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abends 5 Uhr,
ihaftsvereins:
ktor G, Trautmann.
Heidelberg, Herr Heinriok rlin.
andere geehrte Künstler.
. . . C. M. von Weber, Orcheater-
. . . R. Volkmann.
... 4. Rubinstein.
. . A. von Fiellü.
. . . P. Corneliu».
. . B. Boiard.
. . . D. Popper.
. . . N. Paganini
i. 30 Nr. 1J R Franz
1 Ifr-1 j A. Jensen.
. W. A. Mozart.
(Sperrsitz Mk. 3.50) sind * nst Challier (Rudolphs Nach- our im Vorverkauf auch m Preise iu haben.
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Sonntag den 10. December
Nr».291
Drittes Blatt
ichener Anzeiger
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* Mein Besuch bei Oberst Schiel.
Dem schwer verwundeten und in englische Gefangenschaft geratenen deutschen Obersten Schiel hat der Spezial-Berichterstatter des „B. L. A." gelegentlich eine« Abstechers nach Simonstown einen Besuch auf dem zum Gewahrsam für Kriegsgefangene dienenden Kriegsschiff „Penelope" abgestattet, worüber er uns -folgende- berichtet:
„Am ersten Tage, an dem Erlaubnis zum Besuche der Gefangenen erteilt war, fuhr ich nach Simonstown, wo die englischen Schiffe vor Anker liegen. Die Fahrt selbst nimmt etwas mehr als eine Stunde in Anspruch und führt immer an der Bergeslehne entlang, die See zur Linken. Nachdem verschiedene militärische Zeltlager und das Lazareth bei Wynberg passiert sind, gelangt man nach Fich Hoek, wo ein ausgetrockneter südafrikanischer Fluß versandet daliegt. Dann kommen ganze Thäler, mit weißen wilden Lilien, Haidekraut, Binsen, Buchsbaum bepflanzt. Bei warmem Sonnenschein, italienisch-blauem Himmel kam ich in Simonstown zum Frühstück an und konnte vom Balkon des Hotels aus schon die Schiffe in der Bucht greifbar vor mir sehen.
Ich nahm ein Boot, das mich nach I. M. S. „Monarch" brachte, deffen Kapitän Bruce die Aufsicht über die Gefangenen der „Penelope" führt. Diefelben werden innerhalb einer Woche weiteren Zuzug von Natal, meist Verwundeten, erhalten, im ganzen weitere 200 Mann. Mittlerweile war die Besuchszeit auf 12—4 Uhr festgesetzt worden, so daß ich wieder dem Lande zusteuerte. Beim Borbeifahren sah ich auf der „Penelope" Oberst Schiel, unbeweglich auf dem Auslug sitzend, den Blick in die Ferne gerichtet. Er schien mich zu erkennen — ich habe ihn oft genug auf dem Fort in Johannesburg besucht, als er noch, m Uniform stattlich einherschreitend, die Arbeiten zur Erbauung desselben leitete.
Um 12 Uhr setzten sich vier Boote, jedes mit circa 20 Personen, vom Lande in Bewegung, darunter einige Damen und Burensrauen. Fast alle führten sie Packele, Hüte, Hemden, Anzüge, Cigarren, Tabak und andere Liebesgaben mit sich. Einige ältere Buren mit langen Bärten, von ihren Frauen begleitet, trugen Blechkoffer, an denen sie schwer zu schleppen schienen. Die „Penelope" schwarz gestrichen, die drei- hohen Masten gekappt, ohne Kanonen, sich schwach in ihren Ankerketten nur bewegend, macht einen düsteren Eindruck. Früher war sie bei der Belagerung Alexandrias eine der schönsten Kriegsfregatten, die damals am Bombardement teilnahmen.
Am Fallreep angelangt, wurden wir von einem Unteroffizier und zwei Seesoldaten in Empfang genommen. Als co. 40 Personen das Deck erreicht hatten, das von Mannschaften und Offizieren gesperrt war, mußte jeder seinen
Dynamitgefchütz der Buren
Bei der Belagerung von Ladysmith, die in den letzten Tagen energischer in die Hand genommen ist, sollen die Buren ein Dynamitgeschütz neueren Kalibers benützen, das durch seine explodierenden Geschosse beträchtlichen Schaden anrichtet. Wir führen unfern Lesern das Geschütz nach einer englischen Abbildung vor.
Namen und den des Gefangenen, dem der Besuch galt, in ein Buch eintragen. Oberst Schiel war sehr erfreut, mich zu sehen. Manches bekannte Gesicht tauchte auf; der zweite öffentliche Staatsanwalt (publieke aanklager) van Leppelo, das Mitglied des VolkSraadeS de Wit-Hamer, mehrere jüngere Landsleute, Vollmer und Tietz, die alle einen dankbaren Händedruck mit mir wechselten, van Leppelo hatte einen Schuß im linken Schultergelenk; eines anderen Wunden waren vernarbt. Sie waren in dem vom „Vecht-Ge- neral" Kock, der inzwischen gestorben ist, geleiteten Gefecht bei Elandslaagte. Sie bildeten unter Schiel die Avantgarde.
