Ausgabe 
10.2.1899 Drittes Blatt
 
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Nr 35 Zweites Blatt Freitag den 10 Fevruar

1899

Meßmer Anzeiger

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Eine sozialdemokratische Sammlung.

DerVorwärts" veröffentlicht an der Spitze des Blattes in besonderer Schrift einen von der sozialdemokratischen Fraktion des deutschen Reichtages unterzeichneten Aufruf n die Arbeiter Deutschlands, der zu Sammlungen auf- sordert für die Familien der wegen Landfriedensbruch und '^suchten Totschlags verurteilten Arbeiter in Lobtau. Das in dieser Angelegenheit ergangene Urteil ist durch seine Strenge, welche dieKreuzztg." alssehr drakonisch" be­zeichnet, wohl geeignet, Aufsehen zu erregen. Neun Arbeiter wurden insgesamt zu 53 Jahren Zuchthaus, 8 Jahren Ge­fängnis und 70 Jahren Ehrverlust verurteilt auf Grund folgender Vorgänge: Bauarbeiter feierten an einem Nach­mittag ein Richtfest, bei dem ein Teil die jetzt Ver­urteilten bis 8 Uhr abends zusammenblieb. Da hörten sic, daß auf einem benachbarten Neubau noch weiter ge­arbeitet werde, obgleich nach gewissen Abmachungen schon um 6 Uhr Feierabend hätte sein sollen. Die Arbeiter be­gaben sich auf den Bau, zu dem sie unter dem Vorwand, Arbeit zu suchen, Eintritt erhielten, und suchten die dortigen Arbeiter zum Einstellen der Arbeit zu bewegen. Darüber faüit es zu Streitereien, die dadurch noch heftiger wurden, als der herbeieilende Bauleiter Klemm die Arbeiter, wie es scheint, in sehr scharfen Worten, zum Verlassen der Bau- Mte aufforderte. Dieser Aufforderung kamen die Arbeiter nicht nach, es scheint vielmehr, daß sie nun auch den Klemm bedrohten, sodaß dieser zwei Revolverschüsse in einen Sand- haufen abfeuerte zur Warnung. Die Arbeiter stürzten sich nun auf Klemm, den sie unter dem Ruf;Schlagt den Hllind tot!" niederwarfen, mit Füßen traten und mit Flaschen uni) Holzstücken grausam mißhandelten. Dies ist der That- bestand, wie er vomVorwärts" selbst zugegeben wird. D« bei der Verhandlung die Oeffentlichkeit ausgeschlossen wa.r, kann man sich ein ganz klares Bild von den Vorgängen nicht machen, jedenfalls aber sprachen auf Grund dieses all­gemeinen Thatbestandes die Geschworenen die Angeklagten ohne Zubilligung mildernder Umstände des Landfriedens- brnichs schuldig, und die Richter fällten das oben angegebene Urteil. Zunächst müssen wir hier unser Bedauern aus- sprechen, daß die Verhandlung nicht in aller Oeffentlich­keit stattgefunden hat, denn es wird dadurch der Oeffent­lichkeit unmöglich gemacht, sich über den wirklichen Her-

Feuilleton.

Hroße Mimen kkeine Schwächen.

Von Georg Asmodi.

(Nachdruck verboten.)

Zu den am häusigsten in der Koulissenwelt sich uns' präsentierenden Charakterschwächen gehört u. a. der Aber­glaube. Gewisse Vorstellungen, die in dieses Ressort fallen, haken sich bei den Mimen wohl schon von altersher fort- gcerbt. So ist es uralter Brauch unter den Histriouen, laß sie ganz Art und Sitte der Römer dreimal msspucken, wenn sie einen unangenehmen Eindruck ver­binden oder auch ein scheinbar an sie herantretendes Unheil von sich abwenden möchten. Sieht der Schauspieler in Schweden einen Blitz, so hofft er auf einen Kontrakt mit nhöhter Gage, reckt die Hand zum Himmel auf, als wolle » das rote Zickzack ergreifen, und murmelt:Schlag ein, du goldner Gesell"; in Ungarn gilt es für ein böses Omen mler den Menschendarstellern, wenn sich ein Mäu-slein in btii Ankleidezimmern blicken läßt; der deutsche Akteur fürchtet slcts, daß er in einem eben angetretenen Engagement nicht lange verbleiben werde, wenn ihm auf der Hinreise zu dem- sclben der Spiegel in seinem Schmuckkasten zerbrächt; die sramzösische Schauspielerin wird oft krank vor Schrock, wenn Mer den ihr auf die Bühne gesendeten Blumen sich eine hiße vorfindet.

