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9.8.1899 Erstes Blatt
 
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!. August 1899.

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laubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Schloßgasie 7. 21. Desgl. des Ludwig Gräf im Hause Leihgesternerweg 7. 22. Desgleichen des Georg Kraft im Hause Grünberger­straße 15. 13. Desgl. des Andreas Sorgenfrei im Hause Neustadt 14.

* Die Reichsbank hat ihren Wechseldiskont von 4Vt auf 5 Prozent und den Lombard-Zinsfuß von 5l/z auf 6 Prozent erhöht.

* Die 11. Hauptversammlung des Deutschen Sprach­vereins findet vom 30. September bis 2. Oktober ds. Js. in Zittau statt. Den Festvortrag hat Geh. Hofrat Pro­fessor Dr. Behaghel (Gießen) übernommen; das Thema lautet:Gesprochenes und geschriebenes Deutsch".

** Im Verlage von I. I. Heine zu Berlin ist soeben die 12. Auflage des Wegweisers durch das Jnvaliditäts- und Altersversicherullgs-Gesetz von Dr. Rich. Freund, Vor­sitzenden der Jnvaliditäts- und Altersversicherungs-Anstalt Berlin erschienen. Das Büchlein, welches s. Z. bei der Einführung des Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetzes als treffliches Jnformationsmittel für alle bei der Aus­übung des Gesetzes beteiligten Organe erkannt und in mehr als hunderttausend Exemplaren von Amtswegen angeschafft wurde, hat in dieser neuen Ausgabe besonders die Bestimm­ungen der Novelle in ihren Abweichungen von dem seit­herigen Nechtszustande hervorgehoben. Dasselbe kann den mit der Ausübung des Gesetzes betrauten Organen zur Anschaffung empfohlen werden. Die Preise sind: für einzelne Exemplare 50 Pfg., von 25 Exemplaren ab L 38 Pfg., von 50 Expl, ab ä 30 Pfg., von 100 Expl, ab ä 26 Pfg.

** Sonntags-Ausflüge. Einen schönen Ausflug unter­nahm am vergangenen Sonntag der Kaufmännische Verein nach Garbenheim bei Wetzlar. Man hielt dort Einkehr in dem Restaurant zum Goetheplatz, wo außer dem gemeinsamen Kaffee auch zu Abend gespeist wurde. Das Etablissement, welches wundervoll liegt, eignet sich besonders zu Vereins-Ausflügen, zumal der Wirt, Herr Honnes, nicht nur sonst in jeder Weise zuvorkommend ist, sondern auch für Speisen und Getränke mäßige Preise be­rechnet. Nach dem Jagdschlößchen bei Dutenhofen unternahmen am Sonntag Ausflüge die katholischen Gesellenvereine aus Wetzlar und Gießen, die Heiter- keit und die Geselligkeit aus Gießen und ein Gesang­verein aus Großen-Linden. Herr Sorger, der Besitzer des Etablissements, bewirtete seine zahlreichen Gäste in bekannter Liebenswürdigkeit aufs beste.

** Ein großer kriegsmäßiger Distanzritt, wie er in der geplanten Ausdehnung in der deutschen Armee in Friedens­zeiten noch niemals vorgenommen wurde, wird in der nächsten Woche von Gießen aus seinen Anfang nehmen und durch ein ganzes Kavallerieregiment zur Ausführung gebracht werden. In Aussicht genommen ist hierfür das Königs­ulanenregiment (Nr. 13) in Hannover. Dasselbe begibt sich in fünf Extrazügen, die jedoch nicht hinter­einander folgen und die Kleinigkeit von ca. Mk. 60,000 kosten, nach Gießen. Nachdem es hier zusammengezogen, erfolgt der Ritt zunächst über Butzbach, Nauheim, Fried­berg, Vilbel. In der Nähe Frankfurts wird dann die erste größere Station gemacht. Von hier wird der Marsch via Darmstadt bis nach Straßburg fortgesetzt zur Teilnahme an den Kaisermanövern. -Die Bockenheimer Husaren, die Hanauer Ulanen, sowie die Dragoner in Darmstadt, planen Dem Regiment in irgend einer For n einen großen Empfang zu bereiten; ist es doch eine Uebung, auf die sich das mili­tärische Interesse von ganz Deutschland konzentrieren wird. Ende September passieren die Königsulanen auf ihrem Rückmarsch nach Hannover nochmals Frankfurt.

