vermählte er sich 1820 mit der ebenso schönen als gebildeten und talentvollen Gräfin Daneskjold-Samsö, zu welcher ihn eine tiefe Neigung hingezogen.
So lebte er darauf zurückgezogen auf seinen Gütern in Schleswig, und bewirtschaftete die auf Alfen und im Sundewitt gelegenen Besitzungen aufs vorzüglichste. Namentlich trieb er hier eine ausgezeichnete Pferdezucht nach eng- lischem Muster. Doch nicht immer sollte er die Tage seines Lebens also friedlich und harmlos dahinfließen sehen; bald genug wurde er herausgerissen in das Getriebe der Politik. Als Chef der jüngeren Linie des Hauses Oldenburg stand ihm nämlich im Falle des Aussterbens des Mannesstammes der älteren regierenden königlichen Linie des dänisch«» Regentenhauses die Erbfolge in Schleswig-Holstein rechtlich zu.' Dies Recht wahrte er mit Entschiedenheit, zumal es der sicherste Schutz der Herzogtümer gegen die dänischen Einverleibungsversuche war, und trat nach dem „offenen Brief" Christians VIII. und nach Ausbruch des Krieges 1848 mit seiner ganzen Familie in die Bewegung ein.
Im Januar 1848 starb König Christian VIII. von Dänemark und bald brach das Feuer der Februarrevolution in Frankreich aus. Wie überall in Europa, so kam auch in der dänischen Monarchie die lange gährende Bewegung zum Ausdruck. Auf die Bildung des Kasinoministeriums in Kopenhagen war die unmittelbare prompte Antwort die Bildung der provisorischen Regierung in Kiel und die Ein. nähme Rendsburgs durch den Prinzen von Nöer. Der Herzog war an diesen Ereignissen unmittelbar nicht beteiligt. Hätte er in das Rad der Geschichte eingreifen können, so würde er die Kopenhagener Märzrevolution gehindert haben. Sein konservativer Sinn widerstrebte jedoch dem Wege gewaltsamen Umsturzes, desto mehr befürchtete er, daß durch eine Revolution die bestehenden Rechte gefährdet werden könnten. Deshalb reiste er am 20. März 1848 nach Berlin unb empfing auch vom Könige das bekannte Schreiben vom 24. März, welches die Fundamentalsätze des schleswig- holsteinischen Staatsrechts: die Selbständigkeit der Herzogtümer, ihre unzertrennliche Verbindung und das Erbrecht
des Mannesstammes unumwunden anerkannte und dieselbe in den Tagen des Aufruhrs und der Gefahr zu schützen versprach.
Mit diesem Schreiben eilte der Herzog zurück. Aber inzwischen hatte bereits das Kasinoministerium in Kopenhagen die Inkorporation Schleswigs dekretiert. Dagegen hatten sich die Herzogtümer erhoben, und der offene Konflikt mit Dänemark war dadurch unvermeidlich geworden.
Um über seine Stellung in diesem ausbrechenden Kampfe keinen Zweifel zu lassen, sprach sich Herzog Christian am 31. März in einer an das Volk Schleswig-Holsteins ge- richteten Erklärung dahin aus, daß er der Proklamation der provisorischen Regierung unbedingt zustimme. Für die Aufrechterhaltung der Rechte des Landes, für den festen und redlichen Anschluß an Deutschland war er bereit, alle Kräfte einzusetzen.
Während der folgenden drei Jahre 1848—1851 ist der Herzog diesem Programm treu geblieben. Ohne persönlichen Ehrgeiz stand er fest zur deutschen Sache. Seine beiden Söhne kämpften in den Reihen der schleswig-hol- steinischen Armee. Er selbst war bei den meisten Gefechten persönlich anwesend, ohne jedoch zu kommandieren; desto mehr war er bei gelegentlichen Missionen und namentlich in der schleswig-holsteinischen Ständeversammlung thätig. Nach der Herstellung der dänischen Herrschaft in den Herzogtümern 1851—1852 wurde er von der allgemeinen Amnestie ausgeschlossen, und die ganze Familie aus der dänischen Monarchie ausgewiesen und verbannt. Als dann das Kopenhagener Kabinett mit der Konfiskation seiner bereits sequestrierten Güter drohte, vollzog Herzog Christien am 30. Dezember 1852 eine Akte, wodurch er seine Stammgüter gegen eine Kaufsumme von 2 250 000 Thaler an Dänemark abtrat und in seinem und seiner Familie Namen versprach, der neuen Erbfolgeordnung in Dänemark in keiner Weise entgegentreten zu wollen. Ein Verzicht im eigentlichen Sinne war damit nicht ausgesprochen. Doch war und blieb mit dieser Erklärung die politische Wirksamkeit des Herzogs abgeschlossen.
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Samstag den 11. Marz
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Gießener Anzeiger
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Italien und China.
