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9.5.1899 Zweites Blatt
 
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Kr. 108 Zweites Blatt Dienstag den 9 Mai

1899

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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Die Gießener

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Anrts- und Anzeigeblatt für den Aveis Gieszen.

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Schatßrahe Ar. 7.

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde.

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Deutsches Reich.

Darmstadt, 6. Mai. Ihre Königlichen Hoheiten der Hrvßherzog und die Großherzogin werden sich m Montag dem 8. d. M., mittags 1 Uhr 40 Min., zum des«che Ihrer Majestät der Königin Viktoria nach England begehen.

Berlin, 7. Mai. Gestern fand im Reichsamt des Innern unter dem Vorsitz des Staatssekretärs Grafen Posidowsky die erste Sitzung des für die geplante Süd- Polar-Expedition berufenen wissenschaftlichen Beirats statt-

Berlin, 7. Mai. Die Voruntersuchung in der bekannten Tpieler-Affaire wird in kurzer Zeit abgeschloffen sein, und der Prozeß nach den Gerichtsferien zur Verhandlung fomtien.

Berlin, 7. Mai. DerLokal-Anzeiger" meldet aw8 Lov don: In San Franzisko traf am 20. April eine Meldung aus Samoa ein mit folgenden Details über Hufnagels angeblichen Verrat. Als die britisch-amerikanische lruppen-Abteilung auf dem Wege nach Vailele Hufnagels Pflanzung erreichten, fragten ihre Führer den Hufnagel, ab Samoaner in der Nachbarschaft wären. Hufnagel ver­mute dies, obgleich die Rebellen wenige hundert Meter davon lagen. Hufnagel riet den Führern, die Hauptstraße -atla-ng durch die Pflanzungen heimzukehren, was die Truppe auch that. In der nahen Schlucht wurde diese dann von -den Mataafa-Leuten überfallen.

Berlin, 6. Mai. In der Neuen Kirche fand heute die Trauer feier für den verstorbenen Präsidenten des Kichsgerichts Eduard von Simson statt. Unter den Äeilicehmern bemerkte man die Prinzen Friedrich Heinrich Md Joachim Albert, die beiden ältesten Söhne des Prinzen Mert von Preußen, die im Auftrage des Kaisers erschienen Haren, welcher außerdem durch eine kostbare Kranzspende Wer Teilnahme Ausdruck verliehen hatte. Der Großherzog Mil Sachsen-Weimar hatte einen prächtigen Kranz mit der Hidmung:In dankbarer Erinnerung" gesandt. An der Dauerfeier nahmen ferner zahlreiche Vertreter der Reichs- uinh städtischen Behörden teil, u. a. Fürst Anton Radziwill, Lbkl Hofmeister Graf Eulenburg, die Staatssekretäre Graf Aosadowsky, Nieberding und Tirpitz, die Minister von Äiqioel und Schönstedt, die Mitglieder des Bundesrats, düs Präsidium des Reichstages, zahlreiche Mitglieder des Arich-stages, des Abgeordnetenhauses und Herrenhauses, Bürgermeister Kirschner, Reichsgerichts-Präsident Dr. Löwen­

stein, sowie Vertreter der Städte Königsberg, Leipzig und Frankfurt a. O. Zahlreiche Kränze wurden am Sarge niedergelegt. Nach der Gedenkrede, welche der Prediger Licenciat Kirmes hielt, wurde der Sarg in den vierspännigen Leichenwagen gehoben und der Zug bewegte sich nach dem Kirchhofe der Neuen Gemeinde nach der Belle-Allianz-Straße, wo dem Entschlafenen an der Seite der Gattin die letzte Ruhestätte bereitet wurde.

