Freitag den 10. März
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Erstes Blatt.
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jährlich 300000 Tonnen Zellstoff im Wert von mehr denn 60 Mill. Mark herstellt, würde für den Ausfall, die chr der neue Tarif bringen würde, im Auslande keinen Ersatz finden können, da sie unter weit schwierigeren Material- und Betriebsverhältnissen zu arbeiten gezwungen ist, als Skandinavien, Finland und Nordamerika, die den Weltmarkt beherrschen. Die Einführung des neuen Tarifes würde demnach für die deutsche Zellstoffindustrie eine nicht auszugleichende Schädigung bedeuten, die der Verein durch Verwerfung der Vorlage abzuwenden bittet.
vom Papste verabschieden und seine regelmäßigen Besuche einstellen, vielmehr den Papst nur noch von Zeit zu Zeit bis zu dessen vollständiger Wiederherstellung besuchen.
London, 8. März. Jetzt hat die M a s k a t f r a g e auch das britische Parlament beschäftigt. Im Unterhause gab der Parlamentssekretär des Aeußern, Brodrick, die folgende Erklärung ab: Mitte März vorigen Jahres erlangte der französische Agent vom Sultan von Maskat die Pachtung oder Konzession eines Stückes Land, das als Kohlenstativu benutzt werden sollte. Auf dem so abgetretenen Landstücke, das in einem kleinen Hafen in einiger Entfernung vo» Maskat liegt, wollte die französische Regierung das Recht zum Hissen der französischen Flagge und zur Errichtung von Befestigungen haben. Der englische Agent erhielt von diesen Vorgängen erst in diesem Jahre Kenntnis; sobald sie aber bekannt geworden waren, erklärte die englische Regierung, daß sie im Widerspruch stände zu dem Vertrage von 1862 und zu den besonderen Verpflichtungen des Sultans gegenüber England in Bezug auf Abtretung oder Entäußerung irgend eines Teiles seines Landbesitzes. Der Sultan wurde aufgefordert, den Pachtvertrag wieder aufzuheben, was er auch gethan hat. Das Vorgehen unseres Agenten ist von uns nicht gemißbilligt worden, sondern gemäß unserer Instruktion geschehen. (Beifall.) Lord Salisbury hat dem französischen Botschafter mehr denn einmal erklärt, daß nach seiner Ansicht die englische Regierung zu ihrem Einsprüche durchaus berechtigt und daß es für sie unmöglich sei, denselben aufzugeben.
London, 8. März. Die Aeußerungen der britischen Regierung zur Ma skat frage im Londoner Parlament stehen in schroffem Gegensätze zu den Erklärungen, die Tags zuvor der französische Minister des Aeußern, Delcasse, in der Deputiertenkammer zu Paris über die Angelegenheit gegeben hatte. Herr Declassä hatte es angesichts der in „aufrichtigem und versöhnlichem Geiste" geführten französischenglischen Abgrenzungsverhandlungen in Afrika für „nicht möglich" erklärt, daß die englische Regierung den „ebenso unkorrekten wie eigenmächtigen Eingriff" des englischen Admirals in Maskat zulassen könnte, und hinzugefügt, daß die englische Regierung der französischen ihr aufrichtiges Bedauern über den Vorfall zum Ausdruck gebracht habe. Die Sache scheint deshalb noch durchaus nicht als erledigt betrachtet werden zu dürfen. — Merkwürdigerweise wurden am gleichen Tage, wo im Parlament zu London jene den französischen Minister berichtigende Aeußerungen fielen, bei einem von der dortigen Handelskammer veranstalteten Festmahle, dem auch der französische Botschafter Cambon bei- wohnte, herzliche Reden über die Notwendigkeit guter Beziehungen zwischen England und Frankreich ausgetauscht.
Rußland und die slavischen Länder. Auch hier ein allgemeines Erwachen und Aufsichselbstbesinnen im 19. Jahrhundert? Anfangs nur ein einfaches Acceptieren der geistigen Ideen des Auslandes, eine bloße Nachahmung der germanischen Romantik. In Polen erhält dieselbe noch am ersten ein national-patriotisches Gepräge, nachdem Kasimir Brodzinski (1791—1835) hier den Weg geöffnet hat. Adam Mickiewicz (1798—1855), von Goethe und Byron inspiriert, ersteigt bereits die Höhen einer idealen Kunst, Sigismund Krasinski entrollt seine düsteren Zukunftsbilder, Julius Slowacki malt in finsteren, aber phantastisch-berauschenden Farben. — In Rußland steht Kar amzin (gestorben 1826) noch im Banne der Stimmung des 18. Jahrhunderts, während Shukowskij bereits von den Ideen des Klassizismus beherrscht wird. Immer mehr gewinnt jedoch der romantische Geist die Oberhand, bis er bei Alexander Puschkin (1799—1873) und Lermontow seine höchsten Triumphe feiert, und in A. Kolzow (1808 bis 1842) der russischen Litteratur sogar ein echter, ursprünglicher Volksliederdichter ersteht. In Südrußland erschien in dem leibeigen geborenen Schewtschenko (gest. 1861) zuerst ein die Sprache des Volkes redender Dichter, während im Gehirn des böhmischen Patrioten Kollars (gestorben 1852) zuerst das phantastische Ideal, Vereinigung und Verbindung aller slavischen Stämme, geboren wird. Der Realismus wurde durch Bolinskij (gest. 1848) proklamiert, dem Nataralismus ebnete der pessimistische Nikolai Gogol (1809—1852) die Pfade, von dem aus erst eigentlich btt nationale Macht Rußlands datiert, die sich in der Folge mehr und mehr auch Bahn zu uns brach. Jeder gebildete Deutsche kennt die Namen Iwan Turgenjew, Dostojewski;, Tschernyschewskij und vor allem Leo Tolstoi, der tn steter
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Ausland.
