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^reiiaa den 10. März
Nr. 59k Zweites Blatt
1809
Gießener Anzeiger
General-Unzeiger
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Deutsches Reich.
Berlin, 8. März. Der Kaiser hörte heute vormittag bei Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts von Lukanus. Nm IP/4 Uhr empfing der Kaiser den Minister des königlichen Hauses, von Wedel und um 121/, Uhr den Präsidenten des evangelischen Oberkirchenrates Dr. Barkhausen. Heute abend findet beim Kaiserpaar ein Diner statt, zu welchem die hier beglaubigten Botschafter Einladungen erhalten haben.
Berlin, 8. März. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des Nnterstaatssekretärs im Kultusministerium, Dr. v. Weyrauch, zum wirklichen Geheimen Rat mildem Prädikat Exzellenz.
Berlin, 8. März. In der Reichstags-Kommission fiiT die Novelle zum Bankgesetz sind heute die Aitträge, das Grundkapital der Reichsbank auf 200 bezw. 18(1 Millionen Mark zu erhöhen, abgelehnt worden. Die Bestimmung der Regierungsvorlage, wonach die Erhöhung von 120 auf 150 Millionen eintritt, wurde angenommen. Es bleibt bei den Beschlüssen erster Lesung, wonach die neuen Anteile im Wege öffentlicher Zeichnung zu begeben sind.
Berlin, 8. März. Wie dem „Berliner Tageblatt" aus R»m telegraphiert wird, landeten die Italiener in der Strnmun-Bay und hißten dort die italienische Flagge. Es liegen jetzt drei italienische Kriegsschiffe in der Sanmun- Bay und drei andere folgen noch.
Berlin, 8. März. In der Budget-Kommission des Reichstages wurden heute vormittag die Beratungen des Kolonial-Etats fortgesetzt und u. A. die für deutsche Mdchen, welche sich in der Kolonie ansiedeln sollen, ge- sorderte Summe von 25000 Mark vom Kolonial-Direktor v. Buchka nach längerer Debatte zurückgezogen. Schließlich wurde der Gesamtetat angenommen.
Berlin, 8. März. Nach den Informationen der „Nordd. Mgem. Ztg." ist die Einbringung der großen Kanal- Lwrlagc beim Landtage binnen kurzem zu erwarten, sodaß sür ihre Erledigung im Laufe der gegenwärtigen Tagung genügend Zeit bleibt.
Berlin, 8. März. Bei der heutigen Debatte im Ab- geiordnetenhause über den Bau-Etat, Titel „Minister- Halt", bat Abgeordneter Munckel den Minister um Mitteilung der Gründe, welche für die Versagung der Bau- Erllaubnis für die Einfriedigung des Begräbnisplatzes der Märzgefallenen maßgebend war. In seinen Ausführungen verherrlichte Redner die Märztage von 1848 und bezeichnet dieselben als die Geburtstage unseres konstitutionellen Lebens.
Minister Thielen entgegnet, daß er keine Veranlassung habe, eine Erklärung abzugeben, da die vom Abgeordneten Munckel angeregte Angelegenheit in keinem Zusammenhänge zum Bau-Etat stehe. Nach weiterer längerer Debatte wurde der Titel bewilligt, desgleichen der Rest des Ordinariums. Bei der Beratung des Extra-Ordinariums vertagte sich das Haus auf heute abend 7i/a Uhr.
Berlin, 8. März. Zahlreiche Personal-Veränderungen in den höheren Kommandostellen der Armee werden, wie ein militärischer Berichterstatter meldet, zu Ende dieses Monats erwartet. Außer den Verschiebungen, die durch die Neubesetzung des X. Armee-Korps bedingt sind, werden solche durch das Freiwerden verschiedener Brigaden in anderen Korps-Bereichen bewirkt werden.
Berlin, 8. März. In der Nord- und Ostsee herrschten in den letzten Tagen schwere Stürme, unter welchen die Torpedoboote schwer zu leiden hatten. Unglücksfälle sind zum Glück nicht vorgekommen.
Berlin, 8. März. Die Centrumsfraktion des Reichstages hat gestern abend ihre Stellung zur zweiten Lesung der Militär-Vorlage eingehend beraten und beschlossen, der Regierung unter teilweiser Aufhebung der Beschlüsse erster Lesung entgegen zu kommen. Nach dem in erster Lesung angenommenen Anträge Gröber ist eine Durchschnittsstärke von 584 Köpfen bei Infanterie-Bataillonen beschlossen worden. Außerdem hatte man die in Preußen für Kavallerie geforderten 1630 Mann abgesetzt. Das Centrum will nun den Durchschnittsetat der Infanterie-Bataillone mit 585 Köpfen und bei der Kavallerie dem Mehr von 10 Schwadronen zustimmen und hat in diesem Sinne bereits seine Anträge eingebracht.
