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11.4.1899 Zweites Blatt
 
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Dienstag den 11. April

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Zweites Blatt

Amts- und Anzeigebltttt für den "Kreis Gieren

zu seiner Bevölkerungszahl ist der auswärtige Handel Fin-

Vertrages versucht werden durch weitgehendere Ermäßigungen

werden.

Alle Anzeigen-DermittlungSstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen.

Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schokstratze Ar. 7.

sthren muß.

Bekanntlich ist neuerdings der Kronprätendent Malietoa zm König von Samoa eingesetzt worden, aber nicht, wie tk Die Samoaakte vorschreibt, durch gemeinsamen Beschluß Deutschlands, Englands und der Vereinigten Staaten, son- btrt auf Grund eigenmächtigen Vorgehens der beiden letzteren Mächte. Nach dem Völkerrechte ist die Wahl Malietoas ülit ungültig, umsomehr als der Samoa-Vertrag ausdrücklich jtb< separate Handlung einer einzelnen Macht verbietet.

-.ch die seitens der letztgenannten Staaten angeordnete öcmu o. u.ws> .........b...........

Schiebung Apias stellt sich als eine willkürliche Handlung | Vorfälle von deutschen Meldungen bis jetzt nur folgendes bar,, da jedes militärische Einschreiten auf Samoa erst statt- - - - - - " r *'- '

finden darf auf Grund des einstimmigen Ersuchens der -orssuln Deutschlands, Englands und Amerikas. Der deutsche Sonsul aber hat gegen die Exekution ausdrücklich protestiert, iinb es muß erwartet werden, daß die Regierungen von London und Washington diesem Protest wenn auch nach-

Telegramm des kaiserlichen Generalkonsuls in Apia vom 24. März vor:Täglich finden kleine Zusammenstöße um Apia statt, das Bombardement dauert mit Unterbrechungen noch an. Tanu wurde gestern von den anderen Konsuln und Kommandanten in Mulinuu als König eingesetzt. Die

Geschäfte stehen still, seit dem 15. März sind alle Läden geschlossen". Eine halbamtliche Berliner Meldung besagt: Durch einseitiges Eingreifen englischer und amerikanischer Schifte vor Samoa kann der enbgiltigen Regelung der sa­moanischen Angelegenheiten nicht vorgegriffen werden, die nach der Samoa-Akte nur auf Grund einstimmiger Beschlüffe der drei Mächte zu erfolgen hat. Die deutsche Regierung hält an diesem Standpunkt unbedingt fest und betrachtet demgemäß jede Einsetzung einer neuen Regierung für Samoa, die sich ohne ihre Zustimmung vollziehen würde, als eine Verletzung der Samoa-Akte. Die kaiserlichen Botschafter in London und Washington sind in diesem Sinne mit Weisungen versehen worden". Eine frühere, vom Freitag stammende Washingtoner Nachricht meldet über die internationale Kom­mission:Sicherem Vernehmen nach besteht zur Zeit die Absicht, daß jede der drei Mächte nur durch einen einzigen Kommissar bei der Beratung der Samoaangelegenheit ver­treten sein soll; doch ist es möglich und sogar wahrscheinlich, daß jedem Kommiffar ein Assistent oder Sekretär zugestanden

wird".

Die Abteilung der Kolonialgesellschaft zu Wiesbaden hat zu dem Cecil Rhodesschen Plane einer afrikanischen Nord-Süd-Eisenbahn Stellung genommen, in­dem sie auf Grund eines eingehenden Vortrages des Re­gierungsbaumeisters Franz Woas folgende Erklärung beschloß, die sowohl dem Reichskanzler wie auch dem Ausschuß der Kolonialgesellschaft unterbreitet werden soll: Der Verein erklärt sich aus nationalen und wirtschaftlichen Gründen gegen die Führung der afrikanischen Nord-Südbahn über deutsches Gebiet, solange nicht die deutsch ostafrikanische Eisenbahn Dar-es-Salaam fertiggestellt ist, und zwar möglichst unter Zinsgarantie des deutschen Reichs. Dieser Bau erscheint um so dringender, als die rasche Ausführung der englischen Uganda-Eisenbahn den deutschen Interessen bereits entgegenzuwirken beginnt.

