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9.4.1899 Viertes Blatt
 
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Sonntag den 9. April

1800

Viertes Blatt.

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woUln. »Tine diesbezügliche Zusage ist bls fetzt noch nicht

letzte Ruhestätte gefunden haben. An diesen Gang schloß sich ein Besuch des Lehrerseminars an, wobei sich jedoch nicht mehr alle beteiligen konnten, weil sonst die Anschlüsse wegen der Heimreise nicht mehr hätten erreicht werden können. Vergleicht man aber die Einrichtungen, die fetzt im Seminare vorhanden sind, mit denjenigen, die wir halten, so gesteht man gerne, daß in den 40 Jahren riesige Fort­schritte gemacht worden sind.

Zuletzt verlohnt sichs noch der Mühe, einen Rückblick aus die 1859t selbst zu werfen. Drei davon sind Akademiker geworden, der eine ist ein geschätzter Arzt in New-Aork; der andere studierte Tierarzneikunde und ist vor einigen Jahren gestorben; der andere wurde Kameralist und wirkt in unserer Provinz Oberhessen. Mehrere andere arbeiteten sich nach und nach in das höhere Lehrfach hinauf. Fast alle waren von einem behaglichen Humor beseelt, und diese Eigenschaft zeigte sich gestern so recht deutlich wieder. Man erzählte sich eine Masse lustiger Streiche, die jetzt, nach 40 Jahren noch erfrischend wirken. Der Humorist unter dem Lehrerkollegium war Herr Wahl; er besaß einen kaustischen Witz und hatte stets einen Maltersack von Anek­doten, Schnurren und Sputzen auf Lager, mit denen er eine Gesellschaft stundenlang zu unterhalten vermochte. Man kam aus dem Lachen nicht heraus. Wir braven ^ewl- naristen durften damals weder in der Stadt wohnen noch in ein Wirtshaus gehen. Wollte man ein Glas Bier trinken, so konnte es nur bei dem Kostwirt Ockel, dem sogenannten Gewitterkeil, bei Fräulein Kathinka und der Tante geschehen. Doch Bierbrauer Burk, der Stadtkirche gegenüber, hatte ein viel delikateres Bier, auch ein Hinterstübchen war vorhanden, wo wir manchmal becherten. Das kam Herrn

Lässigen Fahckdem |i ! ReMMeii. Elsttzk r. Schaa leivstrahell.

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Males und Provinzielles.

+ Der Gesetzgebungsausschuh der zweiten Kammer der Landst'ände tagte am 5. und 6. April in Gemeinschaft mit Vertretern Großh. Regierung im Ständehaus zu Darrn- stad t. Auf der Tagesordnung standen die dem Ausschuß zur Bearbeitung überwiesenen noch rückständigen Gegenstände, 7 Vorlagen und 7 Anträge bezw. Petitionen, welche sämtlich soweit vorbereitet wurden, daß die Berichte darüber aus- aearbeitet werden können, soweit dies noch nicht geschehen ist, und deren Drucklegung in den nächsten Tagen erfolgen fann*_i_ Vom Laude, 7. April. Der April ist der Haupt­saatmonat des Frühjahrs. In Garten und Feld ist man

_ aur Frage der Afrikabahnen. Meldungen englischer Blätter wollten gestern wissen, Cecil Rhodes habe bereits von der deutschen Regierung das Kapital für den durch deutsches Gebiet gehenden Teil der Kap Kairo-Bahn garantiert erhallen und ebenso auch die gewünschte Zins- aarantie für die deutsch-ostafrikanische Zentralbahn von der Küste nach Tabora erlangt So, weil konnte die Sache unmöglich sein; das lag auf der Hand. DieKöln. Ztg.

