Ausgabe 
10.9.1899 Erstes Blatt
 
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Der Kaiser dankte huldvollst nach allen Seiten. Vor dem Rathaus waren die Vertreter der Stadt aufgestellt. Der Oberbürgermeister begrüßte den Kaiser im Namen der Stadt in einer kurzen Ansprache, auf welche der Kaiser in längerer Rede erwiderte. Dann setzten die Herrschaften den Weg zum Schloß fort, woselbst der Kaiser vom gesamten Hof­staat empfangen wurde. Nachmittags 5 Uhr fand im Schloß Paradediner zu 500 Gedecken statt, abends im Park vor dem Schloß großer Zapfenstreich von 21 Kapellen und sämt­lichen Spielleuten des 14. Armeekorps,' zusammen etwa 1000 Mann. Der Kaiser trug bei der Parade die Uniform des Infanterie-RegimentsKaiser Wilhelm I." Nr. 110.

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richtiger, wenn der Reisende, der in Finnland Entdeckungs­reisen unternimmt, sich zuerst den Westen ansieht und dann am Jmatra die Fahrt beendet. Am besten kennzeichnen den Unterschied zwischen Ost- und West-Finnland wohl die Gegenstände, die ich zur Erinnerung aus dem Lande heim­gebracht habe: während mir Karelien, einen plumpen, astigen Wachholderstab, merkwürdig geformte Steine und einfaches Holzgeschirr als Ausbeute lieferte, erinnert mich an den Westen des Landes ein herrliches, geschmackvolles Stein­service und ein kunstvolles Dolchmesser aus Bessemerstahl!

Tavastehus, wo ich vormittags anlangte, ist ein reizend an dem breiten, sich zu einem breiten, sich zu einem See ausbuchtenden Vana-Strome gelegenes Städtchen von etwa 5000 Einwohnern. Die Stadt selbst bietet wenig Sehens­wertes, wohl aber die Umgegend, namenUich sind es die Abhänge des waldbedeckten Höhenzuges von Hattelma, die anregen. Hier liegt der Park von Tavastehus, zu dem mich ein kleiner Dampfer brachte, ein lauschiges Waldidyll, in dessen Promenaden, Pavillons und Tempelcheu es sich un­gestört träumen läßt, während die Aussichtspunkte einen hübschen Blick auf den Strom und die Stadt mit ihrer alten BurgSchloß Kronsborg" gewähren. Tavastehus aber verlangt in erster Linie nicht das Interesse des Natur­schwärmers, sondern dasjenige des Menschenfreundes. Im Schlosse liegt das berühmte Zellengefängnis, die größte und vollkommenste Gefangenenbehausung und Besserungsanstalt Finnlands, eine Musteranlage, wie es ihrer wenige in Europa giebt.

Als ich mich diesem Gefängnis näherte und den Wunsch aussprach, es zu besichtigen, ward mir in zuvorkommendster Weise gewillfahrt. Ein Beamter führte mich durch mehrere

große Aehnlichkeit mit demjenigen Ost-Finnlands, obgleich er, wie schon gesagt, die Natur des letzteren an Großartigkeit und Mannigfaltigkeit bei weitem nicht erreicht. Trotzdem fühlt man sich fast in ein anderes Land versetzt, wenn man in raschem Fluge von Riihimäki aus gegen Nordwesten fährt. Reist man im Osten mit dem Dampfschiffe und dem primitiven Kariol, und sie bilden trotz der Eisenbahnlinien von Wyborg nach Joensuu und Kuopio noch immer die Hauptverkehrsmittel, so fährt man im Westen mit der Eisen­bahn; sieht man im Osten nur hier und da ein Rittergut oder ein Bauernanwesen, und sonst nur Wald, Felsen und Wasser, so saust im Westen der Zug an blühenden Dörfern mit Fabriken und an Gütern vorbei, und neben Wald und Felsen zeigen sich dem Auge ausgedehnte Flachs- und Ge­treidefelder, Steinbrüche und gewerbliche und industrielle Anlagen; macht der Osten einen ärmlichen Eindruck, so hinterläßt der Westen das Gefühl, als durcheile man ein wohlhabendes Kulturland, in dem das menschliche Hasten, Treiben und Schaffen das ungehinderte Walten der Natur und ihrer Kräfte znrückgedrängt haben.

