Bisch, der gleich bei der Urteilsverkündigung Berufung anmeldete und dieselbe auch cinlegte, ist mit derselben vom Reichsgericht in Leipzig abgewiesen worden. — In der ersten Stadtverordneten-Sitzung des neuen Jahres wurden die neuen Stadtverordneten durch Handschlag verpstichtet. Der Vorsitzende machte ferner die Mitteilung, daß der Stadtverordnete Buß sein Amt niedergelegt habe, und der Bau einer Fußgängerbrücke über den Eisenbahnübergang in der Waldstraße demnächst in Angriff genommen werde. Die Pläne und Photographien des vom Relchsgesundhertsamt als „mustergiltig" bezeichneten hiesigen Stadtkrankenhauses kommen auf der Pariser Weltausstellung im Jahre 1900 zur Ausstellung. , . ,
Mainz, 7. Januar. Eine für Arbeitgeber rote auch Arbeitnehmer und sonstige Interessenten sehr wichtige Verhandlung fand am Mittwoch in ein-er hier abgehaltenen, speziell dafür anberaumten Gewerbegerichtssitzung statt. Auf dem Wege einstweiliger Verfügung durch eingeleitetes beschleunigtes Verfahren wurde dem seitherigen Fuhrmann einer hiesigen Milchkur-Anstalt aufgetragen, seinen beim Engagement eingegangenen Vertragsbedingungen, wonach er u. a. ein schriftliches Verzeichnis sämtlicher Kunden abzuliefern und letztere mit seinem Nachfolger bekannt zu machen hat, da die Klägerin bei ihrem ausgedehnten Kundenkreis nicht alle kennen kann, sofort unter Androhung einer Haftstrafe (§§ 774 und 815 und folgende der Zivilprozeßordnung) nachzukommen. Der Fuhrmann, der inzwischen einen Milchhandel für eigene Rechnung angefangen, hatte sich geweigert, vorstehenden Bedingungen nachzukommen; nach obiger an ihn ergangenen Belehrung hat er sich jedoch eines besseren besonnen.
Aus der Beit für die Zeit.
Vor 70 Jahren, am 11. Januar 1829, starb zu Dresden der Philosoph Friedrich von Schlegel. Er war Mit begründer der neueren romantischen Schule und bahnbrechen der Lttteraturforschsr für die orientalische Richtung. Als sich 1809 in Oesterreich die patriotische Erhebung vollzog, nahm er lebhaften Anteil daran; die Proklamationen gegen Napoleon entstammen seiner Feder. Bewunderung erregten seinerzeit feine reflektierenden Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte. Schlegel wurde am 10. März 1772 zu Hannover geboren.
Vermischtes.
• Zum Gedächtnis Gabelsbergers veranstalteten am Sonntag in München auf dem südlichen Friedhöfe am Grabe Gabelsbergers die Gabelsbergerfchen Stenographen-Vereine eine würdige Feier, zu der zahlreiche Vertreter von Vereinen stch eingefunden hatten. Nach einem vom Münchener Männer« gefang Verein vorgetragenen Trauergesang legte Gymnasial- Professor Rueß den ersten Kranz im Namen des deutschen Stenogrophen-Bundes am Grabe nieder und feierte das Werk Gabelsbergers in längerer Rede. Unter den in großer Zahl aus ganz Deutschland an der Grabstätte niebergelegten Kränzen befand sich eine Spende des bayerischen Bundes der fteno- graphischen Schule Stolze Schrey. Zum Schluffe sprach ein Nachkomme Gabelsbergers, Oberleutnant a. D. Westermayer, im Namen der Angehörigen drr Familie Gabelsberger den Dank für die ehrenden Beweise treuer Anhänglichkeit aus.