Doch prüfen wir lieber die bestimmten Persönlichkeiten, m an ihnen darzuthun, wie klein oft die Großen int Musen- tenrpel sind. So erzählt die Fama: daß Talyüa niemals ju lbewegen war, am 13. Tage eines Monats .aufzutreten, foß Garrick nie ins Theater ging, ohne fitft vorher die Satten gelegt zu haben, und daß Theodor Döring auf «au Wege zur Probe stets eine andere Straße wählte, wenn Mi auf der schon betretenen ein altes Weib ^entgegenkam. NZen das genus femininum in vorgerücktem Alter hatte dies.'ir berühmter Charakteristiker eine solche Antipathie, daß z. B. ältliche Souffleusen jugendlich schminken lassen

gang ein erschöpfendes Urteil zu bilden. Geschworene wie Richter werden ihre Gründe gehabt haben, mit solcher Strenge vorzugehen, vielleicht weil die Arbeiter eine ganz besondere Rohheit gezeigt haben; aber umfassende Beweise dafür beizubringen wird leider durch die Ausschließung der Oeffent­lichkeit unmöglich gemacht. Es ist das um so beklagens­werter, als die Angelegenheit von den Sozialdemokraten zu einer großen Agitation benutzt werden soll, der man nun nicht rein sachlich und mit überzeugenden Gründen ent­gegentreten kann. Eines wird man freilich schon jetzt be­haupten können, daß nämlich die so schwer verurteilten Arbeiter sich in erster Linie für ihr Schicksal bei den Sozialdemokraten zu bedanken haben, die niemals ein ernstlich tadelndes Wort gegen diejenigen Arbeiter haben, die arbeits­willige Genossen unter Androhung von Gewalt und sogar unter Mißhandlungen von der Arbeit abzuhalten suchen. Im Gegenteil sind solche Erpressungen stets als Helden- thaten gefeiert worden, und wenn dann Verurteilungen folgten, so wurden diese in die Märtyrerlisten eingetragen, die der Vorwärts zu veröffentlichen pflegt. Daß auf diese Weise die Arbeiter gradezu zu Gesetzesüberschreitungen auf­gereizt werden, liegt auf der Hand, und dieses System wird auch jetzt von der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion befolgt, indem sie in ihrem Aufrufe nur die Härte des Urteils hervorhebt, die Verschuldung der Arbeiter hingegen als ganz harmlos und unbedeutend hinzustellen versucht. Wie gesagt, wir können uns kein klares Bild davon machen, ob in Dresden ein übertrieben hartes Urteil gefällt worden ist, wohl aber halten wir es für durchaus berechtigt, daß mit durchgreifenden Mitteln denjenigen Arbeitern ventgegen- zutreten ist, die ihre arbeitswilligen Kameraden daran hindern wollen, ihr Brot zu verdienen, so wie sie es sich verdienen wollen. Mit dem Grade der hierbei begangenen Aus­schreitungen muß dann auch das Urteil im richtigen Ver­hältnisse stehen, und wenn die Unterdrückung solcher Aus­schreitungen hart ausfällt, so haben es sich die Arbeiter nur selbst zuzuschreiben und der Sozialdemokratie, die sie in solche Tendenzen hineingehetzt hat. Den Gerichten möchten wir bei diesem Anlaß nahe legen, nicht zu gering zu denken von der Bedeutung der Oeffentlichkeit. Wir können uns nicht denken, daß eine öffentliche Verhandlung in Dresden zu einer Störung der öffentlichen Ruhe geführt