Während im Osten der blonde Karele als Bewohner vorherrscht und die Bedürfnislosigkeit der Bevölkerung Staunen erregt, hat hier im Westen der schwedische Typus die Oberhand; überall, selbst in den Häusern der dunkel­haarigen Tavasten, trifft man einen gewissen Wohlstand und eine anspruchsvollere Lebensführung der Einwohner an, als im Osten, wozu der große Aufschwung der heimischen Industrie sicherlich das Meiste beigetragen hat.

Auch hier im Westen gibt es viele Naturschönheiten, aber sie leiden unter den tiefen und nachhaltigen Eindrücken, die man aus dem Osten mitbringt. Deshalb wäre es

trocknet, wir nahmen seelenvergnügt von einander Abschied, da wir an verschiedenen Stationen den Zug verlassen wollten und bald lag ich, behaglich ausgestreckt auf einem weichen Polster der 2. Klasse und sauste gen Westen dem Lande der Tavasten zu. Im Traume war es mir, als hörte ich noch die Wellen des Saima-Sees gurgeln und rauschen, aber dazwischen tönte bereits grell das Klappern und Rasseln der Maschinen und Räder jener Fabriken, die ich im Westen Finnlands besuchen wollte ....

Das langgezogene Gellen einer Dampfpfeife und das ruckweise Halten des Schnellzuges weckten mich aus dem Halbschlummer. Die helle Vormittagssonne bahnte sich einen Weg durch die zugezogenen Gardinen des Waggon- fensters und wirbelte mit ihren Strahlen Staubsäulen im Koupee auf. Und während ich, noch halb schlaftrunken, Haar und Bart in Ordnung zu bringen suchte, ertönten von Außen her die lauten Rufe der russischen Schaffner: Station Riihimäki!"Nach Tavastehus umsteigen!"

Da der Schnellzug sofortigen Anschluß an die sinn- ländische Nordwestbahn hatte, blieb mir diesmal keine Zeit, um mich an dem prächtigen Buffet von Riihimäki zu er- ftischen. Ich mußte mich sogar beeilen, um noch recht­zeitig in den andern Zug zu gelangen, und schon nach etwa 10 Minuten saß ich an dem Fenster des Wagens, der mich durch die Fluren des Gouvernements Tavastehus in etwa l/2 Stunden nach dem Städtchen gleichen Namens bringen sollte. Unterwegs hatte ich Muße und Gelegenheit genug, die auffallenden Unterschiede zu beobachten und festzustellen, die zwischen Ost- und West-Finnland herrschen, und selbst dem oberflächlichen Beschauer sofort in die Augen fallen.

Der landschaftliche Charakter West-Finnlands hat zwar

auf die französischen Eisenbahnen bezögen, nicht von Esterhazy ausgeliefert sein könnten. Sodann rechtfertigt und lobt Carriöre das Verhalten des fremdländischen Militärattaches, der über dieses Treiben von A. und B. Auskunft gegeben habe, und der ein durchaus ehrenwerter Mann sei. Hierauf spricht der Regierungskommissar von verschiedenen Schrift­stücken, die er nur mit Nummern bezeichnet, und bezüglich deren das Gericht allein auf dem Laufenden sei. Er wolle daraus nur den einen, Dreyfus betreffenden Satz festhaltew: Man hat sich hier beruhigt."Wissen Sie, wer das ge­schrieben hat?" fragt Carriöre. (Bewegung.) Carriöre schließt:Ich studierte die Affaire ganz unparteiisch. Als ich an das Studium der Geheimakten ging, hatte ich noch keine abgeschlossene Meinung; ich fand, daß die von Picquart gegen Esterhazy erhobene Anklage vortrefflich aufgebaut war, und ich hatte einen Augenblick die Hoffnung, daß man Dreyfus freisprechen und einen Unschuldigen rehabilitieren könnte. (Bewegung.) Es hätte alle Vorteile für sich ge­habt, einen richterlichen Irrtum wieder gut zu machen, und daraus hätte sich notwendigerweise eine Beruhigung der Gemüter ergeben. Aber dazu wären Beweise nötig gewesen, und der Aufbau Picquarts hatte einen Riß. Meine Ueberzeugung von Dreyfus' Unschuld hat sich in das Gegenteil umgewandelt, und ich bin in dieser meiner nunmehrigen Ueberzeugung von Dreyfus' Schuld durch die Zeugenvernehmung bestärkt worden. Bei meinerSeele und meinem Gewissen, ich sage Ihnen: Dreyfus ist schuldig, und ich beantrage, daß auf ihn Artikel 76 des Strafgesetzbuches angewendet werde." (Anhaltende Bewegung.)