* Manöver. Nach den erlassenen Bestimmungen hält die 21. Division ihre Herbstübungen in dem Dillkreis und den Kreisen Wittgenstein, Biedenkopf und Wetzlar ab, die 25. (hessische) Division in den Kreisen Fulda, Gersfeld, Schlüchtern, Lauterbach, Schotten, Teilen der Kreise Alsfeld und Gießen und den nördlichen Teilen des Kreises Geln­hausen. Die in diesem Terrain abzuhaltenden Manöver in den Divisionen finden statt am 15., 16., 18. und 19. September. Den Divisionsmanövern gehen dreitägige Brigademanöver voraus. Die 41. Jnfanteriebrigade übt in den Kreisen Biedenkopf und Wittgenstein, die 42. Jn- -fanteriebrigade im Dillkreis und Kreis Wetzlar. Am 21. und 22. September manöverieren die beiden Divisionen 21 und 25 gegeneinander, am 23. September wird Korps­manöver gegen einen markierten Feind abgehalten. Mit dem 23. September gehen zugleich die diesjährigen Herbst­übungen des 18. Armeekorps zu Ende.

** Das neue Bürgerliche Gesetzbuch stellt eine regelmäßige Verjährungsfrist von 30 Jahren fest. Eine große Anzahl von Ansprüchen verjährt aber schon in zwei Jahren und zwar beginnt die Verjährung mit dem Schluffe des Jahres, in welchem der Anspruch entstanden ist. In dieser Weise verjähren: die Ansprüche der Kaufleute, Fabrikanten Handwerker, für Lieferung von Waren, Ausführung von Arbeiten rc. der Gastwirte für Speisen, Getränke, Wohnungen, Auslagen der gewerblichen Arbeiter, der Lehrer, Aerzte, Rechtsanwälte rc. Sind aber die Ansprüche durch rechtskräftiges Urteil festgestellt, so gilt die 30jährige Verjährungsfrist. Die Geschäftsleute, welche also lang­ausstehende Forderungen haben, müssen nun bis zum 1. Januar 1900 ihre Ansprüche feststellen lassen, wenn sie nicht unter Umständen Schaden erleiden wollen.

** Soldatenbriefe nach den deutschen Kolonieen kosten nicht, wie gestern irrtümlich mitgeteilt wurde, bei einem Gewicht von mehr als 60 Gramm 20 Pfennig für je weitere 15 Gramm, sondern überhaupt bei einem Gewicht von mehr als 15250 Gramm 20 Pfennig, wie innerhalb Deutsch­lands. Diesen Vorzug genießen indes nicht nur Soldaten- briefe, sondern überhaupt alle Briefe nach den deutschen Schutzgebieten. Desgleichen werden Postkarten, Drucksachen und Warenproben nach den deutschen Schutzgebieten nach

den Jnlandstaxen berechnet. Nur Briefe an Mannschaften der Schiffsbesatzungen deutscher Kriegsschiffe im Ausland, der Besatzung Kiautschou und an Personen im Marine- lazareth Jokohama kosten bis zum Gewichte von 60 Gramm nur 10 Pfennig, über 60 Gramm 20 Pfennig. Die in Nr. 184 angezogene Postamtliche Verfügung ist deshalb kein Nachteil, sondern ein Vorteil für die Mannschaften in den Kolonieen.

** Strafporto für in verzollungspflichtigen Paketen bei­gelegteverschlossene" Briefe nach Rußland. Die russischen Zollbehörden sind durch eine kürzlich erlassene Verfügung angewiesen worden, verschlossene Briefe, die sie in den von ihnen abgefertigten Postsendungen finden, herauszu­nehmen und an den betreffenden Adressaten weiter zu be­fördern. Will der Adressat den Brief in Empfang nehmen, so hat er jedoch einen Rubel Strafe für das Lot Briefgewicht zu entrichten. Für offene Briefsendungen gilt diese Verfügung nicht.

