Ausgabe 
10.10.1899 Erstes Blatt
 
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(Die Einweihung der 'athildenhöhe. - Siegfried iBärenhäuter" im Hof- i prächtigen moskowitischen igtum auf der Mathilden- ronntag mit dem von einer n roten und gelben Laub erte, gegen alle Profanen endung ini Inneren weiter rt. Denn um 101/, W \ getriebenen Zeremonien lscheu und Großherzoglich l ^n Rücksicht auf das anrnge Anzahl von Ein­igt. Wir Mglieder der b früh eingefunden hatten, raßen, die dem Mathildeu- ckungen erlitt, standen am Kirchlein von dem übngen und konnten von unserem mit Muße beobachten: Die ipagen, denen hoheOfffM S'ssS -'Ä

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gegenwärtig als Gast des Großherzogs in unserer Residenz. Als solcher bewohnt er eine Zimmerflucht imAlten Palais" am Luisenplatz. Im Hoftheater, in welchem er sich anläß­lich der Ausführung derHochzeit des Figaro" und der Goldenen Eva" zeigte, saß er in der Proszeniumsloge rechts, der sog. Kavaliersloge. Seinem Werk, das Hof- kapellmeister Willem de Haan dirigierte, hat man hier, was Ausstattung, maschinelle wie dekorative Wirkungen an­langt, alle Ehren widerfahren lassen. Auch über die Be­setzung der einzelnen Partien hatte der Autor sich nicht zu beklagen. DerHans Kraft", die Hauptpartie, wurde von Herrn Kammersänger G e r h ä u s e r aus Karlsruhe gesungen, und für die Wiederholung am nächsten Sonntag ist Burg­staller für die Rolle vorgesehen. -sch.

* * *

lieber die Einweihungsfeier schreibt uns unser 8.-Korrespondent von gestern im einzelnen:

Die Einweihungs-Feier der Russisch-Grie­chischen Kapelle auf der Mathildenhöhe fand programm­mäßig statt. Heute vormittag präzis ^II Uhr kamen in vier offenen Hofwagen Ihre Majestät die Kaiserin Aexandra von Rußland, Ihre König!. Hoheit die Großherzogin Vik­toria Melita von Hessen, Se. Majestät Kaiser Nikolaus II. von Rußland, Se. Königliche Hoheit der Großherzog, die Großfürsten Cyrill und Boris von Rußland, der Kronprinz Nikolaus von Griechenland, die Fürstin Marie von Rumänien, sowie die Adjutanten und Kammerherren der russischen und hessischen Herrscher. Der Ministerresident, Russischer Staatsrat von Ozerow, Russischer Legations- Hofrat von Donbensky hielten vor der Kapelle an und wurden von dem russischen Architekten Benoit, dem Ent­werfer der Zeichnung, den russischen und hessischen Würden­trägern am Eingang empfangen. Unter Vorantrilt der Kaiserin und der Großherzogin traten nun die Herrschaften in das Gotteshaus ein, in welchem vorher schon die russische Geistlichkeit und die russischen Kirchensänger angekommen waren; von Nichtorthodoxen waren nur die ersten Hof- beamten, die Flügeladjutauteu und die Kammerherren ein­geladen. Außer den hohen Herrschaften und der Geistlichkeit mögen wohl noch 50 Personen dem Gottesdienst beigewohnt haben. Das Hauptinteresse der außen zunächst Stehenden, konzentrierte sich auf den ca. 20 Minuten nach Eröffnung des Gottesdienstes stattgehabten Rundgang der Andächtigen außerhalb um die Kirche auf einem extra aus Brettern hergestellten, mit Teppichen belegten, ca. 2 Meter breiten Weg. Voran schritt die aus 7 Personen bestehende Geist-

