Ausgabe 
10.8.1899 Zweites Blatt
 
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Donnerstag den 10. August

1S99

Nr. 186

Zweites Blatt

Keßener Anzeiger

General-Anzeiger

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Redaktion, Gspeditton und Druckerei:

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Oratisdeilagen: Gießener Familiendlätter, Der hessische Kandwirt, Kliitfer für hesslsche Volkskunde. ____________

Adreffe für Depeschen: Anzeiger $Utau Fernsprecher Nr. 51.

Bericht über die Thätigkeit des Gewerbvereins für das Grotzherzogtum Heffen und der Grotzh. Centralstelle für die Gewerbe.

(Vom 14. August 1898 bis 13. August 1899.)

Als Vorlage für die Hauptversammlung des Landes-Gewerb- vereins am 13. August 1899 zu Groß-Umstadt erstattet von Großh. Centralstelle für die Gewerbe.*)

Diesem Bericht entnehmen wir folgendes:

Das abgelaufene Jahr darf wohl als eines der an Arbeit reichsten bezeichnet werden, welche die Geschichte des Landes-Gewerbvereins aufzuweisen hat. Es begann mit Einführung neuer Satzungen des Vereins, welche nach Anhörung der Orts-Gewerbvereine entworfen, in eingehenden Beratungen des engeren und weiteren Ausschusses ange­nommen wurden und am 10. Oktober 1898 die Genehmi­gung Großh. Ministeriums des Innern fanden.

Die wesentlichen Neuerungen bilden hierin die Schaffung von Bezirksverbänden benachbarter Gewerbvereine und die Beseitigung des seitherigen engeren und weiteren Aus­schusses unter Ersatz durch einen einzigen Ausschuß, welcher zum größten Teil seiner Mitglieder von den Ausschüssen der Bezirksverbände und denjenigen Orts-Gewerbvereinen gewählt wird, deren Mitgliederzahl 300 übersteigt.

Bei dem starken Zuwachs, den der Landes-Gewerbverein in den letzten Jahren durch Neubildung und Vergrößerung von Orts-Gewerbvereinen erfahren hat, gestaltet sich die Verwaltung desselben sehr umfangreich, und der Verkehr der Orts-Gewerbvereine mit der Centralstelle steigert die Anforderungen an die Arbeitsleistungen der letzteren fort­während; auch die zahlreichen Ortsvereine finden in dem Landes-Gewerbverein nicht den wünschenswerten Anschluß aneinander, weshalb diese Bezirksverbände als Zwischenglied zwischen Ortsvereinen einerseits und Landes-Gewerbverein und Centralstelle andererseits als ein zweckmäßiges Förde­rungsmittel der weitern Entwicklung des gewerblichen Bereinslebens in unserm Lande notwendig erschienen.

Den Bezirksverbänden liegt ob, die Veranstaltung gemeinsamer Beratungen der Aufgaben des Landes-Gewerb­vereins über Fragen zur Förderung des Gewerbestandes, der Gewerbvereine, Handwerkerschulen und Lehrlingsaus­bildung, sowie die Pflege freundschaftlicher und geselliger Beziehungen der Gewerbvereine untereinander.

Die Geschäfte eines solchen Verbandes werden durch

*) Aus Nr. 31 des »Gewerbeblatt".

Delcafsv, französischer Minister des Auswärtigen.

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Die Reise des französischen Ministers Delcass« nach Petersburg erregt in allen politischen Kreisen Aufmerksam­keit, da man geneigt ist, sie mit derAllianz" zwischen Frankreich und Rußland und dem Verhältnis beider Staaten zum Deutschen Reich in Zusammenhang zu bringen. Man spricht sogar vielfach von einem neuen Dreibund Deutsch­land-Rußland-Frankreich, der sich gegen England richten soll. Selbstverständlich sind dies alles nur Vermutungen näheres wird man erst in den nächsten Tagen erfahren können. Wir führen unseren Lesern heute das Bild des Mannes vor, der gegenwärtig im Vordergrund des politischen Lebens steht.

den Bezirksausschuß geleitet, welcher aus den Vertretern der dem Verband angehörigen Orts-Gewerbvereine besteht. Die Einteilung der Bezirke erfolgt nach Anhörung der Vereine durch die Centralstelle, die Ausarbeitung der Satzungen bleibt den Verbänden überlassen, welchen ein einheitlicher Satzungs­entwurf in 7 Paragraphen von der Centralstelle zur Ver­fügung gestellt wurde.

Zurzeit bestehen 13 Bezirksverbände mit zusammen 98 Gewerbvereinen.