* Einen eigenartigen Fund machte, wie das „Straßb. Tagebl." erzählt, dieser Tage ein Postbeamter beim Leeren eines Briefkastens. Er fand nämlich unter den Briefen, Ansichtspostkarten u. s. w. ein Päckch.n in weißem Papier, das jedoch einer Beftimmungsangabe, sowie der nötigen Freimarke durchaus entbehrte. Bei näherer Untersuchung ergab sich als Inhalt ein viertel Pfund Schinken, von kundiger Hand in feine Scheiben geschnitten. Eine liebenswürdige, wenn auch etwas verspätete Gabe des Christkindleins vermutend, holte sich der Biedere ein mächtig Stück Brot aus seinem Spind, belegte es mit dem gefundenen Schinken und begann alsbald mit vollen Backen zu kauen. Hiermit dürste ein Vorkommnis zusammenhängen, von dem uns heute früh unsere geschätzte Nachbarin umständlichen und wahrheits getreuen Bericht erstattete. „'S isch nix meh mit de Maidle vum hitzedaa", sagte sie. „Entweddersch stn fe verschläckt oder fie stn hoffärti oder sie Han e Liebschter ober alles drej! Was sage Sie par exemple do derzue: Schick ich gescht mtn Maidel, mer e Vierte geraicherte Schunke ze hole; roas meine Sie, was die dumm Gans macht? Kummt haim und bringt mer anschdatt em Schunke e Brief, wie es felwer an fyne Liebschde geschriewe het; und hets nit ernol in Acht genumme, daß sie mer de Brief genn het, bis ich ere faa: „Ja, was soll denn ich mit dem Brief? Myne Schunke will ich!" — „Jeffes Maria!" brüelts und wurd fyrrot bis üwer d'Ohre, „jetz haw ich de Schunke in d'Brieflad keijt!"
* Die Weinernte des Papstes. An einem schönen Herbstnachmittag werden, so schildert der „Figaro", die Gärten des Vatikans streng abgesperrt. Aus der Anticamera ergeht der Befehl an die Kaserne der päpstlichen Gendarmen, wo jedesmal 25 Mann auf Wache sind, die Zugänge sämtlich zu besetzen. An jedem der betreffenden Zugänge steht dann ein Gendarm mit gezücktem Säbel. Alles ist still, man hört nur das Plätschern der Springbrunnen und das leise Rauschen der fallenden Blätter. Ein Ordonanz-Ofsizier zu Pferde erscheint, dahinter der Wagen des Papstes, innen mit weißem Sammet ausgeschlagen, von außen glänzend schwarz, auf den Schlägen das päpstliche Wappen. Zu beiden Seiten des Wagens retten Nobelgarden. Papst Leo begiebt stch zum Leonini'schen Turme. Inzwischen sind die Winzer in lebhafter Thätigkeit, unter Aufsicht des Kämmerers de Castro, und schneiden die mächtigen Trauben des Weinberges, den Leo XIII. bei Beginn seines Pontisikates an- fielegt hat und der sein Stolz ist. Jedes Jahr soll die Crnte um ein Zehntel zunehmen. Am Leoninischen Turme angekommen, wird der Papst von der Garde mit dem Degen,
““taniföe . *n fah ti
T ^rch M- lben gebührende
den tvohl bald fat undenk-
• Mwohner aus a9 trotz der Un- 'em eine Anzahl putschen und Ole seit mehreren u. Sie sanden und wenig gast- M Begrüßung Nebelgewand zn -olms", welcher mb Speise bot deren Genossen, »en und alpin ihlt hatten, zur n, die sich aus wickelt hat, und heitere Reden, Bergland Tirol hielten die Er- igten, daß auch Sektion Gießen Der Sektion ein
-ii-
ie Ausstellungs- orjährigen Aus- ueselben klassen- ilellung besuchen »alsunnne \wc die
Als Besuchszeit unden bis 10 Uhr, )r freigegeben mit eise sind bereits -er Ludw. Opel vom Rennfahrer werter fydal, von 3inn getriebener tung reiner äderne Medaille, linen Korb aus-
Vogelzuchtbeschlossen, einen geben. Weitere Herren Brauerei- eter Wilhelm Konrad Rüd- ch (Kaisergarten), re Zusagen zur sodaß wenigstens )en Geldpreisen, unten, außerdem
__ Als Prets- Merartikel usw. i in diesen Dingen
Frankfurt a.
««arm m-M
jjieile von Schnei, , d°ß ein galten nid)t ganzen Mt dn lieber dem mit einem
Sgaromelerfl“"6' G bie'e » « M rt tvollen».. “
. SorauiM des. j- b
ar.