mußten, bevor sie sich in den bewußten Kasten setzen durften, wenn er irgendwo als Gast auftrat. Von Joseph Wagner, der weiland bekanntlich ein Abgott der Wiener Theaterhabitues war, wird erzählt, daß er (gleich Wallen­stein) den Hahn nicht konnte krähen hören, und daß er in­folgedessen das erste nnd einzigste Mal in seinem Leben stecken" blieb, wie er, noch als Anfänger, einmal auf einer Wanderbühne, deren Thespiskarren mitten im Dorfe stand, den Theodor Körner spielte. Abergläubisch wie ein Lapp­länder war Hermann Hendrichs, der jedesmal noch eine Stunde im Bette aufs neue verblieb, wenn er zufällig mit dem linken Fuß zuerst aufgestanden war. Ludwig Devrient trug jahrein, jahraus Kastanien bei sich, weil er. fest überzeugt war, dadurch gegen Rheumatismus gefeit zu sein. Hermine Blard, die unlängst in München ihre so überaus erfolgreiche Theaterlaufbahn abgeschlossen hat, schlug stets das Kreuz, bevor sie die Bühne betrat, eine Sitte, die von vielen ihrer Kolleginnen, zumal in Süd­deutschland, geteilt werden soll. Adele Ri st ort, die große italienische Tragödin, suchte es gern zu vermeiden, an einem Tage die Bühne zu betreten, in dessen Datum sich die Ziffer 7 befand; Henriette Sontag nahm am liebsten (auch auf der Reise, und dann zum Schrecken aller Hotel­bediensteten), nach Mitternacht ihr Souper ein; Elisa Rachel hatte eine kindische Furcht davor, überfahren zu werden, ja selbst im Wagen hielt sie sich nicht sicher, und fuhr darum niemals allein.

Bekannt ist durch manche Anekdote, daß viele bedeutende Schauspieler auch am Tage und daheim ganz in dem Charakter der Rolle sprachen, auftraten und sich fühlten, die sie am abend auf der Bühne darstellen sollten. Von Otto Lehfeld und Wilhelm Kläger erzählt die Fama der Koulissenwelt die wunderlichsten Geschichten, welche deren Familienangehörigen und Hausgenossen erlebten, zumal, wenn diese KünstlerGötter oder Heroen" in sich aufleben fühlten! Im Interesse ihrer Kunst, oder richtiger, der ihnen für diese zu Gebote stehenden Ausdrucksmittel, unterwarfen sich Sänger und Schauspieler oftmals der seltsamsten Askese.

haben würde, noch weniger aber, daß, wenn sie doch ein­getreten wäre, sie nicht mit leichter Mühe zu unterdrücken gewesen wäre. Der hieraus entspringende Uebelstand wäre nicht so groß gewesen wie der jetzt entstandene, der es den Sozialdemokraten gestattet, mit einem Urteil Agitation zu treiben, ohne daß die Ordnungspresse ihnen wirksam ent- gegentreten kann. So urteilt nicht mit Unrecht die Köln. Ztg.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, den 9. Februar 1899.