Der zurzeit aus 21 Mitgliedern bestehende Ausschuß des Landesgewerbvereins, dessen Erneuerung bezüglich der gewählten Mitglieder nach drei Jahren zu erfolgen hat, setzt sich zusammen aus: 10 Handwerkern, 2 Fabrikanten und

2 dem Handelsgewerbe angehörigen Mitgliedern, ferner aus 7 Beamten und Lehrern, darunter 1 Architekt, 2 Ingenieure und 1 Kunstgelehrter.

Die Mitgliederzahl des Landes-GewerbvereinS hat sich im abgelaufenen Jahre um 1058 vermehrt und betrug am 1. August 1899 8666 in 98 Gewerbvereinen, deren Zahl in Jahresfrist um 12 gewachsen ist. Dem Stand der Handwerker gehören 63 vom Hundert an, dem Gewerbestand überhaupt 82 vom Hundert. Auf die drei Provinzen des Landes verteilen sich die Gewerbvereine folgendermaßen:

Starkenburg 59 Gewerbvereine mit 4778 Mitgliedern, Oberhessen 24 1858

Rheinhessen 15 1964

dem Landes-Gewerbverein allein

gehören an 65_______

Gesamt-Mitgliederzahl 8666 Mitglieder.

Durch den Tod wurden dem Landes-Gewerbverein 67 Mitglieder entrissen.

Am 1. Januar 1899 trat die vom Orts-Gewerbeverein Darmstadt für Mitglieder des Landes-Gewerbvereins ge- gründete Sterbekasse in Thätigkeit. Noch war das 1. Quartal 1899 nicht abgelaufen, so war die Zahl der Anmeldungen auf 1300 gestiegen, welche Zahl sich bis heute auf 1492 erhöht hat. Außerdem sind noch weitere 84 An­meldungen in Aussicht gestellt, so daß wohl noch im Laufe des Sommers die Anmeldungen die Zahl 1600 erreichen. Bereits ausgenommen und mit Aufnahme-Urkunden versehen sind zur Zeit 1268 Mitglieder. Da die Aufnahme in die Sterbekasse von dem beizubringenden ärztlichen Atteste ab­hängt, so mußten eine größere Zahl Ablehnungen erfolgen, doch ist auch infolgedessen noch kein Todesfall für die Kasse zu verzeichnen gewesen. Eine Anzahl größere Orts-Gewerb­vereine hat bis jetzt gar keine oder wenige Mitglieder zur Sterbekasse gestellt, so daß doch zu hoffen ist, daß im Laufe des kommenden Winters noch zahlreiche Beitrittserklärungen erfolgen werden.

Ueber die Thätigkeit der Centralstelle, soweit sie nicht die Gewerbvereine und das gewerbliche Unterrichts­wesen betrifft, wird aufgeführt die Teilnahme an dem Ver­bandstag deutscher Gewerbvereine am 28. u. 29. August 1898 zu Erfurt, an einer Sitzung des Vorstandsrats des Ver­bandes deutscher Gewerbvereine, am 14. deutschen Gewerbe­kammertag in Würzburg u. s. w. Es folgt dann die Auf­führung der verschiedenen von der Centralstelle veranstalteten Ausstellungen, der Veranstaltungen zur Ausbildung des Lehrlingswesens und zur Förderung der Berufslehre, sowie

Feuilleton.

Z>ie Heufelsöohnen.

Eine heitere Ehestandsgeschichte von Alwin Römer.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Ich finde ihn sehr gut!" behauptete sie.

Er ist einfach abscheulich!"

Das sagst Du, weil Du verärgert bist. Der Kaffee ist direkt aus Bremen."

Aha! Und kostet?"

Nun, natürlich ist er billiger, wie hier. Das ist doch erklärlich. Erstens hat Bremen ganz andere Bezugsquellen und wenn man zehn Pfund nimmt . . ."

Allmächtiger Himmel! Zehn Pfund? Soll ich wirk­lich so lange von dem Zeug schlucken, bis die zehn Pfund ave sind?"

Soll ich ihn vielleicht in den Müll schütten, was? Aber so bist Du nun; vor einer Viertelstunde lamentierst Du über Dein Einkommen, und jetzt, wo Du Grund hättest, Dich über meine Sparsamkeit zu freuen, fängst Du an zu nörgeln. Heisens trinken sogar Kathreiner. Dann wirst Du wohl mit Bohnenkaffee, das Pfund eine Mark zwanzig, zufrieden sein können."