3 Tworbcti, n»
- Ö»?
tnd
Mtf.erteilen. nrtunS ,°ndl-r @lref' 97 £S» **
von ihrem Kommandanten auch mündlich gegrüßt; der Kämmerer vom Dienste öffnet den Schlag, und das dreistufige Trittbrett klappt zu Boden. Festen Fußes steigt Leo XIII. aus, ohne des Stockes mit goldenem Knaufe sich zu bedienen, den de Castro unter Kniebeugung dem Papste anbietet. Seinen roten Mantel hochhebend, läßt der h. Vater mit der andern Hand die Falten seiner weißen Soutane fallen, drückt das weiße Käppchen fester an und setzt sich den roten Hut mit Goldkordel auf, welchen der Geheirn- tämmerer überreicht, der dem Papste gegenüber als Begleiter mit im Wagen gefeffen. Mit Msgr. Mazzolini, seinem Kaplan, unterhält sich der Papst dann erfreut über die Ernte. Die Zunahme der jährlichen Ernte des päpstlichen Weinberges ist zahlenmäßig leicht festgestellt. Das erste Erntejahr brachte tausend Flaschen in den Keller, diesmal werden es zehntausend sein. Der Wein wird vom Papste stärkungsbedürftigen Kardinälen zum Geschenk gemacht.
* Grundsteinlegung der Gordonschule. Dieser Tage fand in Khartum die feierliche Grundsteinlegung der Gordonschule statt. Der als Stellvertreter der Königin Viktoria der Feier beiwohnende Lord Cromer hob in seiner Ansprache hervor, daß die Mittel für diese Schule nicht von der egyptischeu oder englischen Regierung, sondern hauptsächlich in England freiwillig aufgebracht feien. Die englische Bevölkerung habe damit in erster Linie ihrer Bewunderung für die geschickte Führung des letzten Feldzuges Ausdruck geben und ihr Interesse für die Wohlfahrt der Bevölkerung des Sudans bekunden, auch diese den Einflüssen der Kultur zugänglich machen wollen. Zugleich soll der Charakter der heimischen Beamtenklasse gehoben und ihr unter Umständen die Teilnahme an der Verwaltung des Landes eingeräumt werden. Endlich soll durch die Errichtung der Schule der Name Gordons geehrt werden. Die Schule soll konfessionslos sein, und der Unterricht möglichst in arabischer Sprache erteilt werden.
* Eine dem Untergänge geweihte Stadt. In Indien ist unter dem Titel „Indian Medical Record" eine neue Fachzeitschrift erschienen, die sich in ihrem ersten Leitartikel mit der Zukunft von Bombay beschäftigt. Die darin ausgesprochene, dortselbst herrschende Ansicht ist einer kurzen Wiedergabe wert. Es heißt da: Bombay befindet sich seit dem August 1896 in den Klauen der Pest und ist jetzt in die dritte Epidemie eingetreten. Von Oktober 1896 bis Februar 1897 sind 398000 Menschen aus Bombay geflohen. Die Zurückgebliebenen haben sich allmählich mit der Pest vertraut gemacht, so daß bei dem letzten neuen Ausbruche keine allgemeine Flucht mehr stattfand. Viele der vorher Geflohenen aber haben nicht gewagt, zurückzukehren, da die Epidemien zu rasch auf einander folgten. Hinter alledem steht die schreckliche und unheilbar ungesunde Lage der Stadt. Trotz aller Bemühungen der britischen Gesundheitsbeamteu und der Ausgabe ungeheurer Geldsummen seit einer Reihe von Jahren ist der heutige Stand der Dinge der folgende: Das Grundwasser von Bombay befindet sich in beständigem Steigen. Vor 11 Jahren befand sich die Grundwasserfläche etwa 12 Fuß unter der Erdoberfläche, im vorigen Jahre nur noch vier Fuß. Zwei Ursachen haben dazu beigetragen: erstens die ursprünglich ungenügende Entwässerung und zweitens die Einführung einer reichlichen Wasserversorgung ohne eine genügende Kanalisation. Da sich so die zugeführten Wassermassen anhäuften und den Boden durchtränkten, erwies sich die Wasserversorgung nicht als ein Segen, sondern als ein wahrer Fluch. Die bankerotte Lage der Stadt infolge des langen geschäftlichen Stillstandes läßt keine Hoffnung übrig, daß dieser unterirdische Ansteckungsherd beseitigt werde, und es wird früher oder später der letzte Bewohner der Stadt vernichtet oder ausgetrieben werden. So wird sich auf der Stätte, wo sich früher die großmächtige Stadt Bombay befand, nur noch ein Ruinenfeld erheben.