Wien, 8. März. Die „Allgemeine Ztg." läßt sich unter der üeberschrift: Die Stimmung in österreichischen Regierungskreisen aus Wien schreiben, daß ein Zaudern in der Wlll- fährigkcit gegen die tschechischen Forderungen eingetreten fei und die föderalistischen Pläne auf Hindernisse stoßen. „Man" erfahre aus bester Quelle, daß der Kaiser den Förderern des Föderalismus zu verstehen gab, er wolle sich nicht aufdembedenklichenWege weiter drängen lassen. Die Regierung habe, „mit der jetzigen Willensmemung des Monarchen zu rechnen. Nicht eine Umkehr hat stattgefunden, aber Bedenken haben sich aufgedrängt. Die böhmische Landtagssession würde, da Fürst Lobkowitz die Sporen etnzusetzen entschlossen ist, die Fahrt ins Ungewisse beschleunigen. Dem ist vorerst ein Riegel vorgeschoben, und Stimmen, die den Deutschen Wohlwollen, finden wieder an maßgebender Stelle Gehör. . ." Wir verzeichnen diese Mitteilung, die von den dazu berufenen österreichischen Blättern bisher weder bestätigt noch dementiert wird. Daß an maßgebender Stelle früh oder spät die Einsicht kommen wird, daß das gegenwärtige deutschfeindliche System und die gleichzeitige Slavisierungs- politik der Regierung ein böses Ende für die österreichischungarische Monarchie nehmen muß, halten wir für selbstverständlich, und es ist nicht in letzter Linie unser Anteil an der gefährdeten Zukunft des parteizerrissenen Bruderstaates und seines angestammten Herrscherhauses, wenn wir der maßgebenden Stelle die Stunde der Einkehr und Umkehr so bald wie möglich wünschen. T. R.
Nom, 8. März. Das augenblickliche Befinden des Papstes hat sich sehr gebessert. Aus Rom wird vom Dienstag berichtet: Das heute abends 6 Uhr ausgegebene Bulletin lautet: Der Gesundheitszustand des Papstes ist andauernd sehr befriedigend. Puls, Atmung und Temperatur sind normal. Der Heilungsprozeß an der operierten Stelle verläuft regelmäßig. Da der hohe Kranke von der Operation genesen erachtet werden kann, werden weitere Bulletins nicht veröffentlicht. — Dr. Mazzoni wirb sich heute abend
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Die Gießener PamittenStätler werben bem Anzeiger wöchentlich viermal deigelegt.
Hammarsköld's Zeitschrift „Phosphoros" das Organ der Romantiker, das Haupt der Schule der Phosphoristen war Atterbom (geboren 1790). Die »gotische Schule", welche die nationale Romantik pflegte, nennt mit Stolz Esaias Teqner (1782-1846) den ihrigen, den gefeierten Ver- faffer der „Frithjofsage". Der moderne Naturalismus wird durch August Strindberg und Ola Hansson vertreten — Die norwegische Litteratur hat sich, wie die nordamerikanische, erst in unserem Jahrhundert entwickelt, da bis dahin die norwegischen Dichter sich der dänischen Sprache, der herrschenden in dem bis 1814 politisch mit Dänemark vereinigten Lande, bedienten. Trotzdem eroberte sich die junge Litteratur nicht nur eine geachtete, sondern sogar führende Stellung m der Welt- litteratur. Ihr Ibsen trat neben den französischen Zola und den russischen Tolstoi, sein Einfluß war auch m Deutschland gewaltig, und seine Hauptwerke („Nora", „Gespenster", Ein Volksfeind", „Die Stützen der Gesellschaft", „Ros- mersholm" u. s. w.) in ihrer Mehrzahl moderne Schicksals- traqödien, bei denen allerdings an die Stelle des unerbittlichen Schicksals die ebenso unerbittliche Natur mit ihren Gesetzen und Wirkungen tritt, kehren im Spielplan unserer besten Theater regelmäßig wieder. Romantik und Realismus gehen bei ihm eine eigenartige Verbindung em, aus welcher oft genug die erstere als Siegerin hervorgeht. Neben ihm stebt Bjönsterne Björnson, in deffeu realistischen Dramen und Romanen die Absichten des Verfassers klar und scharf zur Darstellung gebracht werden, während Ibsen uns viel- fach am Schluß mit einem großen Fragezeichen nach Hause chickt Auch JonaS Lie, Arne Garborg, Alexander Kjelland und andere norwegische Realisten spielen in der modernen Litteratnr eine hervorragende Rolle.