Berlin, 7. Mai. General Frhr. v. Falkenstein f. Der kommandierende General des 15. Armeekorps, Freiherr v. Falkenstein, königl. württembergischer General der In­fanterie und Generaladjutant des Königs von Württemberg, ist in der Nacht vom Freitag auf Samstag zu Straß­burg i.E. nach längerer Krankheit gestorben. Der General hatte trotz seiner Erkrankung an den Festlichkeiten der letzten Tage teilgenommen.

Zur Abrüstungs-Konferenz. Die Nachricht derDaily News", daß Graf Murawiew in Berlin freund­liche Vorstellungen wegen der Ernennung des Professors v. Stengel zum Delegierten für die Abrüstungs-Konferenz habe machen lassen, ist, wie jetzt bestätigt wird, erfunden.

Kardinal Krementz f. Der Kardinal - Erz­bischof von Köln, Dr. Krementz, ist Freitag nacht 12 Uhr 15 Minuten gestorben. Der Verstorbene stand im 80. Lebensjahre. Ein geborener Rheinländer und in den ersten Zeiten seiner priesterlichen Laufbahn in seiner Heimat thätig, wurde er 1867 Bischof von Ermland. Auf dem Vatikanischen Konzil von 1870 gehörte er zu den Bischöfen, die zuerst opponierten, dann sich aber dem neuen Dogma unterwarfen. Der Kulturkampf brachte ihn in scharfen Konflikt mit der preußischen Regierung, der erst 1883 bei­gelegt wurde. Im Jahre 1885 wurde Philipp Krementz Erzbischof von Köln an Stelle von Paul Melchers. Die Kardinalswürde wurde ihm im Jahre 1893 verliehen.

Zur Mainkanalisation. DerFrankfurter Zeitung" wird mitgeteilt: Bei den am 3. und 4. Mai in Frankfurt a.M. von denMinisterialkommissaren Preußens, Bayerns und Hessens in der Angelegenheit der Fortsetzung des Main-Kanals nach Aschaffenburg geflogenen Verhandlungen wurde in allen Punkten ein Einverständnis erzielt, so daß die Fertigstellung der Arbeiten für den Entwurf nunmehr in verhältnismäßig kurzer Zeit erwartet werden darf. Die Beratung galt den einheitlichen Grundsätzen für einzelne Anlagen, besonders für die Ge­staltung der Schleppzugsschleusen u. s. w.

Marburg, 6. Mai. In der letzten Nacht ist die neue Mühle in Caldern abgebrannt. Der Müller Pfeiffer sprang aus dem obersten Stockwerk herab. Cr wurde schwer verletzt nach der Klinik Hierselbst überführt.

Mannheim, 6. Mai. Der Großherzog vonBadeu stiftete anläßlich seines mehrtägigen hiesigen Aufenthalts für Mannheim ein Kurfürst Karl Theodor-Denkmal und ein Großherzog Karl Friedrich-Denkmal, welche zur Aufstellung auf den beiden hiesigen Schloßplätzen bestimmt find.

Ausland.

Wien, 7. Mai. Infolge der andauernden Regengüsse wird aus allen Landesteilen Hochwasser gemeldet. Es werden große Ueberschwemmungen befürchtet. Die Wien- Regulierungsarbeiten haben großen Schaden gelitten.

Wien, 6 Mai. Bei einem Fest in Keszthely erschoß der Gutsbesitzer Adolyan seinen einzigen Sohn, weil er vom Katholizismus zum Protestantismus übergetreten war. Der Mörder stellte sich selbst der Behörde.

Budapest, 7. Mai. Sobald Goluchowsky und Dr. Kaizl hier eingetroffen find, werden gemeinsame Minister- Konferenzen unter dem Vorsitz des Kaisers stattfinden.

Rom, 6. Mai. Das neue Kabinett Pelloux ist gebildet. Sonnino übernahm definitiv das Aeußere, Sa- landra Schatz und Carmino Finanzen. Crispi wird das neue Kabinett unterstützen, da seine Anhänger in demselben verbleiben.