11 alS $ Die Mataafapartei, vertreten durch den Oberhäupt- linMNntaafa und die nachstehenden dreizehn Häuptlinge, !l'c".iikhii, Moefaano, Lauaki, Toelupe, Molioo, Fue, ^.aufa, AiMlmr.aia, Asiata, Leiataua, Tufuga, Leiato, Suatele, roerfljt letzthin im Namen der besagten Partei auftraten, un ^0 wel che gegenwärtig im thatsächlichen (de facto) Besitz

j. 1»i ^ebener A«n«.il!e,klätter roerbne I n Anzeiger w»ch«lch viermal l«a<legL

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tlicher u. «ung8w7' Pade < »mt.

krftn, 7. April. Wie diePost' von unterrichteter I Stickt erfiihrt, ist von einer Drei-Kaiser-Zusammenkunft in I S kl! ikrn iewice hier nichts bekannt.

?er»n, 7. April. Die Meldung bezüglich einer neuen i! niiifociin für die Feldartillerie entbehrt derKreuzztg." zuflslgk ter Begründung.

- In der württembergischen Kammer erklärte bei i Misiterpräsident v. Mittnacht auf eine bezügliche An- ra M,auch nach Einführung der preußisch-hessischen Ba.sngt meinschast liegt für Württemberg keine Ver- nCinijuiif; vor, die Selbstverwaltung der Bahnen aufzu- jel»m wie Abgabe der württembergischen Staatsbahnen !>illi't nicht Gegenstand aktueller Erwägung der Staats- reaammg. c .

Sttitn, 7. April. Vor der 7. Strafkammer des Land- qcurridjle II begann heute die Verhandlung in der bekannten Zttrchche Schachtel und Genossen. Angeklagt sind icr Didflcr Henry Schachtel, der Stallmeister Herbert Di'tttl u-id der Leutnant Graf von und zu Egloffstem. Es IiiujM sich um verwickelte Geldgeschäfte, bei denen die An- qcf <Zagte« in verschiedenen Nollen beteiligt sind. Die Anklage iaiuJltt auf Untreue und Unterschlagung sowie auf Anstiftung unlii Schilfe zum Betrüge. .

Sttülin, 7. April. Die Proklamation der drei Kol'iiuln'in Apia, durch die am 4. Januar die Ma­ra aWaHtei alsprovisorische Regierung" anerkannt wurde, licciftiettt im Wortlaut vor; sie lautet:

ZsiiHolge der Ereignisse der letzten Tage und der dringen­dem Notwendigkeit, eine starke provisorische Regierung für Saiwaa zu errichten, erklären wir, die unterzeichneten komssckriischen Vertreter der drei Vertrags-Regierungen,

Festlokale ab, und hier wurde chm ein sehr geschmackvolles Erinnerungsblatt, von einem der Herren gemalt und ge­schrieben, von sämtlichen Anwesenden unterzeichnet, unter herzlicher Ansprache überreicht. Der Gefeierte dankte in ergreifenden Worten, und teilte mit, daß noch eine Dame aus jener Zeit lebe, die sicher unsere Sympathie besäße, nämlich' Frau Direktor Curtman in Gießen, die im 95. Lebensjahre stünde, aber trotz des hohen Alters körperlich und geistig rüstig sei. Herr Geheime Kirchen­rat Diegel übernahm es, der verehrten Dame die herzlichen Grüße der 1859r zu übermitteln. Vielleicht kommen ihr auch diese Zeilen zu Händen, woraus sie zu ersehen ver­mag, daß wir ihrer und ihres Gemahls in Dankbarkeit und Anhänglichkeit gedenken.

Bei dem Festmahle wurde zuerst ein schwungvolles Hoch auf Kaiser und Großherzog ausgebracht und em Appell, oder wie es damals hieß, ein Verles, abgehalten. Derjenige, welcher am 5. April 1859 den letzten Verles im großen Saale des Seminares abhielt, wobei 46 Stimmen mithier" antworteten, hielt gestern den Verles über die 17 Anwesen­den ab. DaS Mahl nahm seinen Fortgang und wurde durch prächtige Trinksprüche gewürzt. Hervorzuheben sind die Reden des Herrn Geh. Kirchenrates Dr. Diegel, die dessen vorzügliches Gedächtnis, seine Liebe zu den Schulern und seinen warmherzigen Humor in glänzendem Lichte erscheinen ließen- ferner die Rede auf die Damen, auf treue Freund­schaft/auf die Verstorbenen, wobei mancher die Thränen nicht zurückzuhallen vermochte.