lichkeit in Ornat, mit schwer goldenen Insignien, Bildern rc., dann folgten der aus 12 Mann bestehende russische Kirchen- chor, die Zarin und die Großherzogin, der Zar und der Großherzog, die Großfürsten, Würdenträger rc. Unter Be­gleitung des sehr stimmungsvollen Glockengeläutes, bewegte sich der Zug in weihevoller Andacht um die Kirche. Erst in dem zweiten Teil des Gottesdienstes, der über zwei Stunden dauerte, betraten auch die den Kaiserlichen Hofzug begleitenten Unterbeamten rc. in ceremoniellcr Weise das Gotteshaus, um gleichfalls dem Gottesdienst beizuwohnen, welcher unter wiederholter Begleitung durch das Geläute bis y8l Uhr dauerte, worauf die Herrschaften nach noch­maliger kurzer- Besichtigung des Aeußeren, dem Architekten Benoit herzlich für die hübsche Ausführung des herrlichen Baues dankten und direkt ohne Aufenthalt in der Stadt nach dem Kaiserlichen Hofzug fuhren, der sie nach Egels­bach brachte, woselbst heute mittag Hoftafel für 15 Per­sonen war; der größte Teil der Mathildenhöhe war abge­sperrt und hatten nur ca. 40 Personen (darunter auch die Presse) Zutritt zu dem der Kirche zunächst liegenden Platz erhalten. Die russischen Majestäten wurden bei Ihrem Hierherkommen wie bei der Abfahrt durch die Straßen der Stadt lebhaft begrüßt und dankten nach allen Seiten auf das herzlichste, besonders war man über die außerordentliche Liebenswürdigkeit der vorzüglich aussehenden Zarin, welche sich in ihrer Heimat ersichtlich wohl fühlte, sehr erfreut. Gestern abend 5 Uhr hatte als Vorfeier in der Kapelle eine von einem Popen zelebrierte Messe stattgefunden, zu welcher nur orthodoxe Gläubige Zutritt hatten. Nach derselben fanden eine Anzahl Ordensverleihungen statt u. a. an den hiesigen Bauleiter Architekt Olbrich, den Maurer­meister Nie düng er, den Möbelfabrikanten G l ückert. Auch eine Anzahl Hofbeamten erhielt wertvolle Geschenke.

Darmstadt, 7. Oktober. Die Nationalliberalen und Antisemiten wollen im Landtagswahlkreis Darrn- stad t - L a n d als gemeinsamen Kandidaten den Regierungs­rat Noack aufstellen, um den von den Sozialdemokraten sehr gefährdeten Wahlkreis für die bürgerlichen Parteien zu retten und ein Vorbild der Einigung aller bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokratie für das ganze Land zu geben. Negierungsrat Noack hat sich bereit erklärt, jedenfalls die Kandidatur anzunehmen.

Bieber b. Offenbach, 7. Oktober. An einem der letzten Nachmittage fanden drei Arbeiter des Zimmermann'schen Mödeltransportgeschäfts in Offenbach auf der Staatsstraße zwischen Bieber und Offenbach in der Gemarkung Bürgel

einen fremden Radfahrer röchelnd und augenscheinlich mit dem Tode ringend neben seinem Stahlroß auf der Erde liegend. Ein zufällig des Weges kommender Gendarm aus Seligenstadt requirierte sofort polizeiliche und ärztliche Hilfe aus Bürgel und Bieber, welche auch alsbald bereit­willig gewährt wurde. Der Verunglückte, welcher als der etwa 42 Jahre alte, verheiratete Weißbindermeister Martin Paul aus Obertshausen erkannt wurde, starb auf dem Trans­port nach seiner Heimatgemeinde.