Lugano, 6. Mai. Der Genoffe Lucchenis, Panizza, welcher unter falschem Namen hier eingetroffen ist, wurde verhaftet. Bei demselben wurden kompromittierende Schriften gefunden.

Paris, 7. Mai. Wie dasEcho de Paris" hört, wird das Urteil des Kassationshofes über die Revision am 28. ds. erfolgen.

Paris, 7. Mai.Petit bleu" hat von dem neuen Kriegsminister folgende Erklärung erhalten: Ich habe von dem Drey fus-Prozeß keine Kenntnis und will vor­läufig diese Affaire nicht kennen. Wenn aber der Kassa­tionshof sein Urteil gefällt haben wird, dann werde ich meine Pflicht thuu.

Paris, 6. Mai. DerFigaro" veröffentlicht eine sensationelle Enthüllung, und zwar einen Brief, den der Advokat des Generalstabes, Tezenas, vor dem Zola-Prozeß an den General Boisdeffre richtete. In diesem Brief setzt der Advokat einen Plan auseinander, den der Generalstab

Feuilleton.

Mflose Dampfer auf Hoyer See.

Von Dr. Albert Lüders,

(Nachdruck verbotm.)

Seit langer Zeit war für die Schiffahrt auf hoher l-Nk kein Monat so verhängnisvoll und verlustbringend wie Nv Februar dieses Jahres. Größere Schiffszusammenstöße, vi'itdie derBourgogne" oderElbe", welche Hunderte VM Menschen im Verlaufe weniger Minuten in das nasse 56'tab schleuderten, haben zwar nicht stattgefunden; dagegen die Stürme im Atlantischen Ozean in furchtbarer SKrise gehaust, und nicht nur Hunderten von kleineren See- fi^en und Fischerbooten an den Gestaden der Nordsee min) den Westküsten der britischen Inseln Verderben gebracht, V Wern auch zahlreiche große Dampfer, die man auf offener Sh tun allgemeinen für ziemlich sturmsicher hält, havariert um)auf ihrer Fahrt derartig aufgehalten, daß man selbige s'ih» für verloren hielt.

Das traurige Schicksal derBulgaria", welche man »ch allem, was darauf war, längst auf dem Grunde des M«re:8 wähnte, und die nach 24tägiger steuerloser Irrfahrt ili Pllntta Delgada auf den Azoren landete, hat die all- gxMne Aufmerksamkeit wieder einmal auf die hilflose Lage dtill transozeanischen Dampfer gelenkt, denen eine erhebliche HMriie an der Maschine oder Schraubenwelle oder endlich aiUtr Steuerungsvorrichtung zustößt. Die Dekorierung dLn Mannschaft von feiten unseres Kaisers ist daher nur eimr wohlverdiente, denn die Braven, denen es gelang, dtsio betreits aufgegebene Schiff zu retten, haben einen Ktcupf! ausgefochen, der den Heldenthaten auf dem Schlacht- fW «zetrost an die Seite gestellt werden kann.

Ast den Anfängen der Dampfschiffahrt, zu einer Zeit,

da man es im Vergleich zu den oft monatelangen Segel­fahrten für eine große Errungenschaft hielt, den Atlantischen Ozean in 2</2 bis 3 Wochen zu durchqueren, hätte man sich einer Verschwendung geziehen, wenn man sich lediglich auf die Maschine des Schiffes verlassen und solche Berge von Kohlen verfeuert hätte, wie sie heute bei einer kurzen See­fahrt von 6 bis 8 Tagen verbraucht werden. Man machte nur 8 bis 10 Seemeilen in der Stunde, und benutzte die Maschinenkraft gewiffermaßen nur als Aushilfe und zur Unterstützung der Segel, und selbst in den 70er Jahren noch führten auch die ausschließlich dem Personenverkehr dienenden Dampfer noch halbe Takelage, nämlich Masten für Quer- und Gaffelsegel. Man that dies, weil man sich auf die Maschine allein nicht verlassen mochte, die damals bei weitem noch nicht auf der Höhe der heutigen Tripel- Expansionsmaschinen standen, und genoß dabei gleichzeitig den unschätzbaren Vorteil, bei Defektwerden der Maschinen schließlich auch mit der Segelkraft allein den rettenden Port erreichen zu können.