* Polizeibericht. Am Sonntag Abend kam ein Rad­fahrer am Asterweg dadurch zu Fall, daß ein hier be­diensteter Hausbursche sich mit Absicht vor dessen Rad stellte und trotz Signalgebens das Fallen des Radfahrers bewerkstelligte. Wenn auch keine Verletzung stattfand, so litt das Rad doch Schaden. Anzeige wurde erhoben. Sonntagnacht entspann sich zwischen Gästen einer Wirt­schaft im Schiffenbergerthal und Arbeitern von der Gail'schen Dampfziegelei (Galiziern)' auf der Straße ein Disput, darauf gegenseitige Attacke mit Steinen folgte, wo­bei die Streitenden Anschwellungen und Beulen davontrugen. Ein fremder Reisender, welcher einige Tage hier wohnte, wurde wegen Verstoß gegen § 176 pos. 3 ver­haftet. Am Samstag fuhr ein kleines Kind mit einem Wägelchen auf den Bordsteinen des Trottoirs. Das Kind glitt aus und kam unter einen vorbeifahrenden Rollwagen. Glücklicherweise wurde ihm nur das eine Händchen leicht verletzt.

R. Wieselt» 8. August. Bei dem gestrigen Gewitter schlug der Blitz in die Scheune des hiesigen Gastwirts Georg Weller. Dieselbestand sofort in Hellen Flammen und brannte vollständig nieder. Ein kurz vorher einge­stellter Wagen voll Korn konnte mit vieler Mühe noch her­ausgebracht werden. Vor zwei Jahren schlug der Blitz in das Wohnhaus derselben Hofraite, jedoch ohne zu zünden.

-n- Oppenrod, 7. August. Ein Landwirt belud heute bei dem Beginne eines Gewitters noch rasch seinen Wagen mit Gerste. Dabei war ihm ein Junge, der die Garben auf dem Wagen zurechtlegte, behilflich. Als jedoch das Gewitter heftiger wurde, sprang der Junge, wahrscheinlich vom Angstgefühl, von den letzten Blitzschäden herrührend, getrieben, vom Wagen und lief heim. Alleinstehend konnte der Landwirt den letzten Fruchthaufen nicht aufladen und fuhr deshalb auch heimwärts. Kaum war er eine kleine Strecke entfernt, so erfolgte Blitz und Schlag und der Haufen stand in Flammen. So verhütete die Ent« schlossenheit des Jungen ein größeres Unglück, dem alle zum Opfer fallen konnten.

Butzbach, 6. August. Heute beging in festlicher Weise unter außergewöhnlich zahlreicher Beteiligung der Krieger­vereine der umliegenden Ortschaften und der Einwohner der Kriegerverein Butzbach die Feier seines 25jährigen Bestehens. Der 1. Vorsitzende des Vereins, Herr Medizinal­rat Dr. Vogt, durfte am selben Tage auf die 25jährige Thätigkeit des verantwortungsvollen Amtes des 1. Schrift­führers des Landesverbandes der Kriegerkameradschaft Hassia" zurückblicken. Herr Direktor des Zellengefängnisses Clement hielt, nachdem der Festzug auf dem Festplatz an- gekommen, die von echt patriotischem Geiste getragene Fest­rede und brachte ein dreifaches Hoch auf Se. Maj. den Kaiser aus, in welches die Festversammlung mit großer Begeisterung einstimmte. Der Präsident des Landesver­bandes, Herr Oberstleutnant Cramolini, feierte nun in be­redten Worten den um dieHassia" sich sehr verdient ge­macht habenden Dr. Vogt, er ist das einzige Präsidial­mitglied, das derHassia" von der Gründung ab noch an­gehört. Im Auftrag Sr. König!. Hoheit des Großherzogs, der die Verdienste des Herrn Dr. Vogt um das Krieger­vereinswesen und dieHassia" zu schätzen weiß, überreichte Herr Oberstleutnant Cramolini dem Jubilar das Ritter­kreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Groß­mütigen. Herr Bürgermeister Wörner von Bad-Nauheim feierte in sinniger Weise den Ehrenvorsitzenden derHassia", Se. Großh. Hoh. Prinz Wilhelm von Hessen. Nachdem nun noch Herr Dr. Vogt ein Hoch auf Herrn Oberstleut­nant Cramolini ausgebracht hatte, nahm der letztere noch­mals das Wort, und bemerkte u. a., daß er so lange an der Spitze derHassia" bleiben werde, als ihm Gott die Kraft verleihe. Redner feierte sodann unsere Frauen als echtes edles deutsches Weib und brachte ein Hoch auf die­selben aus, womit der offizielle Akt seinen Abschluß fand.