Um mich etwas scharf auszudrücken: Die dankbaren Buren betrachteten sie als Kanonenfutter, und nachdem ca. 100 Mann des Schielschen Korps, darunter Advokat Koster, der wie ein Löwe kämpfte, gefallen waren, sandte Schiel zu Kock um Verstärkung. Diese kam nicht. Dann kam der Sturm der Infanterie und Gordon Highlanders auf den Hügel, auf dem die Buren Aufstellung genommen hatten. Graf Zeppelin war durch Sprengstücke einer Granate gelötet, von Albedyll durch die Brust geschossen, Schiel durch dep Oberschenkel getroffen. Oberst Schiel ist vollkommen eisgrau geworden, der Schnurrbart ist nicht mehr so wohl gepflegt wie früher, der bedauernswerte Mann läuft noch an Krücken. Ich hatte einen englischen Freund
mit mir, nebenbei der Schwiegersohn eines früheren Gouverneurs von Natal, Sir John B.....f mit dem
und mir Oberst Schiel sich in eine Ecke zurückzog. Sein Bursche brachte uns Stühle, und bei einer guten Cigarre tauschten wir Erlebnisse und Nachrichten aus und verstanden es auch, die mitgebrachten Tageszeitungen in seine Taschen wandern zu lassen.
Obwohl die meisten Gefangenen, die es nicht besser gewohnt waren, ihre Zufriedenheit mit Kost und Behandlung aussprachen, klagte Oberst Schiel speziell über da- Esten. Dieses besteht aus den Rationen der Seeleute — für Offiziere und Mannschaften — und muß von den Gefangenen selbst zubereitet werden. Spirituosen sind absolut verboten, Cigarren und Tabak erlaubt. Ich nahm Gelegenheit, dem Obersten Schiel einige Wünsche zu erfüllen, und sandte bei meiner Rückkunft einige gute Cigarren an Bord.
Die Beförderung der Gefangenen von Durban nach Simonstown hat natürlich nicht allein den Zweck, Natal von ihrem Unterhalt und Beaufsichtigung zu entlasten. Sie muß auch als Demonstration den holländischen Bewohnern der Kapkolonie wie den nicht englischen Bewohnern in Kapstadt gegenüber angesehen werden. Die Behandlung wird wohl mit der Zeit weniger streng werden. Doch obgleich Verhandlungen bezüglich Auswechselung schweben, scheint man an diese nicht zu glauben.
Der neue Oberbefehlshaber versucht, da es ihm selbst an Truppen mangelt, Transvaal soviel wie möglich von Mannschaften zu entblößen, den Zuzug von Fremden und von Nahrungsmitteln abzuschneiden. Ein- ganze Flotte ist unterwegs, die eine Art Aufsicht führen und einen Cordon bilden soll, von St. Helena bis Delagoa Bay. Entlang der Küste und allen Häfen wird sich dieser Zaun von Schiffen ausbreiten. Unser liebes Deutschland, von England und den englischen Offizieren als größte Militärmacht unbedingt anerkannt, ist in ganz Süd-Afrika nur durch den Kreuzer „Condor" vertreten, vielleicht neuerdings in Delagoa Bay durch ein weiteres Schiff.
Der „Condor" liegt seit 7 Wochen mit seiner aus 160 Mann bestehenden Besatzung im Trockendock in Kapstadt zur Reparatur. Auch dort nahm ich Gelegenheit, einen Besuch abzustatten. Die Disziplin, die Sauberkeit des Schiffes machten einen hervorragend guten Eindruck. Die Musikkapelle zieht am Sonntag stets viele Besucher, Deutsche und Engländer, an. Nachdem mir das Schiff in allen seinen Details durch einen Unteroffizier gezeigt worden war, wurde ich von den Herren Offizieren in liebens- würdigster Weise mit vorzüglichem Bergedorfer Bier und Cigarren bewirtet. Bis der für den Kriegsschauplatz bestimmte Militärattache hinauskommt, ist der Kapitän des „Condor" der offizielle Berichterstatter des Kaisers für den Transvaalkrieg.
Feuilleton.
Als Mann auch halt die Mutter hoch, Es wird das Herz ihr laben; Die Mutter sieht im Alter noch Im Sohne gern den Knaben.