* Die neue Liga. Alfred Cap ns, der Spötter des „Figaro", bringt ein Interview mit einem Mitglied der neuen Liga „La Patrie fran^aise“, die etwas ganz Anderes fein soll, als die Patriotenliga und die Liga der Menschenrechte. Dabei entspinnt sich folgendes Gespräch:
Der Reporter: Ich will eine sehr heikle Frage an Sie richten: Werden Sie den Spruch des Kassationshofes, wie immer er auch lauten mag, respektieren?
Herr X: Ganz gewiß! Ich bin Mitglied der Akademie, wie könnte ich da den Spruch des höchsten Gerichtshofes nicht anerkennen? Das wäre ja, als wollte der Kassationshof nicht mehr die Tugendpreise achten.
Der Reporter: Offenbar! Was die Armee anlangt, so brauche ich wohl nicht zu fragen ...
Herr X.: Die Armee wird von unserer ^eite der Gegenstand eines mindestens ebenso tiefen Respektes sein.
Der Reporter: Man sagt, daß sich unter Ihnen Männer aller politischen Parteien befinden . . .
Herr X.: Das ist gar nicht überraschend, alle politischen Meinungen werden von uns geachtet.
Der Reporter: Also die Beschuldigung des Fanatismus, die gewisse Blätter gegen Sie erhoben . . .?
Herr X.: Wir Fanatiker! Ich bin ein Enkel Voltaires und achte alle Glaubensbekenntnisse.
Der Reporter: Sogar die jüdische Religion?
Herr X.: Ich achte sie.
Der Reporter: Sie tadeln also den Antisemitismus?
Herr X.: Keineswegs! Wir respektieren den Antisemitismus wie alle Ideen und alle Religionen, wir respektieren die Personen und Dinge und werden Sie immer respektieren, das Eigentum, die Gedanken- und Schreibfreiheit, das Ver- sammlungs- und Vereinsrecht, die Güter des Klerus, die Prozessionen und die Meetings, wir werden die Kammer, den Senat, das allgemeine Stimmrecht und das beschränkte Stimmrecht, die Presse und die Theater respektieren, wir werden die Landwirtschaft und Ben Handel respektieren, ohne die es kein großes Land gibt, wir werden Alles respektieren.
mein Herr, den Rest aber energisch bekämpfen, deshalb haben wir eine Liga gegründet!
Capus hat den Akademikern offenbar einen großen Dienst damit erwiesen, indem er ihnen mitteilte, weshalb sie eigentlich die neue Liga ins Leben gerufen haben.
Verkehr, Land und Volkswirtschaft.
Gießen, 10. Januar. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. JL 0.75—0.95, Hühnereier per St. 7—10 H, 2 St. 00—00 Enteneier per St. 9—10 Gänseeier per St. 14—15 H, Käse 1 St. 5—8 Käsematte per St. 3 H, Erbsen per Liter 22 Linsen per Liter 32 Tauben per Paar
JL 0.80—1.00, Hühner per St. JL 1.10—1.30, Hahnen per Stück
1.00—1.60, Enten per St. 1.90—2.20, Gänse per Pfund
vH 0 50—0.60, Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 H, Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 62—64 Schweinefleisch per Pfd. 68—76 H, Schweinefleisch, gesalzen, per Pfd. 80 H, Kalbfleisch per Pfd. 64—66 Hammelfleisch per Pfd. 50—70 H, Kartoffeln per 100 Kilo 6.00 bis 6.50 JL, Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Ctr. X 6.00—6.50, Milch per Liter 16
Dauer der Marktzeit von 8 Uhr Morgens bis 2 Uhr Nachmittags. Während der ersten 3 Stunden der Marktzeit darf im Umherziehen nickt feilgeboten werden.
Neueste Meldungen.
Depefcken des Bureau „Herold".
Berlin, 10. Januar. Zu Ehren des Professors Adolf von Menzel fand gestern Abend ein vorn Verein Berliner Künstler arrangiertes Bankett statt, an welchem etwa 200 Personen teilnahmen, unter denen sich auch der frühere Staatssekretär, jetzige Oberpräsident von Magdeburg, befand.
Berlin, 10. Januar. Das Magdeburger Landgericht verurteilte den Redakteur August Müller von der sozialdemokratischen „Magdeburger Volksstimme" wegen Beleidigung des Kaisers und des Prinzen Eitel Fritz zu vier Jahren und einem Monat Gefängnis.