Nach aufgehobener Tafel begab man sich nach dem Friedberger Friedhöfe, wo die meisten Mitglieder des 1859t Lehrerkollegiums und auch einige Seminaristen ihre

Feuilleton.

Aach vierzig Jahren.

Friedberg, 7. April 1899.

> Nr. 79, erstes Blatt, vom 5. ds. Mts. brachten SWme kurze Nachricht über die Feier, welche die 1859r - SiMllehrerseminar-Abiturienten zur Erinnerung ami }re Entlassung zu veranstalten gedachten. Diese Feier yaütüftern imHotel Trapp" dahier stattgefunden. Da Ihrer geschätzten Zeitung stets Raum für die ^zn- teinrfiii des Lehrerstandes haben, hier außerdem ein Stückchen riMxzeschichte zum Vorschein kam, gestatten Sie, einiges b(Mr folgen zu lassen:

i-u Ostern 1857 traten 50 Junglinge m den unteren Kleves Friedberger Lehrerseminars ein. Drei starben, cii'irtnat aus, sodaß zu Ostern 1859 noch 46 Abiturienten m-M-jimcn gingen, die sämtlich bestanden. Von diesen 466 «en Männern sind 13 gestorben, 2 in Amerika ver- sMlteli' also wahrscheinlich auch tot und es leben uaraUll d. h. 67 Prozent, ein Prozentsatz, der sehr günstig ne*n' werden muß. Von diesen 31 noch lebenden waren 17u Mienen, die ausnahmslos graue Köpfe hatten, aber ftMndo gesund waren, sodaß sich die Kerntruppen - eit venia vemlo die Freundeshand reichen konnten. Unter diesen 1 < wurm 'sich verschiedene seit 1859 niemals mehr begegnet, fuHmten sich zum Teil nicht mehr, und schauten sich mit F srjt und Ueberraschung an, um nach und nach doch die Gtziftleizüge des einstigen Jüngi.ngs herauszusinden.

dem Lehrerkollegium lebt nur noch Herr Geh. Sititeat Dr. Diegel. Eine Deputation holte ihn zum

t)Qbt Peking, 7. April. Li-Hung-Tschang lehnte in seiner ,uv .uy - | letzten Audienz bei der Kaiserin jede Ueternahme eines

Eine grundsätzliche Abmachung zwischen ^mtes wegen seines hohen Alters ab. Trotzdem erhielt er bas Amt eines Groß-Siegelbewahrers.

zur Niederbrennung zweier Dörfer in der Nähe des Platzes, wo auf die deutsche Patrouille geschossen wurde. Dies war als eine willkürliche und unnötige Maßregel angesehen, die wahrscheinlich von der deutschen Gesandtschaft nicht gebilligt werden wird, an die das Tsung-li-Yamen eine anfte Vor­stellung wegen dieser Aktion des Gouverneurs geschickt hat. Die Sache wird sich wohl wesentlich anders verhalten. Wahrscheinlich liegt dem Vorfall eine

regel zugrunde, die zu mißbilligen die deutsche Gesandtschaft kaum Veranlassung haben wird. r M

Breslau 7. April. Der BreslauerGeneral-Anzeiger

meldet, daß sich der Mörder der Näherin Martha Nagel, der Maler Hermann Klein bei seiner Verhaftung hierselbst, auf der Niedergasse erschossen hat.

Ausland.

Brünn, 7. April. Die Spinnfabrik von Himm^reich und Zwicker ist total niedergebrannt. Der Schaden wird auf 300,000 Gulden geschätzt. .