Was gehen mich Heisens an!" schrie geärgert der Assessor, und schlug dabei auf den Tisch.

Doch noch ehe die junge Gattin ein Wort der Er­widerung über die Lippen gebracht hatte, erschien das Mädchen mit der Nachricht, Herr Doktor Reiser sei da.

Ich lasse bitten, näherzutreten!" beschied sie der Haus­herr. Aber der Doktor, ein angehender Fünfziger, lebhaft und wegen seiner Derbheit bekannt, stand schon auf der Schwelle.

Famos!" sagte er, der Hausfrau die Hand schüttelnd, ohne ihre mißmutige Stimmung scheinbar zu bemerken.Kaffee habe ich noch nicht getrunken. Ich lade mich also ein!"

Bitte, Herr Doktor!" nötigte ihn Frau Klara auf einen Fauteuil, nicht gerade angenehm davon berührt, diesem kritischen alten Herrn von dem Kaffee vorsetzen zu sollen, den ihr Gatte so abfällig beurteilt hatte. Aber es half doch nun einmal nichts.

Was hattet Ihr denn vor miteinander?" fragte der Doktor, als die Wirtin verschwunden war, um eine Tasse zu holen.

Das wirst Du gleich merken," erklärte der Assessor mit langsam wiederkehrendem Humor.Dieser Kaffee ist nämlich ein Höllengebräu!"

Wohl Cichorie zwischen, was?" fragte mit schmerzlich verzogenem Gesicht der Doktor.

Möglich, daß das seinen Reiz erhöht! Thu mir nur den einzigen Gefallen und nimm kein Blatt vor den Mund, wenn er Dir nicht schmeckt."

Wie kann ich denn?"

Ich bitte Dich inständig darum!"

Na, wollen sehen!"

Inzwischen kehrte die Hausfrau zurück und stellte dem Gaste eine Tasse hin. Ein wenig zitterig schenkte sie ein und schob ihm dann die Zuckerschale und den Sahnentopf daneben.

Ich danke, verehrte Frau!" sagte der Doktor,Kaffee muß man schwarz trinken, das heißt, wenn er gut ist! Und das darf man hier wohl voraussetzen. Ist er mäßig, so nehme ich Zucker hinein. Taugt er gar nichts und ich kann mich nicht gut drum drücken, so lange ich natürlich auch nach der Milch."

Die junge Frau bekam eine leise Gänsehaut, als sie sah, wie der Gefürchtete endlich nach Dem Kaffee griff. Aber

er kostete, verzog keine Miene und stellte die Tasse dann wieder hin.

Nun?" fragte sie erleichtert.

Vortrefflich!" versicherte er, was dem Assessor ein ärgerliches Hüsteln abnötigte, während seine Frau ihm einen triumphierenden Blick aus ihren blitzenden, braunen Augen zusandte. Dann sprachen sie eine kleine Weile von anderen Dingen. Plötzlich aber ergriff der Doktor ein tüchtiges Stück Zucker und sagte lächelnd:

Da fällt mir eben ein, was Professor Schneider neu­lich über die Luftbläschenbildung des Zuckers in heißem Kaffee geschrieben hat. Sie gestatten doch, daß ich das Experiment einmal mache?"

Dabei hatte er den Zucker schon in die braune Flut versenkt und sah nun so aufmerksam auf die Oberfläche derselben, als handle es sich wirklich um eine Beobachtung von größter Wichtigkeit.So närrisch bin ich nun," erklärte er währenddessen,sobald mir so etwas im Kopf herumgeht, muß ich auch Gewißheit haben! . . Aber ich finde garnicht, daß der Professor Recht hat . . . Na, einerlei!" Und nun rührte er so harmlos mit dem Löffel im Kaffee herum, als sei diese Versüßung wirklich ganz ohne Absicht gewesen.

Frau Klara war ein wenig rot geworden. Der Assessor lächelte vergnügt. Der Doktor aber nahm den zweiten Schluck.

Manchmal mißglückt so etwas der entsetzlichen Fälschungen wegen, die mit dem Zucker vorgenommen werden," dozierte er sodann.Sie glauben garnicht, wie raffiniert heute gefälscht wird, und wie schlecht die meisten Menschen Bescheid wissen, Fälschungen zu erkennen. Die meiste Milch beispielsweise ist getauft. Aber die Hausfrauen merken es nicht. Unsereiner siehts ja sofort. Sowie ich nur ein paar Tropfen in den Kaffee thue, weiß ich gleich, was Sache ist!" Mit einem kühnen Griff hatte er sich dabei des