Wien, 10. Januar. Wie das „Neue Wiener Tagebl." erfährt, steht die Entsendung des Kriegsschiffes „Kaiserin Elisabeth" nach Ostasien im Zusammenhang mit der Betonung der österreichisch-ungarischen Interessen in China, welche durch die Errichtung einer besonderen Gesandtschaft in Peking zum Ausdruck gekommen sind.
Graz, 10. Januar. In Zeltweg in Obersteiermark explodierte im Bessemer-Werk der Alpinen der Hochofen Nr. 2 der Hugohütte mit 300 Gentnern Eisen. Die Hütte geriet in Brand. Vier Arbeiter erlitten schwere Brandwunden.
Budapest, 10. Januar. Gestern nachmittag waren die Grafen Andrassy, Csaky Szilagyi zur Konferenz zu Banffy geladen, welcher erklärte, er sei von der Krone ermächtigt, mit der Opposition in Verhandlung zu treten und hierzu die guten Dienste der Dissidenten anzurufen. Notwendig sei aber, daß die Dissidenten zur Fortführung der Verhandlungen die Ermächtigung sämtlicher Oppositions- Parteien erhalten. Dieselben berieten sofort mit den Führern der Oppositions-Parteien, welche ihre bisher unbekannten Bedingungen stellten.
Brüssel, 10. Januar. Die hiesigen Sozialdemokraten haben für heute Abend eine große Versammlung einberufen, in welcher mehrere hervorragende Sozialistenführer, u. a. Vandervelde, zugunsten der allgemeinen Amnestie aller politischen Verhafteten sprechen werden.
Paris, 10. Januar. Trotz aller Dementi erhalt sich fortgesetzt das Gerücht, daß der Präsident des Kassationshofes, Löw, ebenfalls seine Demission gegeben habe.
Paris, 10. Januar. Der Zwischenfall Beaure- paire scheint sich als ein von langer Hand vorbereitetes Komplott der Anti-Revisionisten aller Schattierungen herauszustellen, mit welchem bezweckt wird, einen letzten Versuch zu machen, das Revisionsverfahren scheitern zu lassen oder wenigstens doch den Beschluß des Kassationshofes durch Verleumdung seiner Mitglieder zu verdächtigen. Man macht sich auf wichtige Ereignisse in den nächsten 48 Stunden bereit, da Beaurepaire heute seine Enthüllungen im „Echo de Paris" beginnen wird.
Paris, 10. Januar. Aus London wird ein neues Blaubuch über Neu-Fundland angekündigt. Darin soll dargethan werden, daß Frankreichs,Reservatrechte bezüglich der Fischerei weitaus enger begrenzt sind, als die französischen Staatsmänner behaupten. Salisbury will damit seinen Ausgleichs-Vorschlägen mehr Gewicht verleihen und die Sache so hinstellen, als wäre es pure Großmut, daß England den gegenwärtigen Zustand, der eigentlich eine Rechtsverletzung sei, toleriere.
London, 10. Januar. Aus Auckland wird gemeldet, dort sei eine Nachricht aus Tonga eingetroffen, wonach der deutsche Konsul von Samoa in Tonga angelangt sei, und notifiziert habe, daß Deutschland von Navar, der fruchtbarsten der Kongo-Inseln Besitz ergreifen werde, falls die Tonga-Regierung nicht die Privatschuld der Eingeborenen an die deutsche Handels-Gesellschaft zahle. Die Tonga-Regierung wies dies mit der Begründung zurück, Kreditgeben an Eingeborene sei nach Landessitte nicht erlaubt. Der König, so wird hinzugefügt, appelliere an England, Nordamerika und Frankreich.
Cayenne, 10. Januar. Der hiesige Staatsanwalt weilt seit 48 Stunden auf der Teufels-Insel, um Dreyfus zu verhören. Das Verhör soll bis Mittwoch dauern.
— Die feinsten TheeS 1898er Ernte der bekannten Firma Thee Messmer (Katferl. Köntgl. Hcfltefrrant) sind im Verkauf. 1898.r Souchong mit Blüthen (100 Gramm Packete A Mk. 1.—) und Kaiserthee (in Blechdosen ä Mk. 1,25) find Kennern «mpfobiem Nur in feineren Geschäften käuflich. 97bö
0* ■ n ■ r« garantirt solide, SewtaMress®
Crefeld.


