade diese ist in Gefahr, von oberflächlichen Beurteilern mit Remimszenzen- jäqerei verwechselt und als unwissenschaftliche Spielerei, als oberflächlichste Art der Litteraturbehandlung angesehen zu werden Mit Recht geschieht dies da, wo versucht wird, durch das so gewonnene Material den Dichter der Un­selbständigkeit, des Plagiates zu überführen. In der rich­tigen Hand jedoch wird diese Methode zum sichersten Hilfs­mittel, wo es gilt, der Entwicklung eines Genius nach- zuspüren. Die fremden Einflüsse, die, oft dem Dichter selbst unbewußt, in seinen Versen sichtbar werden, dienen uns als Wegweiser, um den Pfad, den er gegangen, zu ver­folgen, als Maßstab, mit dem wir sein Wachsen ermessen können. Deshalb ist es eine notwendige Aufgabe, die Be­ziehungen, die den Dichter mit seinen Vorgängern und feinen Zeitgenossen verknüpfen, aufzuweisen. Für Burns, war diese Aufgabe umso notwendiger, als m Deutschland bisher niemand mit dem gehörigen Nachdruck der hegende von Burns, dem Naturdichter entgegengetreten war Noch Ed. Engel schreibt in seiner Geschichte der engl. -ütera

den Vorgängen in Frankreich.

geht neuerdings das Gerücht, dieweißen Nelken hi Mn beim Rennen in Auteuil am Sonntag auf nichts q(-rrinqere8 abgesehen gehabt als auf die Entführung d I WiLten bei Republik Damil soll bi- H^siuchung >m L jolalc ides Motorwagenklubs an der Place de la Concorde » «k die Schließung desselben zusamm-nhang-n. denn -s H-Ißl. --m MMoiwagen von g-ößl-i G-schwinbigkeil habe in. bei Jt» des Rennplatzes auf die Entführer und den Entführten cr-partit. Diese Geschichte erinnert an einen Plan, der feMmt den Trägern derroten Nelken", den Boulangisten, ii|uQtid)r ieben wurde, den Plan, den Präsidenten Sadi Carnot v'M einer Spazierfahrt wegzuholen und in einer auf der r» :>on Montmartre in aller Heimlichkeit für ihn em« q schicken Wohnung als Geisel zu hüten, bis er m einem Mnifr ste den Rücktritt erklärt hätte. Nach der Haussuchung .imAwrnobileklub, bei der ein Stoß Papiere beschlagnahmt mifitbti,, richtete der Präsident der Gesellschaft, Baron van > V* van Nyeveld, an den Pvlizeipräfekten em Schreiben vui! ber Bitte, die Thätigkeit der Gesellschaft nicht zu unter- bßmcher,, weil dadurch ein erheblicher Schaden für ^e Mvtvr- nii'agm^nbuftrie erwachsen würde. Neun von den 46 Ber- I Der Kaiser traf heute vormittag

hbjteteni wurden provisorisch auf freien Fuß S^etzt. Unter ^euen Palais kommend, auf dem Bornstedter

dlliikjm Ibefindet sich weder der Barori Fernand de Ehristlam, 9 unb besichtigte dort das erste und dritte Garde- | 81121 Stockschläge nach dem Präsidenten der Republik g- F ^baiment Darauf vereinigte der Kaiser beide f W.lnoch der Graf Pierre d'Auvigny, der dem Friedens- sgrigabe und exerzierte dieselbe. Sodann

"Ml di- schw-1- Kopfwunde beigebiachl haben:^0 welch- R-S'M-N ^-s-chts-Ex?izi-i-n im F-U-I statt, zu dem bas

b Ain auf feinem Schm-izenslag-i die Verleihung des fand lurz «nb eine Batterie des 2. Garde-

ShiMjeS der Ehrenlegion durch bas Sta°t«°b-rhaupt ° ntrug, ^,^duiilleri-.R-giments hinzugezogen wurde. Den Schluß .,L>ch nach der Graf de Dion, der bekannte bonap f ich I u bildete ein Parademarsch.

.^bioubegen, der ans einem lockeren Lebemann em Groß- | b 9 Die Wahlprüfungs-Ko m-

i Mrieller, Direktor einer Fahrrad- und Motorwagenfabri I des Reichst ages erklärte die Wahl des Ab-

i nM-aux bei Part« wurde. Be. der Hau« nchung " ^^/^^,s °w (konf.) für giftig, b-anstanb-t- feiner Wohnung weigerte sich fern ^^reta^ dem P z | 9 bcd Abgeordneten Böckel (Antis.).

kssmijssar Manon das Gehe,mwort des Buchstabenschloss I 9 9 f . Die Budget-Kommission des

tte eifetnen Geldfchiankes anzuvertiauem Der Sch °n Reichstages letzte heute die Beratung d-s Nachtrags- 1 mibe daher nach dem Justizpalafte g->ch°ssft w°' ®ra! * bei dem Nachtrag- zum Marine-Etat fort, welcher im

SDon ihn nach einigem Zögern erschloß, nicht ohne bem infolge der Neu-Organifation des Martne-

s Mi ikommisfar sm ihn selbst und seine Vorgesetzten d x,bxrlommandos erforderlichen Beränd-rung-n betrifft. <@iobh)eiten zu sagen. Staatssekretär Tirpitz erklärte, daß die Neu-Organisativn

Der Ausschuß der Liga der Menschen- und Burger- | toiaaisictreiuE ...» tr..

mijte nahm einen Beschlußantrag an, in dem es etwa heißt: ' Dr Ausschuß hält es für seine Pflicht, seinen Abscheu vor N'in Vorkommnissen in Auteuil auszusprechen, vereinigt mit guten Franzosen, um dem Erwählten des Landes sein -Stauen und seine Achtung auszudrücken. Die republika- iMe Bevölkerung von Paris wird am nächsten Sonntag

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