D. T. A."

n. Reichelsheim i. d. Wetterau, 8. August. Während eines Gewitters, das gestern mittag über unsere Gegend zog und uns reichliche Niederschläge brachte, schlug der Blitz in der Bingenheimer Gemarkung in einen Haufen Weizen, der total verbrannte. Der geschädigte Landwirt ist versichert.

Ans der Zeit für die Zett.

Vor 50 Jahren, am 9. August 1849, erlitten die Ungarn durch die Oesterreicher und Russen eine schwere Niederlage bei Temesvar, wodurch die Befreiung dieser von Hungers­not und Cholera schwer heimgesuchten Stadt bewirkt wurde. Bald darauf, am 13. August, fand der gewaltige Kampf, auf welchen die Blicke Europas gerichtet waren, ein Ende, indem die Ungarn die Waffen streckten.

Temperatur der Lah« und Lust o«L Reaumur gemessen am 8. August, zwischen 11 u. 12 Uhr mittags: Wasser 18°, Lust 15°.

Rübsamen'sche Badeanstalt.

Schiffsnachrichten

Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch di« Ageaten Larl LooS und I. M Schulhof.

Bremen, 7. August. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Schnellpostdampfer Lahn, Eaptiän C. P -hle, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist am 5. August, 7 Uhr morgens wohlbehalten in New'.o>k «»gekommen.

Verkehr, Land- und Volkswirtschaft.

Gieße«, 8. August. Marktbericht. Auf dem heutigen Wockenmarkt kosteten: Butter per Pfd. X 0.901.20, Hühnereier per St. 70 H, 2 St. 1314 H, Enteneier 1 St. 78 H, Gänse« eier per St. 1011 Käse 2 St. 56 H, Käsematte per St. 3 Erbsen per Liter 20 Linsen per Liter 32 Tauben per Paar

«M. 0.750.90, Hühner per St. «X 1.001.20, Hahnen per Stück X 0 601.00, Enten per St. X 1.902.40, Gänse per Pfund X 0 000.00, Ochsenfleisch per Pfd. 6874 Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 6264 Schweinefleisch per Pfd. 6072 Schweine­fleisch, gesalzen, per Pfd. 76 Kalbfleisch per Pfd. 6066 Hammelfleisch per Pfd. 5070 H, Kartoffeln per 100 Kilo 6.00 bi- 8.00 X, Weißkraut per St. 0000, Zwiebeln per Ctr. X 7.008.00, Milch per Liter 16

Dauer der Marktzeit von 7 Uhr morgens bis 1 Uhr nach­mittags. Während der ersten 3 Stunden der Marktzeit darf im Umberzieben nicht feilgeboten werden.

Neueste Meldungen.

Depeschen des BureauHerold".

Berlin, 8. August. Der diesjährige sozialdemo­kratische Parteitag findet am 9. Oktober in Hannover statt.

Berlin, 8. August. DieStaatsbürger-Zeitung" meldet aus Paris, daß die französischen Antisemiten bei Gelegen­heit der Weltausstellung im Jahre 1900 einen inter­nationalen antisemitischen Kongreß einberufen würden.