__ Auch für die deutsche Ausfuhr wird die an­gestrebte wirtschaftliche Angliederung Finlands an Ruß­land von Folgen sein, und zwar von sehr ungünstigen. Bisher bildete das Großfürstentum ein Zollgebiet für sich und erhob von russischen Waren ebenso gut Eingangszölle wie von den Erzeugniffen anderer Länder. Im Verhältnis

Berlin, 8. April. Wie derNational-Zeitung" von unterrichteter Seite bestätigt wird, ist das deutsche Detache­ment zur Bestrafung der Aufrührer in Süd- Schantung auf die Gefion zurückgekehrt, nachdem es zwei Dörfer in der Nähe von Jtschaufu, wo deutsche Reisende angegriffen worden waren, niedergebrannt hat. Diese strenge Strafmaßregel hatte sich als unabweisbar

Adresse für Depeschen: Anzeiger Kietze«.

Fernsprecher Nr. 51.

herausgestellt.

Berlin, 8. April. Aus Samoa liegt über die neuesten

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt Mütter für hessische Dalbskunde.

mit Engländern in anderen Weltteilen zu thun gehabt hat, für die Deutschen im Auslande und die Stärkung des Deutschtums besonders gegenüber den Engländern, wo nur es sei, ein warmes Herz behalten wird, wie bisher. Mit ähnlichen Worten drückte auch im Namen der Mitglieder des Deutschen Klubs in Kapstadt, dem die angesehensten Deutschen dort angehören, Dr. Marloth, der Vorsitzende, die Gefühle der Anwesenden aus,'als dem scheidenden Ge­neralkonsul zu Ehren im August v. I. ein Festessen statt-

Jnternalionale Bosheiten.

Als wir kürzlich die Vorgänge auf Samoa besprachen, vrrliiehen wir der Ueberzeugung Ausdruck, daß ernste Diffe- rtitpen zwischen den beteiligten Mächten aus dem Zwifchen- ftll nicht entstehen würden, zumal der von Deutschland ge- mftte Vorschlag auf Entsendung besonderer Kommissare tiacb Apia anscheinend die Zustimmung Englands und Amerikas gefunden hatte. Aber man hatte nicht mit den internationalen Bosheiten gerechnet, welche auch in der Lvnckafrage zu Tage getreten sind. Es hat immer etwas H-l-enklicheS, wenn in einer Angelegenheit mehrere Mächte gmainfam maßgebend sein sollen, wenn dann aber diese Mächte nicht gleich stark vertreten sind. Wir haben früher aus^eführt, daß die deutschen Interessen auf Samoa stark übe: wiegen und unser Grundbesitz daselbst doppelt so groß ist, ,als der englische und amerikanische zusammengenommen. Die Verhältnisse aber bringen es mit sich, daß die Streit- träte, welche die beiden letztgenannten Staaten in den samoanischen Gewässern haben, erheblich größer sind, als die unserigen. Diesem Umstande ist es allein zuzuschreiben, daß die deutschen Wünsche betreffs der Erledigung der Siunoaftage ungehört verhallten, und daß das deutsche -lingsschiff, der KreuzerFalke" sich geradezu eine Ver­gewaltigung gefallen lassen mußte, welche unter allen Um­standen nicht ohne Folge bleiben kann, und zu ernsten 6di ritten unserer Regierung in London und Washington

Aezugspreis vierteljährlich

2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg, mit Bringerloha.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Psg. vierteljährlich.

Ausland.

Wien, 9. April. Zu der heute stattfindenden Konferenz der Deutschen Vertrauensmänner bemerkt das neue Wiener Tagblatt: Dieselbe werde voraussichtlich nichts anderes als ben Charakter einer internationalen Kundgebung tragen.

Wien, 9. April. Die Arbeiterzeitung fordert sämtliche Sozialdemokraten auf, auch in diesem Jahre den 1. Mai, eingedenk der Lösung der sozialen Frage, des Achtstunden-Tages und der Verbrüderung aller Nationen in ungeschmälerter Weise zu feiern.