Einzelne Punkte aus diesem Plaidoyer behandelt noch genauer die nachstehende Privatmeldung eines Berliner Organs:

Carriöre bekämpft mit den von Roget angegebenen Gründen die Behauptung, daß für Dreyfus im August 1894 die Unmöglichkeit der Teilnahme an den Manövern bestand. Immer Rogets Argumentation folgend, legt Carriöre alle Momente, welche gegen Esterhazy als Autor sprechen, dar, wenngleich es unverkennbar sei, daß der Verdacht gegen Esterhazy durch die Aehnlichkeit seiner Schrift mit der des Bordereaus Nahrung erhalten konnte, aber dessen ungeachtet sei die Aehnlichkeit von Esterhazys und Matthieu Dreyfus' Schrift doch gleichfalls vorhanden. Carriöre will alles ver­meiden, was nicht streng innerhalb der Frage, die vom Kassationshof gestellt worden ist, liegt, und sagt:Ich gebe hier nur Früchte meines eigenen Nachdenkens und dessen, was die Zeugenaussagen unerläßliches enthalten. Ich kam zum Schluffe, daß Esterhazy, der sogenannte offiziöse An­geklagte, nicht ganz frei von Verdacht ist. Dreyfus aber ist schuldig. Wenn Sie ihn schuldig erkennen, so verlange ich Anwendung jenes Paragraphen des Gesetzbuches, welcher die Einschließung auf Lebenszeit in einem befestigten Platze als Strafe des Verrates festsetzt."

Die Plaidoyers der Verteidigung.

Rennes, 8. September. Die Sitzung wurde um 6 Uhr 35 Min. vor überfülltem Saale eröffnet, nur die Sitze der Militärzeugen sind unbesetzt. Dreyfus erscheint in ruhiger Haltung und begrüßt seine Verteidiger. Unter allgemeiner Erwartung erteilt der Vorsitzende dem Maitre Demange das Wort zu seinem Plaidoyer. Aller Blicke wenden sich auf den Sprecher, der also beginnt:Welches auch immer der Ausgang dieser Verhandlung sein mag, zunächst muß ich Einspruch erheben gegen ein Aeußerung, die einer der Zeugen zu thun sich nicht gescheut hat, als er sagte, daß jeder, der für die Revision eintrete, d. h. jeder, der an die Unschuld Dreyfus' glaube, gegen die Armee und gegen das Vaterland auftrete. Dieser Zeuge muß weder mich noch meinen Kollegen Labori kennen, denn weder dieser noch ich stände an dieser Stelle, wenn dem so wäre. An dem Tage, wo ich unter dem Zusammenstoß der beiden großen Leiden­schaften unser Land dem Sturme preisgegeben sah, als ich bemerkte, daß unser Vaterland und alles, was wir von der Kindheit an ehren und lieben gelernt hatten, in die

Prozeß Dreyfus.