München, 8. August. Paul Heyse ist an Lungen­entzündung schwer erkrankt. Der Dichter steht int siebzigsten Lebensjahre.

Leipzig, 8. August. In Löbtau sind seit Sonntag keine weiteren Typhus-Erkrankungen mehr vor­gekommen. Die Epidemie darf demnach endgiltig als im Erlöschen begriffen angesehen werden.

Budapest, 8. August. Ministerpräsident Szell berief den ehemaligen und jetzigen Justizminister, um, wie ver­lautet, die Stellungnahme Ungarns gegenüber der angeb­lichen Absicht der österreichischen Regierung, die Verfassung abzuändern, zu besprechen; da nämlich voraussichtlich die deutschen Parteien im Reichsrate die Wahl der Delegationen hindern würden, soll für die Gemeinde-Angelegenheiten auf anderem Wege vorgesorgt werden.

Brüffel, 8. August. Im Ministerium des Innern fand gestern der erste Ministerrat behufs Besprechung der Form des neuen Wahlsystems statt. Dasselbe soll bereits am Mittwoch der Kammer vorgelegt werden. Vandenpeereboom wurde vom Könige zum Staats­minister ernannt.

Paris, 8. August. Die Blätter beider Parteien be­schränken sich darauf, zu erklären, daß man den Spruch des Kriegsgerichts abwarten müsse. Der bisherige Eindruck ist der, daß der Prozeß schneller geführt wird, als man anfangs erwartete, da die Anklage schon beim ersten Verhör zusammengebrochen ist. Man erwartet einen heftigen Auf­tritt zwischen Casimir Perier und General Mercier. Letz­terer will ein diplomatisches Schriftstück eitleren, welches die Schuld Dreyfus unzweifelhaft nachweisen werde. Dieses Schriftstück werde Casimir Perier jedoch als Lüge be­zeichnen.

Paris, 8. August. Die Stadt ist ruhig. Nur die Straßen, in welchen sich Zeitungsdruckereien befinden, zeigen einen lebhaften Verkehr. Tie Extrablätter finden reißenden Absatz. Das Verhör Dreyfus' wird eifrig kommentiert. Allgemein ist man der Ansicht, daß Dreyfus das Verhör gut bestanden habe. Der Botschaftsrat Delaroche Vernet, dessen Aussagen die Nevisionsgegner sehr große Wichtigkeit beilegen, erklärt, er begreife nicht, warum er nach Rennes vorgeladen sei, da er von der ganzen Affaire nichts wisse. Noch vor Schluß des Verhörs Dreyfus', das den Ange­klagten in vollster Kenntnis und in vollster Beherrschung des Materials zeigte, entstand über die letzte Zeile des Bordereaus:Ich gehe zum Manöver" eine lebhafte Debatte. Der Verteidiger Demange ersuchte den Prä­sidenten, festzustellen, daß Dreyfus zu der fraglichen Zeit ganz genau wußte, daß er an den Manövern nicht teil­nehmen werde. Demange erinnert ferner daran, daß das betreffende Beweisstück dem Kriegsgericht von 1894 vorent­halten worden sei. Der Eindruck im Publikum war der, daß das Verhör, welches nur bekannte Thatsachen enthielt, die Sachlage keineswegs weiter gebracht habe. Die Sache hängt von dem Glauben ab, den das Kriegsgericht, den geheimen Akten beimessen wird. Frau Dreyfus wird den Sitzungen nicht beiwohnen, dagegen wird der Bruder Mathieu Dreyfus, sowie die beiden Schwäger und ein Neffe von Dreyfus sämtlichen Sitzungen beiwohnen. Die vielgenannte weiße Dame, welche bereits den Verhand­lungen des Zolaprozesses mit Interesse folgte, ist die Ge­mahlin des früheren Ministers Barthou.

Belgrad, 8. August. Die Verhandlung gegen die des Attentats Beschuldigten wird in dem großen Belgrader Gemeindesaale stattfinden.

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