** Allgemeiner Bericht über die städtische Verwaltung im Jahr 1897/98. (Fortsetzung) Die auf Errichtung einer öffentlichen Lesehalle zielenden Bestrebungen haben sowohl in der Bürgerschaft, wie seitens der städtischen Vertretung Aner­kennung und Unterstützung gefunden. Was die städtische Armenpflege betrifft, so betrug der Zuschuß der Stadt zur Armenkasse 45 024.10 Mk. In der Armenliste standen behufs freier ärztlicher Behandlung 303 Personen. Davon wurden 126 Personen in den Kliniken mit zus. 4512 Tagen verpflegt. In der offenen Armenpflege wurden ver­ausgabt: Mietunterstützungen 12 981.03 Mk., Bargeldunter­stützungen 8030.24 Mk., Brodunterstützungen 2852.41 Mk., Kohlenunterstützungen 1736 Mk., Milchunterstützungen 1988.80 Mk., Mittagessen 470.19 Mk., Kleider und Schuhe 641.91 Mk., ärztliche Behandlung und Medikamente, sowie freie Klinikspflege aller als stadtarm bezeichneten Personen 10000 Mk., Brillen und künstliche Gliedmaßen 96.75 Mk., Geburtshilfe durch Hebammen 264.20 Mk., Beerdigungs­kosten 668.97 Mk., Pflegegeld für erwachsene Personen 1655.73 Mk., für Kinder 7807.51 Mk. Auf diese Unter­stützungen wurden 8360.18 Mk. wieder ersetzt, sodaß die Armenkasse die Stadt belastet mit 40 438.57 Mk. Die Zahl der auswärts erkrankten, in Gießen unterstützungs­wohnsitzberechtigten Personen betrug 6, für welche 95.60 Mk. aufgewendet wurden. Im städtischen Hospital und im Siechenhause waren durchschnittlich pro Tag 27 Personen untergebracht. In Erziehungs-, Bewahr-, Heil- und Siechenanstalten befanden sich 11 Personen die Geistes­kranken werden auf Kosten der Kreiskasse verpflegt. In Zwangserziehung befinden sich 23 Knaben und 18 Mädchen, und zwar wegen Verwahrlosung 24, wegen Schlechtigkeit

So hatte Emil Devrient eine wahre Todesangst vor Mandeln, weil er fürchtete, deren Genuß könne den Klangreiz seiner Stimme beeinträchtigen; Bogumil Da- wison schlief nie bei unverschlossener Thüre, da er dem Einbruch von Dieben vorbeugen zu müssen glaubte, und der französische Tenor Roger soll sogar viele Jahre stets ein geladenes Pistol bei sich getragen haben, da er immer in der Angst lebte, einer seiner Stimmrivalen hätte einen Meuchelmörder auf ihn gedungen. Eine kleine Schwäche besteht ferner bei vielen Bühnenkünstlern darin, daß sie es für eine philiströse Kleinlichkeit erachten, ihr Soll und Haben in der Weise zu regeln, wie es das Gleichgewicht in der bürgerlichen Gesellschaft doch nun einmal für notwendig erachtet. Leider hat es früher unter Deutschlands Dichtern nicht an Leuten gefehlt (z. B. Schlegel), die es für ein berechtigtes Vorrecht des Bühnengenics erkannten, Schulden zu machen. Daß auch nach dieser Richtung hin der moderne Realismus sehr Ersprießliches und Erfreuliches gewirkt hat, muß rückhaltlos anerkannt werden; das Bühnenvölkchen von heutzutage sieht die Dinge, wie sie in Wirklichkeit sind, folg­lich auch Ziffern, Zahlen und Werte! Gar wunderlich war die Schwäche der berühmten WienerLokalsängerin" Gall- meyer, die alle ihre persönlichen Gegner und Feinde in effigie an einem kleinen goldenen Galgen aufhing, der auf ihrem Schreibtisch stand, und die bei sothanen Exekutionen des festen Glaubens war: es werde nun ein wenigstens ähnliches Strafgericht ihre Widersacher selber treffen!

Knrios erscheint um es gelinde zn bezeichnen die Schwäche, die bei französischen Bühnengenies besonders viel verbreitet ist, schon bei Lebzeiten nicht blos eine Denkmals­inschrift zu ersinnen, sondern auch sich auf einletztes Wort" zu präparieren, d. h. auf das Wort, mit dem sie einst mit dem letzten Atemzug sich der geehrten Nachwelt in möglichst geistreicher Weise empfehlen.

Sehr stark ist bei den Jüngern Thaliens und Mel- pomenes auch die Vorliebe für Geheimbündelei: in Italien gehörte nachweislich ein nicht geringer Prozentsatz von Schau­spielern zu den politischen Zirkeln, denen die Geheimpolizei nachzuspüren gar häufig Anlaß hatte.Weiß nicht, obs