der beiden Parteien gemacht, so daß er in ziemlich hoffnungsloser Stimmung wieder nach Wien abreiste.
Paris, 7. Mai. Das englisch - französische Afrika- Abkommen hat der Regierung jetzt Anlaß zu Erläuterungen geboten. Als der zur Prüfung des Abkommens ernannte Kammer-Ausschuß am Freitag zusammentrat, bemerkte der Minister des Aeußeren Delcaffö in der Sitzung: Er habe bei den Verhandlungen drei Hauptpunkte durchgesetzt, an denen er auch festhalten wolle. Erstens habe sich Frankreich bezüglich Egyptens vollständige Freiheit bewahrt und nichts anerkannt, was sich ohne seine Zustimmung dort vollzogen habe. Zweitens habe Frankreich alle seine Besitzungen zu einem einzigen ganzen abgerundet, und noch Bagirmi, Wadai und Kanem dazu erlangt, Länder, die, wie er glaube, in nutzbringender Weise erschlossen werden könnten. Drittens seien die Ursachen für englisch-französische Zusammenstöße beseitigt worden, ohne daß Frankreich irgend eines seiner wesentlichen Interessen geopfert habe. — Prinz Arenberg wurde vom Ausschüsse zum Berichterstatter gewählt mit dem Auftrage, die Verträge zur Annahme zu empfehlen.
Rußland. Von einem Stimmungswechsel gegenüber Finnland wollen gewiffe Petersburger Meldungen Andeutungen machen können. Angeblich hat der Zar den Großfürsten Wladimir beauftragt, sich unverzüglich nach Finnland zu begeben, um über die Vorgänge im Großfürstentum an Ort und Stelle sich zu unterrichten. Diesen Entschluß des Zars habe der finnländische Staatssekretär Procopä herbeigeführt, der dem Zar die an den Generalgouverneur von Finnland, General Bobrikow, gerichtete Ansprache des Senators Wulff, des Führers der vom Zar nicht empfangenen sinnländischen Abordnung mitteilte. Diese beabsichtigt nun, sich dem Großfürsten Wladimir vorzustellen, um ihm die Beschwerden der Finnländer zu unterbreiten. — Außerdem wird ein sehr merkwürdiges Gerücht verbreitet, das, wenn es sich bewahrheitet, allerdings dafür spricht, daß der Zar sein Wohlwollen den Finnländern nicht zu entziehen wünscht. Die kaiserliche Villa in den finnländischeu Schären wird nämlich in Stand gesetzt, und es heißt, daß sie im Laufe des Sommers bewohnt werden wird. Wenn Nikolaus II. nun tatsächlich einen Besuch im Großfürsteu- tum plant und diese Absicht ausführt, so läßt sich daraus allerdings folgern, daß der Herrscher ein milderes Verfahren in Finnland wünscht, als es während der verflossenen Monate geübt worden ist. Ein Kaiserbesuch in Finnland darf natürlich nicht überschätzt werden, würde aber jedenfalls die Haltung der leitenden Persönlichkeiten Petersburgs, namentlich aber auch des Generalgouverneurs Bobrikow, beeinflussen.
Amerika. Nach einer Depesche aus Manila betragen die Verluste der Amerikaner bei der Einnahme von San Thomas an Toten einen Offizier und vier Mann, an Verwundeten drei Offiziere und zweiundzwanzig Mann. — Soeben ist San Fernando von den Amerikanern genommen worden. Beide Orte waren von den Filipinos vor deren Rückzüge in Brand gesteckt worden.
Afrika. In London sind Gerüchte im Umlauf, daß eine Krisis mit Transvaal nahe bevorstehe. Es wirb verbreitet, daß soeben einige Mitglieder des Kabinetts ernstlich einen Krieg mit Transvaal erwogen hätten, und ein sehr hervorragender Minister (nicht Chamberlain) habe in liberalen und unionistischen Kreisen geäußert, daß man der Gefahr einer akuten Krisis entgegeneile. Ferner hatte die Londoner Wochenschrift „Outlook" berichtet, von der britischen Regierung sei ein besonders scharfes Vorgehen gegen den Transvaal eingeleitet worden als Ergänzung zudem vom Staatssekretär der Kolonien Chamberlain gestellten Verlangen, die Dynamit- Konzession aufzuheben. Dies wird indes bestritten, und „Central News" erfährt, die Transvaal-Krisis sei sehr ernst, aber noch nicht in das Ultimatumstadium getreten.