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Feuilleton.
Das 19. Jahrhundert.
Unter Mitwirkung hervorragender Fachgelehrter herausgegeben von Friedrich Thieme.
(Nachdruck oder Auszug verboten.
V.
Die Litteratur des Auslandes.
(Schluß.)
Norwegen, Schweden und Dänemark. In Dänemark glänzt Adam Oehlenschläger (1779—1850) als Hauptvertreter der romantischen Strömung. Johann kadwig H eib erg lieferte lustig-ironische Singspiele. Henrik H-rrtz (gestorben 1870) zierliche Lust- und Schauspiele Darunter das auch in Deutschland vielbekannte „König Xenes's Tochter"). Die sympathischste Erscheinung unter -e» dänischen Prosaikern ist uns allen Hans Christian klidersen (1805—1875), der Dichter jener wunderbar pn-iiigen und doch so naiv-fröhlichen Märchen, die so echte Gebilde der Hcrzenspoesie sind, daß sie mit ihrem Zauber la-s Herz des Greises noch ebenso gefangen nehmen, wie batd des mit leuchtenden Augen lauschenden Kindes. Als eines der besten Erzeugnisse der neuen dänischen Dichtung »irb Paludan-Müllers satyrisches Gedicht „Adam Homo" lezzeichnet. Unter dem Einflüsse Georg Brandes kam die vcoderne, d. h. die realistisch-naturalistische Richtung zum Durchbruch, welche in den Werken eines Holger Drachmann, Sllbphus Schandorph, Jacobsen m. s. w. zum Teil recht an« sehnliche Früchte zeitigte. — In Schweden bildete
Annahme von Anzeigen zu btr nachmittag- ffc folgcnben Tag erscheinenben Nummer bis vorrn. W »hr.
Amtlicher Heil.
Bekanntmachung,
»-treffend die Mathild-nstiftung für die Provinz Oberheffen.
Die diesjährige Hauptversammlung der Mathilden- slistung für die Provinz Oberhessen findet:
DieuStag, ben 28. März ds. Js., vormittags 11 Uhr,
im Regierungsgebäude zu Gießen statt, wozu die verehr- lichen Mitglieder der Stiftung ergebens! eingeladen werden.
Tages-Ordnung.
1. Prüfung der Rechnung pro 1898.
2. Verteilung des Ueberschusses aus 1898 zur Unterstützung gemeinnütziger Anstalten.
3. Feststellung des Voranschlags für 1899.
4. Ergänzungswahl des Vorstandes.
Gießen, den 6. März 1899.
Der Vorstand der Mathildenstiftung für die Provinz Oberheffen.
In Vertretung: v. Bechtold.
Großh. Provinzialdirektor._________________
Deutsches Reich.
— Das Entlassungsgesuch des Admirals von jkrorr ist bereits genehmigt. Es wird jetzt die darauf bezügliche kaiserliche Kabinettsoidre vom 8. März bekannt ßeutacht; danach ist: 1., der Admiral v. Knorr in Ge- lehmigung seines Abschiedsgesuches von der Stellung als kommandierender Admiral entbunden und mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt; derselbe ist ferner a la suite des See-Offizierskorps in den Listen der Manne zu fahren. 2., der Kapitän zur See Geißler, Inspekteur ber Marine-Artillerie, zum Kontre-Admiral befördert. 3., bem Kapitän zur See v. Schuckmann, Kommandant tn Helgoland, der Charakter als Kontre-Admiral verliehen.
— Der Verein deutscher Zellstofffabrikanten hat dem Reichstag eine Eingabe zugehen lassen, die sich legen den geplanten Postzeitungstarif wendet und die Bitte im Ablehnung des Gewichtstarifs mit folgenden Thatsachen kurz begründet: Die Einschätzung des Zeitungsportos nach bem Gewichte müßte eine Minderung des Zellstoffverbrauches lach sich ziehen. Die deutsche Zellstoffindustrie, in der große Kapitalien stecken, die in 63 Betrieben an 10000 Arbeiter beschäftigt, und unter Verbrauch von 15 Prozent des gesamten Einschlages an deutschem Fichten- und Tannenholze