Die modernen Kriegs- und Handelsdampfer hingegen präsentieren sich nackt und kahl ohne eigentliche Takelung. An Stelle der kühnen, aus den besten norwegischen Tannen gezimmerten Segelmasten, deren stolze Linien, mit geschwellten Segeln bespannt, das Entzücken jedes schönheitsempfänglichen Auges find, stehen jetzt einige, geradezu häßliche, eiserne Masten. Man hätte auch diese schon entfernt, da die an ihnen im Notfälle gesetzten Segel viel zu klein sind, um dem Schiffe jenes Mindestmaß von Geschwindigkeit zu verleihen, welches zu einer wirksamen Steuerung erforderlich ist; aber man braucht diese Masten zum Hissen der Signalflaggen und zum Ausguck aus dem sogenanntenKrähennest", das so hoch wie nur irgend möglich angebracht ist.

Insofern die Dampfer der Gegenwart also hinsichtlich ihrer Fortbewegung lediglich auf die Maschinen angewiesen find, geraten sie durch eintretende Manöverierunfähigkeit in eine äußerst mißliche Lage. Das mindeste ist, daß das

Schiff still liegen muß, um eine vorläufige Reparatur, so gut es eben geht, vorzunehmen, und dabei kostbare Zeit ver­liert, welche den teils unwilligen, teils furchtsamen Paffagiereu wie eine Ewigkeit vorkommt, und bei dem intensiven Kon­kurrenzkämpfe zwischen den einzelnen Dampfschiffahrts-Gesell- schaften auch das geschäftliche Renommee der betreffenden Linie schädigt. Unter solchen Umständen wird eben alles versucht, um die Maschine wenigstens auf kurze Zeit wieder brauchbar zu machen, Zylinder außer Betrieb gesetzt, Kuppelungen von Kurbelwellen gelöst und andere neu her­gestellt und ähnliche mechanische Kunststücke versucht, an welche man sich früher nicht herangewagt hätte. Wenn aber stürmisches Wetter die Ausführung derartiger Reparaturen unmöglich macht, oder Schäden entstanden sind, welche nur im Hafen oder im Dock auszubeffern sind, wächst die Gefahr ins bedrohliche. Das Schiff ist dann darauf angewiesen, andere in seine Sehweite kommende Fahrzeuge um Hilfe anzurufen und sich von ihnen ins Schlepptau nehmen und nach dem nächsten Hafen bugsieren zu lassen. Solche wirk­same Hilfe aber kann wiederum nur ein Dampfer selber leisten, welcher sich den geleisteten Dienst ungeheuer hoch bezahlen läßt. So forderte, als im Jahre 1897 der Dampfer des Norddeutschen Lloyd,Spree", von dem Un­glück betroffen wurde, die Schraubenwelle zu brechen, der hilfeleistende französische DampferMaine" einen Schlepp­lohn von 900,000 Mark, ein Betrag, welcher allerdings später durch fteiwillige Vereinbarung erheblich ermäßigt wurde, aber auch dann noch einen beträchtlichen Teil des Wertes des mit 6 Millionen Mark zu Buche stehenden deutschen Schiffes repräsentierte.

Kommt dem notleidenden Schiffe nicht binnen weniger Tage von einem anderen Hilfe, so wird die Situation äußerst unangenehm. Um die Gefahr der Zusammenstöße in den oft viele Tage andauernden und über Hunderte von Meilen sich erstreckenden Nebeln, wie sie namentlich in den Gegenden der Neu-Foundlandsbänke häufig sind, herabzumindern.