Males Md ProvinMes.
Gießen, 8. Mai 1899.
** Ernennung. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 6. Mai den Geheimen Finanzrath Ludwig Römheld zu Mainz von seiner Stellung als Allerhöchst ernanntes Mitglied der evangelischen Landessynode auf sein Nachsuchen zu entbinden und den Oberkonsistorialpräsidenten i. P. D. Dr. Theodor Goldmann zu Darmstadt zum Mitgliede der evangelischen Landessynode für deren dermalige Dauer zu ernennen.
•* Kirchliche Dieustnachrichten Seine König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 4. Mai dem Pfarrer Hermann Kellner zu Darmstadt die erränge»
Dienstag den 9. Mai
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Erstes Blatt.
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Amts- uitb Airzeigeblatt für den Ureis Gieren.
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Amtlicher Teil.
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Also ein Minister kann auf der
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Gouzy: „Der Minister ist
Tribüne nicht aussprechen!
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Alle Anzeigen-BermittlungSstellen bei In- und Hulfonb«» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger cutgegou
Srezugsprei» vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. »snattich 75 $fg. mit vringerloha.
vo« Anzeigen zu der nachmittag- für bat '•i^gatni tag erscheinenden Nummer bis vorm. IG Uhr.
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HAahion, Expedition und Druckerei:
Ach»raratze Nr. 7.
Tribüne verläßt.
De Mahy ruft:
nicht zufrieden bin!"
Damit ward der Zwischenfall in der Kammer geschloffen.
Bald nach diesen Vorgängen empfing Freycinet Besuch des Ministerpräsidenten Dupuy, der ihn zu
Der Rücktritt Freycinets.
■fia Nebenvorfall bei der Dreyfus-Angelegenheit hat
Adresse für Depeschen: N«»elger chtetze«.
Fernsprecher Nr. 51.
Unterbrechungen; Freycinet fährt sodann fort: Es seien nicht nur einzelne Schüler, sondern alle gewesen, die „Demission!" gerufen hätten. Die Kundgebung sei nicht zu loben, aber sie sei spontan und allgemein gewesen. Die Schüler seien von dem Leiter des Polytechnikums deswegen getadelt worden; also sei nicht der Lehrer allein Gegenstand eines besonderen Vorgehens gewesen und es seien ihm keine Vorhaltungen gemacht worden, obgleich er es wegen seines letzten Artikels wohl verdient hatte. (Zurufe: Vorlesen, vorlesen!)Frey- cinet zieht den Artikel aus der Tasche hervor, steckt ihn aber wieder ein. (Erregung und Zurufe: „Vorlesen!") Freycinet will fortfahren, aber die Unterbrechungen verdoppeln sich: Der Abg. Bernhard wird zur Ordnung gerufen. Freycinet fährt fort: Ich halte daran fest, und es ist unzutreffend, daß Duruy geopfert worden sei, während die Schüler unbestraft blieben. Die Suspendierung von Vorlesungen kommt öfter vor, der Kommandant hat nur sein Recht ausgeübt, und zwar mit Festigkeit und Takt. Ich billige sein Vorgehen. Der Kommandant handelte im Interesse der Ordnung. Der Lärm während der Rede des Ministers wird schließlich so groß, daß Freycinet seine Rede abbricht und mit den Worten: „Es wird mir unmöglich gemacht, weiter zu sprechen", die
.dnet ordnungsmäßige Fortführung nicht möglich erscheinen äßÜ, so müssen dieselben neu aufgestellt werden, wozu rs-sZormular beim Steuer-Kommissariat zu beziehen ist.
* v. Bechtold.