M.P.C. Berlin, 8. März. Das bayerische Centrum oder besser gesagt der bayerische Teil des Reichstags- Centrums hat auch in dritter Lesung gegen die Errichtung eines bayerischen Senats beim Reichsmilitärgerichtshof gestimmt. Eine Ausnahme hat, wie bei der zweiten Lesung, der Freiherr v. Hertling gemacht, der als präsumtiver bayerischer Minister selbstverständlich Wert darauf legt, einen höheren Grad von Einsicht und Vertrauen in den Zusammenhang der Dinge auch nach außen hin zu dokumentieren. Als Führer der bayerischen Intransigenten hat sowohl bei der zweiten wie bei der dritten Lesung der Abg. Schädler gesprochen. Es würde nicht richtig sein, anzunehmen, daß derselbe seinerseits in minderem Grade, wie der Abg. Freiherr v. Hertling davon überzeugt sei, daß bei der Art der Erledigung, welche die Frage der Errichtung eines bayerischen Senats hat finden sollen, das bayerische Reservat nicht vollständig gewahrt wurde. Er und seine Freunde müssen aber
befürchten, bei den nächsten Wahlen von den Baucrnbündleru und anderen extremen Parteibildungen überrannt resp. aus dem Sattel gehoben zu werden, wenn sie sich nicht parti- kularistisch bis auf die Knochen und womöglich noch parti- kularistischer als der Prinzregent von Bayern zeigen. Man kann sagen, Reichstagswahlen ständen ja voraussichtlich noch nicht bald wieder zu erwarten. Das ist richtig. Indessen, Vorsicht ist die Mutter der Weisheit. Und die Hauptsache ist, in Bayern stehen die Verhandlungen über den Militär- etat bevor, und wenn auch nicht im Reiche, so haben doch in Bayern demnächst Neuwahlen stattzufinven. Um hierfür ein gutes Zeugnis sich zu sichern, haben sich die bayerischen Centrumsmitglieder die Sonderaktion im Reichstag erlauben können. Ihr Widerspruch hatte keinen Effekt, d. h. er änderte nichts an der gedeihlichen Erledigung der langwierigen Angelegenheit, er sicherte ihnen aber die Möglichkeit, auch in Zukunft an der Spitze der Partikularisten zu marschieren, man kann nur sagen habeant sibi.
M.P.C. Berlin, 7. März. In den Kreisen der Handwerksinnungen ist man gespannt darauf, wer den Posten des verstorbenen Geheimen Ober-Regierungsrats Sieffert im Ministerium für Handel und Gewerbe erhalten werde. Herr Dr. Sieffert hat jahrelang die Interessen des Handwerkerstandes sehr nachdrücklich wahrgenommen und auch gegen diejenigen Strömungen innerhalb der Regierung verteidigt, welche jede staatliche Fürsorge für das Handwerk für antiquiert ansehen. Auch im Handelsministerium ist unter den zur sogenannten Berlepsch'schen Schule gehörenden Beamten die Neigung stark entwickelt, die Zukunft des Handwerkerstandes gegen die der handarbeitenden Klassen und der Fabrikarbeiter entschieden zurückzustellen.
M.P.C. — Durch das Handelsabkommen mit Frankreich vom Jahre 1895 glaubte mau in der Schweiz einen großen wirtschaftlichen Erfolg errungen zu haben, insofern man annahm, die Ausfuhr der Schweiz nach Frankreich werde sich in befriedigendster Weise gestalten. Statt dessen steigt die Einfuhr aus Frankreich nach der Schweiz beständig, (dies ist auch im Jahre 1898 abermals der Fall gewesen), während die schweizerische Ausfuhr nach Frankreich nur eine geringe Zunahme zeigt. Je länger desto mehr zeigt sich, daß die Schweiz in schnell wachsendem Maße Absatzgebiet für französische Jndustrieerzeugnisse wird, ohne doch dafür ein Aequivalent in einer Steigerung ihrer eigenen Ausfuhr nach Frankreich zu haben. Das rasche Wachstum des französischen Imports und die Geringfügigkeit der schweizerischen Ausfuhr haben auf die schweizerischen Industriellen und Volkswirte einen tiefgehenden Eindruck gemacht. Immer stärker tritt in diesen
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Feuilleton.
Der ßrflnder der Halvanopfastik.
Moritz Hermann von Jacobi.
IjJtBt Wiederkehr seines 25jährigen Todestages, 10. März.) Don Alexander Bauer.
(Nachdruck verboten.)
Am 10. März sind 25 Jahre verflossen, seit in Peters- iiig ein erfinderischer Geist ersten Ranges die Augen zum (Di zen Schlummer schloß. Es war dies MoritzHermann Zacobi, der Erfinder der Galvanoplastik, der sich durch jeinc epochemachenden Entdeckungen auf elektrischem Gebiete tom einfachen Ingenieur zum russischen Staatsrat und zum Millglied der Akademie der Wissenschaften emporschwang, lud) sein Bruder, Karl Gustav Jacobi, hat sich in der Affenschaft einen berühmten Namen gemacht. Er war ein großer Mathematiker, bekannt durch wertvolle Entdeckungen auf dem Gebiete der elliptischen Funktionen und seine ssvrffchungen über alle Zweige der Analysis.