Das chinesische Reich hat gegenwärtig viel Aehnlichkeit mit der Türkei. Beide Staaten sind im Absterben begriffen, unb über kurz oder lang wird es mit ihrer Herrlichkeit vorbei sein. Und wie schon seit Jahrzehnten die europäischen Großmächte in die Angelegenheiten der Türkei drein- nden und das Selbstbestimmungsrecht des Sultans möglichst einzuschränken suchen, so hat man neuerdings auch an- gefangen, das chinesische Reich an allen Ecken zu beschneiden. Nachdem England und Frankreich bereits früher mit gutem Bespiel vorangegangen waren, hat sich Deutschland in Kiautschou und Rußland in Port Arthur festgesetzt, und es isl deshalb gar nicht zu verwundern, wenn jetzt Italien seinen Platz in der Sonne haben und ein kleines Stück China sein eigen nennen will. Es machte Anspruch auf die San-Mun-Bay, stieß aber auf energischen Widerstand im Tsung-li Damen. Selbstverständlich hat China den Anforderungen jeder Macht gegenüber Protest eingelegt, aber eine so kurze Abweisung, wie sie jetzt Italien zuteil wurde, nie- llirls in Anwendung gebracht. Deshalb vermutete man auch, Luß China diesmal einen besonderen Rückhalt hat — und flunT Rußland. Was für einen Grund die Petersburger Negierung hat, sich dem Vordringen Italiens in Ostasien in den Weg zu stellen, ist nicht ersichtlich, wenn man nicht auli'khmen will, daß Rußland jede Nebenbuhlerschaft im fernen Listen mit scheelen Augen ansieht und jene Gebiete als ureigene Domäne betrachtet.
Es darf als sicher angenommen werden, daß der gegen fiie Absichten Italiens eingelegte Protest der chinesischen Negierung nicht viel nützen, daß diese vielmehr ihre Zwecke «reichen wird. Man sagt neuerdings, Oesterreich-Ungarn werde mit Italien gemeinsame Sache machen; wieweit diese Ansicht begründet ist, steht noch dahin. Jedenfalls wird Lesterreich, nachdem die übrigen Großmächte vorangegangen sind, nun auch nicht länger zögern, einen festen Stützpunkt in Ostasien zu erwerben, und keine Macht würde einem solchen Schritte widerstreben können.
Was Deutschland anbetrifft, so steht es dem Begehren Italiens sympathisch gegenüber. Allein im Interesse der E vilisation kann es nur freudig begrüßt werden, wenn das chinesische Reich mehr und mehr erschlossen wird. Die Er- slihrung hat gezeigt, daß die Kultur nur von außen her in
das abgeschlossene Land getragen werden kann; würde dies nicht der Fall sein, so könnte an eine Civilisation des gewaltigen Reiches kaum jedacht werden. In diesem Sinne wünschen wir den Bestrebungen Italiens vollen Erfolg und hoffen, daß der Widerstand Chinas nicht allzu nachhaltig sein werde. (xx)
Deutsches Keich.
Berlin, 9. März. Am heutigen Sterbetage Kaiser Wilhelm I. ist das Innere des Mausoleums in Char- lottenburg mit Blumen dekoriert. Um 9 Uhr fuhr das Kaiserpaar vor und legte am Sarkophage einen kostbaren Kranz nieder. Das Kaiserpaar verweilte eine Viertelstunde in der Gruft und verrichtete ein stilles Gebet. Von den Regimentern, dessen Chef der verstorbene Kaiser war, erschienen Deputationen mit Kränzen am Sarge, Im Laufe des Vormittags wurden auch im Auftrage der Kaiserin Friedrich und des badischen Großherzogpaares Kränze am Sarge niederqelegt.
Berlin, 9. März. Wie die „National-Zeitung" hört, tritt am 5. April außer dem Staatssekretär v. Weyrauch auch der wirkliche Geh.Ober-Regierungsratvr.Schneider, der das Dezernat für das Volksschulwesen im Cultus- Ministerium inne hat, in den Ruhestand.
Berlin, 9. März. Wie die „Post" erfährt, sind Vorarbeiten zwecks einer Reorganisation der oberen Marine- Behörden im Gange. Da sie jedoch noch nicht zum Abschluß gelangt sind, sei es verfrüht, über ihr Ergebnis schon jetzt nähere Angaben machen zu wollen.
Berlin, 9. März. Dem Bundesrat ist ein Entwurf von Bestimmungen über den Betrieb von Getreidemühlen zugegangen. Darnach ist den Gehilfen und Lehrlingen innerhalb der auf den Beginn ihrer Arbeit folgenden 24 Stunden eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 8 Stunden zu gewähren. Die Bestimmungen sollen am 1. Juli in Kraft treten.