Gratisbeilagen: Gießener FamilienblMer, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde.
technD-M, was Sie selbst thun, indem Sie mich fortwährend unteiir kechyen!" Auch der Vorsitzende tadelt die verschiedenen
!>lsu; vollkommenste Schreibmaschine, e Bauptvorzüge ■amtlicher §y$leme vereinigend.
endeHlascbi™ m? trfibsMhenMtag.
ttie Gießener
nxrotin dem Anzeiger
-wschitüch viermal lr rigelegt.
stimmen suchte, von einem Rücktritt abzusehen. Indes reichte Freycinet am folgenden Morgen (Samstag) sein Entlaffungsgesuch ein. Dieses ward von einem dazu zusammenberufenen Ministerrate, dem er selbst nicht mehr beiwohnte, angenommen. Der bisherige Arbeitsminister Krantz wurde zum Kriegsminister ernannt, der Senator Monestier zum Arbeitsmister. Krantz war früher eine zeitlang als Deputierter Berichterstatter für das Kriegsbudget. — Freycinet ist der fünfte Kriegsminister, den die Dreyfussache zum Opfer fordert. Für ihn bildeten die Auftritte in der Kammer übrigens wohl nur einen Vorwand, um den Schwierigkeiten der Lage überhaupt zu entgehen. Denn auch vorher schon machte Freycinet kein Hehl daraus, daß die Liquidation der Dreyfussache einen jüngeren, physisch widerstandsfähigeren Kriegsminister erfordere, einen Mann, gleichviel ob Parlamentarier oder General, welcher zu der „Affaire" keinerlei Beziehung habe. — In Paris rief sein Rücktritt natürlich eine gewiffe Aufregung hervor, da man weitere Schwierigkeiten befürchten zu müssen glaubte, eine Besorgnis, deren Berechtigung sich nun zu erweisen hat. T. R.
Gießener Anzeiger
Hmeral-Aiyeiger
daran nicht gehindert worden; ich bin ebenso unterbrochen worden. Ich bin erstaunt, daß der Minister, der die Disziplin in der Armee aufrecht erhalten soll, sagt, die Schüler der Kriegsschule hätten wohl daran gethan, gegen ihre Lehrer zu revoltieren." (Zwischenruf Lavys: „Sie thaten recht daran!") Gouzy fährt fort: „Die Artikel Duruys können das Vorgehen der Schüler nicht rechtfertigen. Gestern maßregelte man einen Kollegen von der Akademie, heute einen Lehrer, der niemals anderes that, als die Liebe zum Vaterland und zur Armee zu predigen. Man kann die Vorlesungen in Rechts- und Militärschulen suspendieren, aber man darf nicht die Jndisziplin in der Armee gut heißen. Ich erkläre, daß ich mit der Antwort des Ministers
Tins Großherzogliche Kreisamt Gießen a « die Großh. Bürgermeistereien des Kreises, am Hessen; Untier Bezugnahme auf vorstehende Bekanntmachung teindruckerel )ca®ftragen wir Sie, die Pächter der Gemeindewaldjagden
Hen
—ieu csfmzösischen Kriegsminister veranlaßt, sein Entlassungs« IÜT PiS kiinzureichen. Der Anlaß dazu war die Behandlung, ||| V“ die nant Freitag in der Deputiertenkammer erfuhr. Der ÜkW^'DrgtBmeldet über diesen Zwischenfall folgendes:
* 'ter Abg. Gouzy befragt den Kriegsminister über die
giifi vE' nog-.LtzDeise Einstellung der Vorlesungen des Profeffors t)ntrw im der polytechnischen (Kriegs-)Schule, und spricht
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Regierung des Grafen Thun eine rasche Entscheidung in der Sprachenfrage herbeizuführen trachtet. Der Plan der Regierung besteht darin, für Böhmen eine vollendete Tatsache durch eine kaiserliche Verordnung zu schaffen, mit welcher die Sprachenverordnungen des Ministers Gautsch aufgehoben und zugleich durch eine genauere Form ersetzt werden sollen. Aber auch die Tschechen sind davon nicht erbaut. Ihr eigener dazu in Prag eingetroffener lands- männischer Finanzminister Dr. Kaizl wohnte, wie man der „T. R." mitteilt, vertraulichen Besprechungen des jungtschechischen und hierauf des feudalen Exekutivausschuffes bei, legte dort die Absichten der Regierung für die nächste Zukunft dar und suchte die Jungtschechen wie den Feudaladel für das Sprachenoktroy zu gewinnen. Doch soll er, wie verlautet, beiderseits auf ziemlich heftigen Widerstand gestoßen sein; verbindliche Zusagen habe ihm angeblich keine
Gießen, den 5. Mai 1899.