Bozen, 9. April. Im Zimbrathale nördlich von Trient sind vorgestern und gestern wieder starke Erdstöße verspürt worden.

Paris, 9. April. DerFigaro" veröffentlicht heute die Aussage der Generale Mercier und Billot, daß Dreyfus, als er das Bordereau gesehen, ausgerufen habe: Aber man hat ja meine Schrift gesehen. Als er von Dupaty du Clarn aufgefordert wurde, auszusagen, welche Schriftstücke er an fremde Mächte ausgeliefert habe, sagte Dreyfus: Ich möchte diesen beiden Militärattaches einen Dolch in die Brust stoßen. Don wem sprechen Sie denn? rief Dupaty du Clam. Von dem deutschen und dem italienischen Militärattache, erwiderte Dreyfus, denn der österreichische Militärattache zählt ja nicht mit. Von dem Kassationshofe über die Mitteilung eines geheimen Schrift­stückes, welches ohne Vorwiffen des Angeklagten und seines Verteidigers dem Gerichte übergeben worden sei, erwiderte Mercier: Das Revisionsgesuch befrembet mich aus zwei Thaffachen, 1. wegen der Fälschung des Obersten Henry und 2. wegen der Wiedervernehmung der Schreibsachver­ständigen. Von der Mitteilung eines geheimen Schrift­stückes erwähnte der Minister gar nichts. General Billot erklärt, er habe das betreffende Schriftstück durchgelefeu und habe sowohl bei dem Kriegsministerium als auch der Statthalterschaft von Paris Erkundigungen hierüber ein- gezogen. Er, Billot, fei von der Schuld des Kapitän Dreyfus überzeugt. Hebet die Mitteilung eines geheimen Schriftstückes befragt, erklärt Billot, diese Frage absolut zu

(<>iebener Anzeiger

Heneral-Anzeiger

Erscheint täglich r i Ausnahme de-

MonlagS.

Die Gießener )amikie»vtät1er o-cl»m dem Anzeiger 2 äentlid; viermal beigelegt.

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wäre und ebenso energisch den stets zu Uebcrgriffen geneigten ,ft rtl8 bcr rutfHdlc' -^m Stabr

Engländern gegenüberträte. Auf jeden Fall wünschen wir und geben uns der Hoffnung hin, daß Herr v. Schuckmann,

fand." .

Berlin, 8. April. Wie dieDeutsche Bäcker-Zettung", das Organ der Bäckergesellen, aus zuverlässiger Quelle erfährt, wird in den nächsten Tagen dem Bundesrat ein

festgesetzten zwölfstündigen Maximal-Arbeitstag für Bäckereien wohl nur beim Abschluß eines neuen

in eine 84 stündige Maximal-Arbeitswoche umzuwandeln. Vertrages versucht werden durch wettgchendere Ermäßigungen Der Vorstand des deutschen Bäckerei-Arbeiter-Verbandes des russischen Zolltatifts dem deutschen Reiche gegenüber. kündigt bereits jetzt an, daß gegen diese Verschlechterung Der Bäckerei-Verordnung die Bäckerei-Arbeiter Deutschlands durch Abhaltung von Massen-Versammlungen Protest erheben

ignorieren.

Paris, 9. April. Das BlattVoltaire" versichert aus bester Quelle zu wissen, daß der Kriegsminister Freycinet tiefgehende Aend er ungen in der Zusammensetzung des Generalstabes beabsichtige. Alle Offiziere, welche in den Dreyfusskandal verwickelt sind, sind bereits aus dem Generalstabe entfernt. Einige derselben werden, ebenso wie Dupaty de Clam, vor ein Kriegsgericht gefordert werden. Einige andere werden vorerst vor den Untersuchungsrat kommen. Zwei Generale werden ihres Amtes enthoben werden. Dann endlich werden auch die Beamten des Kriegs­ministeriums durch andere ersetzt werden.

Paris, 9. April. Der Staatsanwalt hat eine ergänzende Untersuchung über die Affaire Deroulebe» Picquart angeordnet. Die Sache wird wahrscheinlich dem Schwurgericht überwiesen werden.