Nachdem vor dem Kriegsgericht in Rennes die Be­weisaufnahme geschlossen worden ist und der Regierungs­kommissar seinen Antrag auf abermalige Verurteilung Drey­fus' begründet hat, stehen nur noch die Plaidoyers der Verteidiger aus. Da diese aber viel Zeit in Anspruch nehmen werden zumal Demange gedenkt, sieben Stunden zu sprechen so nimmt man in Rennes an, daß die Urteilsfällung doch erst am Montag zu erwarten ist. In­wieweit die Darlegungen der beiden Verteidiger noch auf die Mitglieder des Kriegsgerichts von Einfluß fein werden, entzieht sich natürlich der Beurteilung; nicht zu leugnen ist, daß der Verlauf des letzten Verhandlungstages nur wenig Aussicht auf eineFreisPrechung desAngeklagten offen läßt. Außer manchen anderen Anzeichen ist aus der strikten Ablehnung der Vernehmung von Schwartzkoppen und Panizzardi darauf zu schließen, daß das Gericht dem Glauben an Dreyfus' Schuld so weit zu­neigt, daß es weitere Feststellungen nicht mehr für nötig hält, und das Plaidoyer des Vertreters der Anklage, das in einer so entschiedenen Wendung ausklang, wird weiter in demselben Sinne gewirkt haben. Diese

Rede des RegiernugskommiffarS, aus der wir die Hauptstellen bereits in unserer gestrigen Nummer mitteilten, geben wir jetzt noch in ausführlicher Form im Folgenden: Der Regierungskommissar erklärt in­mitten lautloser Stille des ganzen Zuhörerraums:Die Frage an die Kriegsrichter ist die: Hat Dreyfus im Jahre 1894 einer auswärtigen Macht die im Bordereau erwähnten Schriftstücke ausgeliefert? Die Aufgabe des Kriegsgerichts ist mithin dieselbe wie diejenige des Kriegsgerichts von 1894; es hat ruhig und mit Mäßigung seine Aufgabe, der Ge­rechtigkeit zu dienen, zu erfüllen. Die menschliche Gesell­schaft kann nichts verlangen als absolute Gerechtigkeit." Carriöre fährt fort, er beuge sich vor der Entscheidung des Kassationshofes, welche der Verhandlung bestimmte Grenzen vorschreibe. Der Ausschluß der Oeffentlichkeit sei unbedingt nötig gewesen, dieselbe habe die volle Aufhellung nicht beeinträchtigt.Die Verteidigung kannte alles, wir sind für Indiskretionen nicht verantwortlich."

Carriöre giebt sodann einen historischen Ueber- blick über dieAffaire". Er erinnert an den nieder­schmetternden Eindruck, welchen unter den Offizieren die Feststellung der Thatsache hervorrief, daß Dreyfus der Verräter sei, und legt die Voruntersuchungen, die Verhand­lungen, sowie das Urteil gegen Dreyfus dar. Er wolle nicht davon sprechen, inwieweit Weiber und Spiel in Frage kämen; dieAffaire" könne auch ohne diese beiden Punkte aufgeklärt werden.Man hat gesagt," ruft Carriöre aus,wir sind schlichte Menschen. Nun wohl, wir sind aber auch Menschen, denen Gerechtigkeitsgefühl und Ehr­lichkeit inne wohnen!"

Darauf wendet sich der Regierungsbevollmächtigte dem Bordereau zu. Er hält es für sehr bezeichnend, daß im Bordereau eine Stelle, betreffend die Grenzdeckungs­truppen, vorkommt. Auch ist er der Ansicht, daß man sich nur in den Bureaus des Kriegsministeriums die Nach­richten über die Artillerieformationen beschaffen konnte.

Redner, der sehr langsam spricht, legt dar, daß die Dokumente, deren Empfang B. angezeigt habe, und die sich