D Mainz, 8. Oktober. Heute nachmittag fand hier ein hessischer Handwerkertag statt, welchem zirka 300 Handwerksmeister aus den drei Provinzen anwohnten. Ein Rcgierungsvertreter war nicht erschienen, dagegen war die städtische Verwaltung durch einen Bürgermeistereibeigeordneten vertreten. Den ersten Gegenstand der Tagesordnung bildete ein Vortrag des Reichstagsabgeordneten Euler über das neue Handwerkergesetz und dessen Ausführungen durch die einzelnen Bundesstaaten. Nach den sehr belehrenden Aus­führungen des Abgeordneten wurde sofort in den wichtigsten Gegenstand der Tagesordnung, in die Besprechung über die Errichtung von Handwerkerkammern eingetreten. Ent­gegen der Absicht der Regierung, welche für das ganze Hessenland nur eine Handwerkerkammer zu errichten gewillt ist, sprach sich der Handwerkertag entschieden und mit über­wiegender Mehrheit für die Errichtung von je einer Hand­werkerkammer für jede der drei Provinzen aus; von sämt­lichen Rednern wurde betont, daß die Verschiedenartigkeit der Verhältnisse in den drei Provinzen auch eine gesonderte Vertretung erfordere.

Wiesbaden, 7. Oktober. Aus Johannisberg a. Rh. erfährt derRhein. Kurier", Fürst Metternich sei bestrebt, fein hiesiges bekanntes Schloßgut zu verpachten, vorerst jedoch mit wenig Erfolg. Die Verpachtung hat die Zustimmung des Kaisers von Oesterreich gefunden, dem nach herkömmlicher Weise ein Zehntel des Jahresertrages zufällt.

Schisssnachrichten

Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch di« Agentm Earl LooS unb I. M. Schulhof.

Bremen, 6. Oktober. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Poftdampser Crefeld, Kapitän C. v Borell, vom Norddeutsche« Äoyd in Bremen,I ist gestern 2 Uhr nachmittags wohlbehalten in Baltimore angekommen

Bremen, 6. Oktober. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnellpostdampser W^rra, Kapi'än I. Mtrow, vom Norddeutsche« Lioyd in Bremen, ist gestern 2 Uhr morgens wohlbehalten in New- Bork angekommen.

Bekanntmachung.

Dienstag den 10. Oktober, nachmittags */24 Uhr, soll das Abfallholz an der Johannesstrahe und an der Goethestraße, sowie auf dem Trieb an Ort und Stelle meistbietend versteigert werden.

Die. Zusammenkunft ist an der Johanneskirche.

Gießen, den 7. Oktober 1899.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

7232 Gnauth.

Bekanntmachung.

Dienstag den 10. Oktober, nachmittags l/23 Uhr be­ginnend , sollen im Hofe des Bürgermeistereigebaudes einige Gentner gebrochenes Tafel- und Wirtschafts-Obft und einige Zentner zum Houigkochen geeigneter Birnen, zwei Körbe Schüttelobft, die Kastanien von den Bäumen an der Grünbergerstraße unb die Nüsse an drei Bäumen am Hardtberg öffentlich meistbietend versteigert werden.

Das Obst kommt in Partien von 15 bis 50 Kilogramm zum Ausgebot.

Gießen, 7. Oktober 1899.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

7231___________________Gnauth._______________________

Der die Stadtarmen behandelnde Arzt, Herr Dr. Metzger wohnt

Mcestraße 19, II.

Derselbe nimmt Bestellungen für die Stadtbesuche Armer morgens V/r bis 8 Uhr, nachmittags 2V2 bis 3 Uhr in feiner Wohnung entgegen; ebenso auch morgens von 10Vs bis 12Vs Uhr in der medizinischen Klinik, um welche Zeit daselbst die Sprechstunde für nicht bettlägerige arme Kranke abgehalten wird.

Armenamt Gießen. 7203

Real- und Handelsschule

(Pensionat) in Marktbreit a. Main.

Die Reifezeugnisse berechtigen zum einjährig-freiwilligen Dienste.

Gute Verpflegung, strenge Aussicht, Nachhilfe. 6888

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Prospekte durch__________________ J. Dämm, Rektor.