Paris, 9. April. Der Ministerpräsident Dupuy ist heute zu einem Besuch in seiner Vaterstadt eingetroffen.

Paris, 8. April. Das Schwurgericht verurteilte heute Nachmittag denFigaro" zu 500 Fr. Geldbuße wegen

schnitt bedeutend niedriger ist als der russische. Im Jahre 1896 betrug Deutschlands Einfuhr nach Finland 58,4 Mill, uno neuen uns oet xnonnunq mn, u. .... Mark (finnisch = 81 Pfir di- russisch- S5 4 Mill Mark;

d-r nicht nur asrikan.sch- V-chättnisi- k-nnt, I°nd°» auch | -rst nach

bericht erweist, betrug die deutsche Einfuhr tm vergangenen Jahre 71, die russische 79 Mill. Mark. Diese Steigerung in der russischen Einfuhr ist eine Folge der 1897 zu gunsten Rußlands in Kraft getretenen Ermäßigung des finländischen Zolltarifs. Neben der allmählichen Aushebung der russisch- finnischen Zolllinie strebt Rußland die Erhöhung des fin- ländischen Tarifs dem Auslände gegenüber an. Die fin­ländischen Zölle auf ausländische Waren sollen allmählich so erhöht werden, daß sie bis spätestens 1905 den russischen völlig gleichgestellt sind. 1905 wäre demnach der Zeitpunkt für die gänzliche Durchführung der wirtschaftlichen Ver­schmelzung Finlands mit Rußland, und damit für die Unterbindung der Einfuhr an deutschem Zucker und deutschem

lunahme von Anzeigen zu der nachmittags für den senden Tag erscheinenden Nummer bis Dorrn. 10 Uhr.

ÜLxlich Folge geben.

Wenn die Vertreter dieser beiden Länder etwa meinten, mit der Einsetzung Malietoas zum König eine vollendete rhvtsuche geschaffen zu haben, so sind sie ohne Zweifel einer arg«en Täuschung anheimgefallen. Denndarin dürfte man wohl in .ganz Deutschland einig sein, daß wir derartige Bosheiten, mir sie uns die englischen und amerikanischenFreunde" in Sannoa zu bieten wagen, unter allen Umständen aufs schärfste |uriii(frocifcn müssen, und sollte es darüber zu einem offenen Sruidbe kommen. Das sind wir unserer Ehre schuldig!

(XX)

Deutsches Reich.

Darmstadt, 8. April. Ihre Königlichen Hoheiten der SroßHerzog und die Großherzogin sind mit der Prin- yifün Elisabeth heute nachmittag von Gotha hierher zurück- zckshrt.

Berlin, 8. April. Die Berufung des Herrn u>n Schuckmann, des bisherigen Generalkonsuls in der ^«Kolonie, als Vortragender Rat in das Auswärtige Amt ß für die Deutschen und das Deutschtum am Kap ein innerer Verlust, wie derT. R." von angesehener deutsch- iipisändischer Seite geschrieben wird.Wir Deutschen am Ui® können", so heißt es,über die innere dienstliche Thä- tgSeit dieses Vertreters des Reiches in Süd-Afrika natürlich ins kein Urteil anmaßen, möchten es aber zum Ausdruck (rtiiigen, wie schwer wir es empfinden, daß uns bei der fltggelung unserer Angelegenheiten Die thatkräftige und auf» pfiernbe, mit persönlicher Liebenswürdigkeit verbundene ihtmerftüfcung des Herrn v. Schuckmann nicht mehr zur Leite stehen wird. Es wird auch von den deutsch gebliebenen Kutschen am Kap (es gibt etwa 40 000 Deutsche in der Molonie) nicht vergessen werden, daß sich die deutsche Me und Schule die kräftigsten Stützpunkte des Deutsch- tunrJ im Auslande des besonderen Wohlwollens des ge= unten Herrn zu erfreuen hatten und während der Zeit ter Amtsführung einen erfreulichen Aufschwung genommen ten. Gerade jetzt, wo durch die fteundliche Aufnahme >z, Herrn Rhodes in Berlin das deutschfeindliche Engländer- -üim am Kap neue Stärkung erhalten hat, wäre es den

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