Gefahr geraten war, unterzugehen, habe ich unsäglich ge­litten. Als ich dann meine Augen nach der Teufclsinsel richtete, wo der lebendig begraben war, den ich von Grund meiner Seele als einen Märtyrer erkenne, fragte ich mich, ob auch die göttliche Gerechtigkeit den verlassen haben fönnte, den die menschliche Gerechtigkeit verlassen hatte. Ich er­mannte mich und hörte auf die Stimme meines Gewissens, das mir befahl, geradeaus meinen Weg zu gehen, ohne Rücksicht auf den Haß und die Leidenschaften, ohne Sorge um das, was die Menschen sagen, unbekümmert um alle Beleidigungen. Ich habe meine Pflicht gethan, und diese Pflicht ist auch die Ihrige, sie will gebieterisch, daß die Gerechtigkeit siege. (Anhaltende Bewegung.) Ich hielt es für notwendig, das dem Kampfe vorauszuschicken, der nun­mehr zwischen mir und der Anklage anhebt. Ich schildere zunächst die Lage des Angeklagten beim Beginn des Prozesses. Es mußte ein wichtiger Grund vorhanden sein, damit der Glaube erweckt werden konnte, der bereits Verurteilte sei unschuldig, damit der Kaffationshof mit seiner Angelegenheit befaßt werden konnte. Vor Ihnen, denen der Kassationshof den Angeklagten überwiesen hat, muß die öffentliche Anklage die Schuld des Ange­klagten beweisen. Man möge uns nicht den Vorwurf machen, daß wir den Beweis der Unschuld nicht erbracht haben. Wir haben diese Aufgabe nicht. Sache des Regie- rungskommisfars ist es vielmehr, zu beweisen, daß Dreyfus schuldig ist, daß er das abscheuliche Verbrechen des Ver­rates begangen hat. Redner erhebt Einspruch dagegen, daß man von dem Kriegsgericht eine Verurteilung Esterhazys erzielen möchte. Nein, sagt er, die Richter haben nicht zu wählen zwischen Dreyfus und Esterhazy, sie sollen nur die Unschuld Dreyfus' ausrufen. Die Richter von 1894 haben zweifellos in gutem Glauben gehandelt, wie auch Sie es thun werden, meine Herren! Aber die Ueberzeugung jener gründete sich, als sie Dreyfus verurteilten, nur auf das Bordereau. Hätten die Richter von 1894 die Schrift Ester­hazys gekannt, so hätten sie gewiß ein anderes Urteil ge­fällt. Betrachten wir die moralische Lage des Angeklagten. Die einzig richtigen Auskünfte über den Seelenzustand des damaligen Angeklagten, der dem Gefängnisdirektor Forzinetti täglich seine Unschuld beteuerte, geben seine Briefe vor der Verurteilung." Demange verliest Auszüge aus den Briefen, die Dreyfus damals an seine Familie gerichtet hat.Irr diesen Briefen", so fährt Demange fort,spiegelt sich die Seele des Angeklagten wieder. Er hegte die feste Hoff­nung, daß trotz allem seine Unschuld an den Tag kommen werde. In seiner Gefängniszelle erklärt Dreyfus, man werde seine Unschuld in drei Jahren erkennen. Diesen Glauben schöpfte er aus den Erinnerungen seiner Um­gebung. Immer beteuerte er, daß er der Tricolore treu ge­dient habe; das ist die Sprache eines Soldaten, und ich frage, ob ein Verräter sich so äußern kann. Sehen Sie den Angeklagten, wie er nur mühsam seine Thränen ver­birgt. Ich gestehe, es ist leichter, einen Schuldigen zu ver­teidigen, der sich geschickt verstellen kann, als einen Un­schuldigen, der zu aufrichtig ist. Und das ist Dreyfus. Demange verliest sodann die Briefe, die Dreyfus von der Teufelsinsel geschrieben hat. Trotzdem er dort an einem Herzleiden schwer darniederlag, rief er aus: Ich will leben, um Gerechtigkeit zu erhalten. Er erneuert seine Beteuerung, daß er keinen Verrat begangen, daß er das Bordereau nicht geschrieben habe, er fleht Frau und Freunde an, ihre Nach­forschungen fortzusetzen. Im Jahre 1897 schrieb er an General Boisdeffre, um dessen Hilfe zu erflehen, damit die Wahrheit an den Tag komme. In einem Briefe an seinen Bruder sagt er:Es wäre eine Wohlthat für mich, sterben zu können, für meine Frau and meine Kinder aber wäre es die ewige Schande. Für eine gute Sache zu leiden ist leicht, aber ungerecht leiden ist eine Folter." Boisdeffre hat dem Bries keine Folge gegeben. Aus diesen Zeilen können Sie das Herz des Angeklagten erkennen; ist nicht alles was er sagt, der Schrei der Unschuld ? Fünf Kriegs­minister haben nacheinander die Schuld Dreyfus' bekräftigt, doch nur mit Scheingründen. Man hat keinen einzigen stichhaltigen Beweis vorgebracht. Ich weiß wohl, daß

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