Wie oben.
wiMjagd-en hiermit aufgefordert, binnen 6 Wochen für den forderlichen Abschuß dieser Tiere zu sorgen, widrigenfalls d'er Korst« und Feldschützen damit beauftragt werden. Für dasr tzchußgeld haben die Kaffen der Oberförstereien, bezw. ' di Teuneinden aufzukommen.
Gießen, den 5. Mai 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Will
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SÄpws
•oh her!eiben besonders in Kenntnis zu setzen. Für jeoes "'tn.q eine Tier ist aus der Gemeindekaffe ein Schußgeld von .1 Pfg. zu zahlen, doch kann dasselbe auch in besonderen säMn o:uf 20 Pfg. erhöht werden. Außerdem wollen Sie ucä| zu verlässige Männer die Nester der Eichhörnchen, -UM Krähen, Dohlen, Häher und Elstern ausheben lassen, ibefanw oolwti ii Waldungen die Forstwarte und im Felde die ycli#®en zuzuziehen sind. Nach etwa 2 Monaten wollen uywv ö Ziel über die Zahl der einzelnen abgeschoffenen Tiere berichten, p v. Bechtold.
äwwftrahe A Gießen, den 5. Mai 1899.
Beimtffmd: Einkommensteuer-Regulierung.
1 DH Großherzogliche Kreisamt Gießen Hü mi die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Ar beauftragen Sie, die Ihnen nach § 1 der An- weiMg für die Großh. Bürgermeistereien behufs Mitwirk« ängi| der Regulierung der Einkommensteuer vom 7. April 187(0obliegende Fortführung der alphabetischen Verzeichnisse ?cr rAinkommensteuerpflichtigen (Ortssteuerlisten) zu bewirken •j.nbtii den Vollzug dem Großh. Steuer-Kommissariat thunlichst oalU anzuzeigen.
Zollten Ortssteuerlisten vorhanden sein, deren Zustand
.. [ seinr'W-aunen aus über das Verfahren; zwar habe man uichtt liefen selbst, sondern nur dessen Vorlesungen suspen- aJöiettt.ta er könne hier keinen Unterschied finden. Duruy h IbllfllllfcÄabek sch stets als Patriot gezeigt. (Beifall.) ö VW* f zreycinet erwidert, wenn Professor Duruy niemals 2twa«iS Mißliebiges geschrieben hätte, würde es zu keinen DiMmnzoen mit seinen Schülern gekommen sein. (Lebhafte Intekckechungen.) Duruy sei in einem.Artikel für die Un- chuWDreyfus eingetreten, dieser Artikel habe verletzend auf einet Schiäler gewirkt, welche einstimmig eine Kundgebung zege^.ihn veranstaltet hätten. (Widerspruch auf der äußersten öiukili», Lärm.) Er, der Minister, tadele diesen Artikel nichty nnnrteile ihn auch nicht; aber derselbe hätte auch Depsiuliat:r unangenehm berührt. (Unterbrechungen.) Er habe« Hst alle Achtung vor Duruy, aber er wolle seine . „Sie tadeln an den Schülern des Poly-
Bekanntmachung,
)w $ meinen011111 : Vertilgung der Eichhörnchen und rabenartigen ktt einen befonbrn Da in letzter Zeit sich die Eichhörnchen und raben- Böge! (Raben, Krqhen, Häher und Elstern) wieder Vj le IM vermehrt haben, wodurch erheblicher Schaden verursacht
pr,iie. 9^-' Mi,: uue a
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