E. M. Schranke.
• Der eifersüchtige Herzog. Zu einem höchst ergötzlichen Vorfall, der in der fashionablen Pariser Gesellschaft gegenwärtig viel belacht wird, hat ein nahe bevorstehender Maskenball, den Graf Mantesquion veranstaltet, Veran- laffung gegeben. Eine der hübschesten Salonköniginnen, eine seit Kurzem verheiratete junge Herzogin, die mit zahlreichen „intimen" Freundinnen gesegnet ist, hatte darunter zu leiden, daß ihre neugierigen Freundinnen oft unangemeldet in ihr Toilettenzimmer drangen, während sie wichtige Toiletten Beratungen mit Schneider und Zofe ab- hielt. Es handelte sich um das Geheimnis eines Kostüms, das fie selbst auSgedacht und eigenhändig gezeichnet hatte. Da verfiel sie auf eine besondere Idee. Der Herzog machte bald die Wahrnehmung, daß seine Gattin täglich Briefe von einer ihm gänzlich unbekannten Männerhand erhielt, worauf sie oft das Haus verließ, um erst nach Stunden zurückzukehren. Er beschloß also, Madames Handlungen zu überwachen. Der Zufall war ihm günstig. Eines Nachmittags, als er bei einer Schale Mokka an einem Fenster des Grand Hotel-Cafe saß, sah er das Koupee
seiner Gemahlin in den Hof des Hotels rollen. Sie trat in den Fahrstuhl und gab Befehl: nach der dritten Etage! Blaß vor unterdrückter Wut stürzte der Herzog zur Treppe und drei Stufen auf einmal nehmend, langte er gerade oben an, als feine Frau in einem Zimmer verschwand, deffen Thür zugeschlagen wurde. Der eifersüchtige Gatte legte sein Ohr an das Schlüsselloch und lauschte. „Entfalten Sie den Wandschirm etwas mehr, damit ich mich entkleiden kann," erklang es aus dem Munde der Herzogin. Nach einer Weile ertönte wieder die Stimme der Herzogin: „So, da bin ich! Nun, was denken Sie?" „Perfekt! Wundervoll!" entgegnete ein Männerorgan im Tone des Entzückens. „Und nun drehen Sie sich einmal um, ich bitte," fuhr dieselbe Stimme fort. Länger konnte es der empörte Ehemann nicht ertragen. Er erfaßte den Drücker, doch die Thür, die gar nicht verschlossen war, gab sofort nach. In der Mitte des Gemaches stand seine Frau, umflossen von den prächtigsten Seidenstoffen und golddurch- wirkten, phantastisch drapierten Schleiern. Vor ihr kniete ein Mann. Ehe dieser noch Zeit fand, sich zu erheben, sprang der Herzog auf ihn zu. Bestürzt aber ließ der Othello die erhobene Hand sinken, denn der „anbetende Liebhaber" hantierte mit Scheere, Nadel und Fingerhut und zwischen den Zähnen hielt er ein Zentimetermaß. Im nächsten Moment schloß der Herzog seine in übermütiges Lachen ausbrechende Gattin glückstrahlend in die Arme. Eine kleine Strafpredigt mußte sie aber doch mit anhören und versprechen, auf die ungewöhnliche Idee, ein Zimmer im Grand Hotel zu mieten, um ihrem Schneider geheime Rendezvous zu gewähren, ein für allemal zu verzichten. _
• Belohnte Jugendsünden. Geheimrat Dr. von Petten- kofer erzählte bei dem ihm zu Ehren in den „Vier Jahreszeiten" zu München gegebenen Frühstück, ein reizendes Ge- schichtchen, wie er die erste königliche Ansprache „erlitt". „Als ich, ein simpler Bub vom Lande", so ungefähr erzählte der greise Gelehrte, „vom Donaumoos nach München kam, in die k. Residenz, zu meinem Onkel, dem Hofapotheker, da zeigte er mir alle die hohen Herrschaften, die da täglich aus- und eingingen, ritten und fuhren, ermahnte mich hübsch artig zu sein, und schärfte mir vor allem ein, bei Begegnungen mit solchen Herrschaften mit der Mütze in der Hand stehen zu bleiben, bis sie vorüber seien, und ja nicht weiter zu gehen." Der Onkel war ein strenger Herr und der junge Pettenkofer that treulich, was der Onkel gebot. Da wollte er eines Tages eine in der Nähe der Residenz befindliche, heute längst verschwundene Brücke überschreiten, als von der anderen Seite König Ludwig I. zu Pferd daher kam. Der König stieg vor der Brücke ab — er war nie ein großer Reiter vor dem Herrn — mit ihm seine Kavaliere. Drüben stand Pettenkofer, wie es ihm der Onkel eingeschärft hatte, um den König vorbei zu lassen. Der hatte allerlei an seinem Gaul zu ordnen und zu richten, und es dauerte diverse Minuten, bis er wieder im Sattel saß; Pettenkofer stand pflichtschuldigst noch immer an seine« Posten. „Maulaff', gehst noch net weiter!" war die unwartete Quittung dafür aus dem Munde des Königs. Pettenkofer schlich geknickt nach Hause und meinte dann bei seinem Onkel, den hohen Herren scheine an dem Stehen- bleiben doch nicht gar so viel gelegen zu fein. Der Onkel ließ das natürlich nicht gelten und sagte: „Das macht nix!-