Rom 7. April. Mehrere Freunde Pamzzardis, der früher Militär-Attachä in Paris war, versichern, Pamzzardi habe ihnen mitgeteilt, daß, nachdem Frankreich fern sog- Petit bleu-Telegramm an Oberst Schwartzkoppen miß- verstanden und infolgedessen falsch übersetzt Hute, er durch Vermittelung des italienischen Gesandten die fE^o^e Regierung hierauf aufmerksam gemacht ^.be Snne Er­klärung sei aber von dem französischen Minister desi Aus- wärtigen nicht beantwortet worden. Panizzarte versicherte wiederholt, daß er keine Beziehungen zu Dreyfus ge-

2. Der Präsident des Munizipalrates soll der oberste I Erekutivbeamte der besagten provisorischen Regierung fein.

3. Diese Proklamation soll nicht dahin ausgelegt werden, I daß dadurch die Rechte und Privilegien der drei Vertrags- Mächte in Samoa, sei es einer jeden einzelnen derselben, t gounitorium nat an oen stuqti uic av. , oder in ihrer Gesamtheit oder ihrer konsularischen Ver- fap dsteinlegung der neuen Stadtkirche beiwohnen zu tretet, in ihrem gegenwärtigen Bestände abgeandert ode

- - -' r -*-* -i4,t I aufgehoben würden.

Gegeben Apia, den 4. Januar 1899.

_ Zur Mauserung der Sozialdemokratie. Bebel hat am Dienstag in einer sozialdemokratischen Ver­sammlung in Göppingen die Richtigkeit seiner Jenenser Aeußerung über Bernsteins Broschüre bestätigt; nur habe er nicht von tiefgehenden Meinungsverschiedenheiten mner- halb der Sozialdemokratie gesprochen. Bernstein sei deutschen Verhältnissen fremd geworden, wie seine Schrift beweise. Bebel habe in Jena gesagt, wenn die von Bernstem em­pfohlene Taktik von der Sozialdemokratie befolgt wurde, dann würde eine Art Partei entstehen mit einer weit schärftren Tonart. Indessen sei et der sicheren U-b-r. zeugung, daß nur ein verschwindend kleiner Teil der deutschen Sozialdemokraten mit Bernstein einverstanden sei. Wenn die Gegner auf Mauserung der Sozialdemokraten hofften, so sei diese Hoffnung eitel.

Meßmer Anzeiger

Amts- unb Anzeig-blatt für den Ureis Giefzem

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Deutsches Wich-

8t,Hn, 7. April. Wie derVoss. Zig." aus Metz -?'s6ambeni wird, wird daselbst die Ankunft des Kaisers nmt.Mftwh am 10. Juni erfolgen. Das dortige evange- U'ckM -vusistorium hat an den Kaiser die Bitte gerichtet,

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Herrn Cecil Rhodes und der hiesigen Bankgruppe, welche die Anlage der Bahn auf deutschem Gebiet zu fordern ge­neigt ist, mag wohl zu Stande gekommen sein. Praktische Bedeutung werden diese Abmachungen in nächster Zeit fedoch noch nicht gewinnen. Was die Ankündigung einer Gesetzes­vorlage für die Strecke Dar-es-Salaam nach dem Innern betrifft, so handelt es sich um das Oechelhäusersche Projekt einer Zentralbahn. Es ist keine Rede von der Vorlegung eines solchen Gesetzes während der jetzigen Tagung, und daß unsere Regierung erst im Herbst beschließt, was sie dem Reichstag vorlegen wird, bedarf feiner Versicherung." Deutschland und China. Nach einer Reuter-

Meldung aus Peking ist dort bisher keine Nachricht von T.nbT »erben anerkannt als I d«

1,-Zchrische 3ie9ierun9 von Samoa b,s zum e.ngang der ge tofttn. R h f@out)®rneur von Kiauischou gab Besehl 3r;i||mti tonen der drei Vertragsmachte. I _____,