Ueber die erfolgreiche Wirksamkeit Jacobis finden wir ch.ere Mitteilungen in der Gedächtnisrede, welche H. Wild betnjelben am 29. Dezember 1875 in der feierlichen Sitzung der Akademie der Wissenschaften zu Petersburg widmete mib worin er in warmen Worten die unvergänglichen Ver- dieuiste des unermüdlich thätigen Gelehrten darstellte und oünbigte.
Moritz Hermann Jacobi wurde am 21. September 1801 Potsdam geboren. Dem Wunsche seiner Eltern ent- hrechend, widmete er sich dem Baufach. Seine Studien- jahrie verbrachte er in Göttingen, dann wandte er sich nach Söniiigsberg, wo er sich als Architekt niederließ. Hier wirkte |iin drei Jahre jüngerer Bruder, der Mathematiker Karl
Gustav Jacobi, als Professor an der Universität. Auch unser Jacobi widmete sich in der Folge der ihm besser zusagenden akademischen Laufbahn, indem er im Jahre 1835 einem Rufe als Profeffor der Civilbaukunst an die Universität Dorpat folgte. Doch auch hier war seines Bleibens nicht lange — in Petersburg sollte er seine zweite Heimat und die Stätte seiner ruhmreichen Thätigkeit finden. Seine Neigung sowohl wie seine Befähigung wiesen ihn auf das Gebiet der Elektrizitätslehre, welcher sich seit Galvanis und Voltas aufsehenerregenden Entdeckungen die Aufmerksamkeit der Gelehrtenwelt in immer steigendem Maße zuwandte. Den Kopf mit Erfindungen und neuen Ideen erfüllt, siedelte Jacobi nach der Hauptstadt an der Newa über, mit deren Akademie er schon vorher in Verbindung getreten war. Zuerst als Adjunkt (1839), dann als außerordentliches (1842) und zuletzt als ordentliches Mitglied der Akademie (1847), erlangte er bald durch seine praktischen Erfolge und seine wissenschaftlichen Darlegungen einen europäischen Ruf, und die reichen, ihm von Kaiser Nikolais I., der sich persönlich für seine Arbeiten interessierte, zur Verfügung gestellten Mittel versetzten ihn in die leider nur wenigen großen Männern beschiedene beneidenswerte Lage, sein erfinderisches Talent im Dienste der Menschheit und Wissenschaft zu verwerten.
Der Galvanismus und seine praktische Anwendung interessierte ihn bereits während seiner Göttinger Studentenzeit. Schon 1835 beschrieb er in einer zu Potsdam von ihm herausgegebenen Schrift „Sur l’application de l’electro __ magnStisme au mouvement des machines* eine neue elektromagnetische Maschine mit unmittelbarer Rotations- bewegung. Das Jahr 1838 aber zeitigte die herrlichste Frucht dieser Arbeiten: die Erfindung der Galvanoplastik, die sich in unserer Zeit zu einem so außerordentlich wichtigen
Industriezweige entwickelt und ihrem Erfinder einen Namen unter den Unsterblichen der Menschheit gesichert hat.
Unter Galvanoplastik versteht der Laie in der Regel alle mit der praktischen Verwertung der elektrolytischen Gesetze zusammenhängenden Industriezweige. Das ist nicht richtig, vielmehr muß man zwischen Galvanoplastik und Galvanostegie unterscheiden. Mittelst der Galvanoplastik scheidet man Metalle oder Metalllegierungen aus ihren Auflösungen in Form zusammenhängender Schichten von solcher Festigkeit und Dichte aus, daß dieselben von der Form, auf welcher sie niedergeschlagen werden, abgelöst werden können, während die Galvanostegie die Aufgabe hat, Gegenstände mit Metallüberzügen zu versehen. Letztere Kunst übte bereits 1805 ein Schüler Voltas, Brugnatelli, aus, indem er silberne Medaillen auf elektrischem Wege vergoldete. Die Kuust der Galvanoplastik dagegen verdanken wir unserem Jacobi, welchem 1838 die Nachbildung von Gegenständen mittelst des bei der Zersetzung auf elektrischem Wege entstehenden Niederschlags gelang.
Jacobi fertigte, wie J. G. Vogt in seiner „Illustrierten Welt der Erfindungen" mitteilt, von den Gegenständen durch Umgießen mit einer geeigneten Masse eine Hohlsorm. „Die innere Fläche dieser Matrizen genannten Formen wurde leitend gemacht, dann die Hohlform in die Kupfervitriol- lösung gebracht und mit dem negativen Pol verbunden. Das Kupfer schlug sich nieder und bildete bei längerer Einwirkung des Stroms eine immer dickere Schicht, welche alsdann losgelöst werden konnte." Freilich hat man dem hochverdienten Manne den Ruhm der Erfindung streitig z« machen versucht, aber mit Unrecht, nach sorgsältigen Feststellungen mußte man ihm die Priorität schließlich zugeftehen. Höchstens hätten die alten Egypter gegen ihn mit Erfolg auf das Recht der ersten Entdeckung pochen können, denn