Cokesgries, welcher sich beim Zerkleinern und Durchsieben der Gascokes ergiebt und insbesondere zum Beimischen mit anderem Heizmaterial benutzt werden kann, wird zum Preise von 50 Pfg. für den Ceutner, jedoch nur bei gleichzeitiger Abnahme von mindestens 10 Ceutueru bis auf weiteres abgegeben vom 7164

SMischeu Gas- unb Wasserwerk Giessen.

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8818

Submission.

Für die psychiatrische Klinik soll die Lieferung von:

10 Ctr. Aepfeln,

300 Kartoffeln,

3 , untererdigen Kohlraben,

3 Zwiebeln,

1 Merrrettig,

1 gelben Rüben,

10 Weißkraut,

50 Stück Rotkraut,

100 ,,

Weißkraut mit Strünken,

200 ,,

Wirsing,

200

Lauch,

200

Sellerie

auf dem öffentlichen SubmiffionSwege vergeben werden.

Die Lieferungsbedingungen liegen an den Wochentagen auf dem Ver- roaltungdbüreau nachmittags von 3 bis 5 Uhr offen.

Offerten sind versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum 17. Oktober d. I., vor- mittags 12 Uhr, auf dem erwähnten Bureau einzureichen.

Der Zuschlag erfolgt bis zum 25. Oktober 1899.

Gießen, den 4. Oktober 1899.

Großh. Verwaltungs-Direktion der psychiatrischen Klinik.

Sommer. 7156

Die Lieferung von 49,61 cbm eichenen Brückenschwellen, 28,34 cbm eichenen Bohlen und 925,20 lfd. m eichenen Leisten für die Fulda-, Lüder-, Altefeld-, und Wetterbrücken soll öffentlich vergeben werden. Termin am 18. Oktober er., vormittags 1' Uhr, im Geschäftszimmer der unterzeichneten Inspektion. Die be­sonderen Bedingungen sind daselbst ein- zusehen oder gegen porto- und bestellgeld- freie Einsendung von 30 Pfg. zu beziehen. Angebote sind verschloffen und mit der AufschriftLieferung von Brückenschwellen" zu versehen bis zu dem genannten Termin portofrei einzusenden. 7253

Zuschlagsfrist 3 Wochen.

Betriebs-Inspektion 2 Fulda.

Kekanntmachung.

Wir suchen zum baldigen Eintritt für dauernde Beschäftigung einen mit den Kanzlei- und Rechnungsgeschäften ver­trauten Bureaugehilfen mit schöner, gewandter Handschrift als Bauschreiber. Bewerber, welche nach Gabelsberger stenographieren können, erhalten bei sonst gleicher Qualifikation den Vorzug.

Meldungen mit selbstgeschriebenem LebenSlauf, Zeugniffen oderEmpfehlungen und Bezahlungsansprüchen sind bis zum 15. d. Mts. bei unterfertigter Behörde einzureichen.

Gießen, den 6. Oktober 1899.

Großh. Kulturinspektion Gießen.

Wißmann. 7210

-Persteigmmgeil

Mittwoch den 11. Oktober,

nachmittags 2>/r Uhr,

sollen auf dem hiesigen Ortsgerickt die den Philipp Weigel X. von Klein- Linden in der Gemarkung Gießen gelegenen Grundstücke:

Flur 19 Nr. 9 675 qm Acker i zwischen dem Wetzlarer 1 ~ Weg und der Lahn, I £

Flur 19 Nr. 10 1369 qm Acker) daselbst, (öS

Flur 19 Nr. 11 906 qm Acker > = I daselbst J=p 2

nochmals freiwillig meistbietend versteigert werden.

Gießen, 9. Oktober 1899.

Großh. Ortsgericht Gießen.

____________I. A.: Vogt.________7266

Versteigerung.

Dienstag, den 10. Oktober, nachmittags 2 Uhr

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2) 3 Fahrräder, 4 Bilder, 1 Partie Schuhwaren, 1 Handwagen, 1 Prä­zisionsuhr und Möbel aller Art.

Versteigerung zu 1 findet bestimmt, zu 2 teilweise statt.

7226 Born, Gerichtsvollzieher.

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