M.P.C. Berlin, 9. März. Die Meldung, daß die Abberufung des Admirals Diedrichs aus den ostasiatischen Gewässern eine Konzession sei, welche deutscherseits den Vereinigten Staaten gemacht wurde, dürfte nicht richtig sein. Aus unterrichteten Marinekreisen hörten wir schon vor Monaten, das Kommando des Herrn Diedrichs gehe
mit dem Februar spätestens zu Ende, es sei von Anfang an limitiert gewesen. Wenn die Nachricht jetzt überraschend gewirkt hat, so erklärt sich das lediglich daraus, daß der Informationsdienst für die Presse, welcher eine zeitlang seitens der Marineverwaltung resp. des Oberkommandos der Marine sehr prompt besorgt wurde, in neuerer Zeit ei;: wenig vernachlässigt worden ist. Man darf sich der Erwartung hingeben, daß jetzt wieder die alte Praxis wird ausgenommen werden.
M.P.C. Es gilt nicht für wahrscheinlich, daß das Jnvaliditätsgesetz noch in der laufenden Session des Reichstages werde zur Verabschiedung gebracht werden können. Dagegen legen die verbündeten Regierungen ein ziemlich großes Gewicht darauf, daß das Fleisch sch au- gesetz zur Durchberatung gelange. Je länger sich diese hinziehen würde, um so störender würde das für die Gestaltung unserer handelspolitischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika sein. Das Reichs Versicherungsgesetz wird vielleicht auch zu den Vorlagen gehören, die auf die nächste Session zurückgestellt werden müssen. Dasselbe bezweckt bekanntlich die einheitliche Regelung des Versicherungswesens in Deutschland und ist nicht zu verwechseln mit einem Gesetz, das noch in der Vorbereitung begriffen ist, durch welches das Reichsversicherungsrecht in Uebereinstimmung mit den Bestimmungen des bürgerlichen Gesetzbuchs gebracht werden soll. Das letztere dürfte die gesetzgebenden Körperschaften des Reiches frühestens in der übernächsten Session beschäftigen.
Ausland.
Wien, 9. März. Der Kaiser verlieh dem egchptischen General Slatin Pascha den Ritterschlag.
Prag, 9. März. Der hier eingetroffene österreichische Ministerpräsident Graf Thun unterhandelt mit den Führern der Jungtschechen uud des Feudal-Adels, damit der Landtag ruhig verläuft und die Abwesenheit der Deutschen nicht zu aggressiven Kundgebungen von der tschechischen Landtags- Mehrheit benutzt wird.
Neu-Sandeck, 9. März. Der Jesuitenpater S k l a r e c z y k wurde vom hiesigen Gericht wegen D i e b st a h l s zu drei Monaten Kerker verurteilt.
Feuilleton.
Der Großvater der Kaiserin.
zum 30. Todestage des Herzogs Christian von Schleswig-Holstein, j- am 11. März 1869.
Von Dr. Arn. Riemer.
(Nachdruck verboten.)
Heute sind es dreißig Jahre her, seit der stille Ein- nebter von Primkenau seine Augen auf ewig geschlossen. Herzog Christian Carl Friedrich August von Schleswig- hsl stein - Sonderburg - Augustenburg war der Vater des drinzen Friedrich Christian August von Schleswig-Holstein rc. unb unsere deutsche Kaiserin Viktoria Auguste dieses letzteren «hefte Tochter. Wir verehren also in dem heute vor dreißig Hchren Dahingeschiedenen auch den Großvater der Gemahlin Seifer Wilhelms II. von Deutschland.
Die Erziehung des am 19. Juli 1798 in Kopenhagen gtborenen Prinzen Christian wurde unter der Oberaufsicht hochgebildeten, als Freund Schillers berühmten Vaters, dlo Herzogs Friedrich Christian, hauptsächlich von dem hochgelehrten Hofprediger Germar geleitet. Während der nächsten Mre nach dem am 14. Juni 1814 erfolgten Tode des katers wurde die Erziehung im ganzen noch in derselben Kiese fortgesetzt. In den Jahren 1817 bis 1820 machte btt zum kräftigen Jüngling herangereifte, mit seinem jüngeren Stuber Friebrich, dem Prinzen von Nöer, ausgedehnte Nüssen. Beide gingen zunächst nach Genf, wo sie verriebenen Studien oblagen. Namentlich fand der Herzog \i dem Kapitän Dufour, welcher später als eidgenössischer Feldherr sich so großen Ruhm erworben hat, einen aus- zeichneten Lehrer der Kriegswissenschaften, dessen er sich immer mit edler Dankbarkeit erinnerte. Den Sommer 1818 niirben Reisen in die Schweiz unternommen, und im Herbste 4tüchen die beiden Brüder nach Italien auf, wo sie den «er zu 1819 in Rom und Neapel verlebten. Im Jahre 1819 studierte der Herzog in Heidelberg und machte dann Riffen in Frankreich und England. Nach seiner Rückkehr


